"Eine Antenne auf dem Dach ist lukrativ"

The Future's Black

"Eine Antenne auf dem Dach ist lukrativ"

Beitrag von The Future's Black » 22. November 2004 12:14

© Tages-Anzeiger; 22.11.2004; Seite 11

Zürich

Eine Antenne auf dem Dach ist lukrativ

Für Hausbesitzer sind Antennen finanziell attraktiv. Die Mobilfunkanbieter zahlen mehrere Tausend Franken pro Jahr.

Soll auf dem Dach eine Antenne installiert werden? Die Frage kann ernsthaft den Hausfrieden gefährden, denn Mieterinnen und Mieter fürchten um ihr Wohlbefinden, der Hausbesitzer aber ortet eine lukrative Einnahmequelle. Sunrise zum Beispiel zahlt in der Regel bis zu 8000 Franken Standortmiete pro Jahr, bei Orange können es in Ausnahmefällen 13 000 Franken werden. Swisscom und Tele 2 geben keine Zahlen zur Standortmiete bekannt.

Das geht ins Geld: Sunrise etwa hat allein auf Liegenschaften über 2000 Mobilfunkanlagen installiert, bei der Swisscom, die an gegen 6000 Standorten vertreten ist, werden es deutlich mehr sein.

Wie viel die Betreiber in einem konkreten Fall bezahlen, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel vom Platzbedarf einer Anlage. Zusätzlich zu einer Antenne muss auch ein technisches Gerät platziert werden, das die Gespräche verarbeitet. Werden mehrere Antennen montiert, steigt der Platzbedarf deutlich, denn die Zusatzgeräte erreichen etwa das Volumen eines grossen Kühlschranks.

Angebot bestimmt Miete

Eine grosse Rolle spielt die Lage sowie Angebot und Nachfrage. Laut Tilman Eberle von Orange ist es an gewissen Standorten schwierig, geeignete Liegenschaften zu finden. Eine solche muss eine gewisse Höhe und genügend Freiraum haben, damit die Signale nicht am nächsten Haus reflektiert und die Grenzwerte nicht überschritten werden. Und sie muss in der Mitte der geplanten Funkzelle liegen. Manchmal kommen in einem Quartier lediglich zwei Häuser in Frage - und das eine ist unter Umständen bereits von der Konkurrenz besetzt. «Wegen der strengen Schweizer Grenzwerte können Standorte in dicht besiedelten Gebieten aber nicht von mehreren Betreibern gemeinsam genutzt werden», sagt Eberle.

Da die Investitionen für den Bau einer Mobilfunkanlage hoch sind, schliessen die Betreiber nach Möglichkeit langfristige Verträge ab, in der Regel mit einer Laufzeit von mindestens zehn Jahren. (jho)

Elisabeth Buchs

Re:

Beitrag von Elisabeth Buchs » 22. November 2004 17:18

Auf einer Messtour mit Herrn Jakob wies er mich auf eine Mobilfunkantenne hin, die auf einem Fabrikdach in einem Dorf stand. Er sagte, dieser Firma gehe es wohl finanziell nicht gerade gut. Später erzählte uns der Kunde, dass diese Firma nur knapp am Konkurs vorbeigegangen sei. Das trifft ebenfalls auf das hohe Mühlegebäude in der Nähe meines Wohnortes zu, wo Antennen von zwei Gesellschaften aufgestellt sind.

Auch Personen im Altersheim würden häufig von den Betreibergesellschaften rumgekriegt, das Dach ihres nicht mehr selbst bewohnten Hauses für eine Antenne zu geben, ebenfalls sonstige Personen, welche nicht mehr dort wohnen.

Leute aus der Ortschaft scheuen sich oft, ihr Dach für eine Mobilfunkantenne zur Verfügung zu stellen, aus Angst vor Reaktionen von Anwohnern. Es sollen schon Geschäftsleute boykottiert wurden sein, weil sie das Dach ihres Hauses für eine Antenne hingaben.

Irgendwie ist das auch ein wenig inkonsequent: Man sieht immer mehr Leute mit Handys rumlaufen, heute gerade wieder am "Zibelemärit" in Bern - manchmal in der einen Hand die Zigarette, in der anderen das Handy, wenn die nur nicht mal wegen allfälligen kognitiven Störungen das falsche ans Ohr halten.

Mit freundlichen Grüssen

Elisabeth Buchs

Hans-U. Jakob

Re:

Beitrag von Hans-U. Jakob » 25. November 2004 11:42

Heute sind 12'000 Franken pro Jahr üblich. Es gibt aber auch einfachere Gemüter, die sich für insgesamt 3000 Franken für 10 Jahre übers Ohr hauen lassen. Die Differenzen zu 15'000 pro Jahr gehen in den Sack des Standorthändles (Aquisiteurs) oder werden als Schwarzgeld unter dem Tisch hindurch gereicht.
Heute werden nur noch Verträge mit Laufzeiten von 20 Jahren abgeschlossen. Zahlbar im Voraus bei Vertragsabschluss
Bei Häusern im Stockwerkeigentum wird praktisch nie über 6000Franken pro Jahr abgeschlossen. (120'00 für 20 Jahre) Die Differenz von mehreren 100'000 geht meistens schwarz an den Hausverwalter und an die Ausschussmitglieder der Stockwerkeigentümer, welche das Vertragswerk eingefädelt haben. Dasselbe Spiel läuft oft bei Vermietung eines Kirchturms oder eines Landisilos.
Hans-U. Jakob

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