von The Future's black » 4. November 2005 12:43
© HandelsZeitung; 02.11.2005; Seite 5; Nummer 44
Zu schnelle SBB-Züge
Internet · Die SBB wollten ihre 1. Klasse mit W-LAN-Internet von Swisscom ausrüsten. Das Projekt wurde abgebrochen.
Matthias Niklowitz
Die Einführung schneller kabelloser Verbindungen (Wireless-LAN, WLAN) in den 1.-Klasse-Abteilen ist nach ernüchternd ausgefallenen Tests vorläufig aufs Eis gelegt worden. «Erste Tests zur Nutzung von WLAN in Zügen haben in diesem Jahr stattgefunden», bestätigt Sepp Huber, Sprecher der Swisscom, die von den SBB mit dem Projekt beauftragt worden war. «Dabei hat sich gezeigt, dass die technischen Anforderungen in schnellen Fahrzeugen wie in Zügen sehr hoch sind, um eine gute WLAN-Bandbreite zu erzielen.» Die Swisscom hat jetzt eine Fachhochschule mit weiteren Abklärungen beauftragt. «Bis zu einem abschliessenden Ergebnis werden keine Angaben über das Ob und Wann des Einsatzes von WLAN im Zug oder mögliche alternative Anbindungen gemacht», erklärt Huber weiter.
SBB-Sprecher Roland Binz verweist auf die Möglichkeit, eine Verbindung über Datenkarten und die GPRS-, UMTS- oder EDGE-Netze der Mobilfunkanbieter aufzubauen. Knackpunkt ist die Datenverbindung zwischen dem WLAN-Sende- und Empfangspunkt im Eisenbahnwagen und der Aussenwelt. Bisher gibt es dafür zwei Ansätze: Erstens über UMTS-Netze, wie beim Versuchsbetrieb der Deutschen Bahn in ausgewählten ICE-Zügen. Auch in Britannien und Schweden sind ähnliche Systeme ausprobiert worden. Schwachpunkt ist die Datenübermittlungskapazität des UMTS-Netzes. Sie erreicht deutlich weniger als die 2 Megabit pro Sekunde von stationären WLAN-Anschlüssen.
Einen anderen Weg geht die Bahngesellschaft Thalsys zwischen Brüssel und Paris. Hier erfolgt die Verbindung per Satellit der Firma 21Net. Die erforderlichen Antennen am Boden sind laut einem 21Net-Sprecher viel billiger als die, welche beispielsweise Airbus oder Boeing für ihre WLAN-Verbindungen in ihren Flugzeugen benötigen. Satellitengestützte Systeme hat VIA Rail Canada zwischen Montreal und Toronto installiert. Schwachpunkt dieser Verbindung ist das Senden von Daten aus den Zügen heraus, da die Satellitenverbindungen lediglich auf eine Senderichtung ausgelegt sind. Signale aus dem Zug heraus müssen deshalb in der Regel von Telekomnetzen übermittelt werden.
Zu geringe UMTS-Dichte
Satellitenverbindungen im SBBNetz sind wegen der vielen Tunnels ohnehin ungünstig. UMTS ist zwar ausgebaut, aber der rasche Wechsel von Zelle zu Zelle, oft mit einem Technologiewechsel von UMTS zu EDGE oder umgekehrt, bleibt eine technologische Herausforderung. «Die SBB-Züge fahren einfach zu schnell», kommentiert ein mit dem Problem vertrauter Experte. Abhilfe für die 1.-Klasse-Passagiere könnte erst eine ausreichende UMTS-Antennendichte und eine Versorgung mit Basisstationen auch in Tunnels schaffen. Dadurch würden die ständigen Wechsel zwischen den Netztechnologien bei voller Fahrt entfallen. Und die Passagiere der 2. Klasse? Sie müssten sich, sollte WLAN in den SBB-Zügen dereinst funktionieren, in die Wagenenden und auf die Plattformen nahe bei den 1.-Klasse-Wagen zwängen. Denn die WLAN-Funkwellen machen an den Türen der 1. Klasse nicht halt.
