Ein Telefon als Babysitter

Elisabeth Buchs

Ein Telefon als Babysitter

Beitrag von Elisabeth Buchs » 27. Januar 2004 20:53

In der neusten Ausgabe der Migros-Zeitung Brückenbauer, die uns schon mehrmals durch Handy-Reklame und ignorierte Leserbriefe aufgefallen ist, wird geschrieben: Mit den neusten Handys kann man nicht nur telefonieren, sondern auch auf die Kinder aufpassen. Das Handy liefert Bilder aus dem Kinderzimmer direkt aufs Mobiltelefon. Die Observation Cam von Nokia kann Bilder direkt auf ein MMS-fähiges Mobiltelefon oder an eine E-Mail-Adresse senden. Die Kamera kann so eingerichtet werden, dass sie in regelmässigen Abständen ein Bild schickt, entweder in voreingestellten Intervallen oder beim Auslösen des Bewegungssensors. Die Kamera verfügt über einen relativ grossen Blickwinkel und schwenkt auf Wunsch über den zu beobachtenden Ort. Sie kann selbst Bilder aus abgedunkelten Räumen übertragen mittels Infrarot. Die Ueberwachungskamera fotografiert automatisch, sobald sich in deren Umfeld etwas bewegt. Deshalb auch geeignet für ein Haus oder einen Wohnungseingang. Funktioniert auch im Freien bis zu einer Temperatur von minus zehn Grad.

Dann der Schlussatz, bitte lächeln Sie, wenn in Zukunft ein Mobiltelefon herumliegt. Sie können ja nie wissen, ob das kleine Handy Sie gerade beobachtet und ihr Bild irgendwohin überträgt.

Da vergeht einem das Lächeln, von Elektrosmog wird natürlich wieder einmal kein Wort erwähnt.
Für das Baby wirkt sich das so aus, wie wenn es alle paar Minuten handytelefonieren würde. Ausserdem werden die ungesunden Mobilfunk-Antennen, die niemand gerne in seiner Nähe hat gefördert, diese "strahlen" auch mehr durch Versenden von MMS. Wie sieht es aus bezüglich Datenschutz? Auch darüber kein Wort in der Migros-Zeitung Brückenbauer. Preisfrage: was ist noch schädlicher für das Baby, die DECT-Babyphone von Philips oder die Observation-Cam von Nokia? Und dann wundert man sich noch über die Schreibabys...

Mit freundlichen Grüssen

Elisabeth Buchs

Marianne

Re: Ein Telefon als Babysitter

Beitrag von Marianne » 28. Januar 2004 11:53

Das ist ja erst der Anfang. Wenn man Babys fernüberwachen kann, Kleinkinder, ja überhaupt Kinder, dann ist es nicht mehr weit, dass Herr und Frau Schweizer vor einer totalen Überwachung nicht mehr sicher sind.

Frage: wollen wir so was wirklich? Würden doch die Menschen endlich aufwachen, ihr Hirn einschalten und lauten Protest gegen diesen Stumpfsinn, diesen geradezu gefährlichen einlegen. Was braucht es eigentlich noch, damit sich die Menschen im Klaren sind, was da noch alles auf uns zukommt?

Was den Brückenbauer, bzw. die Migros betrifft, scheint man dort auf den Ohren zu sitzen und mit Blindheit geschlagen zu sein. Alles, was an Protesten in diese Richtung ging und noch geht, könnte man ebensogut den Fliegen an der Wand erzählen.

Marianne

Margarete Kaufmann

Re: Ein Telefon als Babysitter

Beitrag von Margarete Kaufmann » 28. Januar 2004 11:59

Bei diesem Bericht fällt mir ein, wie oft Erwachsene auf dem einen Arm ihr Baby tragen und mit dem anderen mit dem Handy telefonieren.
Von meinem Balkon aus kann ich das im Sommer konkret beobachten: ein stolzer Vater hat im einen Arm sein ein-/zweijähriges Kind und mit dem anderen telefoniert er sehr lange und ausgiebig mit seinem Handy.
Ich hatte das schon mit Interesse beobachtet, ob das Kind dann besonders unruhig wäre. Das ist es während des Telefonierens nicht. Da obwaltet vielleicht das Geborgenheitsgefühl.
Aber nachts und sonst überhaupt ist es ein Kind, von dem das Haus inzwischen schon seine "Akustik" kennt! Beim kleinsten Zwischenfall heult es laut auf. Also ein sehr gereiztes Kind!
Aber mit den Eltern darüber reden? - Nicht möglich!
M.K.

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