© Berner Zeitung; 26.05.2005; Seite 25
BZ-Oberaargau
Leserbrief
Steigt Geiser nun aus?
Ausgabe vom 25. Mai 2005 «Antennen-Gegner stellen Mobilfunkanbieter zur Rede»
Schön, dass sich der zeitweilig in London lebende langjährige Langenthaler Kulturaktivist und erfolgreiche Unternehmer Peter R. Geiser in den Medien schriftlich zum Konflikt um die UMTS-Antennen auf dem Dach seiner Kadi geäussert hat. Schade nur, dass er weder dort noch am Rande des Handypodiums in der Alten Mühle die entscheidende Antwort geben konnte. Oder wenigstens nicht für die Augen bzw. Ohren aller Interessierten. Die Frage dazu heisst: «Steigen Sie entschlossen aus dem Vertrag mit der Swisscom aus, auch wenn Sie das mehr als nur Zivilcourage kosten sollte?»
Würde Peter R. Geiser diesen Weg wählen, wäre die unserer Ansicht nach zu Recht umstrittene Anlage nämlich auch ohne die erhellenden letzten Erkenntnisse von ETH-Studien rasch vom Tisch bzw. vom Dach. Und der Gemeinderat von Langenthal aus der juristischen Sackgasse. Eine Ablehnung des Ausbaus im Antennenwald lässt sich so - und nur so - von Peter R. Geiser und seiner Kadi alleine und ganz privat durchsetzen. Im Sinne des Gemeinwohls! Ob und wie viel es ihn dann überhaupt kosten würde, wäre zudem Sache der Verhandlungen. Und die müssten zuerst einmal stattfinden. Dank Peter R. Geiser.
Für dieses gspürige Handeln ziehen wir vor ihm gut und gerne unsere Hüte ganz tief. Wir trauen ihm ein solches Tun auch zu. Wir hoffen quasi, es ihm zutrauen zu dürfen. Natürlich müssten wir alle andern dann auch mutig und engagiert dafür sorgen, dass Swisscom nicht allzu rasch auf ein anderes Dach hüpfen könnte.
Dann leben wir auch weiterhin brav mit den Düften gebackener Kartoffeln und frittierter Frühlingsrollen, wenn wir morgens die Fensterläden öffnen. Lüften liegt zwar je nach Wetterlage nicht drin. Aber wir wissen wenigstens warum. Wir riechen es.
Beat Hugi und Familie Langenthal
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© Berner Rundschau / MLZ; 25.05.2005
Langenthal Zeitung
Ein Schlagabtausch auf höchster Ebene
Podium
Gemischte Gefühle nach dem Anlass «Stiehlt uns der Handy-Boom unsere Gesundheit?»
Rund hundert Personen kamen zur Podiumsveranstaltung zum UMTS-Moratorium in die Alte Mühle. Sie erlebten einen gesitteten, hochkarätigen Schlagabtausch, ohne dass die einzelnen Positionen ins Wanken gerieten.
Gérard Bornet
Nur einmal drohte die Veranstaltung aus dem Ruder zu laufen. «Er hat diesen Blödsinn schon zig-mal erzählt», ereiferte sich Jürg Aschwanden (Orange) nach einem Votum von Mobilfunkgegner Jürg Zimmermann, der daraufhin zurückgab «ich möchte mir solche Unterstellungen verbieten». Aschwanden und Zimmermann treffen regelmässig an Podien aufeinander und kennen das Argumentarium des anderen auswendig - ohne je überzeugen zu können. Kein Wunder, wenn die Nerven blank liegen.
Doch Gesprächsleiterin Sonja Hasler hatte die Sache gut im Griff. Das Publikum zeigte mit Klatschen an, wenn es mit einem Referenten einverstanden war und verhielt sich sonst ruhig. Die zweistündige Veranstaltung war zu Ende, ehe die Emotionen hochkochen konnten.
Wem soll man glauben?
