von A.Masson » 28. Oktober 2004 21:34
"Wo kein Strom fliesst, gibt es keine Geräusche": Nein, das kann nicht stimmen. Das eine sind die abspringenden Ladungen, das hängt von der lokalen Feldstärke ab, also netto von der Spannung auf der Leitung - plus vom lokalen Krümmungsradius. Wenn irgendwelche Kratzer auf der Leitung sind, so kann dort ganz lokal (< 1 cm, also direkt am Seil) die Feldstärke viel höher werden, so dass es Elektronen wegreisst. Das hat überhaupt nichts zu tun mit dem Strom, der in der Leitung fliesst.
Das zweite sind Wasser- oder Nebeltropfen auf der Leitung, die sich im Takt der 50 Hz verformen, und dadurch die Luft anstossen. Da war mal vor ca. 2 Jahren ein Artikel in der NZZ, der liesse sich vielleicht noch finden. Ein ganz wunderschönes Bild dazu: Eine Dampflokomotive dampft bei Sonnenschein unter der SBB-Fahrleitung; die Feldstärke verformt die Dampftröpflein - und die ganze Dampfwolke flimmert im Sonnenlicht mit den 16 2/3 Hertz der Bahnleitung. Das gibt ein ganz einzigartiges Bild!
Zum Krümmungsradius mit der hohen Feldstärke, welche Ladungen ausreisst: Im Kanton Zug gibt es eine Leitung 380 kV, wo man direkt die Wohnhäuser unter die bestehende Leitung gebaut hat. Da muss man sich schon überlegen, wie man das überhaupt fertig bringt, mit dem Baukran... das eine Ende der Wohnblocks ist nördlich der Spurmitte, das andere Ende südlich. Aber der Boden ist halt teuer in Zug!
Dort hat es geheissen, das wetterabhängige Knistern sei eine beträchtliche Belastung für die Bewohner. Das EWZ (oder EKZ ??, jedenfalls Zürich) hat hier Versuche gemacht, unter die Doppelseile nachträglich noch einen dritten Draht einzuhängen. Damit wird der Querschnitt vergrössert, verrundet, kommt näher zu einem grossen Kreis (alle drei Drähte zusammen betrachten), d.h. der Krümmungsradius vergrössert sich, d.h. die Koronageräusche nehmen ab. Wie genau die Erfahrungen sind, weiss ich nicht. Man hat Messungen der Knisterlautstärke gemacht, aber wie stark es psychologisch stört, kann anders verlaufen, als was die Messungen per Mikrophon anzeigen.
Mit Elektrosmog hat das alles nichts zu tun. Vom elektrischen Feld reden sie nicht dort, das wird von den Häusern offenbar völlig abgeschirmt. Das Magnetfeld kann die Grenze von 1 Mikrotesla bei hohen Stromstärken nicht einhalten, und weil es eine alte Leitung ist, ist das egal. Die Stromstärke kann beträchtlich schwanken - das war mein Einstieg dort in den Elektrosmog, da habe ich erstmals Wochenprofile der Stromstärke aufgenommen, in einem Haus drin.
Dabei habe ich auch folgendes gehört: Normalerweise fliesst offenbar nicht viel Strom in dieser Leitung - das kann aber sprunghaft ändern. Als eine Lawine im Tessin eine völlig andere Leitung kaputt gemacht hat, sei bei dieser Zuger Leitung ganz plötzlich das Fünffache des normalen Stromes geflossen. Da alles mit allem zusammengeschlossen ist, kann man nie genau sagen, wo wieviel Strom fliesst, das stellt sich automatisch ein je nach Belastung, Produktion, Export, etc. Wird irgendwo eine Leitung wegen Wartungsarbeiten ausgeschaltet, kann das in einem ganz anderen Landesteil einen viel höheren Strom bedeuten. Komplizierter wird es nochmals, weil bei dieser Leitung drei Stränge verschiedener Kraftwerke mit unterschiedlichen Start- und Zielpunkten drauf sind. Jeder Strang schwankt sogar für sich... Einen Tagesgang sieht man jedenfalls wunderschön, auch dass Samstag/Sonntag ganz anders aussieht als während der Wochentage.
