>Zofinger Tagblatt 29.03.2008
Zum Gedenken
Leserbriefe
Die Grenzwertlüge
Entgegnung zu den Beiträgen von Nicole Kirchner im ZT/LN vom 17. Februar über das überlastete Handy-Netz in den Zügen, und zum Artikel im «Sonntag» am 23. März «Rekurs gegen jede dritte Antenne».
Paradox: Fernsehbildschirme werden immer grösser - nun sollen Zuschauer Fussballspiele auf dem kleinen Bildschirm eines Handys verfolgen. Dafür nötig: bis zu 6000 weitere Antennen. Der Antennenbaustopp, knapp vor der EURO 08, verbittert die Betreiber gewaltig. Die Kasse muss eben stimmen, egal unter welcher Anwendung von Tricks und mit welchen Folgen für die Gesundheit von Mensch und Tier.
Beispiel: In Bottenwil wird eine einfache GSM-Antenne eines Anbieters als Provisorium ausgeschrieben. Einige Wochen später erfolgt eine weitere Publikation als Ersatz für das Provisorium, diesmal für zwei Anbieter. Dass es sich dabei um eine massive Aufrüstung mit je vier UMTS-Antennen und Richtstrahlantennen handelt, die nicht nur das kleine Dorf Bottenwil, sondern das ganze Uerkental versorgen soll, geht aus der neuen Publikation nicht hervor. Nur wer sich auf der Gemeinde die Unterlagen besorgt, entdeckt das ganze Ausmass dieser trickreichen Ausschreibung, mit einem Einspracheradius von 1120 Metern. Eine Antennenanlage für ein 800-Seelen-Dorf? Nein, eine solche gleich für das ganze Tal!
Die Behauptung, die Schweiz hätte um ein Mehrfaches strengere Grenzwerte als andere Länder, scheint ein langes Leben zu haben, aber sie wird nicht wahrer, je öfter sie wiederholt wird. Diese Werte gelten nur für Innenräume und werden auch im benachbarten Ausland nicht überschritten. Aber selbst diese Werte sind für die Erhaltung der Gesundheit allen bisherigen Erfahrungen nach um den Faktor 100 zu hoch. Sie gelten zudem schon nicht mehr im Hausgarten, auf dem Balkon, auf der Terrasse, auf dem Feld. Hausfrauen, spielende Kinder, Landwirte oder Handwerker, mit Arbeitsplatz im Freien, auch weidende Tiere sind der vollen Strahlung mit allen Folgen ausgesetzt. Nur werden den Einwohnern solche Informationen geflissentlich vorenthalten. Auch wer sich eine funktionierende Handyverbindung wünscht, was legitim ist, wäre vermutlich über diese Konsequenzen recht schockiert und es wäre doch recht seltsam, wären ihm diese im Wissen um die Gefährdung von Mitbewohnern völlig egal.
UMTS ist zudem um ein Vielfaches mehr genschädigend als das herkömmliche GSM. Das ist keine leere Behauptung, sondern von international bekannten Wissenschaftern nachgewiesen. Die gentoxischen Wirkungen werden sich in den folgenden Jahren zeigen, d.h., geschädigte, veränderte Gene können zu einer ganzen Reihe von ernsthaften Erkrankungen - bis zu Krebs - führen. Es ist absolut verniedlichend und unwahr, wenn die Industrie ständig auf angeblich fehlende wissenschaftliche Beweise pocht. In Wirklichkeit gibt es nicht nur wissenschaftliche Beweise, sondern leider immer zahlreichere Erfahrungswerte von negativen, Besorgnis erregenden Gesundheitsfolgen. Wäre UMTS ein Medikament, es wäre schon längst aus dem Verkehr gezogen worden.
Was letztendlich stört: man sucht sich Gemeinden für Antennenbauten aus, die sich - im Gegensatz zu anderen - am wenigsten wehren, sodass die Reichweite der Antennen nach dem St.-Florians-Prinzip gleich auf ein ganzes Tal ausgedehnt werden kann. Wie es den Bewohnern dann ergehen wird, kümmert die Betreiber nicht. Hauptsache, der erwartete Profit stimmt. Wenn eines Tages das böse Erwachen kommt, werden sie sich die Hände in Unschuld waschen (« . . . die Grenzwerte sind eingehalten . . .»). Den Menschen ist der massive Antennenbau längst nicht mehr geheuer, denn sogar die Betreiber geben, wie eingangs erwähnt, selbst zu: «Rekurs gegen jede dritte Antenne.»
Leopoldine Gaigg, Bottenwil