Am einfachsten hatten es die durch Martin Lerch und Peter Matti vertretenen Bewilligungsbehörden. Sie unterstrichen die Seriosität ihrer Arbeit und konnten den Streit, ob die Grenzwerte genügen oder nicht, den anderen überlassen. Seit 1999 hatte Lerch im Amt Aarwangen 55 Gesuche von Mobilfunkbetreibern zu behandeln, davon wurden 9 abgewiesen oder zurückgezogen. Mattis Abteilung gibt einen Drittel bis die Hälfte aller Standortdatenblätter mit den Angaben zur Strahlenbelastung an die Gesuchsteller zur Überarbeitung zurück.
Doch sind die Grenzwerte eine «Mogelpackung», wie Zimmermann behauptete, oder tatsächlich 10-mal tiefer als in der EU, wie nicht nur Lerch betonte? Dem Publikum blieb bloss die Wahl, welcher Seite es Glauben schenken sollte. Und das war - wen wunderts in der Moratoriumsstadt Langenthal - meist die Seite der Mobilfunkkritiker.
Nach diesem Schema verlief praktisch der ganze Abend. Zugeständnisse waren selten, aber sie kamen vor. So räumte Willy Koch seitens Swisscom ein, dass die Mobilfunkbetreiber die Aufklärung der Bevölkerung vernachlässigt hatten. Und Edith Steiner von den Ärztinnen für Umweltschutz liess das Argument gelten, die Auswirkungen des Mobilfunks seien psychologisch. Sie konterte nur mit: «Angst allein kann schon krank machen.» Und Angst mache das Unwissen, das im Mobilfunkbereich herrsche, deshalb brauche es mehr Forschung.
Wo sind die Gegner geblieben?
Nach der Veranstaltung konnte der Präsident des Hauseigentümerverbandes Region Langenthal, Heinz Trösch, ein positives Fazit des von seiner Seite organisierten Anlasses ziehen. Nicht ganz befriedigt waren die Mobilfunk-Kritiker. Knapp 4000 Leute haben die Moratoriums-Petition unterschrieben - gekommen sind aber «lediglich» rund hundert Personen. «Ich hätte mir mehr Leute gewünscht», erklärte nach der Veranstaltung einer der beiden Erstunterzeichner Christoph Stäger. «Mir schien, der Anlass habe die bestehende Unsicherheit weiter beleuchtet, niemand weiss richtig, wie die Risiken einzuschätzen sind.» Bruno Unternährer, ebenfalls Erstunterzeichner, fand den Anlass als Informationsabend «nicht schlecht». Aber in der Sache - keine Natelantennen auf dem Kadi-Turm - «bringt er uns nicht weiter». Die IG UMTS-Strahlen setze jetzt auf direkte Verhandlungen mit dem Liegenschaftsbesitzer Peter Geiser.
Und die Stadt? Die so genannte «ETH-Studie», deren Ausgang sie mit dem Moratorium abwarten will, wird später abgeschlossen, als angenommen. Laut Peter Matti könnte es sogar Februar 2006 werden. Dies ist wohl zu spät, um auf das Baugesuch der Swisscom einen Einfluss zu haben. «Der Gemeinderat sieht nach dem jetzigen Stand der Dinge keinen Anlass, an seiner Haltung etwas zu ändern», erklärt Stadtschreiber Daniel Steiner auf Anfrage.
DIE REFERENTEN UND IHRE LETZTEN WORTE
Jürg Aschwanden, Orange Communications SA: «Die Forschung diskutiert heute nicht, ob Mobilfunk gefährlich ist oder nicht. Diskutiert wird heute, ist überhaupt etwas nachweisbar, ja oder nein? Ob das gefährlich ist, wäre dann erst die nächste Frage.»
Willy Koch, Swisscom Mobile AG: «Der Standort der Antennenanlage auf der Kadi ist für die Bevölkerung von Langenthal jener mit den geringsten Immissionen - wenn wir ihn realisieren können.»
Peter Matti, Fachbereichsleiter, Immissionsschutz: «Ich hoffe, dass euch doch der eine oder andere Punkt in dieser komplexen Materie etwas klarer geworden ist. Denn es ist nicht einfach, da so ohne Weiteres durchzublicken.»
