Lufthygieneamt beider Basel: «Es melden sich immer wieder Pe

The Future's Black

Lufthygieneamt beider Basel: «Es melden sich immer wieder Pe

Beitrag von The Future's Black » 5. April 2005 12:24

© Basler Zeitung; 05.04.2005; Seite 3

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Es knistert im Antennenwald

Bevölkerung und Gemeinden fordern Schutz vor Elektrosmog

markus kocher

· Mobilfunk-Antennen sind vielen Anwohnern ein Dorn im Auge. Auch die Gemeinden wehren sich gegen einen «Wildwuchs».

Schräg gegenüber ist sie, streckt ihre Fühler in den strahlend blauen Himmel - an der Vogesenstrasse in Basel. Brigitta Strub steht am Fenster, die Mobilfunkantenne im Blick. «Seit langem kann ich nur noch vier bis fünf Stunden schlafen», sagt die Krankenpflegerin. Die Messwerte in der Wohnung sind zwar in Ordnung, ihr Befinden hingegen nicht. Was tun, umziehen? «Das Schlimme ist, dass man kaum noch ausweichen kann», seufzt sie.

«Es melden sich immer wieder Personen, die sich durch die Antennen gestört fühlen», bestätigt Gaston Theis vom Lufthygieneamt beider Basel. In den beiden Basel sind heute gut 420 Mobilfunkantennen montiert - 170 in der Stadt, 250 auf dem Land. Rund weitere 100, die im letzten oder vorletzten Jahr bewilligt worden sind, sind im Bau. In gewissen Gebieten der Stadt ist das Aufgebot an mobil Telefonierenden so gross, dass die überlasteten Antennen zusätzliche Unterstützung erhalten - von Mikrozellen, die keiner Bewilligung bedürfen. Sie sind kaum sichtbar an Masten oder Fassaden angebracht. Mit maximal 6 Watt ist deren Emission allerdings sehr gering.

hände gebunden. «Der Trend ist ungebrochen, es wird munter gebaut», bilanziert Roman Mayer, Leiter des Baselbieter Bauinspektorats. Für zahlreiche neue Projekte liegen auf dem Baudepartement bereits wieder Baugesuche der drei Mobilfunk-Betreiber Swisscom, Sunrise und Orange auf. «Wir optimieren das Angebot entsprechend dem Bedürfnis unserer Kunden», gibt Swisscom-Pressesprecher Josef Frey zu verstehen. Und das Bedürfnis ist gross. Das neue UMT-System bietet dank hoher Datenübertragungsraten nun sogar Kinovergnügen im Handyformat. Mit jeder dieser Antennen halte man sich aber an den in der Bundesverordnung über nicht-ionisierende Strahlung (NISV) festgesetzten Wert, versichert Frey.

«Da sind uns praktisch die Hände gebunden», lässt Roman Mayer durchblicken. Das Bauinspektorat hat zusammen mit dem Lufthygieneamt lediglich die Aufgabe, zu überprüfen, ob die Gesuche den geltenden Vorschriften entsprechen. Das sind: der Strahlen-Höchstwert, Ortsbild- und Landschaftsschutz sowie Bestimmungen aus dem kantonalen Baurecht.

«Ist dies eingehalten, ist der Zug abgefahren», verdeutlicht Mayer. Sprich: Die Betreiber dürfen bauen. Fast jedes Gesuch ziehe zwar eine Welle an Einsprachen nach sich, in der Vergangenheit seien jedoch nur wenige Gesuche abgelehnt worden, weiss Mayer, meist wegen Unverträglichkeit mit dem Ortsbild.

