von Remo » 30. März 2008 10:38
Nicht zu fassen, welchen Schrott die SoZ heute publiziert. Da werden diverse Gesundheitsthemen (Amalgam, Elektrosmog, Feinstaub) einfach ins Lachhafte gezogen. In für die Soz seltener Naivität. Am Ende weiss man dann auch wieso: Es will einer ein Buch verkaufen! Titel "Verdreht und hochgespielt". Von Alex Reichmutz, im NZZ-Libro-Verlag.
Wahrscheinlich ist sogar die NZZ auf Annoncen der Mobilfunkindustrie angewiesen.......
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KRANK DURCH STRAHLEN
Waswar: Gemäss Studien des Bundesamtes für Umwelt und der Weltgesundheitsorganisation gefährdet die Mobilfunkstrahlung die Menschen nicht. Trotzdem wehren sich immer noch ganze Gemeinden gegen Antennen: Bei der Swisscom laufen immer mindestens 100 Verfahren, die Bewilligung dauert in der Schweiz zehnmal so lang wie in anderen Ländern.
Was ist: Das Schweizer Gesetz ist eines der strengsten weltweit. Die Grenzwerte betragen 10 Prozent der Limiten in anderen Ländern. Beim Telefonieren entsteht viel stärkere Strahlung, aber auch da gibt es kaum Gefahr.
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Die Reiter der Apokalypse
Wie Wissenschaftler, Umweltorganisationen und Journalisten von der Panikmache profitieren
VON MARKUS SCHÄR
Eine Tafelente auf dem Sempachersee leidet an der Vogelgrippe. Im Mozzarella aus Süditalien findet sich das tödliche Gift Dioxin. Und vom Schelfeis der Antarktis bricht eine riesige Platte ab. Gleich drei Nachrichten schreckten am Freitag uns Medienkonsumierende auf. Ausgerechnet die Meldung vom anderen Ende der Welt musste uns am meisten beunruhigen. «Der Eispanzer der Antarktis zerfällt », warnte der «Tages-Anzeiger ». Und der Redaktor hängte an die Agenturmeldung einen besorgten Satz an: «Jeder Rieseneisberg, der losbricht, trägt etwas zum Steigen des Meeresniveaus bei.» Allerdings missachtete der Journalist nicht nur, dass solche Abbrüche am Sommerende in der Antarktis immer wieder vorkommen und dass der Rieseneisberg kein Hunderttausendstel des Polareises ausmacht. Er übersah auch, was die Agentur selber feststellte: Schelfeis schwimmt auf dem Wasser, ein Abbruch erhöht den Meeresspiegel also nicht.
Auf der Strecke bleibt auch der gesunde Menschenverstand
Das erste Opfer an der Katastrophenfront ist die Wahrheit; auf der Strecke bleibt nicht nur die Wissenschaft, sondern auch der gesunde Menschenverstand. Mit «Erstaunen und Empörung» stellte es Alex Reichmuth fest. Der Naturwissenschaftler aus Basel arbeitet seit neun Jahren als Fachredaktor für Radio DRS, «weil es einen objektiven Journalismus pflegt». Daneben spürte er die letzten zwei Jahre in der Freizeit, «so wie andere Lökeli bauen», den Umweltskandalen nach, die uns in den vergangenen Jahrzehnten erschreckten. Er untersuchte vom giftigen Amalgam in den Zähnen bis zum tödlichen Feinstaub aus den Auspuffen, «wie Umwelt- und Gesundheitsgefahren instrumentalisiert werden » – so ernsthaft und gründlich, wie es sich für Journalisten des Staatssenders gehört. So schrieb er ein Buch, das sich bei aller Seriosität leicht liest: «Verdreht und hochgespielt» kommt nächste Woche in den Handel.
Den 40-jährigen Journalisten prägte, wie seine ganze Generation, das Waldsterben, das er ab 1983 als Pubertierender erlebte. Nationalrat Moritz Leuenberger warnte in einer Sondersession des Parlaments vor dem Weltuntergang: «Die Sturzfahrt ist in den freien Fall übergegangen.» Und Schriftsteller none Muschg mahnte mit einer «Waldhandschrift» gegen die «fremden Richter Bruttosozialprodukt und Profitmaximierung» auf dem Rütli zur Umkehr: «Die Gründe für das Waldsterben sitzen in uns selbst.» So herrschte, wie Alex Reichmuth im Rückblick feststellt, «eine fast sektenartige Gleichschaltung der Meinungen». Kaum jemand nahm aber zur Kenntnis, dass die Wissenschaftler selber das Waldsterben zehn Jahre später für tot erklärten.
