Kirchleerau: Dunkle Wolken über Antennenhimmel

Antwort erstellen


Um automatische Eingaben zu unterbinden, müssen Sie die nachfolgende Aufgabe lösen.
Smilies
:D :) :( :o :shock: :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen:

BBCode ist eingeschaltet
[img] ist eingeschaltet
[flash] ist ausgeschaltet
[url] ist eingeschaltet
Smilies sind eingeschaltet

Die letzten Beiträge des Themas
   

Ansicht erweitern Die letzten Beiträge des Themas: Kirchleerau: Dunkle Wolken über Antennenhimmel

Kirchleerau: Dunkle Wolken über Antennenhimmel

von The Future's Black » 30. September 2004 12:29

© Mittelland Zeitung; 30.09.2004

Suhrental/Uerkental Zeitung

Dunkle Wolken über Antennenhimmel

Kirchleerau Mobilfunkanbieter Sunrise und Gemeindeammann sorgen für Unmut in der Gemeinde

Dicke Luft in Kirchleerau: Die Sunrise will einen Antennenmast im Dorf aufstellen. Dabei ist es noch kein Jahr her, dass ein Antennengesuch in Kirchleerau scheiterte.

Ruth Merz
«(Noch) keine Sunrise-Antenne in Kirchleerau», meldete die Mittellandzeitung vor 9 Monaten. Im Dezember 2003 hatte der Mobilfunkanbieter Sunrise sein Baugesuch für eine Antenne beim Werkhof Kirchleerau/Moosleerau zurückgezogen, weil die Gemeinden als Grundeigentümer nicht zustimmten. Diesem negativen Entscheid war eine regelrechte Einsprachenflut vorausgegangen. Rund 40 Einsprachen und 400 gesammelte Unterschriften bewogen die Behörden damals zum Rückzug. Und jetzt ist es ausgerechnet der Gemeindeammann in Kirchleerau, der das Baugesuch für einen neuen Standort unterschrieben hat. Urs Hunziker tat dies allerdings nicht in seiner Funktion als Gemeindeammann, sondern als Geschäftsführer der Steiner AG, Metall-Torbau, auf deren Parzelle der rund 15 Meter hohe Antennenmast zu stehen käme.

Leistung Welten auseinander

Die meisten Einsprecher gegen das neue Projekt waren bereits gegen das alte. Allerdings handelt es sich bei diesen Antennen um komplett verschiedene Anlagen. Damals beim Werkhof ging es um eine UMTS-Antenne mit einer Leistung von über 1000 Watt. Jetzt ist eine so genannte Mikrozelle geplant, deren Leistung weniger als 6 Watt beträgt. Dazwischen liegen Welten. Und Reichweiten: Die viel grössere Antenne des früheren Projekts hätte praktisch das ganze Tal erschlossen. Im Gegensatz dazu dient die Mikrozelle lediglich der Versorgung eines Dorfteils. Die Strahlung ist so schwach, dass für diese Kategorie noch nicht einmal eine Bewilligung nötig ist.

Die Antenne ist denn auch nicht Gegenstand des Baugesuchs, sondern lediglich der rund 15 Meter hohe Mast, eine Art Fahnenstange von rund 8 Zentimetern Durchmesser. Das wissen die Einsprecher. «Im Prinzip kann man hier gar keine Einsprache machen», sagt Sonja Buchinger. Aber: «Es macht uns wütend, dass ausgerechnet der Gemeindeammann respektive seine Firma jetzt das Baugesuch der Sunrise mitträgt. Er weiss, dass die Bevölkerung gegen eine solche Antenne ist.» Buchinger erinnert an die 400 Unterschriften. Nicht wenig angesichts der Einwohnerzahl von knapp 1600 (Kirchleerau und Moosleerau zusammengerechnet).

Ärger über Termine

Am meisten ärgert Buchinger, dass sowohl die öffentliche Auflage im Sommer als auch eine geplante Informationsveranstaltung ausgerechnet in die Schulferien fallen respektive fielen. Buchinger wittert darin System: «Wahrscheinlich will man verhindern, dass sich die Bevölkerung zur Wehr setzt.» Der Info-Abend ist auf den 30. September um 17 Uhr terminiert. «Um diese Zeit können Berufstätige gar nicht teilnehmen», empört sich Buchinger. «Nicht mal die Bauern, die müssen melken.» Buchinger hat deshalb die Verschiebung der geplanten Orientierung verlangt. «Es ist einfach nicht richtig, was hier abläuft; Gemeindeversammlungen finden auch erst um 20 Uhr und sicher nicht in den Schulferien statt.»

