von mips » 15. November 2006 21:36
(Gleich-) Strom wird ja schliesslich auch eingesetzt um Mauerwerke zu entfeuchten.
In Mauern, in denen durch den Kapilareffekt Wasser aus dem Erdreich aufsteigt wird versucht mittels sogenanter Elektro-Osmose - ein Verfahren, dessen Efizienz in Fachkreisen allerdings nicht unumstritten ist.
ELEKTROOSMOSE - Geschichtliche Entwicklung
Tatsache - Geschichtliches von Günther Otto
Mauerfeuchtigkeit ist eines der schwierigsten Probleme bei der Erhaltung bzw. Sanierung von älteren Wohnhäusern, Kirchen und besonders von kulturhistorisch wertvollen Bauten.
In erster Linie ist das aus dem Boden aufsteigende Wasser bei Bauwerken, die keine Abdichtung besitzen oder deren Abdichtung unwirksam geworden ist, Ursache der durch Feuchtigkeit entstandenen Schäden.
Die durch Mauerfeuchtigkeit hervorgerufenen Schäden sind vielfältig und können sich sowohl gesundheitlich wie auch in bautechnischer Hinsicht auswirken. Hoher Energieverbrauch, unwohnliches Raumklima, Schimmelbildung, welche schon vielfach als krebserregend eingestuft wird, Zerstörung von Anstrich und Putz mit Ausblüherscheinungen, deren Folgen zu Kristallinen- und Frostsprengungen führen, sind Folgen der Mauerfeuchtigkeit, die bis zur Gefährdung der Standsicherheit eines Bauwerkes führen können.
Dass neben der aufsteigenden Feuchtigkeit auch andere Feuchtigkeitsursachen zu diesen Schäden führen, wird als allgemein bekannt angesehen. Eine bewährte Methode zur Bekämpfung des kapillaren Wassertransportes, der aufsteigenden Feuchtigkeit, ist die Anwendung der Elektro-Osmose.
Die Elektro-Osmose ist eine elektrokinetische Erscheinung. Dieses physikalische Phänomen wurde bereits im Jahre 1806 von Professor Reuss in Leningrad entdeckt und von diesem in Jahre 1809 beschrieben. (1)
Dass das damals entdeckte Grundprinzip der Elektroentwässerung als geheimnisvolle elektrokinetische Erscheinung Anziehungskraft auf große Physiker und Chemiker ausübte, ist sicher nicht verwunderlich.
So haben sich auch die Forscher J. Perrin (2), H. Helmholtz (3), W. Hittorf (4) und viele andere mit den theoretischen Grundlagen beschäftigt. In den 60er Jahren befasste sich besonders E. Franke (5) mit dem Entwicklungsstand und den Erkenntnissen auf dem Gebiet der Elektro-Osmose unter besonderer Berücksichtigung der in der Praxis verwendeten Verfahren.
Bis in die 30er Jahre wurde die Elektro- osmotische Entwässerung besonders für Torf, Kaolin und Braunkohle verwendet. In diesem Zusammenhang ist besonders die elektroosmotische Trommelmaschine von Graf Schwerin bekannt geworden.
In der industriellen Chemie und Physik sowie in der Medizin werden elektrokinetische Vorgänge seit langem entwickelt und genutzt. Die Wasserbewegung in geeigneten porösen Stoffen, also auch in Mauerwerken aus Ziegel, Beton oder porösen Gesteinskörpern, als Elektro-Osmose bezeichnet, sowie die Bewegung von Festteilchen in flüssigen Medien, als Elektro-Phorese bezeichnet, beruhen aus der Ausbildung eines elektrokinetischen Potentials, wonach Teilchen der Ionen der elektrischen Doppelschicht im Gleichfeld verschoben werden.
Diese Erkenntnisse wendet der Schweizer Paul Ernst seit dem Jahre 1935 für die Mauerentfeuchtung an, wofür er 1940 ein Eidgenössisches Patent auf ein "Verfahren und Vorrichtung zur Entfeuchtung und Trockenhaltung von Mauerwerk" erhielt. 1941 erhielt er dann auch noch das Deutsche Patent 706 388.
