Polycom - neuer Polizeifunk

Mark

Polycom - neuer Polizeifunk

Beitrag von Mark » 15. März 2007 11:21

Heute in der MZ gelesen. Was ist davon zu halten? 43 Antennen im Kt. Solothurn sind nicht die Welt. Hoffentlich werden die nicht etwa in Wohnquartiere gestellt. Weiss Herr Jakob, wo man solche Antennen meist aufstellt? Auf bestehende TV-Türme oder aufs Dach der KaPo? Na ja, im Gegensatz zu Handys, ist dieser Funk wenigstens sinnvoll. Allerdings befürchtet man schon jetzt Widerstände wegen den Antennenstandorten, da sind wir mal gespannt!


Kein «Unsicherheits-Funkloch»


Sicherheitsfunknetz Der Kanton Solothurn macht mit bei Polycom


Der Kantonsrat hat dem Ersatz des heutigen (Polizei-)Funksystems durch das schweizerisch einheitliche Sicherheitsfunknetz Polycom einstimmig zugestimmt. Diesem werden alle Partner für Rettung und Sicherheit angeschlossen. Dafür hat der Rat einen Verpflichtungskredit von 30,6 Millionen Franken bewilligt – die Hälfte geht netto zu Lasten des Kantons.

CHRISTIAN VON ARX UND UELI WILD

Als Sprecherin der Justizkommission und ihrer eigenen Partei legt Ursula Deiss (SVP, Olten) dar, warum es zu Polycom – der Name steht für «poyvalent communication» – keine Alternative gibt. Das heutige Funksystem wird nicht mehr produziert, der Service ist nach 2008 nicht mehr garantiert. Ersatzteile gibt es keine. Die verschiedenen Zweige des Bevölkerungsschutzes verwenden unterschiedliche Funksysteme und können nicht direkt miteinander kommunizieren. Der bisherige Polizeifunk ist abhörbar, die Stadtpolizeien Olten und Grenchen funken ohne Sprachverschlüsselung.

Dagegen wird das neue Sicherheitsfunksystem Polycom vom Bund und den nationalen Polizei- und Sicherheitsinstitutionen empfohlen. Beim Grenzwachtkorps und in mehreren Kantonen steht es schon in Betrieb, in weiteren ist es bestellt oder in Planung. Im Kanton Solothurn sollen künftig Sanität, Feuerwehr, Kantonspolizei, die drei Stadtpolizeien, Zivilschutz, Kantonaler Führungsstab, Autobahnunterhaltsdienst sowie das Kernkraftwerk Gösgen, die Atel und der Gasverbund Mittelland auf Polycom basieren. Bis spätestens zweite Hälfte 2008 soll das Teilnetz Polycom Kanton Solothurn funktionieren.

Die Kosten sind allerdings gewaltig, nämlich 30,6 Mio. Franken. Davon übernehmen Bund und Nachbarkantone 12,1 Mio. und die beteiligten Organisationen weitere 3,2 Mio. Franken. Zulasten der Staatsrechnung bleibt eine Investition von 15,3 Mio. Franken. Dazu kommen die Betriebskosten von jährlich 3,4 Mio. Franken, wovon der Kanton 0,5 Mio. an Dritte weiterverrechnen kann.

Opposition gibt es keine. «Auch wenn es um viel Geld geht: Das heutige Funksystem muss zwingend erneuert werden», stellt Ernst Zingg (Olten) namens der FdP fest. Sonst könnte insbesondere die Polizei ihren Leistungsauftrag nicht mehr erfüllen. Kritisch habe die FdP eine gewisse Monopolisierung bei den Anbietern festgestellt. Da zudem die Wahl der 43 Antennenstandorte nicht einfach sein werde, empfiehlt Zingg, rechtzeitig mit der nötigen Subtilität vorzugehen.

«Schrötig, aber nötig»

«Wir können uns keine Lücke in der Sicherheitsversorgung leisten», stellt Hans Abt (CVP, Dornach) für die Fraktion CVP/EVP fest. Dabei denkt er besonders an die Euro 08. Urs Huber (SP, Obergösgen) urteilt als Sprecher von SP/Grünen, die Beschaffung von Polycom sei «schrötig, aber nötig». Denn die Kommunikation sei ein grosser Schönheitsfehler in den heutigen Sicherheitsstrukturen im Kanton.

