von The Future's Black » 14. Juli 2004 12:55
© Basler Zeitung; 14.07.2004; Seite 21
Bahnfunk stösst auf Widerstand
An der Bahnstrecke von Basel nach Olten wollen die SBB zwölf turmhohe Funkmasten für die Bahnmobilkommunikation errichten. In Pratteln und Liestal sorgen die Projekte für rote Köpfe.
Pratteln/Basel. Rund 20 Meter hoch werden die zwölf Funkmasten in den Himmel ragen, die entlang der Bahnstrecke von Basel nach Olten errichtet werden sollen. Die SBB wollen damit auch in der Region Basel ein Mobilfunknetz aufbauen, mit dem der Schienenverkehr auf Funksignalbetrieb umgestellt werden kann. In Liestal und in Pratteln sind die Pläne der Bundesbahnen auf Widerstand gestossen. Die Stadt Liestal hat Einsprache gegen die geplante Funkantenne beim Südportal des Adlertunnels erhoben.
In Pratteln sind die Anwohner und die Gemeinde gegen den Standort im Metzen-Quartier auf die Barrikaden gestiegen. 300 Leute haben eine Gemeinschaftseinsprache unterschrieben. Der Signalturm wäre bereits die vierte Mobilfunkanlage in diesem Gebiet. Die Gemeinde stemmt sich auch gegen den zweiten geplanten Bahnfunkmast im Grenzgebiet von Pratteln und Frenkendorf. Inzwischen mussten die SBB in Pratteln eine zweite öffentliche Planauflage starten: Im ersten Durchgang waren lediglich rund zwei Meter hohe Profilstangen ausgesteckt worden - für einen Funkpfeiler von der Höhe eines siebenstöckigen Hauses.
Die Gemeinde Pratteln hält im zweiten Planauflageverfahren an ihrem Standpunkt fest, wie Bauverwalter Hansruedi Braun erklärt. Sie lehne eine weitere Sendeanlage im bereits stark belasteten Metzen-Quartier ab, zumal die bestehenden Mobilfunkantennen zu wenig in die Berechnungen einbezogen worden seien. Zudem befinde sich der vorgesehene Standort in der Nähe des Kinderhorts «Chäferhuus». Der zweite Funkmast soll in einem Gebiet gebaut werden, das zur Landschaftsschutz-Zone gehört. «Dort hat eine solche Antenne nichts zu suchen», meint Braun. Ausser in Pratteln sind mittlerweile die Auflageverfahren für die geplanten Funkmasten an der Bahnlinie von Basel nach Olten abgeschlossen. Acht Standorte scheinen keine Probleme aufzugeben. In Basel sind keine Einsprachen gegen die drei geplanten Bahnfunkantennen beim Personenbahnhof, beim Güterbahnhof und im Gellert-Quartier eingereicht worden. Auch in Muttenz, Lausen, Sissach und Gelterkinden regt sich kein Widerstand gegen die Signalmasten. In Tecknau hat ein Anwohner Einsprache erhoben.
375 Millionen Franken wollen die SBB in den Aufbau eines Bahnfunknetzes in der Schweiz stecken. Als Technologien werden GSM-Railways oder GSM-R eingesetzt, die auf dem europäischen GSM-Standard für öffentliche Mobilfunknetze aufbauen. Sie sollen die Datenübertragung von den Streckenzentralen in den Führerstand der Lokomotiven ermöglichen. Die SBB stellen auch Vorteile für die Fahrgäste in Aussicht: Über GSM-R könnten die Wagen von der Leitstelle aus mit Lautsprecherdurchsagen versorgt werden. Zudem erlaube das bahneigene Mobilnetz, die Züge mit Bildschirmen auszustatten.
Schwächere Strahlung
Das Bahnfunknetz wird in Etappen aufgebaut, wie SBB-Pressesprecher Ruedi Estermann erklärt. In einem ersten Schritt sei die Neubaustrecke zwischen Mattstetten und Rothrist für die Bahnmobilkommunikation ausgerüstet worden. Nach dem Abschnitt Olten-Zürich sei die Linie Basel-Olten an der Reihe. Die SBB hoffen, die Anlagen Ende 2005 bauen zu können. Die Antennenstandorte an den anderen Bahnstrecken in der Region Basel sind noch nicht bestimmt worden.
Insgesamt sollen in der Schweiz 900 Funkmasten errichtet werden. Weil die Strahlung bloss etwa einen Viertel derjenigen einer privaten Mobilfunkanlage betrage, müsse alle drei bis vier Kilometer eine Antenne aufgestellt werden, erläutert Estermann. Die geringere Strahlung ist allerdings ein schwacher Trost für die Anwohner in Pratteln, weil sich ihre Elektrosmogbelastung dennoch erhöht. «Und», so Bauverwalter Hansruedi Braun, «wir können nicht bei den privaten Mobilfunkanbietern eine strenge Haltung einnehmen und bei der Bahn beide Augen zudrücken.»
