Appell an UN und WHO
Eva Weber, Dienstag, 12. Mai 2015, 10:47 (vor 25 Minuten)
International EMF Scientist Appeal
To: His Excellency Ban Ki-moon, Secretary-General of the United Nations
Honorable Dr. Margaret Chan, Director-General of the World Health Organization
U.N. Member States
http://www.emfscientist.org/index.php/e ... ist-appeal
Viele Wissenschaftler haben unterzeichnet.
Quelle:
http://www.hese-project.org/Forum/allg/ ... hp?id=7367
Beim angegebenen Link findet man ua. erfreulicherweise auch eine deutsche Uebersetzung!
An: Herrn Ban Ki-moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen
Frau Dr. Margaret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation
Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen
Internationaler Appell
Wissenschaftler rufen zum Schutz vor
nicht-ionisierenden elektromagnetischen Feldern auf
Wir sind Wissenschaftler, die sich mit der Untersuchung biologischer und gesundheitlicher
Wirkungen nicht-ionisierender elektromagnetischer Felder (EMF) befassen. Basierend auf den von
Experten geprüften Publikationen haben wir im Hinblick auf die allgegenwärtige und stetig zunehmende
Exposition gegenüber EMF, die von Elektroanlagen und Funkgeräten ausgehen,
erhebliche Bedenken. Dies gilt für – ist aber nicht begrenzt auf – Geräte, die wie Mobil- und
Schnurlostelefone und ihre Basisstationen, WLAN, Rundfunk- und Fernsehantennen, intelligente
Zähler („smart meter“) und Baby-Monitore hochfrequente Strahlen (RF-EMF) aussenden. Es trifft
auch zu für elektrische Geräte und Infrastrukturen, die Elektrizität verteilen, wobei extrem
niederfrequente elektromagnetische Felder (ELF-EMF) entstehen.
Wissenschaftliche Grundlage unserer gemeinsamen Sorge
Zahlreiche kürzlich erschienene wissenschaftliche Publikationen zeigen, dass EMF – deutlich
unterhalb der meisten international und national geltenden Grenzwerte – auf lebende Organismen
einwirken. Die Wirkungen umfassen ein erhöhtes Krebsrisiko, zellulären Stress, einen Anstieg
gesundheitsschädlicher freier Radikale, genetische Schäden, Änderungen von Strukturen und
Funktionen im Reproduktionssystem, Defizite beim Lernen und Erinnern, neurologische Störungen
und negative Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden der Menschen. Wie die sich mehrenden
Belege für schädliche Auswirkungen auch auf die Pflanzen- und Tierwelt zeigen, reicht die
Bedrohung weit über die Menschheit hinaus.
Diese Erkenntnisse rechtfertigen unsere Aufforderung an die Vereinten Nationen (UN) und alle ihre
Mitgliedstaaten, dass sie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ermutigen, bei der Entwicklung
von EMF-Richtlinien, die einen wirklich wirksamen Schutz gewähren, bei der Durchsetzung von
Präventivmaßnahmen und bei der Aufklärung der Öffentlichkeit über die gesundheitlichen Risiken,
insbesondere hinsichtlich der Risiken für Kinder und Schwangere, in tatkräftiger Weise die Führung
zu übernehmen. Sollte die WHO nicht handeln, versagt sie bei der Erfüllung ihres Auftrags als
höchstrangige internationale Gesundheitsorganisation.
Unzulängliche internationale Richtlinien für nicht-ionisierende EMF
Die unterschiedlichen Behörden, die für die Festlegung der Grenzwerte zuständig sind, haben ihren
Auftrag verfehlt, geeignete Richtlinien zum Schutz der Bevölkerung und darunter insbesondere der
Kinder, die für EMF-Wirkungen besonders anfällig sind, durchzusetzen.
Die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) veröffentlichte 1998
ihre „Richtlinien für die Begrenzung der Exposition durch zeitlich veränderliche elektrische,
magnetische und elektromagnetische Felder (bis 300 GHz)“1. Diese Richtlinien werden von der WHO
1
http://www.icnirp.org/cms/upload/public ... gdlger.pdf
2
und zahlreichen Ländern weltweit anerkannt. Um eine internationale Harmonisierung der Grenzwerte
zu erreichen, ruft die WHO dazu auf, dass alle Lnder die ICNIRP-Richtlinien übernehmen. Im Jahr
2009 veröffentlichte die ICNIRP eine Stellungnahme, in der sie ihre Richtlinien von 1998 erneut
bekräftigte, da ihrer Meinung nach „die wissenschaftliche Literatur in der Zwischenzeit keine Beweise
für irgendwelche schädlichen Wirkungen unterhalb der Grenzwerte erbracht habe und deshalb eine
umgehende Revision ihrer Richtlinien zur Begrenzung der Exposition gegenüber hochfrequenten
elektromagnetischen Feldern nicht erforderlich sei“.2 Die ICNIRP hält bis zum heutigen Tag an dieser
Darstellung fest, obwohl die wissenschaftlichen Fakten zunehmend das Gegenteil belegen. Nach
unserer Überzeugung sind die ICNIRP-Richtlinien schon deshalb nicht geeignet, die Gesundheit der
Menschen zu schützen, weil sie die Bereiche Langzeit-Exposition und Wirkung niedriger Intensitäten
nicht berücksichtigen.