Die Frage der Antennenstandorte beschäftigt Beat Käch (FdP, Solothurn). Er will vom Regierungsrat wissen, ob die Polizei die gleichen Auflagen zu erfüllen habe wie beispielsweise die Mobilfunkanbieter. Auch ist ihm zu Ohren gekommen, dass an einem grossen Antennenstandort über 100 000 Franken Jahresentschädigung an den Grundeigentümer bezahlt werde.

Landammann Peter Gomm bestätigt, dass für die Polycom-Antennen die gleichen Bewilligungen einzuholen sind wie bei Natelantennen. Die Polizei wisse, dass die Akzeptanz der Bevölkerung wichtig sei. Die Frequenzen, auf denen Polycom sendet, seien aber viel tiefer als bei UMTS. Auch betrage die Entschädigung für Antennenstandorte in der Regel wenige 1000 Franken pro Jahr.

Die Beschaffung von Polycom bleibt unbestritten, der Kantonsrat stimmt der Vorlage ohne Gegenstimmen zu.

mips
Beiträge: 39
Registriert: 28. Januar 2007 12:08

Beitrag von mips » 15. März 2007 12:58

Dieser Behördefunk basiert technologisch auf Tetrapol, nicht zu verwechseln mit dem in anderen europäischen Ländern verwendete TETRA.

Im Gegensatz zu TETRA oder GSM verwendet Tetrapol FDMA (Frequenzzugriffverfahren) und kein TDMA (Zeitschlitzverfahren). Die tiefeferen Frequenzen ermöglichen grössere Reichweiten (bis zu 30km). Tetrapol ist wie GSM mit GMSK moduliert.

Ich konnte Tetrapool noch nie messen und kann deshalb keine Aussagen bezüglich den Feldstärken in Gebäuden machen.

Nach der Modulation zu beurteilen stufe ich allerdings Tetrapol als biologisch nicht so problematisch wie TETRA oder GSM ein .
mips - der virtuelle kleine Giftzwerg - jede Übereinstimmung mit lebenden Personen ist rein zufällig ;-)

Gina

Es tut sich was......

Beitrag von Gina » 15. November 2007 08:36

Interessant der Vergleich mit dem DECT-Telefon, ist das wirklich wahr, oder bloss die halbe Wahrheit?

Gelesen in der MZ:



Laupersdorf: Neuer Standort für Polizeifunkantenne im Thal


Die Polycom-Antenne sorgt in Laupersdorf für Diskussionen. Die Einwohner Höngens haben sich gegen den ursprünglichen Standort oberhalb des Dorfes gewehrt, nun hat die Polizei einen Alternativstandort gefunden.

Zurzeit ist man im Aufbau des neuen nationalen Sicherheitsfunknetzwerkes Polycom (siehe Kasten rechts), wobei auch der Bezirk Thal abgedeckt werden muss. Ein erster Standort einer Polycom-Antenne wurde oberhalb von Höngen ausgemacht. Die Bewohner des 50-Seelen-Weilers erhoben dagegen jedoch wegen der Strahlenbelastung und dem Landschaftsschutz Einspruch. Die Polizei habe das Baugesuch ohne vorherige Absprache mit den Einwohnern eingegeben, lautet ein Vorwurf. An Fronleichnam wurden die Bauprofile am Waldrand aufgestellt. Erst an einer Veranstaltung Ende Juni wurden die Hönger Einwohner hingegen informiert und liessen dabei an der kantonspolizeilichen Informationspolitik kein gutes Haar.

Keine Einsprache wegen Strahlen möglich

Nun hat die Kantonspolizei einen neuen Standort auf der anderen Seite des Thals im Gebiet Munimatt/Ledertschoppen, ebenfalls in Laupersdorf, gefunden. «Aus Respekt gegenüber den Einwohnern Höngens und des Dorfbildes», wie Gregor Schneiter, Leiter der Kommandoabteilung der Kantonspolizei, ausführt. Dies obwohl die geplante Polizeifunkantenne nicht im Bereich des national geschützten Dorfbildes zu stehen komme, wie Schneiter unterstreicht. Zudem bestehe am alten Standort keine Einsprachemöglichkeit bezüglich der Strahlenemissionen.

