Offener Brief

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Offener Brief

von Tilly » 17. Mai 2007 11:28

Im nachfolgenden offenen Brief wird dokumentiert, wie bisher mit den wissenschaftlichen
Befunden und den besorgten Wissenschaftlern und Ärzten umgegangen wurde.
Das ist typisch für die Machtverhältnisse im menschenfeindlichen, profitorientierten Monopolkapitalismus.
Man beachte besonders die Unterdrückung der Wissenschaftler Dr. Carlo, Prof. Semm
Prof. L. von Klitzing u.a.

Tilly
___________________________________________________________________________

Dr. med. Wolf Bergmann Facharzt für Allgemeinmedizin
Homöopathie


Reichsgrafenstr. 28 Tel. 0761 – 55 611 41
79102 Freiburg Fax 0761 – 50 36 78 17
wolf.bergmann@tele2.de

Dr. med. Wolf Bergmann, Reichsgrafenstr. 28, 79102 Freiburg

Frau Dr. med. Martina Wenker
Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen

Berliner Allee 20
30175 Hannover

Freiburg, den 13.05.2007


Offener Brief an Frau Dr. med. Martina Wenker, Vorsitzende des Ausschusses Gesundheit und Umwelt bei der Bundesärztekammer.

Betr.: Menschendienliche Fortbildung und Mobilfunk


Sehr geehrte Frau Kollegin Wenker,

ich bedanke mich für Ihre rasche und ausführliche Antwort auf meine Kritik an den Fortbildungsveranstaltungen der Mobilfunkindustrie für Ärzte und auf meinen Appell, dafür keine Fortbildungspunkte mehr zu vergeben.

Sie schreiben in Ihrem Brief vom 16.1.2007, dass derartige Veranstaltungen einer verbesserten Risikokommunikation dienen sollen. Dass man sich dort kritisch austauschen und Probleme miteinander diskutieren kann und muß. Und dass ein „Verbot“ solcher Veranstaltungen eine schlechte Alternative zu diesem Anliegen sei. In ähnlichem Sinne schrieb mir Frau Kollegin Stüwe, Präsidentin der Ärztekammer Hessen, ich möge bedenken, „dass die Anerkennung von Fortbildungsmaßnahmen kein Verfahren der Zensur sein darf.“

Es geht mir nicht um ein Verbot oder eine Zensur, sondern um eine dringend notwendige ärztliche Position in der Frage einer Kollision zwischen Gesundheits-interessen der Bevölkerung, ärztlicher Ethik, Berufspflicht und ärztlicher Fortbildungs-ordnung einerseits und wirtschaftlichen Interessen der Mobilfunkindustrie andererseits.

Wie ich in meinen Kritiken an den Veranstaltungen des IZMF geschildert habe, wird der falsche, wissenschaftlich und aus der Erfahrung widerlegte Eindruck erweckt, als gäbe es Entwarnung in bezug auf die Frage der Schädigung von Mensch und Natur durch Mobilfunkfrequenzen.

Die von der Industrie massiv gestarteten „Fortbildungen“ für Ärzte, Lehrer, Schulen, Politiker und Pressevertreter fallen zeitlich zusammen mit dem ungezügelten Ausbau immer neuer, ungeprüfter Mobilfunktechnologien und den sich gleichzeitig immer mehr häufenden Beobachtungen von schweren Schäden in der belebten Natur.

Mir ist wichtig, in diesem Zusammenhang an einige Aspekte zu erinnern:

--- Prof.Jürgen Bernhard, führendes Mitglied der ICNIRP, zeitweiliger Vorsitzender der Strahlenschutzkommission, über viele Jahre Berater des Umweltministeriums, verantwortlich für die Verankerung der Grenzwerte für Mobilfunkbelastung bei den politischen Behörden und in der Bundesgesetzgebung, erklärte auf gezielte Fragen: „Einige Hochfrequenzfelder können die biochemische Informationsverarbeitung an der Zellmembran beeinflussen...Es gibt auch Hinweise auf krebsfördernde Wirkungen.“ Auf die Frage,warum dann nicht die Grenzwerte geändert werden: „Dann wird der Standort Deutschland gefährdet. Wenn man jeder Hypothese nachgeht und Grenzwerte reduziert, dann macht man die Wirtschaft kaputt.“

--- Vor Übernahme der ICNIRP-Werte schrieb die Strahlenschutzkommission im Bundesanzeiger 43 vom 3.3.1992: „Über spezielle Effekte, die nicht auf Erwärmung beruhen, wird...berichtet. Die Membraneffekte wurden vielfach bestätigt, sodass ihre Existenz heute als gesichert gilt. Hervorzuheben ist, dass die SAR-Werte...erheblich unterhalb thermisch relevanter Intensitäten liegen.“

--- Noch 1999 stellte die WHO in einer Broschüre fest: „Keine Normierungsbehörde hat Expositionsrichtlinien mit dem Ziel erlassen, vor langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen wie einem möglichen Krebsrisiko zu schützen.“