Jürg Zimmermann, Umwelt-Analytiker, Sachverständiger für Elektro-Biologie und -Smog und Experte für Strahlenschutz: «Von den Behörden ist nichts zu erwarten. Wir Bürger müssen selber handeln. Wenn wir jetzt nicht Einhalt gebieten und keine Änderung erreichen hin zu einem sanften, nachhaltigen Mobilfunk, dann müssen wir am Schluss die Konsequenzen tragen.»
Edith Steiner, Mitglied Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz: «Die Demokratie wird eine grosse Rolle spielen in der Frage, was man für Risiken auf sich nehmen will. Aus der Sicht des Mediziners kann die Frage, ob Mobilfunk gesundheitsschädlich ist, eher mit einem Ja als mit einem Nein beantwortet werden.»
Martin Lerch, Regierungsstatthalter des Amtes Aarwangen: «Ich hoffe, dass es uns gelingt, die neue Technologie zu optimieren und im Interesse von uns allen möglichst sicher zu machen. Vor allem in den Schulen soll über den verantwortungsvollen Umgang mit Mobilfunk informiert werden. Ich glaube, damit wäre schon viel gewonnen.» (gé)
Schlagabtausch Mobilfunkgegner und -betreiber sowie die Bewilligungsbehörde sitzen am selben Tisch (v.l.): Zimmermann, Steiner, Lerch, Sonja Hasler (Leitung, Radio DRS), Matti, Koch und Aschwanden. Maddalena tomazzoli
Das Verfahren läuft weiter
Kadi-Turm Messungen und Einsprachen
Beim Baugesuch der Swisscom Mobile auf dem Dach des Kadi-Siloturms handle es sich um ein laufendes Verfahren, welches tatsächlich läuft, erklärte Willy Koch (Swisscom) am Podium. In den nächsten Tagen werde die Stadt der Swisscom die Einsprachen zusenden, damit diese dazu Stellung nehmen könne. Die Einsprachefrist ist am 21. Februar abgelaufen. In der Zwischenzeit sind die 371 Einsprachen, davon 6 Sammeleinsprachen mit 119 Unterschriften, von der Stadt auf ihre Legitimität geprüft worden.
Auch Messungen wurden durchgeführt, orientierte Peter Matti (beco). Dies im Auftrag der beco (Berner Wirtschaft), der Stadt und dem Forum mobil. Am vergangenen Freitag, 13. Mai, hat die Inventis AG (Zürich) beim Kindergarten Oberfeld und bei einem Wohnhaus ihre Geräte installiert, drei weitere Standorte wurden berechnet. Ergebnis: Die Grenzwerte werden überall eingehalten. Die bestehende Anlage von Orange (nur GSM) nutzt die bewilligte Leistung heute zu maximal 38 Prozent aus. Eine Abschätzung zeigt weiter, dass auch mit dem geplanten Ausbau die Anlagegrenzwerte eingehalten werden.
Der Kadi-Siloturm ist aus der Sicht der Bewilligungsbehörde und der Mobilfunkbetreiber deshalb ideal, weil die Antennen sich dort über 30 Meter über dem Erdboden befinden. Dies senkt die Strahlenbelastung in der unmittelbaren Umgebung. (gé)
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© Berner Zeitung; 25.05.2005; Seite 25
BZ-Oberaargau
langenthal
Antennen-Gegner stellen Mobilfunkanbieter zur Rede
Befürworter und Gegner der Mobilfunkanlagen lieferten sich in der Alten Mühle Langenthal ein hitziges Wortgefecht.
«Fluch und Segen der grenzenlosen Kommunikation - stiehlt uns der Handy-Boom unsere Gesundheit?»: Sechs Experten aus den Bereichen Umweltschutz, Mobilfunk und Recht haben sich am Montag zur Podiumsdiskussion in Langenthal getroffen. Zu einem Thema, das zur Zeit auch in Langenthal die Gemüter erhitzt: Nachdem das Baugesuch der Swisscom Mobile AG für eine UMTS-Antenne bei der Langenthaler Kadi AG eine Einsprachenflut ausgelöst hatte, hat der Gemeinderat im Februar ein umstrittenes Moratorium für die Bewilligung weiterer Anlagen beschlossen - bis die derzeit von der ETH zu prüfende holländische Studie über Gesundheitsschäden Licht ins wissenschaftliche Dunkel bringt (wir berichteten).
