von Evi » 1. März 2006 11:10
Auch wenn bis heute kein Fall aktenkundig ist: Das unsägliche Phänomen des Happy Slapping als Form jugendlicher Gewalt hat auch Aarau erreicht. Der Stadtrat setzt primär auf Polizeipräsenz und auf Prävention in den Schulen.
Es war die Fraktion der Grünen und Jetzt!, die Fälle von Gewalt in Aarau im Einwohnerrat mit einer Anfrage thematisierte. Die Rede ist vom so genannten Happy Slapping, bei dem Jugendliche in einer Gruppe harmlose Passanten attackieren, wobei der zweifelhafte «Spass» mit dem Handy gefilmt und anschliessend ins Internet gestellt wird.
Das perverse «Freizeitvergnügen» hat von England aus im vergangenen Jahr den Kontinent erreicht und scheint jetzt auch in der Aargauer Kantonshauptstadt praktiziert zu werden.
Mehrere Fälle bekannt
Bekannt ist ein Vorfall am Wochenende vom 21./22. Januar, weitere Berichte von Exzessen mit Happy Slapping liegen vor. Die Übergriffe, so Stadtrat Ruedi Zinniker bei der Beantwortung der Fragen, passierten meistens in der Freitag- und Samstagnacht, wobei Gruppen von sechs bis zwölf Jugendlichen jeweils vom Bahnhof her in verschiedene Lokale ziehen, Fussgänger provozieren und wahllos Gewalt anwenden. Diese Personen, so Zinniker, kämen aus der nahen und weiteren Region, stammten «häufig aus Südosteuropa» und reisten mit der Absicht nach Aarau, sich einen zweifelhaften «Spass zu machen».
Obwohl bis heute kein einziger Fall aktenkundig ist (es gibt eine Dunkelziffer und Angst vor Racheakten), hat die Stadtpolizei als Folge ihre Patrouillentätigkeit in der fraglichen Zeit und an den «Brennpunkten» verstärkt. Bei Personenkontrollen werden gemäss Zinniker die Eltern von Jugendlichen unter 16 Jahren, die nach 22 Uhr auf der Strasse angetroffen werden, benachrichtigt.
Das gleiche Vorgehen greift bei jungen Leuten bis zu 18 Jahren, die sich auffällig oder unflätig verhalten. Die Kontrolltätigkeit passiere in Koordination mit der Kantons- und der Bahnpolizei, doch könne man «nicht überall sein». Die benötigten Ressourcen seien «genügend», wobei der Stadtrat im Falle einer Eskalation «verstärkende Sofortmassnahmen» nicht ausschliesst.
Bahnhofpaten nicht geeignet
Als «nicht geeignet» taxiert der Stadtrat das Modell von freiwilligen «Bahnhofpaten», wie man es von Thun oder von Liestal her kennt. Diese Mediation habe höchstens bei Verstössen gegen Ruhe und Ordnung Erfolg, genüge aber nicht, um «strafrechtliche Taten à la Happy Slapping zu verhindern», betonte Zinniker. Die Polizei könne damit sicher nicht ersetzt werden.
Der Stadtrat setze aber auch auf Prävention gegen Gewalt in Schulen oder Jugendhäusern, sei es durch Gespräche oder durch Kurse, etwa mit dem Projekt «Peace please» in Aarau, wohl wissend, dass die jungen Täter in überwiegender Zahl nicht in der Stadt wohnen, sondern aus den umliegenden Tälern anreisen.
In der anschliessenden Diskussion diagnostizierte Hansruedi Hoffmann (FDP) angesichts dieser «sadistischen Exzesse» eine «grosse Verunsicherung bei der Bevölkerung». Gegen diesen neue Form der Jugendgewalt müsse in Aarau «mit aller Schärfe durchgegriffen werden». Erklärungen oder Beschönigungen seien in diesem Bereich nicht angezeigt. Im Gegensatz zu Zinniker erachtet Ex-Botschafter Hoffmann in dieser ausserordentlichen Situation die «Mittel der Polizei» als unzureichend.
Er behalte sich vor, entsprechende Anträge (zum Beispiel eine Videoüberwachung im Bahnhofareal, mehr Stellenprozente für die Stadtpolizei oder Konfiskation von Handys bei auffälligen Jugendlichen) zu stellen. Entscheidend sei heute, dass «die Politik der Polizei den Rücken stärkt». (MZ 28.2.06)
Soviel zum Thema "Happy Slapping" ,zu dem in diesem Forum kürzlich der beschönigende und verniedlichende Kommentar zu lesen war, es handle sich dabei nur um eine momentane Modeerscheinung. Wie es im obigen Kommentar ganz richtig heisst, seien Beschönigungen in diesem Bereich nicht angezeigt. Wir halten solche Modeerscheinungen für höchst gefährlich!
Mir ist es - sonst überhaupt nicht ängstlich - schon lange nicht mehr geheuer, in den Abend- und Nachtstunden allein durch die Aarauer Bahnhofunterführung zu gehen.
