von The Future's Black » 5. April 2005 12:33
© Der Bund; 05.04.2005; Seite 25
Stadt-Region
Der Bund
KURZ FROTTIERT
Achtung: lokale Handy-Al-Kaida
Die Warnung erreichte unsere Redaktion, genauer genommen den Leserbriefredaktor, gestern Morgen früh, worauf am Bubenbergplatz 8 sofort Alarmstufe Orange ausgerufen worden ist. Der Inhalt des in ein harmlos aussehendes C6-Couvert verpackten und in Bern abgestempelten Schreibens ist nämlich so brisant und richtet sich an über 90 Prozent der schweizerischen Bevölkerung, an alle Handybenutzerinnen und -benutzer.
«This ist (sic!) a warning message», steht mit schwarzem Tintenstrahl ausgedruckt in grossen Grossbuchstaben auf dem weissen Papier. Und unter jedem Buchstaben tröpfelt Blut heraus (vermuteter Schrifttyp: Gothic extra bold martial). Gewarnt wird davor, dass eine unbekannte Gruppe nicht mehr länger warten könne «mit Zuschlagen», da «weder die Betreiber von Handyantennen noch die Regierung einsichtig sind im Umgang von Menschenrechten was Elektrosmog und andere Luftverschmutzungen anbelangt». Und weiter geht die «Bekanntmachung»: «Wir sind stark und mächtig und werden diese Anlagen zerstören. Sagen sie dann nicht es seien Terroristen gewesen! Terror ist die Auswirkung der Strahlungen von Handyantennen und Handy auf den menschlichen Organismus.»
Damit wir uns nachträglich also nicht vorzuwerfen haben, wir hätten unsere Informationspflicht vernachlässigt, wenn Handyantennen reihenweise von den Dächern gesprengt werden, sagen wir es bereits heute: Liebe «Bund»-Leserinnen und -Leser, sammeln Sie ab sofort wieder Münz, benutzen Sie Telefonkabinen der Swisscom. Notieren sie die Fixnetz-Telefonnummern ihrer Freundinnen in einen Filofax von 1999. Machen sie längerfristig ab. Vermeiden Sie Verspätungen (fahren Sie nicht Bahn oder Auto). Schreiben Sie wieder Liebesbriefe. Kurz: Zerstören Sie jetzt ihre Handys! Nehmen Sie ihren Kindern die Dinger weg. Seien Sie auf der Hut vor Menschen, die Sie beim mobil Telefonieren schräg anschauen. Machen Sie den Zugbegleiter auf die Gefahr aufmerksam, wenn Ihnen jemand verdächtig vorkommt. Die lokale Handy-al-Kaida geht um. Und sagen Sie nicht, wir hätten nicht davor gewarnt.
Dani Landolf
© Der Bund; 05.04.2005; Seite 25
Stadt-Region
Der Bund
KURZ FROTTIERT
Achtung: lokale Handy-Al-Kaida
Die Warnung erreichte unsere Redaktion, genauer genommen den Leserbriefredaktor, gestern Morgen früh, worauf am Bubenbergplatz 8 sofort Alarmstufe Orange ausgerufen worden ist. Der Inhalt des in ein harmlos aussehendes C6-Couvert verpackten und in Bern abgestempelten Schreibens ist nämlich so brisant und richtet sich an über 90 Prozent der schweizerischen Bevölkerung, an alle Handybenutzerinnen und -benutzer.
«This ist (sic!) a warning message», steht mit schwarzem Tintenstrahl ausgedruckt in grossen Grossbuchstaben auf dem weissen Papier. Und unter jedem Buchstaben tröpfelt Blut heraus (vermuteter Schrifttyp: Gothic extra bold martial). Gewarnt wird davor, dass eine unbekannte Gruppe nicht mehr länger warten könne «mit Zuschlagen», da «weder die Betreiber von Handyantennen noch die Regierung einsichtig sind im Umgang von Menschenrechten was Elektrosmog und andere Luftverschmutzungen anbelangt». Und weiter geht die «Bekanntmachung»: «Wir sind stark und mächtig und werden diese Anlagen zerstören. Sagen sie dann nicht es seien Terroristen gewesen! Terror ist die Auswirkung der Strahlungen von Handyantennen und Handy auf den menschlichen Organismus.»
Damit wir uns nachträglich also nicht vorzuwerfen haben, wir hätten unsere Informationspflicht vernachlässigt, wenn Handyantennen reihenweise von den Dächern gesprengt werden, sagen wir es bereits heute: Liebe «Bund»-Leserinnen und -Leser, sammeln Sie ab sofort wieder Münz, benutzen Sie Telefonkabinen der Swisscom. Notieren sie die Fixnetz-Telefonnummern ihrer Freundinnen in einen Filofax von 1999. Machen sie längerfristig ab. Vermeiden Sie Verspätungen (fahren Sie nicht Bahn oder Auto). Schreiben Sie wieder Liebesbriefe. Kurz: Zerstören Sie jetzt ihre Handys! Nehmen Sie ihren Kindern die Dinger weg. Seien Sie auf der Hut vor Menschen, die Sie beim mobil Telefonieren schräg anschauen. Machen Sie den Zugbegleiter auf die Gefahr aufmerksam, wenn Ihnen jemand verdächtig vorkommt. Die lokale Handy-al-Kaida geht um. Und sagen Sie nicht, wir hätten nicht davor gewarnt.
Dani Landolf