Für den Hauseigentümerverband Region Langenthal der geeignete Zeitpunkt, um darüber zu debattieren. «Offenbar haben wir ins Schwarze getroffen», so Präsident Heinz Trösch angesichts der rund 90 Anwesenden.
Beweislast bei Gegnern
Laut Edith Steiner vom Verein ÄrztInnen für Umweltschutz leiden fünf Prozent der Bevölkerung an Immissionen, die durch Antennen ausgelöst werden. Nur fehlten wissenschaftlich haltbare Beweise. Dass die Beweislast an den Mobilfunkgegnern haftet - und nicht Gegenbeweise von den Betreibern gefordert werden - stiess bei vielen auf Unverständnis. «Wir halten die gesetzlichen Vorgaben ein, auch in Langenthal», beruhigte Willy Koch von der Swisscom Mobile AG. Tatsächlich aber scheint der Kernpunkt der Diskussion weniger die Legalität der Betreiber als vielmehr der vom Bund vorgeschriebene Immissionsgrenzwert zu sein. Denn der basiere vor allem auf wirtschaftlichen statt auf medizinischen Aspekten, so die Gegnerseite.
Lust oder Muss?
Medizinerin Steiner zeigte sich auch darüber besorgt, dass mit dem Natel bereits Erstklässler tagtäglich konfrontiert sind. Doch: «Der Markt draussen entscheidet darüber, wer ein Handy will und braucht», verteidigte Jürg Aschwanden von der Orange Communications SA die angegriffene Mobiltelefonie. Und Branchenkollege Willy Koch: «Die Ansprüche ans Handy wachsen, die Kunden wollen überall Empfang haben und ihr Natel vielseitig nutzen.» Einzig die steigende Nachfrage mache neue Antennen notwendig.
Ein für die Gegner fragwürdiges Argument - werde doch für kein anderes Produkt in dem Ausmasse geworben wie fürs Handy. «Und von den sechs Millionen Natels, die heute im Umlauf sind, wurden um die 5,8 Millionen verschenkt», so Umweltexperte Jürg Zimmermann.
Umgang überdenken
Betroffen zeigt sich Regierungsstatthalter Martin Lerch: «Natürlich geben uns die vielen Einsprachen zu denken.» Doch dass in Langenthal täglich 11 000 Mobiltelefone genutzt werden, sei eben auch Realität. «Darum ist es wichtig, sich ernsthaft über den Umgang mit dieser neuen Technologie Gedanken zu machen.» Khl
«Für kein anderes Produkt wird in diesem Ausmass geworben wie fürs Handy.»
Jürg Zimmermann, Umweltexperte
«Der Markt draussen entscheidet darüber, wer ein Handy will und braucht.»
Jürg Aschwanden, Orange Communications SA
© Berner Zeitung; 26.05.2005; Seite 31
SO-Region Solothurn
riedholz
Für ein UMTS-Moratorium
Die Gemeindeversammlung Riedholz versucht das rechtlich kaum Mögliche: Sie will UMTS-Antennen verhindern.
Riedholz wehrt sich gegen UMTS-Natelantennen. Die Gemeindeversammlung erklärte zwei Postulate als erheblich, die den Gemeinderat nun zwingen, das Gemeindegebiet neu zu beplanen - mit zwei Zielen: Erstens soll für fünf Jahre der Bau neuer UMTS Antennen verhindert werden, zweitens sollen sämtliche Kinderspielplätze als Ort empfindlicher Nutzung eingestuft werden. Diese Massnahmen werden sich aber erst künftig auswirken, den Bau der zwei geplanten UMTS-Antennen werden sie kaum verhindern.
An der Versammlung vom Montagabend musste sich der Gemeinderat wie schon an der Info-Veranstaltung im Frühling harte Anschuldigungen seitens einiger Bewohner gefallen lassen.
