von Eva Weber » 25. März 2018 18:33
conviva hat geschrieben: Yu Ganqing ist genervt, dass er heute ins Bürgeramt muss. Seine Arbeit unterbrechen, Dinge liegenlassen. Aber anders geht es nicht. Yu Ganqing benötigt eine Bescheinigung über seine "soziale Vertrauenswürdigkeit". Das Führungszeugnis muss sich der 30-Jährige auf dem Bürgeramt in Rongcheng ausdrucken lassen. Es enthält einen Punktestand. Diese Benotung errechnen die Behörden mit einem weltweit beispiellosen Sozialkredit-System, das die kommunistische Führung bis 2020 in ganz China einführen will. Es trennt zwischen guten und schlechten Bürgern. "Ich brauche das Papier, um den Kredit für eine Wohnung zu beantragen", sagt der Angestellte.
Nebenbei, bei uns ist bekannt, dass ältere Bürger trotz untadeliger Lebensführung, sicherer Einnahme, keine Schulden, sogar mit Besitz, also eigentlich mit einem guten Punktekonto, keine Chance haben einen Bankkredit zu bekommen. Auch nicht, wenn sie sich stets sozial engagierten. Liest man immer wieder in den Zeitungen.
Und nun zum eigentlichen Thema: Ich meine sogar, dass das chinesische Volk, diese Art der Bevormundung von Mao her noch in sich trägt, also ihm gar nichts Unbekanntes widerfährt. Es ist eine andere Mentalität in der der Einzelne eigentlich als relativ unwichtig angesehen wird. Vielleicht kommt es auch von der großen Bevölkerungsdichte, dass der einzelne Mensch nahezu nichts ist. Durch dieses Punktesystem, dem keiner entfliehen kann, ist es möglich, mit der Zeit höher zu kommen und sich vielleicht sogar Ansehen zu erwerben. Daher m.E. die große Zustimmung.
Zu befürchten ist aber, dass diese Bevormundung und Totalüberwachung nicht nur in China - dort findet dies sogar Befürwortung - sondern weltweit Schule macht. Bei uns monieren noch ab und zu Datenschutzbeauftragte, aber das könnte sich ändern mangels Interesse der breiten Bevölkerung. Die meisten Nutzer finden auch hier zu Lande nichts dabei, wenn sie überall mit allem Möglichen irgendwo registriert sind. Ein Hinweis auf die mittlerweile fortschreitende Durchsichtigkeit des Bürgers wird meistens so beantwortet: Ich habe doch nichts zu verbergen. Das ist eben unsere Zeit! Wenn in 10-15 Jahren heute junge stets mit Funktechnik Beschäftigte und Bestrahlte übernehmen, findet wahrscheinlich keiner mehr etwas dabei, wenn ihm eine Stimme im voraus sagt, was er übermorgen tun wird! Sie setzen sich jetzt schon ganz bewusst eine Siri oder Alexa ins Haus. Und so etwas macht sie happy, schon allein deswegen, weil es eine Supertechnik ist und weil man "in" ist. Lange ist es her, aber ich bedauerte dereinst die Bewohner der DDR, denn sie wussten nicht, ob und wo im Haus eine Wanze sitzt.
Ich musste kürzlich in die Stadt. Termin nicht anders möglich als frühmorgens. Also öffentliche Verkehrsmittel zur Hauptverkehrszeit. Voller konnte der Bus nicht sein. Mir gegenüber zwei junge Leute, blass, total müde, langsam am Smartphone wischend. Neben mir eine junge Dame das selbe. Über mir Smartphones durch stehende Fahrgäste. Smartphones wohin ich auch sah. Eine Horrorfahrt fast eine halbe Stunde wobei mir schier der Kopf platzte. Stoische, abwesende, müde Menschen. Ich denke, dass man sie bald völlig in der Hand hat, wenn es nicht schon gänzlich der Fall ist.
Da ist China nicht weit. Nur solch offene Fleißpunkte, wie in China kann man sich hier nicht vorstellen. Das könnte doch auch so sein, dass einer gute Berufschancen hat und der Andere nicht, trotz Ehrlichkeit und Fleiß. Er wird kaum dahinterkommen, was über ihn irgendwo gespeichert ist bzw. ein Logarithmus ermittelt hat. Wenn dieses System nicht vorher zusammenbricht, dann ade schöne Welt! Ganz abgesehen davon, dass Mensch und Umwelt krank werden.
