von The Future's Black » 25. November 2004 12:03
© St. Galler Tagblatt; 23.11.2004
Wil
Wiler Zeitung / Volksfreund
Leserbrief
Umsatzwachstum oder Gesundheit
«Antenne bewilligt» und «Fernsehen auf dem Handy», «Wiler Zeitung» vom 17. 11. 2004
Stellen Sie sich vor, in einem Wohnquartier erhebt die Mehrheit der Einwohner Einsprache gegen das Baugesuch für einen Mobilfunk-Antennenturm. Die Einwohner sind mit der bestehenden Versorgung zufrieden und wünschen weder eine Erhöhung der Strahlenbelastung noch einen 30 Meter hohen Turm. Nun kommt der Stadtrat und bewilligt das Gesuch mit dem Hinweis, dass es für einen Antennenturm keine Höhenbeschränkung gäbe. Wären Sie nun nicht auch der Meinung, dass der Stadtrat die Interessen der Einwohner nicht genügend vertritt. Der Stadtrat hätte doch schon lange merken müssen, dass es im Baureglement eine Lücke gibt, wenn jeder Antennenturm bewilligt werden muss.
Die Grünen Prowil haben den Stadtrat Anfang 2004 mit einer Motion aufgefordert, eine Regelung für Mobilfunkantennen ins Baureglement aufzunehmen. Zu einem Baugesuch müsste ein Versorgungskonzept und ein Bedarfsnachweis vorgelegt werden und zudem könnten für sensible Bereiche Schutzzonen geschaffen werden. Der Stadtrat hat diesen Auftrag abgelehnt. Das Parlament hat die Anregung als Postulat an den Stadtrat zurückgegeben. Er muss nun einen Bericht vorlegen, wie das Baureglement ergänzt werden kann. Damit die zukünftige Regelung noch et was bewirkt, muss sie schnell ins Baureglement aufgenommen werden. Zudem muss verhindert werden, dass die Mobilfunkbetreiber schon vorher Antennen auf Vorrat bewilligt erhalten.
Bei der Bewilligung von Mobilfunkantennen geht es um einen Interessenkonflikt. Auf der einen Seite stehen die Anbieter, die eine Umsatzerhöhung anstreben. Auf der anderen Seite stehen die Einwohner, die eine möglichst gesunde Umgebung wünschen. Dass es um die Gesundheit geht, zeigen viele Beispiele, bei denen Menschen und Tiere durch Mobilfunkstrahlung geschädigt sind. Aus dem Bericht «Umwelt-Materialien Nr. 162», des Buwals (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft aus dem Jahr 2003 (
www.buwal-shop.ch) geht hervor, dass bei Antennenanwohnern das Risiko für Leukämie möglicherweise erhöht ist, Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel sowie die Beeinflussung von Hirnströmen werden aufgrund der ausgewerteten Studien als wahrscheinlich bezeichnet. Seit kurzem liegen nun auch Studien zum neuen Funksystem UMTS vor. Diese zeigen, dass UMTS-Strahlung noch deutlich gefährlicher ist als GSM-Strahlung (Schweizerische Ärztezeitung 2004, 85, Nr. 3, Seite105).
In diesem Zusammenhang ist es nun wirklich zynisch, wenn der Swisscom-Mobile-Chef dafür wirbt, Fernsehprogramme sowie Videoclips aus den Bereichen Fussball, Autorennen sowie Erotik über das Mobilfunknetz auf einem UMTS-Handy zu emp-fangen. Ein Tag Fernsehen kos-tet zwölf Franken und ein Erotikfilmchen zwischen 50 Rappen und sechs Franken. Mit diesem Angebot kommen mir die uneingeschränkten Möglichkeiten beim aktuellen Bau von UMTS-Antennen so vor, wie wenn man die Strassen innerorts auf die Bedürfnisse der Raser auslegen würde. Ich hoffe, dass die Behörden und Gerichte in Zukunft nicht nur die Interessen der Mobilfunkanbieter, sondern auch vermehrt die Interessen der Menschen bei geplanten Antennenstandorten unterstützen werden. Dies wäre im Sinne einer direkten Demokratie.