Schaffner fast sauer
Dass der Rat die Ängste der Anwohner nicht ernst nehme, liess Gemeindepräsident Dieter Schaffner nicht auf sich sitzen. «Auch wir sind gegen Antennen, aber wir halten uns an das geltende Recht und somit ans Machbare.» Als in diesem Sinn «nicht machbar» hat ein UMTS-Moratorium zu gelten.
Während der Rat sachlich argumentierte, argumentierten die Repräsentanten der IG gegen die Mobilfunkantennen auf einer emotionalen Ebene. Missverständnisse waren vorprogrammiert. So empfahl der Gemeinderat der Versammlung, beide Postulate abzulehnen. Da deren Inhalt gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstosse, sei die Mühe wertlos. In der angeregten Diskussion stellte sich heraus, dass die Antennengegner mit ihren Postulaten (obwohl als «dringlich» eingereicht) nicht auf die geplanten Antennen zielen, sondern vorsorglich agieren wollen. - «Dieses plötzliche Umschwenken macht mich fast sauer», entgegnete Dieter Schaffner. Immerhin habe der Rat die Postulate noch in letzter Minute behandelt.
Doppel-Strategie
«Wir müssen alle Karten ziehen», begründete Franz Adam von der IG. Will heissen: Mit Swisscom und sunrise soll verhandelt werden, um erneut zu prüfen, ob der Standort ARA nicht doch in Frage käme. Und gleichzeitig soll der Gemeinderat mittels der Postulate die Zonen abändern. mur
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© St. Galler Tagblatt; 25.05.2005
Uzwil
Wiler Zeitung / Volksfreund
«Wir wurden nicht richtig informiert»
Einen Antennenmast wollen die SBB neben den Bahnhof Algetshausen-Henau stellen. Nicht nur für eigene Zwecke, auch Swisscom und Sunrise sollen ihre UMTS-Antennen instalieren können (Wiler Zeitung, 13. 5.). Kathrin Maag fing Stimmen aus der Bevölkerung ein.
Lisa Bonivento, 44, Algetshausen
«Ich finde es überhaupt nicht gut. Die Bevölkerung hätte genauer informiert werden sollen. An der Versammlung beim Bahnhof am 2. Mai wussten nur wenige, was passieren soll. Und UMTS ist heikel, da man die Auswirkungen nicht kennt. Klar braucht es Antennen, aber nicht mitten im Dorf!»
Richard Jung, 66, Henau
«Wir wohnen im oberen Teil Henaus und sind nicht sehr erbaut über die Antennenanlage, die entstehen soll. Es ist gemein, dass zwölf Antennen von privaten Unternehmen hier hingestellt werden sollen und keine Einsprache möglich ist. Ausserdem hat es Richtung Niederstetten noch zwei Visiere an den Bahngleisen. Die sind schon länger da, man weiss nicht, was da noch geht.»
Armin Thalmann, 39, Algetshausen
«Was mich stört, ist die unsaubere Information, auch von Seiten der Gemeinde. Fast niemand wusste, dass dieser Mast hier stehen soll. Wir Anwohnerinnen und Anwohner mussten selbst herausfinden, dass etwas im Gange ist. Wir fühlen uns beschissen, auch weil man nicht nachlesen kann, welche Auswirkungen das Ganze hat. Wir haben hier vor zwei Jahren gebaut, haben zwei kleine Kinder, da wäre eine solche Anlage natürlich nicht ideal. Ich bin mir bewusst, dass das in die heutige Zeit gehört, ich habe selber ein Natel. Aber diese starke Strahlung in Algetshausen ist nur für kommerzielle Zwecke gedacht, nicht zum Wohle der Henauer und Algetshauser.»
Hugo Sprenger, 68, Henau
«Alle Leute haben Handys und niemand will die Antennen. Was mich stört, ist, dass es etwa 1000 Meter von unserem Bahnhof entfernt, beim Gillhof, eine Antenne steht und ennet der Thur in 50 Meter Entfernung gleich nochmals eine. Wieso können sie diese nicht zusammenlegen? Von den SBB finde ich es recht makaber, aber die wollen natürlich das Geld. Dass sie die Antennen im Dorf aufstellen, da bin ich dagegen.»