Sorry, das war wieder mal viel zu lang! A.Masson
"Wo kein Strom fliesst, gibt es keine Geräusche": Nein, das kann nicht stimmen. Das eine sind die abspringenden Ladungen, das hängt von der lokalen Feldstärke ab, also netto von der Spannung auf der Leitung - plus vom lokalen Krümmungsradius. Wenn irgendwelche Kratzer auf der Leitung sind, so kann dort ganz lokal (< 1 cm, also direkt am Seil) die Feldstärke viel höher werden, so dass es Elektronen wegreisst. Das hat überhaupt nichts zu tun mit dem Strom, der in der Leitung fliesst.
Das zweite sind Wasser- oder Nebeltropfen auf der Leitung, die sich im Takt der 50 Hz verformen, und dadurch die Luft anstossen. Da war mal vor ca. 2 Jahren ein Artikel in der NZZ, der liesse sich vielleicht noch finden. Ein ganz wunderschönes Bild dazu: Eine Dampflokomotive dampft bei Sonnenschein unter der SBB-Fahrleitung; die Feldstärke verformt die Dampftröpflein - und die ganze Dampfwolke flimmert im Sonnenlicht mit den 16 2/3 Hertz der Bahnleitung. Das gibt ein ganz einzigartiges Bild!
Zum Krümmungsradius mit der hohen Feldstärke, welche Ladungen ausreisst: Im Kanton Zug gibt es eine Leitung 380 kV, wo man direkt die Wohnhäuser unter die bestehende Leitung gebaut hat. Da muss man sich schon überlegen, wie man das überhaupt fertig bringt, mit dem Baukran... das eine Ende der Wohnblocks ist nördlich der Spurmitte, das andere Ende südlich. Aber der Boden ist halt teuer in Zug!
Dort hat es geheissen, das wetterabhängige Knistern sei eine beträchtliche Belastung für die Bewohner. Das EWZ (oder EKZ ??, jedenfalls Zürich) hat hier Versuche gemacht, unter die Doppelseile nachträglich noch einen dritten Draht einzuhängen. Damit wird der Querschnitt vergrössert, verrundet, kommt näher zu einem grossen Kreis (alle drei Drähte zusammen betrachten), d.h. der Krümmungsradius vergrössert sich, d.h. die Koronageräusche nehmen ab. Wie genau die Erfahrungen sind, weiss ich nicht. Man hat Messungen der Knisterlautstärke gemacht, aber wie stark es psychologisch stört, kann anders verlaufen, als was die Messungen per Mikrophon anzeigen.
Mit Elektrosmog hat das alles nichts zu tun. Vom elektrischen Feld reden sie nicht dort, das wird von den Häusern offenbar völlig abgeschirmt. Das Magnetfeld kann die Grenze von 1 Mikrotesla bei hohen Stromstärken nicht einhalten, und weil es eine alte Leitung ist, ist das egal. Die Stromstärke kann beträchtlich schwanken - das war mein Einstieg dort in den Elektrosmog, da habe ich erstmals Wochenprofile der Stromstärke aufgenommen, in einem Haus drin.
Dabei habe ich auch folgendes gehört: Normalerweise fliesst offenbar nicht viel Strom in dieser Leitung - das kann aber sprunghaft ändern. Als eine Lawine im Tessin eine völlig andere Leitung kaputt gemacht hat, sei bei dieser Zuger Leitung ganz plötzlich das Fünffache des normalen Stromes geflossen. Da alles mit allem zusammengeschlossen ist, kann man nie genau sagen, wo wieviel Strom fliesst, das stellt sich automatisch ein je nach Belastung, Produktion, Export, etc. Wird irgendwo eine Leitung wegen Wartungsarbeiten ausgeschaltet, kann das in einem ganz anderen Landesteil einen viel höheren Strom bedeuten. Komplizierter wird es nochmals, weil bei dieser Leitung drei Stränge verschiedener Kraftwerke mit unterschiedlichen Start- und Zielpunkten drauf sind. Jeder Strang schwankt sogar für sich... Einen Tagesgang sieht man jedenfalls wunderschön, auch dass Samstag/Sonntag ganz anders aussieht als während der Wochentage.
Sorry, das war wieder mal viel zu lang! A.Masson