Stefan Gyr
© Basler Zeitung; 14.07.2004; Seite 21
Bahnfunk stösst auf Widerstand
An der Bahnstrecke von Basel nach Olten wollen die SBB zwölf turmhohe Funkmasten für die Bahnmobilkommunikation errichten. In Pratteln und Liestal sorgen die Projekte für rote Köpfe.
Pratteln/Basel. Rund 20 Meter hoch werden die zwölf Funkmasten in den Himmel ragen, die entlang der Bahnstrecke von Basel nach Olten errichtet werden sollen. Die SBB wollen damit auch in der Region Basel ein Mobilfunknetz aufbauen, mit dem der Schienenverkehr auf Funksignalbetrieb umgestellt werden kann. In Liestal und in Pratteln sind die Pläne der Bundesbahnen auf Widerstand gestossen. Die Stadt Liestal hat Einsprache gegen die geplante Funkantenne beim Südportal des Adlertunnels erhoben.
In Pratteln sind die Anwohner und die Gemeinde gegen den Standort im Metzen-Quartier auf die Barrikaden gestiegen. 300 Leute haben eine Gemeinschaftseinsprache unterschrieben. Der Signalturm wäre bereits die vierte Mobilfunkanlage in diesem Gebiet. Die Gemeinde stemmt sich auch gegen den zweiten geplanten Bahnfunkmast im Grenzgebiet von Pratteln und Frenkendorf. Inzwischen mussten die SBB in Pratteln eine zweite öffentliche Planauflage starten: Im ersten Durchgang waren lediglich rund zwei Meter hohe Profilstangen ausgesteckt worden - für einen Funkpfeiler von der Höhe eines siebenstöckigen Hauses.
Die Gemeinde Pratteln hält im zweiten Planauflageverfahren an ihrem Standpunkt fest, wie Bauverwalter Hansruedi Braun erklärt. Sie lehne eine weitere Sendeanlage im bereits stark belasteten Metzen-Quartier ab, zumal die bestehenden Mobilfunkantennen zu wenig in die Berechnungen einbezogen worden seien. Zudem befinde sich der vorgesehene Standort in der Nähe des Kinderhorts «Chäferhuus». Der zweite Funkmast soll in einem Gebiet gebaut werden, das zur Landschaftsschutz-Zone gehört. «Dort hat eine solche Antenne nichts zu suchen», meint Braun. Ausser in Pratteln sind mittlerweile die Auflageverfahren für die geplanten Funkmasten an der Bahnlinie von Basel nach Olten abgeschlossen. Acht Standorte scheinen keine Probleme aufzugeben. In Basel sind keine Einsprachen gegen die drei geplanten Bahnfunkantennen beim Personenbahnhof, beim Güterbahnhof und im Gellert-Quartier eingereicht worden. Auch in Muttenz, Lausen, Sissach und Gelterkinden regt sich kein Widerstand gegen die Signalmasten. In Tecknau hat ein Anwohner Einsprache erhoben.
375 Millionen Franken wollen die SBB in den Aufbau eines Bahnfunknetzes in der Schweiz stecken. Als Technologien werden GSM-Railways oder GSM-R eingesetzt, die auf dem europäischen GSM-Standard für öffentliche Mobilfunknetze aufbauen. Sie sollen die Datenübertragung von den Streckenzentralen in den Führerstand der Lokomotiven ermöglichen. Die SBB stellen auch Vorteile für die Fahrgäste in Aussicht: Über GSM-R könnten die Wagen von der Leitstelle aus mit Lautsprecherdurchsagen versorgt werden. Zudem erlaube das bahneigene Mobilnetz, die Züge mit Bildschirmen auszustatten.
Schwächere Strahlung
Das Bahnfunknetz wird in Etappen aufgebaut, wie SBB-Pressesprecher Ruedi Estermann erklärt. In einem ersten Schritt sei die Neubaustrecke zwischen Mattstetten und Rothrist für die Bahnmobilkommunikation ausgerüstet worden. Nach dem Abschnitt Olten-Zürich sei die Linie Basel-Olten an der Reihe. Die SBB hoffen, die Anlagen Ende 2005 bauen zu können. Die Antennenstandorte an den anderen Bahnstrecken in der Region Basel sind noch nicht bestimmt worden.
Insgesamt sollen in der Schweiz 900 Funkmasten errichtet werden. Weil die Strahlung bloss etwa einen Viertel derjenigen einer privaten Mobilfunkanlage betrage, müsse alle drei bis vier Kilometer eine Antenne aufgestellt werden, erläutert Estermann. Die geringere Strahlung ist allerdings ein schwacher Trost für die Anwohner in Pratteln, weil sich ihre Elektrosmogbelastung dennoch erhöht. «Und», so Bauverwalter Hansruedi Braun, «wir können nicht bei den privaten Mobilfunkanbietern eine strenge Haltung einnehmen und bei der Bahn beide Augen zudrücken.»
Stefan Gyr