Erika Häne, 44, Algetshausen
«Wir wussten gar nichts, ich habe es von einer Kollegin erfahren. Ich bin enttäuscht, dass die SBB das nicht deklariert haben. Ansonsten stimme ich voll mit dem Artikel in der ‹Wiler Zeitung› überein. Hätten wir mehr Zeit gehabt für den Widerstand, hätten wir sicher viel mehr Unterschriften zusammen gebracht.»
Angelo Dal Maso, 73, Henau
«Es braucht diese Antennen nicht hier in Henau und die Leute wollen sie auch nicht! Weshalb können die Verantwortlichen sie nicht zwischen die Dörfer stellen, statt mitten rein? Die sollen die Antennen doch den obersten Bossen von Swisscom und Sunrise vor die Haustür stellen, diese profitieren ja auch davon. Der vorgesehene Standort ist zu nahe bei den Wohngebieten und ausserdem sind Schulhäuser und Kindergärten betroffen. Mal schauen, wie es jetzt weiter geht.»
Marcel Schoch, 46, Algetshausen
«Solange die Leute telefonieren wollen, braucht es auch Antennen. Auch wenn der Standort ein anderer wäre, würde es Einsprachen geben. Ob es einen besser geeigneten Standort gäbe, weiss ich nicht, dafür bin ich zu wenig Ingenieur.»
Hans-Ulrich Lüthi, 77, Algetshausen
«Ich finde es eine Schweinerei, dass die SBB anderen Gesellschaften den Platz zur Verfügung stellen. Die sollen selber schauen. Das gehört vor die Wettbewerbskommission. Die Bevölkerung wurde zu spät informiert. Ich habe es gar nicht realisiert und so die Versammlung verpasst. Eine andere Frage ist, welche gesundheitlichen Auswirkungen es hat. Aber das weiss man ja nicht. Sie sollten das auf jeden Fall zuerst abklären!»
Sybille Hug Lankenau, 42, Algetshausen
«Ich habe das Gefühl, dass die Strahlung zu spüren sein wird, aber man weiss es ja nicht. Ich war mit meinem Mann an der Versammlung am Bahnhof. Ich weiss zwar nicht, wie die SBB in ähnlichen Fällen verfahren sind, aber es lohnt sich auf jeden Fall, sich zu wehren.»
Priska Holenstein, 78, Algetshausen
«Das lassen wir nicht gesche hen! Wir müssen an die Kinder denken, darum geht es mir. Die Strahlung wirkt ja einen Kilometer! Es ist frech, dass nicht mal die direkten Nachbarn informiert wurden. Ausserdem finde ich es wahnsinnig, wenn man im Zug von Uzwil nach Wil nicht aufs Handy verzichten kann.»
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© St. Galler Tagblatt; 25.05.2005
Wil-Land
Wiler Zeitung / Volksfreund
Natel-Anbieter Vertragsentwurf vorgelegt
Niederhelfenschwil. Die Verhandlungen des Gemeinderats mit Swisscom, Orange und Sunrise über den Bau einer gemeinsamen Natel-Antenne laufen. Die Firmen sollen zu einem Vertragsentwurf Stellung nehmen.
Wie der Gemeinderat mitteilt, hat er mit den drei Mobilfunk-Anbietern Orange, Swisscom und Sunrise Einzelgespräche geführt und in diesen Tagen den Entwurf eines Baurechtsvertrages für den Standort Sproochbrugg zur Diskussion vorgelegt. Damit seien den drei Telekommunikationsunternehmen auch die Grundsatzfragen unterbreitet worden, die der Rat an der Bürgerversammlung als Voraussetzung für einen Vertragsabschluss genannt habe. Die drei Firmen seien um eine schriftliche Stellungnahme ersucht worden, ob sie auf den Vertrag eintreten wollen, so der Gemeinderat. Bei einem positivem Ergebnis würden die Detailverhandlungen geführt.