Eva Weber
[quote="conviva"] Yu Ganqing ist genervt, dass er heute ins Bürgeramt muss. Seine Arbeit unterbrechen, Dinge liegenlassen. Aber anders geht es nicht. Yu Ganqing benötigt eine Bescheinigung über seine "soziale Vertrauenswürdigkeit". Das Führungszeugnis muss sich der 30-Jährige auf dem Bürgeramt in Rongcheng ausdrucken lassen. Es enthält einen Punktestand. Diese Benotung errechnen die Behörden mit einem weltweit beispiellosen Sozialkredit-System, das die kommunistische Führung bis 2020 in ganz China einführen will. Es trennt zwischen guten und schlechten Bürgern. "Ich brauche das Papier, um den Kredit für eine Wohnung zu beantragen", sagt der Angestellte. [/quote]
Nebenbei, bei uns ist bekannt, dass ältere Bürger trotz untadeliger Lebensführung, sicherer Einnahme, keine Schulden, sogar mit Besitz, also eigentlich mit einem guten Punktekonto, keine Chance haben einen Bankkredit zu bekommen. Auch nicht, wenn sie sich stets sozial engagierten. Liest man immer wieder in den Zeitungen.
Und nun zum eigentlichen Thema: Ich meine sogar, dass das chinesische Volk, diese Art der Bevormundung von Mao her noch in sich trägt, also ihm gar nichts Unbekanntes widerfährt. Es ist eine andere Mentalität in der der Einzelne eigentlich als relativ unwichtig angesehen wird. Vielleicht kommt es auch von der großen Bevölkerungsdichte, dass der einzelne Mensch nahezu nichts ist. Durch dieses Punktesystem, dem keiner entfliehen kann, ist es möglich, mit der Zeit höher zu kommen und sich vielleicht sogar Ansehen zu erwerben. Daher m.E. die große Zustimmung.
Zu befürchten ist aber, dass diese Bevormundung und Totalüberwachung nicht nur in China - dort findet dies sogar Befürwortung - sondern weltweit Schule macht. Bei uns monieren noch ab und zu Datenschutzbeauftragte, aber das könnte sich ändern mangels Interesse der breiten Bevölkerung. Die meisten Nutzer finden auch hier zu Lande nichts dabei, wenn sie überall mit allem Möglichen irgendwo registriert sind. Ein Hinweis auf die mittlerweile fortschreitende Durchsichtigkeit des Bürgers wird meistens so beantwortet: Ich habe doch nichts zu verbergen. Das ist eben unsere Zeit! Wenn in 10-15 Jahren heute junge stets mit Funktechnik Beschäftigte und Bestrahlte übernehmen, findet wahrscheinlich keiner mehr etwas dabei, wenn ihm eine Stimme im voraus sagt, was er übermorgen tun wird! Sie setzen sich jetzt schon ganz bewusst eine Siri oder Alexa ins Haus. Und so etwas macht sie happy, schon allein deswegen, weil es eine Supertechnik ist und weil man "in" ist. Lange ist es her, aber ich bedauerte dereinst die Bewohner der DDR, denn sie wussten nicht, ob und wo im Haus eine Wanze sitzt.
Ich musste kürzlich in die Stadt. Termin nicht anders möglich als frühmorgens. Also öffentliche Verkehrsmittel zur Hauptverkehrszeit. Voller konnte der Bus nicht sein. Mir gegenüber zwei junge Leute, blass, total müde, langsam am Smartphone wischend. Neben mir eine junge Dame das selbe. Über mir Smartphones durch stehende Fahrgäste. Smartphones wohin ich auch sah. Eine Horrorfahrt fast eine halbe Stunde wobei mir schier der Kopf platzte. Stoische, abwesende, müde Menschen. Ich denke, dass man sie bald völlig in der Hand hat, wenn es nicht schon gänzlich der Fall ist.
Da ist China nicht weit. Nur solch offene Fleißpunkte, wie in China kann man sich hier nicht vorstellen. Das könnte doch auch so sein, dass einer gute Berufschancen hat und der Andere nicht, trotz Ehrlichkeit und Fleiß. Er wird kaum dahinterkommen, was über ihn irgendwo gespeichert ist bzw. ein Logarithmus ermittelt hat. Wenn dieses System nicht vorher zusammenbricht, dann ade schöne Welt! Ganz abgesehen davon, dass Mensch und Umwelt krank werden.
Eva Weber