Später befassten sich in Theorie und Praxis mit der Mauerentfeuchtung mit Hilfe der Elektro-Osmose Wagenmann in Engelsdorf bei Leipzig, Friese von der Bauakademie Berlin, Lukjanik von der TH Warschau, Kos vom Bau-Forschungsinstitut Prag, Wieden und Wittrnann Wien, Lipesey und Horvarth Budapest, um nur einige zu nennen. Auch eine Vielzahl anwendungstechnischer Firmen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und England.
Inzwischen sind eine Vielzahl von Gebäuden nach dem Verfahren der Elektro-Osmose entfeuchtet worden. Hierzu zählen viele Kathedralen, Schulen, Pfarrhäuser und unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz, England und Belgien. Es sollen hier nur das Schloss Rastatt, das Priesterseminar Sankt Gallen, Schloss Wolfsburg, die Rathäuser in Nürnberg und München, der Bayer. Verwaltungsgerichtshof in München erwähnt werden, da diese u. a. technisch und wissenschaftlich überwacht und überprüft wurden.
Seit den 60er Jahren erfolgte nun die Weiterentwicklung von den elektroosmotischen Mauerentfeuchtungsanlagen mit Leitungen und Elektroden in den Mauem, zu drahtlosen elektroosmotischen Mauerentfeuchtungsanlagen. Damit entfällt ein Schwachpunkt der früheren Anlagen, die Leitungen und vor allem die Elektroden, die oft zum Ausfall der Anlage führten.
Schrifttum:
(1) Reuss, F. F.; Sue un nouvel effet de 1 electricite galvanique. Soc.
Nat. Mem. H. Moskau 1809.
(2) Perrin, J.; Mecanisme de electricite de contakt et solutions
colloidales. Journ..Chim. Phys. Bd. 2, 1904.
(3) Helmholtz, H.; Studien über elektrische Grenzschichten. Leipzig
1879. Schaad, Ann. 7 "Die Bautechnik" 1958.
(4) Hittdorf, W.; Über die wanderungen der Ionen während der Elektrolyse.
Pogg.Ann.Bd 98,1986
(5) Franke,E.; Überblick über den Entwicklungsstand der Erkenntnisse auf
dem Gebiet der Elektro-Osmose und einige Schlussfolgerungen.
Die Bautechnik Nr. 6 und 10
(Gleich-) Strom wird ja schliesslich auch eingesetzt um Mauerwerke zu entfeuchten.
In Mauern, in denen durch den Kapilareffekt Wasser aus dem Erdreich aufsteigt wird versucht mittels sogenanter Elektro-Osmose - ein Verfahren, dessen Efizienz in Fachkreisen allerdings nicht unumstritten ist.
ELEKTROOSMOSE - Geschichtliche Entwicklung
Tatsache - Geschichtliches von Günther Otto
Mauerfeuchtigkeit ist eines der schwierigsten Probleme bei der Erhaltung bzw. Sanierung von älteren Wohnhäusern, Kirchen und besonders von kulturhistorisch wertvollen Bauten.
In erster Linie ist das aus dem Boden aufsteigende Wasser bei Bauwerken, die keine Abdichtung besitzen oder deren Abdichtung unwirksam geworden ist, Ursache der durch Feuchtigkeit entstandenen Schäden.
Die durch Mauerfeuchtigkeit hervorgerufenen Schäden sind vielfältig und können sich sowohl gesundheitlich wie auch in bautechnischer Hinsicht auswirken. Hoher Energieverbrauch, unwohnliches Raumklima, Schimmelbildung, welche schon vielfach als krebserregend eingestuft wird, Zerstörung von Anstrich und Putz mit Ausblüherscheinungen, deren Folgen zu Kristallinen- und Frostsprengungen führen, sind Folgen der Mauerfeuchtigkeit, die bis zur Gefährdung der Standsicherheit eines Bauwerkes führen können.
Dass neben der aufsteigenden Feuchtigkeit auch andere Feuchtigkeitsursachen zu diesen Schäden führen, wird als allgemein bekannt angesehen. Eine bewährte Methode zur Bekämpfung des kapillaren Wassertransportes, der aufsteigenden Feuchtigkeit, ist die Anwendung der Elektro-Osmose.