Kurt Stocker
Präsident Grüne Prowil
Weierhofgasse 14, 9500 Wil
© St. Galler Tagblatt; 23.11.2004
Wil
Wiler Zeitung / Volksfreund
Leserbrief
Umsatzwachstum oder Gesundheit
«Antenne bewilligt» und «Fernsehen auf dem Handy», «Wiler Zeitung» vom 17. 11. 2004
Stellen Sie sich vor, in einem Wohnquartier erhebt die Mehrheit der Einwohner Einsprache gegen das Baugesuch für einen Mobilfunk-Antennenturm. Die Einwohner sind mit der bestehenden Versorgung zufrieden und wünschen weder eine Erhöhung der Strahlenbelastung noch einen 30 Meter hohen Turm. Nun kommt der Stadtrat und bewilligt das Gesuch mit dem Hinweis, dass es für einen Antennenturm keine Höhenbeschränkung gäbe. Wären Sie nun nicht auch der Meinung, dass der Stadtrat die Interessen der Einwohner nicht genügend vertritt. Der Stadtrat hätte doch schon lange merken müssen, dass es im Baureglement eine Lücke gibt, wenn jeder Antennenturm bewilligt werden muss.
Die Grünen Prowil haben den Stadtrat Anfang 2004 mit einer Motion aufgefordert, eine Regelung für Mobilfunkantennen ins Baureglement aufzunehmen. Zu einem Baugesuch müsste ein Versorgungskonzept und ein Bedarfsnachweis vorgelegt werden und zudem könnten für sensible Bereiche Schutzzonen geschaffen werden. Der Stadtrat hat diesen Auftrag abgelehnt. Das Parlament hat die Anregung als Postulat an den Stadtrat zurückgegeben. Er muss nun einen Bericht vorlegen, wie das Baureglement ergänzt werden kann. Damit die zukünftige Regelung noch et was bewirkt, muss sie schnell ins Baureglement aufgenommen werden. Zudem muss verhindert werden, dass die Mobilfunkbetreiber schon vorher Antennen auf Vorrat bewilligt erhalten.
Bei der Bewilligung von Mobilfunkantennen geht es um einen Interessenkonflikt. Auf der einen Seite stehen die Anbieter, die eine Umsatzerhöhung anstreben. Auf der anderen Seite stehen die Einwohner, die eine möglichst gesunde Umgebung wünschen. Dass es um die Gesundheit geht, zeigen viele Beispiele, bei denen Menschen und Tiere durch Mobilfunkstrahlung geschädigt sind. Aus dem Bericht «Umwelt-Materialien Nr. 162», des Buwals (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft aus dem Jahr 2003 (www.buwal-shop.ch) geht hervor, dass bei Antennenanwohnern das Risiko für Leukämie möglicherweise erhöht ist, Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel sowie die Beeinflussung von Hirnströmen werden aufgrund der ausgewerteten Studien als wahrscheinlich bezeichnet. Seit kurzem liegen nun auch Studien zum neuen Funksystem UMTS vor. Diese zeigen, dass UMTS-Strahlung noch deutlich gefährlicher ist als GSM-Strahlung (Schweizerische Ärztezeitung 2004, 85, Nr. 3, Seite105).
In diesem Zusammenhang ist es nun wirklich zynisch, wenn der Swisscom-Mobile-Chef dafür wirbt, Fernsehprogramme sowie Videoclips aus den Bereichen Fussball, Autorennen sowie Erotik über das Mobilfunknetz auf einem UMTS-Handy zu emp-fangen. Ein Tag Fernsehen kos-tet zwölf Franken und ein Erotikfilmchen zwischen 50 Rappen und sechs Franken. Mit diesem Angebot kommen mir die uneingeschränkten Möglichkeiten beim aktuellen Bau von UMTS-Antennen so vor, wie wenn man die Strassen innerorts auf die Bedürfnisse der Raser auslegen würde. Ich hoffe, dass die Behörden und Gerichte in Zukunft nicht nur die Interessen der Mobilfunkanbieter, sondern auch vermehrt die Interessen der Menschen bei geplanten Antennenstandorten unterstützen werden. Dies wäre im Sinne einer direkten Demokratie.
Kurt Stocker
Präsident Grüne Prowil
Weierhofgasse 14, 9500 Wil