von The Future's Black » 19. Oktober 2004 12:32
© St. Galler Tagblatt; 19.10.2004
Toggenburger
Leserbriefe
Wattwiler Bevölkerung als Versuchskaninchen?
Leserbrief zur von Swisscom und Sunrise geplanten UMTS-Anetenne auf dem Wattwiler Chapf
Wie werde ich die Geister, die ich rief, wieder los? jammert Goethes Zauberlehrling, der zu zaubern versucht und dabei in Lebensgefahr gerät. Wie werden wir elektromagnetische Strahlungen und folgebedingte Krankheits- und Umweltschäden wieder los? könnte es bald auch in Wattwil heissen. Die dritte Mobilfunkgeneration soll beginnen und neue Möglichkeiten mit sich bringen, das Glotzofon zum Beispiel (auch Fernsehhandy genannt), Online-Shopping und vieles mehr. Faszinierende Aussichten, sagen die einen, ein Damoklesschwert über unsere Köpfe, warnen die andern. Auch bei uns in Wattwil soll UMTS, die neue Technologie, Einzug halten. Kritiker erwähnen immer wieder eine holländische Studie, die für Aufsehen sorgt. Diese Studie aus dem renommierten holländischen TNO-Physiklabor untersuchte die Wirkung von konventionellen Mobilfunkantennen (GSM) und von neuen UMTS-Antennen. 72 Versuchspersonen wurden zwei Stunden der jeweiligen Strahlung ausgesetzt. Die Strahlungsstärke war dabei sechsmal niedriger als die festgelegten Grenzwerte in der Schweiz. Überraschend zeigten sich bei denjenigen Personen, die der UMTS-Strahlung ausgesetzt waren, sofort Gesundheitsstörungen. Sie klagten über Schwindel, Konzentrationsstörungen, Nervosität und Taubheitsgefühl einzelner Körperteile. Dass bei einer so tiefen Strahlenbelastung schon nach so kurzer Zeit eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens nachgewiesen werden konnte, überraschte selbst strahlenkritische Fachleute. Nun wird die Forschungsstiftung Mobilkommunikation der ETH Zürich die holländische Studie zu den Auswirkungen von UMTS-Strahlen nachprüfen. (Finanziert wird das Projekt zu 60% von der öffentlichen Hand und zu 40% von der Industrie). Resultate sollen Ende 2005 bekannt werden. Auch die WHO hat (schon vor Jahren) ein umfangreiches internationales Studienprojekt zu den Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern gestartet. Untersucht wird zum Beispiel Krebsgefahr von Mobilfunk. Auch bei diesem Projekt sind erste Ergebnisse erst nächstes Jahr zu erwarten. Geben die heute bekannten medizinischen Studien und die bei Mensch oder Tier festgestellten konkreten Krankheitsbilder nicht jetzt schon Anlass, die geltenden Grenzwerte zu überprüfen? fragte schon im März 2003 Peter Schönenberger im Namen der St. Galler Regierung das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation Bern. Auch verschiedene Parlamentarier machten Vorstösse. Erst wenn eindeutig bewiesen ist, dass UMTS-Strahlen gefährlich sind, will der Gesetzgeber die Grenzwerte neu festlegen. Warum, frage ich mich, werden bei einem Medikament zum Beispiel die Auswirkungen sorgfältig überprüft, bevor es auf den Markt kommt, während bei der Einführung neuer Mobilfunktechnologien Gedanken auf die Gesundheit lange beiseite geschoben werden? Die Antwort, die ich erhalte, ist erschreckend einfach: Bei den Medikamenten und Apparate haften die Hersteller, bei den Antennen nicht die Betreiber, sondern die Eigentümer des Antennenstandortes (beim Wattwiler Chapf ist es die Alpgenossenschaft St. Peterzell/ Dicken) und der Gesetzgeber, der die Grenzwerte festlegt, der Bund also, das heisst indirekt die Schweizer Bevölkerung. So dürfen denn die Wattwilerinnen und Wattwiler als Versuchskaninchen für eine noch unerforschte Technologie herhalten getreu der Maxime: Im Zweifelsfalle zu Gunsten der Technik und des Profits, zu Lasten der Gesundheit und auf Kosten der Allgemeinheit. Nein, danke, sage ich und trete der Interessengemeinschaft gegen die UMTS-Anlage im Wattwiler Chapf (Kontaktadresse Daniela Vetsch) bei.
