© St. Galler Tagblatt; 19.01.2005
Unteres Toggenburg
Wiler Zeitung / Volksfreund
Leserbrief
Kinder oder Natel?
Leserbrief zur Debatte um die Wattwiler Chapf-UMTS-Antenne
Dass die Gemüter sich erregen, wenn es um Sexualität, Fruchtbarkeit und Mobilfunkstrahlung geht, ist selbstverständlich. Bei dieser Debatte geht es schliesslich um unsere Gesundheit. Immer mehr Menschen sind ungefragt elektromagnetischer Hochfrequenzstrahlung ausgesetzt. Was meint die Wissenschaft dazu? Eine österreichische Forschergruppe untersuchte den Einfluss von GSM-Handys auf die Spermienqualität. 13 Männer mussten fünf Tage lang für sechs Stunden pro Tag ihr Handy am Hosengürtel tragen und wurden angewiesen, alle iIhre Telefonate über dieses Handy abzuwickeln. Danach wurden die Spermien erneut untersucht. Bei allen Männern verschlechterte sich die Beweglichkeit der Spermien eindeutig und bedeutsam.
Bei dieser Untersuchung ging es um die Wirkung sehr kleiner Dosen elektromagnetischer Wellen auf den Körper. Sie liegen weit unter den festgelegten Grenzwerten. Vermutlich verändert die Strahlung die Funktion der Kalziumkanäle in den Zellen unseres Körpers, hier im Schwanz der Spermien, der für deren Beweglichkeit verantwortlich ist.
Dass die Funktion der Kalziumkanäle durch elektromagnetische Wellen beeinflusst wird, wurde bereits in mehreren wissenschaftlichen Studien dargelegt und auch in renommierten Zeitschriften veröffentlicht. Weil die Kalziumkanäle nicht nur für die Beweglichkeit der Spermien, sondern ganz allgemein für die Kommunikation der Zellen untereinander eine zentrale Rolle spielen, sollte dieser Effekt nicht verharmlost werden.
Noch wissen wir zum Beispiel nicht, warum Mäuse nach längerer Exposition durch elektromagnetische Strahlung gänzlich unfruchtbar sind, warum viele Bauern in der Nähe von Mobilfunkantennen vermehrt Totgeburten von Kälbern beklagen, und warum Hirntumore bei Handybenutzern vermehrt auf der Seite des Telefonierens auftreten.
Für Politiker erachte ich es als Pflicht im Sinne der Vorsorge, die Bevölkerung auf die Gefahren aufmerksam zu machen und die Bewilligung für Mobilfunkantennen in Wohngebieten restriktiv zu handhaben. In der Eigenverantwortung von uns allen liegt es, den Gebrauch von elektromagnetisch strahlenden Geräten wie Handys und kabellosen Telefonapparaten einzuschränken.
Dr. med. Yvonne Gilli
Kantonsrätin Grüne Partei, 9500 Wil