von Lothar Geppert » 20. Juli 2004 15:22
Ein Leserbrief an den Tagesanzeiger, Zürich:
Dass Selikoff der einzige war, der in den Sechzigerjahren auf die Gefährlichkeit der Asbestfasern hinwies, entspricht nicht der Realität, sondern der Politik des Schmidheiny Seniors. Die Forschung begann nicht später als 1900, zwanzig Jahre nach Öffnung der ersten industriellen Asbest-Mine, als man einen verstorbenen, 33-jährigen Asbestarbeiter untersuchte und eine mit Asbest gefüllte Lunge fand. Er war der letzte überlebende einer 10-köpfigen Arbeitsgruppe. In England wurde dann ab 1924 über 7 Jahre intensiv geforscht, bis der Skandal nach massiver Unterdrückung wider „einschlief“.
Dass Vater Schmidheiny felsenfest von der Ungefährlichkeit der Faser überzeugt war, kann man auch nicht unkommentiert stehen lassen, denn die Industriebosse wussten damals ganz exakt was abläuft. Ein Beispiel aus den Ermittlungen zu den US-Prozessen: Der Werksarzt des Asbest-Produzenten Johns-Manville durfte die Arbeiter per Dekret der Geschäftsleitung (1949) nicht darüber informieren, wenn die Röntgenbilder eine beginnende Asbestose zeigten.
Die gleiche Firma brachte Forscher dazu, ungünstige Informationen aus ihren Berichten zu entfernen. Die damalige interne Korrespondenz liegt den Richtern vor
(siehe
http://www.bumc.bu.edu/SPH/Gallery/brodeur.html )*. Ohne aktives und korrumpierendes Eingreifen der Industriebosse wäre der Skandal bereits 1930 aufgeflogen. „Business as usual“, kann man in der heutigen Industrie sagen. Es gibt nicht nur Asbest.....
Lothar Geppert,
Präsident der diagnose-funk
Bremgarten, AG
Info für die Redaktion:
* Paul Brodeur war Wissenschaftsredaktor beim New Yorker. Nach dem Asbestfall schrieb er ein Buch über Mikrowellen. (Deutscher Titel "Mikrowellen, die verheimlichte Gefahr", heute ausverkauft - wie so oft bei solchen Büchern auch nicht mehr nachgedruckt.)
Ein Leserbrief an den Tagesanzeiger, Zürich:
Dass Selikoff der einzige war, der in den Sechzigerjahren auf die Gefährlichkeit der Asbestfasern hinwies, entspricht nicht der Realität, sondern der Politik des Schmidheiny Seniors. Die Forschung begann nicht später als 1900, zwanzig Jahre nach Öffnung der ersten industriellen Asbest-Mine, als man einen verstorbenen, 33-jährigen Asbestarbeiter untersuchte und eine mit Asbest gefüllte Lunge fand. Er war der letzte überlebende einer 10-köpfigen Arbeitsgruppe. In England wurde dann ab 1924 über 7 Jahre intensiv geforscht, bis der Skandal nach massiver Unterdrückung wider „einschlief“.
Dass Vater Schmidheiny felsenfest von der Ungefährlichkeit der Faser überzeugt war, kann man auch nicht unkommentiert stehen lassen, denn die Industriebosse wussten damals ganz exakt was abläuft. Ein Beispiel aus den Ermittlungen zu den US-Prozessen: Der Werksarzt des Asbest-Produzenten Johns-Manville durfte die Arbeiter per Dekret der Geschäftsleitung (1949) nicht darüber informieren, wenn die Röntgenbilder eine beginnende Asbestose zeigten.
Die gleiche Firma brachte Forscher dazu, ungünstige Informationen aus ihren Berichten zu entfernen. Die damalige interne Korrespondenz liegt den Richtern vor
(siehe http://www.bumc.bu.edu/SPH/Gallery/brodeur.html )*. Ohne aktives und korrumpierendes Eingreifen der Industriebosse wäre der Skandal bereits 1930 aufgeflogen. „Business as usual“, kann man in der heutigen Industrie sagen. Es gibt nicht nur Asbest.....
Lothar Geppert,
Präsident der diagnose-funk
Bremgarten, AG
Info für die Redaktion:
* Paul Brodeur war Wissenschaftsredaktor beim New Yorker. Nach dem Asbestfall schrieb er ein Buch über Mikrowellen. (Deutscher Titel "Mikrowellen, die verheimlichte Gefahr", heute ausverkauft - wie so oft bei solchen Büchern auch nicht mehr nachgedruckt.)