Antennenangst als Preiskiller: Mobilfunkantennen Antenne in

The Future's Black

Antennenangst als Preiskiller: Mobilfunkantennen Antenne in

Beitrag von The Future's Black » 24. Juni 2004 13:03

© Berner Rundschau / MLZ; 23.06.2004

Region BE Zeitung

Antennenangst als Preiskiller

Mobilfunkantennen Antenne in der Nachbarschaft senkt Immobilien-Wert

Ob die Strahlung von Mobilfunkantennen schädlich sei, ist nach wie vor umstritten. Dass die Angst davor Liegenschaftswerte beeinflusst, ist dagegen anerkannt. Aber den Schaden beziffern kann oder will in unserer Region niemand.

Daniel Haller
Allein schon die Profile für eine Mobilfunkantenne vor dem Haus minderten den Wert seiner Liegenschaft um 150 000 Franken, argumentiert Hans Zangger aus dem Burgdorfer Nassi-Quartier. Und das Aarwanger Unternehmen Trikora hat den Mietvertrag für die Geschäftsräume in der Nachbarschaft eines geplanten Antennenstandorts vorsorglich gekündet für den Fall, dass die Antenne gebaut würde. Drei Mitarbeiter von Trikora haben sogar vorsorglich ihren Job gekündet, falls denn eine Antenne in Betrieb ginge, ohne dass Trikora umziehen würde.

Zwar bleibt umstritten, ob die Strahlung der Mobilfunkantennen selbst unterhalb der vom Bund festgelegten Grenzwerte gesundheitsschädlich sei. Doch Ängste zeigen ökonomische Wirkung: «Antenne auf dem Dach - Immobilienpreis im Keller», betitelte der Bayrische Rundfunk eine Sendung. Und eine Umfrage des Rings Deutscher Makler ergab, dass zwei von drei deutschen Immobilienhändlern bereits Erfahrungen mit Mobilfunkantennen gemacht haben: Bezüglich Wertminderung sei vor allem der Abstand der Liegenschaft zur Antenne entscheidend. Dabei war von Wertminderungen bis zu 50 Prozent die Rede.

Nicht bezifferbar

«Mit Prozentzahlen wäre ich ausgesprochen vorsichtig», mahnt ein Langenthaler Immobilienhändler, der in diesem Zusammenhang nicht genannt sein will. Anders als bei Flug- oder Autobahnlärm gehe es bei Mobilfunk um «Beeinträchtigungen im Bereich des Daran-Glaubens»: Wer Strahlung fürchtet, für den komme eine Liegenschaft in Antennennähe nicht in Betracht. Unerheblich sei dies hingegen für jene, die den gesetzlichen Grenzwerten trauen. «Es geht also weniger um Wertminderung als um eine Markteinschränkung.»

Der Langenthaler Architekt Robert Kummer vom Büro Kummer Jordi Hostettler beobachtet, dass bei gut sichtbaren Antennen die Sensibilität bei den Leuten grösser sei. Doch eine konkrete Preissenkung hat er bisher ebenso wenig erlebt wie der Langenthaler Immobilienhändler Bernhard Hugi.

Ohrensausen und Schlafstörungen

Konkret ist hingegen, was Markus Zingg berichtet: Seine Attikawohnung in der Langenthaler Farbgasse liegt rund 150 Meter von der Antenne auf dem Turm des Feuerwehrmagazins entfernt. Seit diese vor einem Jahr aufgeschaltet wurde, habe er an Muskelzuckungen, Tinnitus (Ohrengeräusche), Herzrhythmus- und Schlafstörungen gelitten, berichtet Zingg. Ein Teil der Symptome sei zwar zurückgegangen. «Der Organismus scheint sich mit der Zeit teilweise an die Strahlung von 1 Volt/Meter, wie sie in meiner Wohnung herrscht, zu gewöhnen», folgert er. Geblieben seien aber ein ausgesprochen unruhiger Schlaf, Ohrensausen sowie Schwindelanfälle. Diese Symptome verschwinden, sobald er die Wohnung verlässt oder wenn er auswärts schläft. Und grosse Sorgen macht er sich bezüglich der langfristigen Auswirkungen auf seine Gesundheit.

