Neu: Eco-Mode für Mobilfunk-Basisstationen
verfasst von Sparco, 05.08.2008, 14:47
Hallo,
bzgl. des Eco-Mode für Mobilfunk-Basisstationen lohnt sich zuerst ein kurzer Exkurs in die Welt der Schnurlostelefone:
Seit Anfang 2005 gibt es Strahlungsarme DECT-Anlagen.
Der Pionier auf diesem Gebiet war (und ist) die englische Firma Orchid mit ihren Low Radiation Geräten.
Offen wurde die Strahlungsminimierung als Produkt-Feature angesprochen – die permanent strahlenden Basis-Stationen wurden einfach stillgelegt, wenn sich die Mobilteile in der Ladeschale befanden.
Aktuelle Geräte lassen sich noch mit zusätzlichen Mobilteilen erweitern, es gibt eine Sende-Leistungsregelung in Basis und Mobilgerät usw.
Andere Hersteller folgten damals diesem Trend, warben aber nicht offen damit (z.B. Swissvioce).
Das BfS forderte die Industrie auf, endlich strahlenreduzierte Geräte auf den Markt zu bringen.
Nun folgten auch die etablierten Hersteller diesem Aufruf und dem Marktdruck. Praktisch alle bieten heutzutage Geräte an, die mehr oder weniger den Eco-Mode (der div. Varianten kennt und keine Mehrkosten verursacht) unterstützen.
Schwer tat sich anfänglich der Branchenprimus Siemens mit den Gigaset-Geräten. Der Eco-Mode wurde primär als Öko-Mode vermarktet – also als stromsparendes Gerät, denn dort wo die HF nur reduziert strahlt, wird auch weniger Strom verbraucht.
Ein Spagat für die PR-Abteilung, waren die Geräte früher denn *High-Radiation*, wenn es nun Low-Radiation-Varianten gibt ....
Ähnliches könnte sich jetzt im professionellen Mobilfunkmarkt wiederholen. Die Betreiber und Lieferanten der Mobilfunkinfrastruktur entdecken die Green IT, spätestens seit der 2008’er CeBIT ist dies ein Top-Thema, sogar die großen institutionellen Anleger erwarten das von Betreibern und Systemlieferanten. Es geht um die Betriebskosten eines Netzes (Stichwort: Total Cost of Ownership bzw. Opex)
Für die Mobilfunk-Basisstationen bedeutet das, z.B. Umstellung auf effizientere Modulationen (Beispiel: T-Mobile’s flächendeckende Umrüstung auf EDGE, mit HW-Austausch), effizientere Leistungs-Verstärker, weniger Abwärme = weniger Aufwand für die Klimaanlagen, usw.
Neu ist allerdings, dass sich die großen der Branche wie
Huawei (*Green Sites Solution*),
Nokia Siemens Networks (*power saving solution* über den SQM),
Alcatel-Lucent (*Green IT*, hier muß noch ein treffenderer Begriff gefunden werden, ansonsten Kompliment für den diesbezüglichen Auftritt in der Mitarbeiterzeitung lieber r-d-w).
und Ericsson (*BTS Power Savings and Power Tube*)
um energie-effizientes System-Design der Transceiver kümmern.
Gerade Ericsson scheint hier am weitesten zu sein. Die Schweden betrachten das Thema *ganzheitlich* mit einem *Life cycle assessment*, unter
http://www.ericsson.com/ericsson/corpin ... ingCO2.pdf (pdf-Seite 3 ff) ist schön beschrieben, wie die *Waldorfschüler des energieeffizienten Mobilfunks* die im Leerlauf befindlichen analogen Komponenten von GSM-Kanälen stilllegen und deren Zeitschlitze in den Organisationskanal (BCCH) verlegen.
Mit Hilfe einer komplexen Analyse der Verkehrsmuster kann die Leistungsaufnahme einer BTS (RBS nennt sich das bei Ericsson) in verkehrsschwachen Zeiten von z.B. 1100W auf 650W verringert werden.
Es werden also möglichst wenig TCH’s im Leerlauf (*idle-mode*) betrieben – somit sinkt auch die abgestrahlte HF Sendeleistung.
Da jeder BCCH (den es genau einmal pro Sektor gibt) mit seinen 8 Zeitschlitzen nur die ersten beiden Zeitschlitze für Steuer-Infos (TS 0) bzw. Cell-Broadcast /SMS (TS 1) verwendet, darf man gespannt sein, ob sich die System-Designer trauen, die übrigen 6 Zeitschlitzte des BCCH (die noch für die Parametrierung bzw den Cell-Handover der Mobilteile gebraucht werden) in extrem verkehrsschwachen Zeiten zumindest bis auf einen zu unterdrücken. Die Folge wäre ein Organisationskanal der nicht mehr so *klingt* wie bisher – nämlich nach 1733Hz, sondern so zw. 650Hz und 1733Hz Pulsfrequenz haben könnte.
Cool (im wahrsten Sinne des Wortes) ist auch der sog. Power Tube von Ericsson, die BTS sitzt in der Turmspitze (pdf-Seite 4)
P.S.
(GSM-Grundlagen
http://www.lfu.bayern.de/strahlung/fach ... eport3.pdf
pdf-Seite 4 ff)
Mit freundlichem Gruß
Sparco
Quelle:
http://www.izgmf.de/scripts/forum/forum ... p?id=23525
Kommentar: Sinnvoll die Tendenz zu einer Abkehr von unnötiger Dauerstrahlung, hoffentlich entsteht etwas Menschenverträglicheres und nicht noch problematischere Modulationen wie z.B. in Oberammergau. Hoffentlich kommt Eco-Mode auch bald bei den W-Lan.