Für die Standortvermieter hingegen ist die Mobilfunkantenne ein lukratives Geschäft. So entspricht der Betrag, welchen die Baselland Transport (BLT) für die zwei Mobilfunk-Masten auf dem Dach ihres Parkhauses einstreicht, fast dem fünften Teil von dem, was das Gebäude (250 Plätze) jährlich an Parkmieten abwirft.

vorstösse. Eigentlich wären die drei Mobil-Riesen verpflichtet, ihren Versorgungsauftrag punkto Standorte in enger Absprache untereinander wahrzunehmen. Doch die Gemeinden konstatieren mit wachsender Besorgnis einen ungeregelten «Wildwuchs». So häufen sich Vorschläge und Vorstösse auf politischer Ebene, um der planerischen Willkür Einhalt zu gebieten.

>Bubendorf hat bereits im Jahr 2000 damit begonnen, Spezialzonen für Mobilfunkantennen auszuscheiden. Diese Regelung ist nicht verbindlich, sondern lediglich orientierenden Inhalts über die von der Gemeinde bevorzugten Standorte. Das Modell wurde später auch von Zunzgen übernommen.

>Im November 2004 erteilte der Grosse Rat der Basler Regierung den Autrag, eine Standesinitiative zum Schutz der Bevölkerung vor Elektrosmog einzureichen.

>Binningen hat im Dezember 2004 ein Moratorium verhängt: bis Ende 2006 gibt es auf gemeindeeigenen Gebäuden keine neuen Antennen.

>In vielen Gemeinden (Münchenstein, Bottmingen, Gelterkinden, Birsfelden) gehen Vorstösse für einen «sanften Mobilfunk» ein.

>Im Baselbieter Landrat wurde im Oktober 2004 eine Motion von Regula Meschberger (SP) überwiesen. Der Kanton hat somit Standorte für Mobilfunkantennen zu regeln und Freihaltebereiche bei Orten mit empfindlicher Nutzung wie Schulen und Pflegeheime auszuscheiden.

«Wir haben damals, vor ein paar Jahren, die Entwicklung wohl unterschätzt», gesteht der Baselbieter Chef-Raumplaner Hans-Georg Bächtold ein. Die Technik ist den Planern regelrecht über den Kopf gewachsen. «Jetzt haben wir einen klaren Auftrag», macht Bächtold klar, «jetzt gehen wir an die Arbeit.»

Störung. Mobilfunk legt manche Nerven blank. Foto Comet



Studie: Kopfweh wegen Strahlung

basel. Wie schädlich ist elektromagnetische Strahlung? In der Praxis steckt die Strahlenverordnung den Rahmen ab. Was sich unterhalb des Grenzwerts befindet, ist, laut Bundesamt für Gesundheit, unbedenklich. Wie soll man sich aber erklären, dass Menschen, die im Umfeld einer Mobilfunkantenne wohnen, Symptome wie Kopfweh oder Schlaflosigkeit entwickeln? Eine erst vor kurzem in Basel publizierte Studie über elektromagnetische Felder und Gesundheitsbelastungen liefert, zumindest vorsichtig, Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang. In diesem Forschungsprojekt, unter der Koordination von Anke Huss vom Basler Institut für Sozial- und Präventivmedizin, wurden 25 Betroffene und ihre Situation psychologisch, medizinisch und umweltfachlich genau untersucht.

Unter den Grenzwerten. Die Personen glaubten, ihre Beschwerden führten auf elektromagnetische Felder im Haus oder von ausserhalb zurück - über die Hälfte von ihnen beschränkten ihre Vermutungen auf den Einfluss von Mobilfunkantennen. Die Werte in den Wohnungen lagen überall unterhalb der Grenzwerte. Trotzdem kam das Projektteam zur Einschätzung, dass bei einem Drittel der Personen ein Zusammenhang eines Teils ihrer Symptome mit der Strahlung plausibel sei. Offenbar spielt dabei auch eine elektromagnetische «Hypersensibilität» Einzelner eine Rolle. Dies würde bedeuten, dass der vom Bund bestimmte Grenzwert zwar der Allgemeinheit Schutz bietet, einer Minderheit jedoch Kopfschmerzen bereitet. och