Es sei schwierig, den Beweis zu erbringen, dass für alle diese Leiden die Antenne verantwortlich sei, anerkennt Zingg. Aber für ihn persönlich sei der Fall so klar, dass er die Wohnung verkaufen wollte. «Interessenten meinten jeweils, sie wollten sich erst die Umgebung ansehen. Dann haben sie sich nicht mehr gemeldet», berichtet er.

Eindeutige Rückmeldungen, dass das erlöschende Interesse mit der Antenne zusammenhänge, habe er nie erhalten. Kurz: «Wieweit die Antenne Grund der Schwerverkäuflichkeit meiner Wohnung ist, lässt sich nicht beziffern. Aber angesichts der allgemeinen Sensibilisierung durch Widerstand wie in Aarwangen oder Herzogenbuchsee spielt dies eine Rolle. Auch Leute, die auf Strahlung weniger sensibel reagieren, sagen deutlich, dass sie nicht in der Nähe einer Mobilfunkantenne wohnen möchten.» Zingg rechnet mit einem Verlust von einigen zehntausend Franken gegenüber dem 1995 bezahlten Preis, wenn er die Wohnung abstossen würde. Deshalb habe er sich entschlossen, das Geld stattdessen in eine Strahlen-Abschirmung der Wohnung zu investieren. Sein Fazit: «Letztlich findet da eine Wertvernichtung statt.»

Abwertungsformel nicht bestätigt

Für Hanna Wyss von der Geschäftsleitung der Lubana AG, Burgdorf, sind Mobilfunkantennen «durchaus ein Standort-Faktor». Doch einen mathematischen Faktor allfälliger Wertminderung kann auch sie nicht nennen.

Antennengegner Hans Zangger nennt hingegen in seiner Einsprache eine Formel als «Bewertungsgrundlage einiger Banken»: 1 Volt/Meter Immissionswert führe zu 10 Prozent Wertminderung bei der Liegenschaft. Auf Nachfrage verweist Zangger auf die Website des Schwarzenburger Strahlungsgegners Hans Ulrich Jakob. Und dieser schliesst aus der Tatsache, dass sich zwei Raiffeisenmitarbeiter an einem seiner Seminare informiert hätten, dass die Bank eine solche Formel anwende.

«Stimmt nicht», dementiert Raiffeisen-Pressesprecher Franz Würth. «Wir haben keine Bewertungs-Richtlinien bezüglich Natel-Antennen.» Zwar berücksichtige man bei der Bewertung einer Liegenschaft auch deren Lage. Dabei würden Faktoren wie Strassen- oder Fluglärm, Starkstromleitungen oder die unmittelbare Nähe einer Antenne vermerkt. «Dass eine Antenne den Wert nicht erhöht, liegt auf der Hand. Aber Formeln gibt es keine.»

Ähnlich argumentiert Heinz Trösch, Direktor der Clientis Bank Huttwil: «Bei einer Liegenschaftsbewertung durch die Bank untersuchen wir Substanz- und Ertragswert einer Immobilie. Beim zweiten spielen weiche Faktoren wie Autobahn, Eisenbahnlinien oder auch nahe gelegene Antennenanlagen eine Rolle, indem sie die Wohnqualität beeinflussen. Das führt aber zu keiner Minderbewertung.»

Trösch ist auch Präsident des Hauseigentümer-Verbands (HEV) Region Langenthal. «Für den Eigentümer als Investor sieht die Sache anders aus», erklärt Trösch: «Beim Kauf spielen Antennen in der Preisverhandlung eine Rolle. Und sie bewirken eher eine Ab- als eine Aufwertung einer Liegenschaft.»