«Wie konnte es dazu kommen? », fragte sich der Journalist. In seinen differenzierten Fallstudien stellt er immer denselben Mechanismus fest, weil «sich die Akteure die Bälle zuspielen» – und weil alle davon profitieren:
q Die Wissenschaftler bekommen mehr Geld und Ansehen für Themen, die die Menschen bewegen. Deshalb erliegen sie der Versuchung, auch Studien zu veröffentlichen, die noch unbestätigte Effekte aufzeigen, und jene zu verschweigen, die einen Befund widerlegen.
q Die Umweltorganisationen erregen Aufsehen mit Katastrophenwarnungen – und bewahren damit ihre Arbeitsplätze: je schrecklicher die Gefahr, desto üppiger der Spendenfluss.
q Die Medienschaffenden erzielen mit Schreckensmeldungen Auflage und Quoten. Sie glauben auf Grund ihrer geistigen Nähe zu den Umweltorganisationen den Apokalyptikern, die vermeintlich uneigennützig kämpfen, und misstrauen den Skeptikern, die sie für uneinsichtig oder gar gekauft halten.
q Die Politiker treten als Vorkämpfer für die gute Sache auf – und sei es nur, weil sie die Medien dazu treiben.
So dreht sich eine Spirale. Das Aufsehen erzeugt immer mehr Aufregung. Und Politik und Wirtschaft beweisen mit Massnahmen – die sie oft auch wider besseres Wissen ergreifen – nur, dass am Skandal etwas dran sein muss. Wie Alex Reichmuth aufzeigt, half es bei der grünen Gentechnologie nichts, dass Milliarden Menschen seit Jahren genmanipulierten Reis oder Weizen essen und dass eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO keine Gefahren fand. «Die Ängste existieren nun mal», stellte CVP-Nationalrätin Elvira Bader fest, «sie lassen sich auch mit einer WHO-Studie nicht beseitigen.»
In Krisenzeiten gibt es kaum Katastrophenmeldungen
Warum verfallen wir so gerne in Panik? Wir glauben zwar immer weniger an Gott, meint Alex Reichmuth. Aber wir fürchten einerseits weiter, dass wir für unsere Sünden büssen, und wir sorgen uns anderseits immer mehr um Gefahren für unser Wohl – die den Menschen seit je drohen, aber bisher als schicksalsgegeben galten. Eine einfache Erklärung findet denn auch der Soziologe Kurt Imhof in einem Essay, der das Buch abschliesst. Er stellt in einer Übersicht über das 20. Jahrhundert fest, dass in Kriegs- und Krisenzeiten kaum Katastrophenmeldungen erschienen. Salopp ausgedrückt, bedeutet das: Wir haben heute nicht genug echte Probleme.
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Nicht zu fassen, welchen Schrott die SoZ heute publiziert. Da werden diverse Gesundheitsthemen (Amalgam, Elektrosmog, Feinstaub) einfach ins Lachhafte gezogen. In für die Soz seltener Naivität. Am Ende weiss man dann auch wieso: Es will einer ein Buch verkaufen! Titel "Verdreht und hochgespielt". Von Alex Reichmutz, im NZZ-Libro-Verlag.
Wahrscheinlich ist sogar die NZZ auf Annoncen der Mobilfunkindustrie angewiesen.......
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KRANK DURCH STRAHLEN
Waswar: Gemäss Studien des Bundesamtes für Umwelt und der Weltgesundheitsorganisation gefährdet die Mobilfunkstrahlung die Menschen nicht. Trotzdem wehren sich immer noch ganze Gemeinden gegen Antennen: Bei der Swisscom laufen immer mindestens 100 Verfahren, die Bewilligung dauert in der Schweiz zehnmal so lang wie in anderen Ländern.
Was ist: Das Schweizer Gesetz ist eines der strengsten weltweit. Die Grenzwerte betragen 10 Prozent der Limiten in anderen Ländern. Beim Telefonieren entsteht viel stärkere Strahlung, aber auch da gibt es kaum Gefahr.
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Die Reiter der Apokalypse
Wie Wissenschaftler, Umweltorganisationen und Journalisten von der Panikmache profitieren
VON MARKUS SCHÄR
Eine Tafelente auf dem Sempachersee leidet an der Vogelgrippe. Im Mozzarella aus Süditalien findet sich das tödliche Gift Dioxin. Und vom Schelfeis der Antarktis bricht eine riesige Platte ab. Gleich drei Nachrichten schreckten am Freitag uns Medienkonsumierende auf. Ausgerechnet die Meldung vom anderen Ende der Welt musste uns am meisten beunruhigen. «Der Eispanzer der Antarktis zerfällt », warnte der «Tages-Anzeiger ». Und der Redaktor hängte an die Agenturmeldung einen besorgten Satz an: «Jeder Rieseneisberg, der losbricht, trägt etwas zum Steigen des Meeresniveaus bei.» Allerdings missachtete der Journalist nicht nur, dass solche Abbrüche am Sommerende in der Antarktis immer wieder vorkommen und dass der Rieseneisberg kein Hunderttausendstel des Polareises ausmacht. Er übersah auch, was die Agentur selber feststellte: Schelfeis schwimmt auf dem Wasser, ein Abbruch erhöht den Meeresspiegel also nicht.
