von The Future's black » 20. Juni 2005 12:48
© Neue Luzerner Zeitung; 17.06.2005; Seite 29
Zuger Zeitung Gemeinden
Hünenberg
Seilziehen um ein Stromkabel
Die Starkstromleitung SilsBenkenMettlen in den Boden zu verlegen, wäre machbar. Wenn da nicht die Kosten von fast 30 Millionen wären.
VON ESTER NÜSSLI
«Die Gemeinde hat ihre Hausaufgabe vorbildlich gelöst», lobt Erwin Müller. Er ist Pressesprecher des Vereins zur Förderung der Wohnqualität entlang der Hochspannungsleitung SilsBenkenMettlen (VFW). Dieser Verein hatte im Sommer 2003 eine Motion eingereicht und von der Gemeinde eine Machbarkeitsstudie verlangt, wie die Leitung vom Wohngebiet weg verlegt werden könnte. Damals hatte die Betreiberin, das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, die Leitung von 220 auf 380 Kilovolt aufgerüstet. «Dies veranlasste uns damals zum Handeln», sagt Erwin Müller. Und: «Die Ausgangslage ist nun sauber abgeklärt und ein späteres Handeln auf dieser Basis möglich.»
Nicht nach St.-Florians-Prinzip
Auf den ersten Blick präsentiert sich das Resultat der 45 Seiten umfassenden Studie jedoch eher ernüchternd: Die Verlegung in der Luft als «Freileitung», durch unbebautes Gebiet, wäre zwar machbar. Dabei würde jedoch der Naherholungsraum der Gemeinden Cham und Hünenberg tangiert. Zudem würden so der Hünenberger Gemeinderat «neue Betroffene geschaffen». Die Kosten werden in der Studie auf 9,7 Millionen Franken geschätzt. Klar ist, dass die «neuen Betroffenen» wie auch die Gemeinde Cham, die das Vorhaben mit Argusaugen verfolgt, Widerstand leisten würden. «Die Leitung einfach zu verschieben, würde bedeuten, St.-Florians-Politik zu betreiben», winkt denn auch der zuständige Gemeinderat Karl Steinauer deutlich ab. «In Frage käme eigentlich nur eine Verkabelung, soll das Problem wirklich gelöst werden.»
Was die Kosten je nach Variante auf 22 Millionen (Verkabelung von 450 Metern von Drälikon bis Wartstrasse) oder 29 Millionen (Verkabelung auf 720 Metern von Drälikon bis Fildern) hochschnellen lässt. Und eines ist dabei laut Studie auch klar: Die Betreiberin würde einer Verlegung oder Verkabelung der Leitung zwar zustimmen, sich jedoch weder finanziell noch mit ihren personellen Resourcen daran beteiligen. Aufgrund dieser Sachlage empfiehlt der Gemeinderat der Gemeindeversammlung vom nächsten Montag, vorerst einfach vom Bericht Kenntnis zu nehmen.
Hoffen auf Kanton und Bund
Damit sind Problem und Diskussion aber nicht vom Tisch: «Die Zeit arbeitet für die Initianten», betont Karl Steinauer. Diese Aussage stützt er auf verschiedene Gegebenheiten: Zum einen auf die vom Kanton Zug im Richtplantext gemachte Aussage, dass bei Konflikten um Leitungen im Siedlungsgebiet «im Kanton Zug zukünftig der Schutz der Bevölkerung höher gewichtet werden soll als allfällige Mehrkosten für die Verkabelung» und zum andern darauf, dass der Bund gegenwärtig die NIS-Verordnung (NIS = nicht ionisierende Strahlung, im Volksmund «Elektrosmog») überarbeitet und insbesondere die angewandte Technik bei Messungen anpassen will. Würden dabei das Messverfahren geändert oder die Grenzwerte tiefer angesetzt, müssten die Betreiber so oder so über die Bücher.
Im Hinblick darauf sieht die Vorlage eine periodische Überprüfung der Situation alle fünf bis zehn Jahre vor. Weiter hofft Karl Steinauer, dass durch den Zusammenschluss der Leitungsbetreiber in der Swissgrid es in Zukunft weniger Leitungen brauchen könnte. Allerdings handelt es sich bei der, vor rund 50 Jahren erstellten und den Kanton Zug von Menzingen über Baar, Steinhausen und Cham bis Hünenberg querende Leitung, um eine der wenigen Ost-West-Verbindungen im schweizerischen Verbundnetz.
Schlafstörungen und Unwohlsein
«Langfristig wird etwas passieren müssen», betont auch Erwin Müller, VFW. «Dass die Verkabelung technisch machbar ist, ist nun erwiesen.» Der VFW will nun als nächsten Schritt beim Stadtzürcher EW die genauen Messdaten der Strahlung anfordern. «Wenn sich das Werk weigert, die Daten dem Verein herauszugeben, werden wir den Kanton angehen, sie anzufordern. Es wäre bestimmt angebracht, die nunmehr seit 50 Jahren in Betrieb stehende Leitung an moderne Gegebenheiten anzupassen», findet er.
Einige der betroffenen Anwohner klagten über Schlafstörungen und permanentes Unwohlsein, ergänzt der Pressesprecher des VFW. Seiner
Ansicht nach sind auch die Kosten
von 29 Millionen Franken zu relativieren: Die Leitung würde zum Beispiel potenzielle Landkäufer davon ab-
halten, sich in der Sonnhalde anzu-
siedeln. Und damit gingen der Ge-
meinde schliesslich auch Steuergelder verloren.