Attackiert wird in diesem Zusammenhang die Kirchlerber Gemeindeschreiberin Marion Gall. Ihr wird vorgeworfen, sie setze sich für die Sache der Sunrise mehr ein als für die Anliegen der Bevölkerung.

Wo ist das Problem?

«Gegen eine so schwache Antenne hat eigentlich niemand etwas», meint ein weiterer Einsprecher. Er arbeitet in der Telekommunikationsbranche und will daher nicht namentlich genannt werden. «Die hier geplante Antenne ist nicht das eigentliche Problem.» Was ist es denn? Der gelernte Elektromonteur befürchtet eine Salamitaktik: dass das neue Projekt nur ein erster Schritt zu einer viel stärkeren Antenne darstelle. Hinweise, die seine Befürchtung nähren, sind der seiner Meinung nach «völlig überdimensionierte Mast», ausserdem werde eine 16-Kilowatt-Stromleitung gezogen, was für eine derart schwache Antenne in keinem Verhältnis stehe. «Ich bin keineswegs gegen die Mobilfunk-Technik, ich lebe schliesslich beruflich davon», sagt der Mann. «Aber ich setze mich ein, dass solche Anlagen ausserhalb des Baugebietes aufgestellt werden.» Er habe deshalb alternative Standorte vorgeschlagen.

Enttäuschung auf beiden Seiten

«Es ist ein Kleinkrieg», sagt der Einsprecher. Er habe das Gefühl, dass die neue Antenne «gegen den Willen der Bevölkerung gebaut werden soll.» Über das Vorgehen der Gemeindebehörde, des Gemeindeammanns und der Kanzlerin ist der Einsprecher enttäuscht.

Enttäuscht ist auch Urs Hunziker. «Ich antworte hier nicht als Gemeindeammann», sagt der Angeschossene, «sondern als Mitbürger.» Als Gesuchsteller habe er an den gemeinderätlichen Beratungen zu diesem Thema nie teilgenommen. «Ich war immer im Ausstand. Wir nehmen das bei uns hier sehr ernst», weist er Unterstellungen von Interessensfilz entschieden zurück. Hunziker empfindet die gereizte Stimmung als Sturm im Wasserglas: «Würden sich die Leute doch richtig informieren!», seufzt er.

Zu einer Antenne von so geringer Leistung könne er stehen. Von einer geplanten Etappierung weiss Hunziker nichts. Abgesehen davon: «Jeder weitere Ausbau benötigt ein neues, separates Verfahren.» Höhere Leistung als die jetzt geplante wäre bewilligungspflichtig. Eine Antenne ausserhalb des Baugebietes käme allerdings aufgrund der Kantonsvorschriften nicht in Frage. Ausserdem: «Je weiter weg, desto höhere Leistung brauchts.»

Hunziker hat Kenntnis davon, dass die Sunrise im Suhrental noch eine grössere Antenne realisieren will, allerdings an einem andern Standort. «Am jetzigen Standort kann ich mir das nicht vorstellen. Ich möchte jedenfalls nicht neben einer Anlage von mehreren tausend Watt wohnen.» Die jetzt geplante Mikrozelle sei auch gar nicht ausbaubar. Sie versorge nur das Gemeindegebiet. Und das nicht einmal komplett. Eine grössere Anlage müsste woanders realisiert werden.

Lächerliche Verschwörungstheorie

Enttäuscht ist Hunziker, wie seine Mitbürger mit vermeintlichen Kontrahenten umgehen. Er habe sich als Beteiligter bisher strikte rausgehalten. «Ich will nicht einmal wissen, wer Einsprache führt», sagt er. Falls er diesen Leuten einmal begegne, wolle er unbefangen mit ihnen umgehen. Die Einladung zur Orientierung habe er wie alle andern kürzlich erhalten, die Terminplanung sei nicht Sache des Gemeinderates. «Zugegebenermassen ist es unglücklich, dass dieser Anlass während der Herbstferien stattfindet, aber irgendeine Absicht kann ich darin nicht sehen.» Dass bereits die öffentliche Auflage in die Schulferien fiel, sei «purer Zufall»: Baugesuche werden nach der nötigen Prüfung umgehend aufgelegt. Hunziker: «Hier eine Vermutung zu konstruieren, ist lächerlich. Soll man einen Bauherrn, der Ende Juni kommt, mit dem Argument wegschicken: Jetzt sind gleich sechs Wochen Ferien, Kommen Sie Ende August wieder?!»

Absolut inakzeptabel findet Hunziker, was Gemeindeschreiberin Marion Gall in den letzten Tagen erlebt hat. Sie tue nur ihre Arbeit, «absolut neutral», werde aber unter der Gürtellinie beschimpft. «Das geht eindeutig zu weit, wehrt sich der Ammann.

Nach oben