Evi
Auch wenn bis heute kein Fall aktenkundig ist: Das unsägliche Phänomen des Happy Slapping als Form jugendlicher Gewalt hat auch Aarau erreicht. Der Stadtrat setzt primär auf Polizeipräsenz und auf Prävention in den Schulen.
Es war die Fraktion der Grünen und Jetzt!, die Fälle von Gewalt in Aarau im Einwohnerrat mit einer Anfrage thematisierte. Die Rede ist vom so genannten Happy Slapping, bei dem Jugendliche in einer Gruppe harmlose Passanten attackieren, wobei der zweifelhafte «Spass» mit dem Handy gefilmt und anschliessend ins Internet gestellt wird.
Das perverse «Freizeitvergnügen» hat von England aus im vergangenen Jahr den Kontinent erreicht und scheint jetzt auch in der Aargauer Kantonshauptstadt praktiziert zu werden.
Mehrere Fälle bekannt
Bekannt ist ein Vorfall am Wochenende vom 21./22. Januar, weitere Berichte von Exzessen mit Happy Slapping liegen vor. Die Übergriffe, so Stadtrat Ruedi Zinniker bei der Beantwortung der Fragen, passierten meistens in der Freitag- und Samstagnacht, wobei Gruppen von sechs bis zwölf Jugendlichen jeweils vom Bahnhof her in verschiedene Lokale ziehen, Fussgänger provozieren und wahllos Gewalt anwenden. Diese Personen, so Zinniker, kämen aus der nahen und weiteren Region, stammten «häufig aus Südosteuropa» und reisten mit der Absicht nach Aarau, sich einen zweifelhaften «Spass zu machen».
Obwohl bis heute kein einziger Fall aktenkundig ist (es gibt eine Dunkelziffer und Angst vor Racheakten), hat die Stadtpolizei als Folge ihre Patrouillentätigkeit in der fraglichen Zeit und an den «Brennpunkten» verstärkt. Bei Personenkontrollen werden gemäss Zinniker die Eltern von Jugendlichen unter 16 Jahren, die nach 22 Uhr auf der Strasse angetroffen werden, benachrichtigt.
Das gleiche Vorgehen greift bei jungen Leuten bis zu 18 Jahren, die sich auffällig oder unflätig verhalten. Die Kontrolltätigkeit passiere in Koordination mit der Kantons- und der Bahnpolizei, doch könne man «nicht überall sein». Die benötigten Ressourcen seien «genügend», wobei der Stadtrat im Falle einer Eskalation «verstärkende Sofortmassnahmen» nicht ausschliesst.
Bahnhofpaten nicht geeignet
Als «nicht geeignet» taxiert der Stadtrat das Modell von freiwilligen «Bahnhofpaten», wie man es von Thun oder von Liestal her kennt. Diese Mediation habe höchstens bei Verstössen gegen Ruhe und Ordnung Erfolg, genüge aber nicht, um «strafrechtliche Taten à la Happy Slapping zu verhindern», betonte Zinniker. Die Polizei könne damit sicher nicht ersetzt werden.
Der Stadtrat setze aber auch auf Prävention gegen Gewalt in Schulen oder Jugendhäusern, sei es durch Gespräche oder durch Kurse, etwa mit dem Projekt «Peace please» in Aarau, wohl wissend, dass die jungen Täter in überwiegender Zahl nicht in der Stadt wohnen, sondern aus den umliegenden Tälern anreisen.
In der anschliessenden Diskussion diagnostizierte Hansruedi Hoffmann (FDP) angesichts dieser «sadistischen Exzesse» eine «grosse Verunsicherung bei der Bevölkerung». Gegen diesen neue Form der Jugendgewalt müsse in Aarau «mit aller Schärfe durchgegriffen werden». Erklärungen oder Beschönigungen seien in diesem Bereich nicht angezeigt. Im Gegensatz zu Zinniker erachtet Ex-Botschafter Hoffmann in dieser ausserordentlichen Situation die «Mittel der Polizei» als unzureichend.
Er behalte sich vor, entsprechende Anträge (zum Beispiel eine Videoüberwachung im Bahnhofareal, mehr Stellenprozente für die Stadtpolizei oder Konfiskation von Handys bei auffälligen Jugendlichen) zu stellen. Entscheidend sei heute, dass «die Politik der Polizei den Rücken stärkt». (MZ 28.2.06)
Soviel zum Thema "Happy Slapping" ,zu dem in diesem Forum kürzlich der beschönigende und verniedlichende Kommentar zu lesen war, es handle sich dabei nur um eine momentane Modeerscheinung. Wie es im obigen Kommentar ganz richtig heisst, seien Beschönigungen in diesem Bereich nicht angezeigt. Wir halten solche Modeerscheinungen für höchst gefährlich!
Mir ist es - sonst überhaupt nicht ängstlich - schon lange nicht mehr geheuer, in den Abend- und Nachtstunden allein durch die Aarauer Bahnhofunterführung zu gehen.
Evi