Catherine Lieberherr
Lärchenrain 9, 9630 Wattwil
© St. Galler Tagblatt; 19.10.2004
Toggenburger
Leserbriefe
Wattwiler Bevölkerung als Versuchskaninchen?
Leserbrief zur von Swisscom und Sunrise geplanten UMTS-Anetenne auf dem Wattwiler Chapf
Wie werde ich die Geister, die ich rief, wieder los? jammert Goethes Zauberlehrling, der zu zaubern versucht und dabei in Lebensgefahr gerät. Wie werden wir elektromagnetische Strahlungen und folgebedingte Krankheits- und Umweltschäden wieder los? könnte es bald auch in Wattwil heissen. Die dritte Mobilfunkgeneration soll beginnen und neue Möglichkeiten mit sich bringen, das Glotzofon zum Beispiel (auch Fernsehhandy genannt), Online-Shopping und vieles mehr. Faszinierende Aussichten, sagen die einen, ein Damoklesschwert über unsere Köpfe, warnen die andern. Auch bei uns in Wattwil soll UMTS, die neue Technologie, Einzug halten. Kritiker erwähnen immer wieder eine holländische Studie, die für Aufsehen sorgt. Diese Studie aus dem renommierten holländischen TNO-Physiklabor untersuchte die Wirkung von konventionellen Mobilfunkantennen (GSM) und von neuen UMTS-Antennen. 72 Versuchspersonen wurden zwei Stunden der jeweiligen Strahlung ausgesetzt. Die Strahlungsstärke war dabei sechsmal niedriger als die festgelegten Grenzwerte in der Schweiz. Überraschend zeigten sich bei denjenigen Personen, die der UMTS-Strahlung ausgesetzt waren, sofort Gesundheitsstörungen. Sie klagten über Schwindel, Konzentrationsstörungen, Nervosität und Taubheitsgefühl einzelner Körperteile. Dass bei einer so tiefen Strahlenbelastung schon nach so kurzer Zeit eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens nachgewiesen werden konnte, überraschte selbst strahlenkritische Fachleute. Nun wird die Forschungsstiftung Mobilkommunikation der ETH Zürich die holländische Studie zu den Auswirkungen von UMTS-Strahlen nachprüfen. (Finanziert wird das Projekt zu 60% von der öffentlichen Hand und zu 40% von der Industrie). Resultate sollen Ende 2005 bekannt werden. Auch die WHO hat (schon vor Jahren) ein umfangreiches internationales Studienprojekt zu den Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern gestartet. Untersucht wird zum Beispiel Krebsgefahr von Mobilfunk. Auch bei diesem Projekt sind erste Ergebnisse erst nächstes Jahr zu erwarten. Geben die heute bekannten medizinischen Studien und die bei Mensch oder Tier festgestellten konkreten Krankheitsbilder nicht jetzt schon Anlass, die geltenden Grenzwerte zu überprüfen? fragte schon im März 2003 Peter Schönenberger im Namen der St. Galler Regierung das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation Bern. Auch verschiedene Parlamentarier machten Vorstösse. Erst wenn eindeutig bewiesen ist, dass UMTS-Strahlen gefährlich sind, will der Gesetzgeber die Grenzwerte neu festlegen. Warum, frage ich mich, werden bei einem Medikament zum Beispiel die Auswirkungen sorgfältig überprüft, bevor es auf den Markt kommt, während bei der Einführung neuer Mobilfunktechnologien Gedanken auf die Gesundheit lange beiseite geschoben werden? Die Antwort, die ich erhalte, ist erschreckend einfach: Bei den Medikamenten und Apparate haften die Hersteller, bei den Antennen nicht die Betreiber, sondern die Eigentümer des Antennenstandortes (beim Wattwiler Chapf ist es die Alpgenossenschaft St. Peterzell/ Dicken) und der Gesetzgeber, der die Grenzwerte festlegt, der Bund also, das heisst indirekt die Schweizer Bevölkerung. So dürfen denn die Wattwilerinnen und Wattwiler als Versuchskaninchen für eine noch unerforschte Technologie herhalten getreu der Maxime: Im Zweifelsfalle zu Gunsten der Technik und des Profits, zu Lasten der Gesundheit und auf Kosten der Allgemeinheit. Nein, danke, sage ich und trete der Interessengemeinschaft gegen die UMTS-Anlage im Wattwiler Chapf (Kontaktadresse Daniela Vetsch) bei.
Catherine Lieberherr
Lärchenrain 9, 9630 Wattwil