Dies ist ebenfalls am nun ausgesuchten Ort der Fall. «Im einspracheberechtigten Radius von rund 220 Metern, wo eine gewisse Strahlung besteht, existiert keine Liegenschaft», verdeutlicht Schneiter. Und ausserhalb dieses Bereichs sei die Strahlenbelastung niedriger als bei einem schnurlosen Telefon.

Aber natürlich könnte jedermann etwa aus landschaftlichen Gründen Einsprache erheben. Er macht indes darauf aufmerksam, dass die Antenne eine Höhe von 31 Metern und einen Durchmesser von 66 Zentimetern aufweise und «somit das Landschaftsbild nicht gross beeinträchtigt».

Ja zu Baurechtsvertrag der Bürgergemeinde

Den Anwohnern wurden an einem Informationsabend die neuen Pläne mitgeteilt. «Es gab sehr viele kritische Fragen», so Kommandochef Schneiter, «die Leute kannten sich mit der Materie wohl gut aus». Wenn alles nach Plan läuft und keine Einsprachen eingehen, wird man bereits Anfang nächsten Jahres mit dem Bau der 700 000 Franken teuren Antenne beginnen.

Das Baugesuch in Höngen hat man solange sistiert. Schneiter dazu: «Die betreffenden Einsprachen sind noch unbeantwortet.» Er macht aber klar, dass an beiden Standorten der Bau der Antennen durchgesetzt werden könnte, weil keine sachlichen Einsprachegründe bestehen.

Landbesitzer am neuen Standort ist die Bürgergemeinde. Diese hat an der letzten Sitzung die Pläne der Kantonspolizei bereits einstimmig genehmigt. Gemäss Bürgergemeindepräsident Ernst Kupper mit einer Einschränkung: «Die Antenne darf nur für die Sicherheits- und Rettungsorganisationen mit der vorgegebenen Strahlung benützt werden.» Dies wird auch laut Kommandochef Schneiter im Baurechtsvertrag so festgehalten.

Laupersdorfs Bürgergemeindepräsident und Einsprecher Edgar Kupper betont zudem, dass man in Höngen zusammen mit der Kantonspolizei Alternativstandorte suchen wollte. «Die Antenne wollte man nicht einfach vom Dorf weghaben.» Mögliche Alternativen bei der Hönger Allmend und im Bereich des Pfadiheims Laupersdorf wurden von der Kantonspolizei aber nicht weiter geprüft.

Hans-U. Jakob
Beiträge: 1325
Registriert: 10. Februar 2007 15:37

Re: Polycom - neuer Polizeifunk

Beitrag von Hans-U. Jakob » 17. November 2007 09:25

Mark hat geschrieben:Heute in der MZ gelesen. Was ist davon zu halten? 43 Antennen im Kt. Solothurn sind nicht die Welt. Hoffentlich werden die nicht etwa in Wohnquartiere gestellt. Weiss Herr Jakob, wo man solche Antennen meist aufstellt? Auf bestehende TV-Türme oder aufs Dach der KaPo? Na ja, im Gegensatz zu Handys, ist dieser Funk wenigstens sinnvoll. Allerdings befürchtet man schon jetzt Widerstände wegen den Antennenstandorten, da sind wir mal gespannt!
Bitte während der Einsprachefrist auf der Gemeindeverwaltung die Standortdatenblätter kopieren lassen und mir zur Beurteilung zustellen.
(Kompletter Satz) Erst dann kann ich über Sendeleistungen und Senderichtungen Auskunft geben.
Polycom ist in der Schweiz (noch) ungepulst, (kein Zeitschlitzverfahren) da offenbar (noch) genügend Frequenzen zur Verfügung stehen.
Es besteht jedoch 1-2 Organisationskanäle, die Tag und Nacht laufen, egal ob Funkverkehr herrscht oder nicht.
Die Frequenzen liegen bei 390 MHz und erfordern weit weniger Sendeleistung als die Handytechnologie.
(Ausbildungszentrum Schwarzenburg 390.4 und 391.2 MHz.)
Mit grösserer Wellenlänge (das heisst tieferen Frequenzen) kommt man eben weit besser in Gebäude und fahrende Ziele hinein.
Polizisten und Rettungsleute schnörren nur wenn es dringend nötig ist, deshalb findet auf dem Polycom Netz nur etwa 1% des Gesprächsverkehrs eines Handynetzes statt, wo 1% Quatsch und 99% Unsinn durchgegeben wird.
Also Standortdatenblätter holen!
Hans-U. Jakob