Im Weitern informiert der Rat, dass die Baubewilligung für das Baugesuch der Orange Communications SA für die Mobilfunk-Antenne an der Buchenstrasse in Lenggenwil auf der Grundlage des Rekursentscheides des Baudepartementes des Kantons St.Gallen eröffnet und weisungsgemäss erteilt worden sei. Den Einsprechern werde die Verfügung zugestellt, schreibt der Gemeinderat. Sobald die Baubewilligung rechtskräftig sei, könne das Zivilrechtsverfahren geführt werden - falls es noch dazu kommen sollte. (gk.)
Presseschau 26.5.05: Langenthal:Steigt Geiser nun aus?/Podiu
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Elisabeth Buchs
Podiumsdiskussion in Langenthal
Meine Eindrücke von der Podiumsdiskussion in Langenthal:
Wie schon bei der Diskussion im Wissenschaftscafé mit Frau Moser (BAG) ist mir wiederum aufgefallen, dass die Behörden die Betreiber-Seite besser zu vertreten scheinen als diejenige der besorgten oder betroffenen Bürger. Da heisst es z.B.
Die Schweiz habe 10 x bessere Grenzwerte als im Ausland.
UMTS sollte umweltverträglicher sein. Wenn keine Gespräche vorhanden seien, gebe es kaum Immissionen durch UMTS. Die Sendeleistungen sollten kleiner sein. (Davon habe ich in den mir bekannten Ausschreibungen aber rein nichts bemerkt).
Auch durch die Replikation der TNO-Studie sei dann nicht alles klar, sondern keine Aussage auf die Grenzwerte möglich. Aus kurzfristigen Effekten könnten keine längerfristigen Folgen abgeleitet werden. ("Beste" Ausrede aller Zeiten, so lässt sich jede Studie relativieren und rechtfertigen, dass unverändert alles mit Antennen vollgestellt werden kann).
Man müsse auch die eigene Belastung im Haus ansehen, mit DECT und W-Lan entstünden auch solche Werte wie mit der zusätzlichen UMTS-Antenne. (Von den Betroffenen, die ich kenne hat keiner DECT und W-Lan)
Es gäbe auch positive Effekte bei Studien unter Strahlung wie Anregung. Es sei kein Wissen vorhanden, wie diese Reaktionen zustande kommen. Das Gesundheitsrisiko liesse sich nicht beurteilen.
Die Mobilfunkbetreiber kamen mit folgenden Argumenten:
Sie würden sich an die gesetzlichen Grundlagen halten.
Die Grenzwerte würden eingehalten, der Worst-Case-Fall trete praktisch kaum je ein.
Die Betreiber hätten die Verpflichtung für GSM-Versorgung und durch die Ersteigerung der UMTS-Lizenzen auch für UMTS.
Der Markt bestimme und die Mobilität sei gefragt. Man müsse sonst die Leute überzeugen, dass sie ihr Handy weniger benutzen.
Es brauche immer noch neue Antennen, um Kapazität zu schaffen.
Jede Leistungserhöhung einer Antenne benötige ein Baugesuch, deshalb würden die Leistungen höher angesetzt, auch wenn sie jetzt noch nicht gebraucht werden.
Die Forschung diskutiert erst, ob überhaupt etwas da ist, die Schädlichkeit wäre dann erst die zweite Frage.
UMTS könne man z.B. nutzen, um auf einer Carfahrt die zu besichtigende Stadt dreidimensional und multimedial anzuschauen und Restaurant und Kino auszusuchen. (Wirklich "wahnsinnig" sinnvoll, für solch unnötige Spielereien die Schweiz mit UMTS-Antennen zuzustellen). Auf eine Anfrage aus dem Publikum nach der "Killerapplikation" kein Ersatz für UMTS wurde mit "vernachlässigbar" geantwortet.
Der Referent Jürg Zimmermann und die zahlreichen Gegner im Saal argumentierten so:
Beim Mobilfunk handelt es sich um Hochfrequenz mit hohen Leistungsdichten. Es sei noch eine Pfahlbauertechnologie.