© Neue Luzerner Zeitung; 17.06.2005; Seite 29
Zuger Zeitung Gemeinden
Hünenberg
Seilziehen um ein Stromkabel
Die Starkstromleitung SilsBenkenMettlen in den Boden zu verlegen, wäre machbar. Wenn da nicht die Kosten von fast 30 Millionen wären.
VON ESTER NÜSSLI
«Die Gemeinde hat ihre Hausaufgabe vorbildlich gelöst», lobt Erwin Müller. Er ist Pressesprecher des Vereins zur Förderung der Wohnqualität entlang der Hochspannungsleitung SilsBenkenMettlen (VFW). Dieser Verein hatte im Sommer 2003 eine Motion eingereicht und von der Gemeinde eine Machbarkeitsstudie verlangt, wie die Leitung vom Wohngebiet weg verlegt werden könnte. Damals hatte die Betreiberin, das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, die Leitung von 220 auf 380 Kilovolt aufgerüstet. «Dies veranlasste uns damals zum Handeln», sagt Erwin Müller. Und: «Die Ausgangslage ist nun sauber abgeklärt und ein späteres Handeln auf dieser Basis möglich.»
Nicht nach St.-Florians-Prinzip
Auf den ersten Blick präsentiert sich das Resultat der 45 Seiten umfassenden Studie jedoch eher ernüchternd: Die Verlegung in der Luft als «Freileitung», durch unbebautes Gebiet, wäre zwar machbar. Dabei würde jedoch der Naherholungsraum der Gemeinden Cham und Hünenberg tangiert. Zudem würden so der Hünenberger Gemeinderat «neue Betroffene geschaffen». Die Kosten werden in der Studie auf 9,7 Millionen Franken geschätzt. Klar ist, dass die «neuen Betroffenen» wie auch die Gemeinde Cham, die das Vorhaben mit Argusaugen verfolgt, Widerstand leisten würden. «Die Leitung einfach zu verschieben, würde bedeuten, St.-Florians-Politik zu betreiben», winkt denn auch der zuständige Gemeinderat Karl Steinauer deutlich ab. «In Frage käme eigentlich nur eine Verkabelung, soll das Problem wirklich gelöst werden.»
Was die Kosten je nach Variante auf 22 Millionen (Verkabelung von 450 Metern von Drälikon bis Wartstrasse) oder 29 Millionen (Verkabelung auf 720 Metern von Drälikon bis Fildern) hochschnellen lässt. Und eines ist dabei laut Studie auch klar: Die Betreiberin würde einer Verlegung oder Verkabelung der Leitung zwar zustimmen, sich jedoch weder finanziell noch mit ihren personellen Resourcen daran beteiligen. Aufgrund dieser Sachlage empfiehlt der Gemeinderat der Gemeindeversammlung vom nächsten Montag, vorerst einfach vom Bericht Kenntnis zu nehmen.
Hoffen auf Kanton und Bund
Damit sind Problem und Diskussion aber nicht vom Tisch: «Die Zeit arbeitet für die Initianten», betont Karl Steinauer. Diese Aussage stützt er auf verschiedene Gegebenheiten: Zum einen auf die vom Kanton Zug im Richtplantext gemachte Aussage, dass bei Konflikten um Leitungen im Siedlungsgebiet «im Kanton Zug zukünftig der Schutz der Bevölkerung höher gewichtet werden soll als allfällige Mehrkosten für die Verkabelung» und zum andern darauf, dass der Bund gegenwärtig die NIS-Verordnung (NIS = nicht ionisierende Strahlung, im Volksmund «Elektrosmog») überarbeitet und insbesondere die angewandte Technik bei Messungen anpassen will. Würden dabei das Messverfahren geändert oder die Grenzwerte tiefer angesetzt, müssten die Betreiber so oder so über die Bücher.
Im Hinblick darauf sieht die Vorlage eine periodische Überprüfung der Situation alle fünf bis zehn Jahre vor. Weiter hofft Karl Steinauer, dass durch den Zusammenschluss der Leitungsbetreiber in der Swissgrid es in Zukunft weniger Leitungen brauchen könnte. Allerdings handelt es sich bei der, vor rund 50 Jahren erstellten und den Kanton Zug von Menzingen über Baar, Steinhausen und Cham bis Hünenberg querende Leitung, um eine der wenigen Ost-West-Verbindungen im schweizerischen Verbundnetz.
Schlafstörungen und Unwohlsein
«Langfristig wird etwas passieren müssen», betont auch Erwin Müller, VFW. «Dass die Verkabelung technisch machbar ist, ist nun erwiesen.» Der VFW will nun als nächsten Schritt beim Stadtzürcher EW die genauen Messdaten der Strahlung anfordern. «Wenn sich das Werk weigert, die Daten dem Verein herauszugeben, werden wir den Kanton angehen, sie anzufordern. Es wäre bestimmt angebracht, die nunmehr seit 50 Jahren in Betrieb stehende Leitung an moderne Gegebenheiten anzupassen», findet er.
Einige der betroffenen Anwohner klagten über Schlafstörungen und permanentes Unwohlsein, ergänzt der Pressesprecher des VFW. Seiner
Ansicht nach sind auch die Kosten
von 29 Millionen Franken zu relativieren: Die Leitung würde zum Beispiel potenzielle Landkäufer davon ab-
halten, sich in der Sonnhalde anzu-
siedeln. Und damit gingen der Ge-
meinde schliesslich auch Steuergelder verloren.