© HandelsZeitung; 02.11.2005; Seite 5; Nummer 44
Zu schnelle SBB-Züge
Internet · Die SBB wollten ihre 1. Klasse mit W-LAN-Internet von Swisscom ausrüsten. Das Projekt wurde abgebrochen.
Matthias Niklowitz
Die Einführung schneller kabelloser Verbindungen (Wireless-LAN, WLAN) in den 1.-Klasse-Abteilen ist nach ernüchternd ausgefallenen Tests vorläufig aufs Eis gelegt worden. «Erste Tests zur Nutzung von WLAN in Zügen haben in diesem Jahr stattgefunden», bestätigt Sepp Huber, Sprecher der Swisscom, die von den SBB mit dem Projekt beauftragt worden war. «Dabei hat sich gezeigt, dass die technischen Anforderungen in schnellen Fahrzeugen wie in Zügen sehr hoch sind, um eine gute WLAN-Bandbreite zu erzielen.» Die Swisscom hat jetzt eine Fachhochschule mit weiteren Abklärungen beauftragt. «Bis zu einem abschliessenden Ergebnis werden keine Angaben über das Ob und Wann des Einsatzes von WLAN im Zug oder mögliche alternative Anbindungen gemacht», erklärt Huber weiter.
SBB-Sprecher Roland Binz verweist auf die Möglichkeit, eine Verbindung über Datenkarten und die GPRS-, UMTS- oder EDGE-Netze der Mobilfunkanbieter aufzubauen. Knackpunkt ist die Datenverbindung zwischen dem WLAN-Sende- und Empfangspunkt im Eisenbahnwagen und der Aussenwelt. Bisher gibt es dafür zwei Ansätze: Erstens über UMTS-Netze, wie beim Versuchsbetrieb der Deutschen Bahn in ausgewählten ICE-Zügen. Auch in Britannien und Schweden sind ähnliche Systeme ausprobiert worden. Schwachpunkt ist die Datenübermittlungskapazität des UMTS-Netzes. Sie erreicht deutlich weniger als die 2 Megabit pro Sekunde von stationären WLAN-Anschlüssen.
Einen anderen Weg geht die Bahngesellschaft Thalsys zwischen Brüssel und Paris. Hier erfolgt die Verbindung per Satellit der Firma 21Net. Die erforderlichen Antennen am Boden sind laut einem 21Net-Sprecher viel billiger als die, welche beispielsweise Airbus oder Boeing für ihre WLAN-Verbindungen in ihren Flugzeugen benötigen. Satellitengestützte Systeme hat VIA Rail Canada zwischen Montreal und Toronto installiert. Schwachpunkt dieser Verbindung ist das Senden von Daten aus den Zügen heraus, da die Satellitenverbindungen lediglich auf eine Senderichtung ausgelegt sind. Signale aus dem Zug heraus müssen deshalb in der Regel von Telekomnetzen übermittelt werden.
Zu geringe UMTS-Dichte
Satellitenverbindungen im SBBNetz sind wegen der vielen Tunnels ohnehin ungünstig. UMTS ist zwar ausgebaut, aber der rasche Wechsel von Zelle zu Zelle, oft mit einem Technologiewechsel von UMTS zu EDGE oder umgekehrt, bleibt eine technologische Herausforderung. «Die SBB-Züge fahren einfach zu schnell», kommentiert ein mit dem Problem vertrauter Experte. Abhilfe für die 1.-Klasse-Passagiere könnte erst eine ausreichende UMTS-Antennendichte und eine Versorgung mit Basisstationen auch in Tunnels schaffen. Dadurch würden die ständigen Wechsel zwischen den Netztechnologien bei voller Fahrt entfallen. Und die Passagiere der 2. Klasse? Sie müssten sich, sollte WLAN in den SBB-Zügen dereinst funktionieren, in die Wagenenden und auf die Plattformen nahe bei den 1.-Klasse-Wagen zwängen. Denn die WLAN-Funkwellen machen an den Türen der 1. Klasse nicht halt.