Forschung - wohin? (3)

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Re: Forschung - wohin? (3) Wischiwaschi-Antwort

von Evi Gaigg » 24. Mai 2005 23:39

Hat wer was anderes erwartet? Wir nicht, wir haben eine solche Wischiwaschi-Antwort voraus gesehen. Näheres ist den beiden Beiträgen www.gigaherz.ch/872 und www.gigaherz.ch/873 zu entnehmen. Beide behandeln "Offene Fragen zur TNO-Replikation".

Sunset trifft mit seiner Einschätzung den Nagel auf den Kopf.
Wir sagen es noch ein wenig deutlicher: Es durfte doch bei dieser Studie gar nichts anderes herauskommen, sonst wäre die Mobilfunkindustrie in lautes Indianergeheul ausgebrochen und hätte mit der Streichung künftiger Forschungsgelder gedroht. Darum hat man sich auch beeilt, gleich vorsorglich eine entsprechende Vorinformation zu geben. Schliesslich sind es jetzt schon mehrere Gemeinden, die ihre Entscheidung vom Ausgang dieser Studie abhängig machen.

In diesem Zusammenhang darf noch die Frage gestellt werden, warum die Schweiz auch die Reflexstudie mit einem beträchtlichen Beitrag mitfinanziert hat, wenn aus den Ergebnissen nicht die geringsten Konsequenzen gezogen wurden. Immerhin sind es Mittel, die der Steuerzahler mitträgt. Dafür wird dieser dann benachteiligt, indem zum Schutz seiner Gesundheit nicht das Geringste unternommen wird.

Geforscht wird - das hat mittlerweile jeder Häfelischüler begriffen - um des Kaisers Bart.

Evi Gaigg

Forschung - wohin? (3)

von Sunset » 24. Mai 2005 20:37

Eine aufsehenerregende Studie des niederländischen TNO-Instituts hat bereits Ende 2003 bewiesen, dass nur schon kurzzeitige UMTS Strahlung kognitive und Befindens-Störungen verursacht, mit anderen Worten, dass erstens die Denkfähigkeit beeinflusst wird, und dass zweitens sonstige gesundheitliche Effekte auftreten, die nichts anderes sein können, als die messbaren Auswirkungen strahlungsinduzierter Hormonausschüttung. Die Studie sagt aber nichts der Frage aus, die eigentlich interessiert, nämlich ob andauernde UMTS Strahlung längerfristige Auswirkungen auf die Gesundheit habe.
Die Studie beunruhigte die Mobilfunkindustrie dennoch, und ihr steuerbefreites Marketing-Joint-Venture namens "Forschungsstiftung Mobilkommunikation" gab eine weitere Studie in Zürich in Auftrag. Diese wird Ende 2005 mit dem Schlussbericht abgeschlossen, also erst zwei lange Jahre nach der TNO-Studie, obwohl sie diese lediglich replizieren (nachbilden) soll. In der Zwischenzeit werden aber die vorhandenen spezialisierten Wissenschafter ihr Brot von der Stiftung erhalten und ihre medizinischen Labors sind für die Untersuchung von eigentlichen Strahlungskranken blockiert, was der Mobilfunkindustrie wertvollen Zeitgewinn verschafft und anderen Erkenntnisgewinn verhindert. Denn die Fragestellung dieser Zürcher Studie lenkt einmal mehr von den längerfristigen gesundheitlichen Auswirkungen ab.
In der kürzlich veröffentlichten Stellungnahme der "Forschungsstiftung Mobilkommunikation" wird das jetzt schon bekannte Ergebnis der Zürcher Studie vorweg genommen. Es wird nämlich geschrieben: "Kurzfristige, subtile Effekte auf das Wohlbefinden und kognitive Funktionen bedingen ...". Was nach "bedingen ..." folgt, ist eine der bekannten gewundenen Bestreitungen von Gesundheitsschädigung durch Mobilfunkfrequenzen, und ist somit nicht wirklich wichtig. Wichtig ist aber, dass die Stellungnahme im Klartext bedeutet, dass auch das Ergebnis der Zürcher Studie mit 84 Versuchspersonen nicht mehr überraschend sein wird, nämlich dass UMTS Strahlung das Denk-, Konzentrations-, Gedächtnis- und Reaktionsvermögen (als "kognitive Fähigkeiten" bezeichnet) tatsächlich beeinflusst, und dass dieselbe Strahlung auch vorübergehende Hormonstörungen (als "Effekte auf das Wohlbefinden" bezeichnet) auslöst.
Und jetzt doch noch zu dem, was nach "bedingen ..." kommt, nämlich [die vorübergehenden Effekte] "... bedeuten nicht zwingend ein längerfristiges Gesundheitsrisiko". Dieser Satzteil ist logisch und ist wahr. Er so logisch richtig und so wahr wie und gleichzeitig auch so beschämend läppisch wie die Folgerung "wenn 84 Versuchspersonen je eine einzelne Zigarette rauchen, und dabei durch das Nikotin einen Kick fühlen und einige auch hüsteln, bedeutet dieses noch nicht zwingend, dass durch Tabak weltweit Millionen schwer erkranken". Die Zürcher Forscher wurden ja auch gar nicht nach den Langzeitschäden an der menschlichen Gesundheit gefragt, welche einzig entscheidend sind, sondern nur nach den bereits bekannten und auch bereits in Zürich nachgewiesenen ganz kurzzeitigen und vorübergehenden Effekten. Der Satzteil "... bedeuten nicht zwingend ein längerfristiges Gesundheitsrisiko" ist nicht die Antwort auf eine (gar nicht) gestellte Frage, sondern eine zusammenhangslose Floskel wie "Eine Schwalbe allein macht noch keinen Frühling".
Die mit der Zürcher Studie Beauftragten wurden ja nur danach gefragt, welche Effekte bei ganz kurzzeitiger Bestrahlung eintreten, die nur ganz kurzfristig auftreten und beinahe sofort wieder abklingen. Somit wird man nach der Zürcher Studie Ende 2005 nicht mehr wissen, als man Ende 2003 von der TNO-Studie wusste, womit die Zürcher Studie wohl den von den Sponsoren erhofften Zweck voll erfüllen wird.

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