Die Elektro-Osmose ist eine elektrokinetische Erscheinung. Dieses physikalische Phänomen wurde bereits im Jahre 1806 von Professor Reuss in Leningrad entdeckt und von diesem in Jahre 1809 beschrieben. (1)
Dass das damals entdeckte Grundprinzip der Elektroentwässerung als geheimnisvolle elektrokinetische Erscheinung Anziehungskraft auf große Physiker und Chemiker ausübte, ist sicher nicht verwunderlich.
So haben sich auch die Forscher J. Perrin (2), H. Helmholtz (3), W. Hittorf (4) und viele andere mit den theoretischen Grundlagen beschäftigt. In den 60er Jahren befasste sich besonders E. Franke (5) mit dem Entwicklungsstand und den Erkenntnissen auf dem Gebiet der Elektro-Osmose unter besonderer Berücksichtigung der in der Praxis verwendeten Verfahren.
Bis in die 30er Jahre wurde die Elektro- osmotische Entwässerung besonders für Torf, Kaolin und Braunkohle verwendet. In diesem Zusammenhang ist besonders die elektroosmotische Trommelmaschine von Graf Schwerin bekannt geworden.
In der industriellen Chemie und Physik sowie in der Medizin werden elektrokinetische Vorgänge seit langem entwickelt und genutzt. Die Wasserbewegung in geeigneten porösen Stoffen, also auch in Mauerwerken aus Ziegel, Beton oder porösen Gesteinskörpern, als Elektro-Osmose bezeichnet, sowie die Bewegung von Festteilchen in flüssigen Medien, als Elektro-Phorese bezeichnet, beruhen aus der Ausbildung eines elektrokinetischen Potentials, wonach Teilchen der Ionen der elektrischen Doppelschicht im Gleichfeld verschoben werden.
Diese Erkenntnisse wendet der Schweizer Paul Ernst seit dem Jahre 1935 für die Mauerentfeuchtung an, wofür er 1940 ein Eidgenössisches Patent auf ein "Verfahren und Vorrichtung zur Entfeuchtung und Trockenhaltung von Mauerwerk" erhielt. 1941 erhielt er dann auch noch das Deutsche Patent 706 388.
Später befassten sich in Theorie und Praxis mit der Mauerentfeuchtung mit Hilfe der Elektro-Osmose Wagenmann in Engelsdorf bei Leipzig, Friese von der Bauakademie Berlin, Lukjanik von der TH Warschau, Kos vom Bau-Forschungsinstitut Prag, Wieden und Wittrnann Wien, Lipesey und Horvarth Budapest, um nur einige zu nennen. Auch eine Vielzahl anwendungstechnischer Firmen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und England.
Inzwischen sind eine Vielzahl von Gebäuden nach dem Verfahren der Elektro-Osmose entfeuchtet worden. Hierzu zählen viele Kathedralen, Schulen, Pfarrhäuser und unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz, England und Belgien. Es sollen hier nur das Schloss Rastatt, das Priesterseminar Sankt Gallen, Schloss Wolfsburg, die Rathäuser in Nürnberg und München, der Bayer. Verwaltungsgerichtshof in München erwähnt werden, da diese u. a. technisch und wissenschaftlich überwacht und überprüft wurden.
Seit den 60er Jahren erfolgte nun die Weiterentwicklung von den elektroosmotischen Mauerentfeuchtungsanlagen mit Leitungen und Elektroden in den Mauem, zu drahtlosen elektroosmotischen Mauerentfeuchtungsanlagen. Damit entfällt ein Schwachpunkt der früheren Anlagen, die Leitungen und vor allem die Elektroden, die oft zum Ausfall der Anlage führten.
Schrifttum:
(1) Reuss, F. F.; Sue un nouvel effet de 1 electricite galvanique. Soc.
Nat. Mem. H. Moskau 1809.
(2) Perrin, J.; Mecanisme de electricite de contakt et solutions
colloidales. Journ..Chim. Phys. Bd. 2, 1904.
(3) Helmholtz, H.; Studien über elektrische Grenzschichten. Leipzig
1879. Schaad, Ann. 7 "Die Bautechnik" 1958.
(4) Hittdorf, W.; Über die wanderungen der Ionen während der Elektrolyse.
Pogg.Ann.Bd 98,1986
(5) Franke,E.; Überblick über den Entwicklungsstand der Erkenntnisse auf
dem Gebiet der Elektro-Osmose und einige Schlussfolgerungen.
Die Bautechnik Nr. 6 und 10