--- Prof. Käs von der Bundeswehrhochschule München: „Die Strahlungswerte der Mobilfunknetze liegen zwar unter den Grenzwerten, aber diese Grenzwerte orientieren sich ja auch nicht an der Gesundheit.“

--- Prof. Volger (TH Aachen) stellte 2001 fest: „Die Behauptung einer Schutzwirkung (der Grenzwerte) ist als wissenschaftliche Falschinformation zu bezeichnen. Dies entspricht rechtlich allen Merkmalen des Betrugs und schließt grobfahrlässige bis absichtliche Gefährdung und Körperverletzung ein.“

--- In einem Gutachten an die neuseeländische Regierung, die die Grenzwerte der ICNIRP einführen wollte, schrieb Dr. Neil Cherry von der Lincoln Universitiy in Neuseeland: „Ich zeige klar und schlüssig auf, dass hier eine Voreingenommenheit besteht gegen die Entdeckung und gegen die Anerkennung von schädlichen Wirkungen, die soweit geht, dass die vorhandenen wissenschaftlichen Studien, welche diese Wirkungen beweisen, ignoriert werden, und diejenigen, die man ausgewählt hat, werden falsch dargestellt, falsch interpretiert und falsch gebraucht.“ (Neil Cherry. „Criticism of the Proposal to adopt the ICNIRP Guidelines for Cellsites in New Zaeland.“)

Diese wenigen Hinweise zeigen schon, dass es sich bei dieser Frage nicht um eine besonders interessante förderungswürdige Kontroverse unter Wissenschaftlern handelt. Es geht meiner Meinung nach um knallharte wirtschaftliche Interessen auf der einen Seite. Und um die Gesundheit der ganzen Bevölkerung und der belebten Natur auf der anderen Seite.

In meinen Augen kann es nicht angehen, dass Ärztekammern angesichts dieser Sachlage eine Plattform und Fortbildungspunkte für Veranstaltungen zur Verfügung stellen, die in dieser Kontroverse den Industrieinteressen dienen.

Jetzt endlich schreibt das Deutsche Ärzteblatt (Nr.12, 23.3.07) einen längst überfälligen Artikel über die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und Tabakindustrie. In Sachen Mobilfunk sind sowohl die Wirtschaftsinteressen wie die Schädigung von Mensch und Natur um viele Dimensionen größer als bei der Frage der Gesundheitsschädigung durch Rauchen.

Zur Frage eines „Verbots“ oder einer „Zensur“: es klingt aus Ihrem Schreiben und dem von Frau Kollegin Stüwe für mich so, als müßte die wissenschaftliche Meinungsfreiheit verteidigt werden gegen ungerechtfertigte ärztliche Kritik. Das stellt nach meiner Erfahrung die Verhältnisse allerdings völlig auf den Kopf.

Auch hier möchte ich zur Klärung an Einiges erinnern:

--- Dr. Carlo forschte im Auftrag der amerikanischen Mobilfunkindustrie (ein 28 Mio Dollarprojekt über 6 Jahre). Als die Studien einen Zusammenhang von Mobilfunk und Krebserkrankung ergaben, wurde Dr. Carlo die Veröffentlichung untersagt, er wurde diffamiert. Sein Haus brannte bis auf die Grundmauern ab.

--- Prof. Semm forschte im Auftrag der DeutschenTelecom. Als seine selbst von der Telecom als einwandfrei klassifizierten Studien den Nachweis von schweren Schäden an Tieren ergaben, wurde ihm die Veröffentlichung verboten. Er wurde entlassen, als er sich nicht daran hielt.

--- Prof. L. von Klitzing wurde von der Universität Lübeck entlassen, als er seine Forschungen über EEG Veränderungen bei ganz geringen Feldstärken nicht verschweigen wollte.

--- Die deutsche Übersetzung des Buches von R.C. Kane „Cellular Telephone Russian Roulett“ verschwand einen Tag nach ihrem Erscheinen spurlos vom deutschen Markt. Kane war als leitender Manager bei einem Telecomkonzern an der Entwicklung der Mobilfunktelefone maßgeblich beteiligt. Heute ist er einer der Kläger, die die Mobilfunkindustrie der USA wegen Körperverletzung verklagen. Als Insider beschreibt er, wie die Industrie unliebsames Wissen zurückgehalten hat und die dabei verwendeten Methoden.