Auf der Strecke bleibt auch der gesunde Menschenverstand
Das erste Opfer an der Katastrophenfront ist die Wahrheit; auf der Strecke bleibt nicht nur die Wissenschaft, sondern auch der gesunde Menschenverstand. Mit «Erstaunen und Empörung» stellte es Alex Reichmuth fest. Der Naturwissenschaftler aus Basel arbeitet seit neun Jahren als Fachredaktor für Radio DRS, «weil es einen objektiven Journalismus pflegt». Daneben spürte er die letzten zwei Jahre in der Freizeit, «so wie andere Lökeli bauen», den Umweltskandalen nach, die uns in den vergangenen Jahrzehnten erschreckten. Er untersuchte vom giftigen Amalgam in den Zähnen bis zum tödlichen Feinstaub aus den Auspuffen, «wie Umwelt- und Gesundheitsgefahren instrumentalisiert werden » – so ernsthaft und gründlich, wie es sich für Journalisten des Staatssenders gehört. So schrieb er ein Buch, das sich bei aller Seriosität leicht liest: «Verdreht und hochgespielt» kommt nächste Woche in den Handel.
Den 40-jährigen Journalisten prägte, wie seine ganze Generation, das Waldsterben, das er ab 1983 als Pubertierender erlebte. Nationalrat Moritz Leuenberger warnte in einer Sondersession des Parlaments vor dem Weltuntergang: «Die Sturzfahrt ist in den freien Fall übergegangen.» Und Schriftsteller none Muschg mahnte mit einer «Waldhandschrift» gegen die «fremden Richter Bruttosozialprodukt und Profitmaximierung» auf dem Rütli zur Umkehr: «Die Gründe für das Waldsterben sitzen in uns selbst.» So herrschte, wie Alex Reichmuth im Rückblick feststellt, «eine fast sektenartige Gleichschaltung der Meinungen». Kaum jemand nahm aber zur Kenntnis, dass die Wissenschaftler selber das Waldsterben zehn Jahre später für tot erklärten.
«Wie konnte es dazu kommen? », fragte sich der Journalist. In seinen differenzierten Fallstudien stellt er immer denselben Mechanismus fest, weil «sich die Akteure die Bälle zuspielen» – und weil alle davon profitieren:
q Die Wissenschaftler bekommen mehr Geld und Ansehen für Themen, die die Menschen bewegen. Deshalb erliegen sie der Versuchung, auch Studien zu veröffentlichen, die noch unbestätigte Effekte aufzeigen, und jene zu verschweigen, die einen Befund widerlegen.
q Die Umweltorganisationen erregen Aufsehen mit Katastrophenwarnungen – und bewahren damit ihre Arbeitsplätze: je schrecklicher die Gefahr, desto üppiger der Spendenfluss.
q Die Medienschaffenden erzielen mit Schreckensmeldungen Auflage und Quoten. Sie glauben auf Grund ihrer geistigen Nähe zu den Umweltorganisationen den Apokalyptikern, die vermeintlich uneigennützig kämpfen, und misstrauen den Skeptikern, die sie für uneinsichtig oder gar gekauft halten.
q Die Politiker treten als Vorkämpfer für die gute Sache auf – und sei es nur, weil sie die Medien dazu treiben.
So dreht sich eine Spirale. Das Aufsehen erzeugt immer mehr Aufregung. Und Politik und Wirtschaft beweisen mit Massnahmen – die sie oft auch wider besseres Wissen ergreifen – nur, dass am Skandal etwas dran sein muss. Wie Alex Reichmuth aufzeigt, half es bei der grünen Gentechnologie nichts, dass Milliarden Menschen seit Jahren genmanipulierten Reis oder Weizen essen und dass eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO keine Gefahren fand. «Die Ängste existieren nun mal», stellte CVP-Nationalrätin Elvira Bader fest, «sie lassen sich auch mit einer WHO-Studie nicht beseitigen.»
In Krisenzeiten gibt es kaum Katastrophenmeldungen
Warum verfallen wir so gerne in Panik? Wir glauben zwar immer weniger an Gott, meint Alex Reichmuth. Aber wir fürchten einerseits weiter, dass wir für unsere Sünden büssen, und wir sorgen uns anderseits immer mehr um Gefahren für unser Wohl – die den Menschen seit je drohen, aber bisher als schicksalsgegeben galten. Eine einfache Erklärung findet denn auch der Soziologe Kurt Imhof in einem Essay, der das Buch abschliesst. Er stellt in einer Übersicht über das 20. Jahrhundert fest, dass in Kriegs- und Krisenzeiten kaum Katastrophenmeldungen erschienen. Salopp ausgedrückt, bedeutet das: Wir haben heute nicht genug echte Probleme.
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