Marc

Beitrag von Marc » 17. November 2007 15:44

Mit grösserer Wellenlänge (das heisst tieferen Frequenzen) kommt man eben weit besser in Gebäude und fahrende Ziele hinein.
Heisst auch das die Eindringtiefe in den Körper grösser ist.
Polycom ist in der Schweiz (noch) ungepulst
Sie schreiben richtig "noch" ungepulst bis es aufgebaut ist. Es werden alle Funkdienste wie Feuerwehr, Rega, Strassenunterhalt. Notärzte usw. dieses System benutzen. Ohne grosse Publizität wird auf Pulsung umgestellt. Die Bewilligungen sind erteilt und die Sender stehen bereits.

Die GSM Mobilumsetzer wurden auch fast alle mit UMTS aufgerüstet.
Warum brauchst es immer diesen Mist mit der Dauerberieselung?

Wir haben genug davon und sehen welche Folgen sie anrichten.

Walter2010

Polizeifunkanlae

Beitrag von Walter2010 » 2. Januar 2011 17:57

Hallo Herr Jakob
Bei uns im Dorf soll auch so eine Polizeifunkantenne Richtstrahl erstellt werden. Irgendwo auf Ihrem Forum habe ich gelesen dass niedrigere Bauprofile mit Hinweistafel ungültig seien. Auf welcher Rechtsgrundlage bezieht sich diese Aussage? Gibt es nicht ein einfaches Profilierungsverfahren für Antennen, die eben grad ein solches Vorgehen erlauben? Die Antenne würde im Kanton Bern gebaut.
Vielen Dank im Voraus für Ihre baldige Antwort, die Einsprachefrist läuft bald ab

Walter

Hans-U. Jakob
Beiträge: 1325
Registriert: 10. Februar 2007 15:37

Re: Polizeifunkanlae

Beitrag von Hans-U. Jakob » 3. Januar 2011 09:04

Walter2010 hat geschrieben:Hallo Herr Jakob
Bei uns im Dorf soll auch so eine Polizeifunkantenne Richtstrahl erstellt werden. Irgendwo auf Ihrem Forum habe ich gelesen dass niedrigere Bauprofile mit Hinweistafel ungültig seien. Auf welcher Rechtsgrundlage bezieht sich diese Aussage? Gibt es nicht ein einfaches Profilierungsverfahren für Antennen, die eben grad ein solches Vorgehen erlauben? Die Antenne würde im Kanton Bern gebaut.
Vielen Dank im Voraus für Ihre baldige Antwort, die Einsprachefrist läuft bald ab

Walter
Wir haben in der Schweiz 26 unterschiedliche Baurechte. Eine vereinfachte Profilierung ist meines Wissens nur unmittelbar neben Bahnlinien gestattet, weil dort bei Sturmwind, wenn das Profil umgeweht würde, der Bahnverkehr erheblich gestört würde. Alles Andere muss in voller Höhe profiliert werden.
Die Juristenlogik lautet aber: Da der Herr Walter das Profil gesehen und die richtige Höhe abgelesen hat, ist die Profilierung richtig. Falsch wäre diese nur dann, wenn der Herr Walter diese nicht gesehen und keine Einsprache erhoben hätte. Ein herrlicher Schwanzbeisser.
Verlangen Sie trotzdem sofort schriftlich und eingeschrieben auf der Gemeindeverwaltung eine unverzügliche Profilierung in der vollen Höhe. Im Kanton Bern ist das Vorschrift.
Hans-U. Jakob (Gigaherz.ch)

Antworten