Die WHO schloss sich 2002 der Einstufung niederfrequenter elektromagnetischen Felder (ELF-EMF)3
und 2011 der Einstufung hochfrequenter elektromagnetischer Felder (RF-EMF)4 durch die
Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) an. Diese Einstufung bedeutet, dass EMFs
möglicherweise krebserregend für den Menschen (Gruppe 2B) sind. Trotz der beiden IARCEinstufungen
geht die WHO weiterhin davon aus, dass die vorliegenden Beweise nicht ausreichen, um
eine quantitative Senkung der Grenzwerte zu rechtfertigen.
Da die Grenzwertfestlegung zur Verhinderung schädlicher gesundheitlicher Wirkungen kontrovers
beurteilt wird, schlagen wir vor, dass die Vereinten Nationen (UNEP) sich in ihrem Umweltprogramm
mit der Angelegenheit befassen und Mittel für einen unabhängigen interdisziplinären Ausschuss
bereitstellen, welcher das Für und Wider von Alternativen zur derzeitigen Praxis erforscht und prüft,
wie die Exposition der Menschen gegenüber RF- und ELF-Feldern substanziell verringert werden
könnte. Die Beratungen dieses Ausschusses sollten transparent und unvoreingenommen durchgeführt
werden. Obwohl es wichtig erscheint, dass bei diesem Prozess auch die Industrie beteiligt ist, darf es
es ihr nicht gestattet werden, den Verlauf und die sich ergebenden Schlussfolgerungen in ihrem Sinne
zu beeinflussen. Dieser Ausschuss sollte seine Erkenntnisse an die UN und die WHO weiterleiten, um
die Weichen für vorbeugende Maßnahmen zu stellen.
Gemeinsam fordern wir auch, dass
1. Kinder und Schwangere besonders geschützt werden;
2. Richtlinien und Ausführungsbestimmungen verbessert werden;
3. die Hersteller ermuntert werden, sicherere Technologien zu entwickeln;
4. die Einrichtungen, die für Erzeugung, Weiterleitung, Verteilung und Überwachung der Elektrizität
verantwortlich sind, angemessene Stromqualität bereithalten und ordnungsgemäße elektrische
Leitungsnetze bereitstellen, um schädlichen Streustrom möglichst gering zu halten;
5. die Öffentlichkeit über die möglichen gesundheitlichen Risiken elektromagnetischer Felder
vollständig aufgeklärt und über Maßnahmen zur Verminderung der Schädlichkeit unterrichtet
wird;
6. medizinisches Fachpersonal über die biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder
unterrichtet und für die Behandlung elektrosensibler Patienten ausgebildet wird;
7. die Regierungen für Ausbildung und Forschung zum Thema elektromagnetische Felder und
Gesundheit Mittel bereitstellen, und zwar unabhängig von der Industrie und von der Forschung,
die von der Industrie in Auftrag gegeben wird;
8. die Medien finanzielle Verbindungen von Experten zur Industrie offenlegen, wenn sie deren
Meinung zu Gesundheits- und Sicherheitsaspekten EMF-emittierender Technologien zitieren; und
9. für Elektrosensible weiße Zonen (strahlungsfreie Gebiete) ausgewiesen werden.
Geplantes Datum der Einreichung: Frühling 2015
2
http://www.icnirp.org/cms/upload/public ... entEMF.pdf
3
http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol80/
4
http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol102/
3
Anfragen an Elizabeth Kelley, M.A., Director, EMFscientist.org, at
info@EMFscientist.org.
Anmerkung: Die Unterzeichner dieses Appells haben als Individuen gehandelt, ihre beruflichen Zugehörigkeit haben sie angegeben, was
aber nicht bedeutet, dass dies die Meinung ihrer Arbeitgeber oder der Berufsverbände, denen sie angehören, wiedergibt.