--- Prof. Antonietti, Leiter des Max Planck Instituts in Golm, machte die erschreckende Entdeckung in einem Laborexperiment, dass unter Handystrahlen Synapsen, die dem Hirn nachgebaut sind, sich bis auf 100 Grad erwärmten. Auf die Frage, ob Handystrahlung demnach gefährlich fürs Hirn sein könnten, antwortete er, er würde sich hüten, so etwas zu sagen. „Die Mobilfunkindustrie hat gute Anwälte.“

--- Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) führt keine eigenen Forschungen durch. Initiiert aber Projekte, die zu 50% von der Mobilfunkindustrie bezahlt werden. Prof. Wolfram König, Präsident des BfS, stellt zu seinem „großen Bedauern“ fest, dass „Projekte mit hoher Priorität“ auf Druck der Netzbetreiber verzögert oder verhindert werden. Das BfS hatte z.B. das Ziel, „die Möglichkeiten der Minimierung der HF-Exposition der Bevölkerung durch regionale integrierte Netzplanung zu untersuchen...Leider haben die Netzbetreiber in diesem Projekt der Zusammenarbeit nicht zugestimmt...Damit mußte das Projekt gestrichen werden.“ (Fachgespräch Mobilfunk 3, 28.4.2005)

--- In der Zeitschrift Message 1/2007 berichtet Uwe Krüger über seine Recherchen bei den wichtigsten Medien. Die immer gleiche Antwort, warum sorgfältig recherchierte kritische Artikel und Sendungen, die in den Redaktionen vorhanden sind, nicht gedruckt bzw. gesendet wurden: das Anzeigengeschäft verbietet so etwas. Die Mobilfunkindustrie hat in Deutschland mit den größten Anteil am Anzeigengeschäft.

--- Der Chefredakteur des deutschen Ärztebalttes schrieb mir als Antwort auf verschiedene Leserbriefe, die nicht gedruckt wurden: „Dass die schädigende Wirkung des Mobilfunks auf lebende Organismen schon bei sehr geringen Feldstärken weit unterhalb der offiziiellen Grenzwerte seit Jahrzehnten wissenschaftlich belegt seien, wie Sie schreiben, werden Sie deshalb im Deutschen Ärzteblatt nicht lesen, zumindest solange nicht, wie nach Ansicht unabhängiger Experten dies eben gerade nicht wissenschaftlich belegt ist.“ (Brief vom 27.7.05). Stattdessen mußte ich feststellen, dass vor Weihnachten 2006 eine mehrfarbige mehrseitige Anzeige der Mobilfunkindustrie als Beilage des Deutschen Ärzteblattes an alle Ärztinnen und Äerzte verschickt wurde. („Business-Angebote: Jetzt in Ihrem T-Punkt Business.“). Dann druckte das Deutsche Ärztebaltt am 23.2.07 völlig unkritisch fast wörtlich die offizielle Version der Interphonestudie ab. Und gleich im nächsten Heft durfte Frau Prof. Dr. Blettner, Nachfolgerin von Prof. Bernhardt in der Strahlenschutzkommission und wissenschftliche Leiterin der Studie, ungekürzt und unkommentiert ihre Version darstellen.

--- Schließlich möchte ich Sie noch auf ein Buch hinweisen: „Späte Lehren aus frühen Warnungen: Das Vorsorgeprinzip 1896-2000.“ (Hrsg. Umweltbundesamt!) Dort sind genau die Methoden beschrieben, wie sie von den jeweiligen Industrien angewandt wurden, um genehme wissenschaftliche Ergebnisse zu bekommen und unliebsame zu verhindern. (Ob Asbest, Tabak, FCKW, Hormone in der Tierzucht, radioaktive Strahlung usw.) Es kam zu Katastrophen, „weil frühzeitige Warnungen...von den Entscheidungsträgern wegen kurzfristiger wirtschaftlicher und politischer Interaktionen willentlich ignoriert wurden.“ (S 196 und 200) Sie können jede der aufgeführten Methoden heute bei der Mobilfunkthematik wiederfinden.


Ich denke, dass angesichts der Abhängigkeit der Forschung von Drittmitteln und angesichts der beherrschenden Machtposition der Mobilfunkindustrie gerade die Unabhängigkeit und Meinungsfreiheit kritischer unabhängiger Wissenschaftler, Ärzte, Journalisten und Bürger massivst bedroht ist. Es würde mich freuen, wenn Sie sich mutig für deren Schutz und Stärkung einsetzen würden.

In diesem Sinne bitte ich Sie abschließend, nur dann Fortbildungspunkte zu vergeben, wenn die Veranstaltungen frei von wirtschaftlichen Interessen sind und wenn die Beachtung der ärztliche Ethik, der Berufsordnung und der Gesundheitsinteressen der Bevölkerung gewährleistet ist.

Mit großer Freude habe ich erfahren, dass der Ausschuß Gesundheit und Umwelt bei der Bundesärztekammer plant, in diesem Jahr ein Fachgespräch mit unabhängigen mobilfunkkritischen Wissenschaftlern und Ärzten durchzuführen. Dazu habe ich an Frau Dr. Engelbrecht, zuständige Dezernatleiterin in der Bundesärztekammmer, Themenvorschläge geschickt und eine Liste von möglichen Referenten der „Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und demokratischen Grundrechten.“

Ich hoffe auf einen konstruktiven unnd menschendienlichen Dialog und würde mich freuen, wenn wir in dieser dringenden Frage im Gespräch bleiben könnten.



Mit freundlichen Grüßen

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