Gewalt live fürs Video-Handy: Hohe Dunkelziffer

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Gewalt live fürs Video-Handy: Hohe Dunkelziffer

von open mind » 16. Oktober 2006 09:56

Quelle:
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/s ... 2006-10-14>

gefunden auf:
http://freepage.twoday.net



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Gewalt live fürs Video-Handy: Hohe Dunkelziffer

Riedenberg ist kein Einzelfall - Jeder sechste Jugendliche bekommt Erstellung von Prügelfilmen mit

Misshandlungen von Opfern mit dem Video-Handy filmen - das wird immer mehr zum Trend für Jugendliche: Nur nach und nach werden der Polizei Fälle wie jetzt in Riedenberg bekannt, wo mindestens drei Schüler zu Gewaltobjekten wurden. Die Dunkelziffer ist indes weitaus größer.

VON WOLF-DIETER OBST

Verprügeln allein bereitet offenbar nur halb so großes Vergnügen. Die Szene muss auch noch gefilmt werden - kein Problem dank der zunehmenden Zahl von Mobiltelefonen mit Videofunktion. Dabei müssen die Täter nicht einmal polizeibekannte Rabauken sein, wie der jüngste Fall im Stadtteil Riedenberg zeigt: Der 14-jährige mutmaßliche Haupttäter war bisher ein ebenso unbeschriebenes Blatt wie der 15-jährige "Kameramann", als drei Jugendliche zwischen dem 18. September und 4. Oktober von einer Clique überfallen und verprügelt wurden.

Selbst dort, wo sich solche zweifelhaften Heldentaten am ehesten herumsprechen, war bis zur Verlautbarung des Ermittlungserfolgs der Polizei am Donnerstag überhaupt nichts bekannt: "Von den Buschtrommeln war nichts zu hören", sagt Wolfgang Riesch von der Mobilen Jugendarbeit Sillenbuch. Dabei waren Szenen über eine Privatfilm-Internetseite verbreitet worden.

Allerdings sorgt so etwas unter Jugendlichen auch nicht für Aufregung. "Die nehmen das unreflektiert zur Kenntnis", sagt Sozialarbeiter Riesch, "da ist eine gewisse Abstumpfung festzustellen." Die Nutzung und der Missbrauch modernster Technik durch Jugendliche ist für ihn nicht überraschend: "Einmal hat sich jemand unter meinem Namen und mit meinem Foto in einem Internet-Chatroom betätigt", sagt er.

Obwohl sich das Phänomen der Misshandlungen live fürs Handy-Video ausbreitet, werden der Polizei nur Einzelfälle bekannt. Das Landeskriminalamt versuchte jüngst für eine Tagung zum Thema einen Überblick zu gewinnen - und listete seit Ende 2003 gerade mal 19 Fälle landesweit auf.

Das Dunkelfeld ist groß. Jugendliche schweigen - aus Teilnahmslosigkeit oder aus Angst vor Repressalien. Im Umfeld des Schulzentrums in Neckartenzlingen, Kreis Esslingen, haben sich Gewaltdelikte in den letzten Wochen offenbar gehäuft - mit und ohne Handy. "Beim Elternabend berichten Eltern von Übergriffen gegen ihre Kinder", sagt eine Mutter, "aber dann gibt es nur eine einzige Anzeige bei der Polizei."

Wie groß das Dunkelfeld tatsächlich ist, lässt die jüngste Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (MPFS) erahnen: Bei einer Befragung unter 1205 Jugendlichen kam heraus, dass 17 Prozent "schon mal mitbekommen haben, wie eine Schlägerei mit dem Handy gefilmt wurde", also jeder Sechste der Zwölf- bis 19-Jährigen. Bei Hauptschülern ist der Anteil groß - mit 27 Prozent. Bei Realschülern sind es 18, bei Gymnasiasten zehn Prozent.

Filme mit Gewalt- oder Pornoszenen lassen sich herunterladen oder verschicken - können aber auch ohne eigenes Zutun im Handy-Speicher landen. Immerhin 20 Prozent der Kinder von zwölf bis 13 Jahren geben in der Studie an, dass sie Freunde kennen, die solche Prügelszenen - englisch Happy Slapping, fröhliches Dreinschlagen - auf ihrem Gerät empfangen hätten. Bei den 16- bis 17-Jährigen liegt der Anteil dieser mittelbar Erfahrenen bei 39 Prozent.

Die Studie sei aber kein Hinweis, dass Video-Handys zusätzliche Gewalt bei den Jugendlichen auslösten, stellt Thomas Rathgeb vom Forschungsverbund fest. "Das Medium wird halt genutzt", sagt er, "aber es gibt kein Anzeichen, dass deshalb mehr Menschen verprügelt werden."

Aktualisiert: 14.10.2006, 06:12 Uhr
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