Durch UMTS werden Unbeteiligte bestrahlt: Ist das verhältnismässig, brauchen wir das in diesem Ausmass?
In München hätten Serienmessungen ergeben, dass die Schweizer Grenzwerte auch dort eingehalten würden. Die Anlagegrenzwerte seien eine Mogelpackung, da sie nur für eine Anlage gelten.
Bei der TNO-Studie seien schon bei nur 45 Min und 1 V Beeinträchtigungen festgestellt worden. Wie sieht es aus bei ständiger 24stündiger Bestrahlung?
Für die Produkte werde extrem geworben und es würden Bedürfnisse geschaffen und Handys em masse verschenkt.
Die Erfahrung sollte bei Studien miteinbezogen werden.
Von den Behörden sei nichts zu erwarten, wir müssen aufstehen.
Wir seien Mitglieder in einem grossen Feldversuch. Man sollte sich dieses Bundesrecht nicht länger gefallen lassen.
Nach der Versammlung kam es zu einer Diskussion einiger Betroffener mit Herrn Koch von der Swisscom. Herr Koch sagte, UMTS sei ungepulst. Da konnte ich nicht einverstanden sein und sagte, es entstehe eine Pulsung durch die Leistungsregelung, jedoch eine unregelmässige. Er reagierte daraufhin relativ nervös und fragte, woher ich das habe und das könne er nicht akzeptieren, konnte es jedoch technisch nicht richtigstellen.
Elisabeth Buchs
Wie schon bei der Diskussion im Wissenschaftscafé mit Frau Moser (BAG) ist mir wiederum aufgefallen, dass die Behörden die Betreiber-Seite besser zu vertreten scheinen als diejenige der besorgten oder betroffenen Bürger. Da heisst es z.B.
Die Schweiz habe 10 x bessere Grenzwerte als im Ausland.
UMTS sollte umweltverträglicher sein. Wenn keine Gespräche vorhanden seien, gebe es kaum Immissionen durch UMTS. Die Sendeleistungen sollten kleiner sein. (Davon habe ich in den mir bekannten Ausschreibungen aber rein nichts bemerkt).
Auch durch die Replikation der TNO-Studie sei dann nicht alles klar, sondern keine Aussage auf die Grenzwerte möglich. Aus kurzfristigen Effekten könnten keine längerfristigen Folgen abgeleitet werden. ("Beste" Ausrede aller Zeiten, so lässt sich jede Studie relativieren und rechtfertigen, dass unverändert alles mit Antennen vollgestellt werden kann).
Man müsse auch die eigene Belastung im Haus ansehen, mit DECT und W-Lan entstünden auch solche Werte wie mit der zusätzlichen UMTS-Antenne. (Von den Betroffenen, die ich kenne hat keiner DECT und W-Lan)
Es gäbe auch positive Effekte bei Studien unter Strahlung wie Anregung. Es sei kein Wissen vorhanden, wie diese Reaktionen zustande kommen. Das Gesundheitsrisiko liesse sich nicht beurteilen.
Die Mobilfunkbetreiber kamen mit folgenden Argumenten:
Sie würden sich an die gesetzlichen Grundlagen halten.
Die Grenzwerte würden eingehalten, der Worst-Case-Fall trete praktisch kaum je ein.
Die Betreiber hätten die Verpflichtung für GSM-Versorgung und durch die Ersteigerung der UMTS-Lizenzen auch für UMTS.
Der Markt bestimme und die Mobilität sei gefragt. Man müsse sonst die Leute überzeugen, dass sie ihr Handy weniger benutzen.
Es brauche immer noch neue Antennen, um Kapazität zu schaffen.
Jede Leistungserhöhung einer Antenne benötige ein Baugesuch, deshalb würden die Leistungen höher angesetzt, auch wenn sie jetzt noch nicht gebraucht werden.
Die Forschung diskutiert erst, ob überhaupt etwas da ist, die Schädlichkeit wäre dann erst die zweite Frage.
UMTS könne man z.B. nutzen, um auf einer Carfahrt die zu besichtigende Stadt dreidimensional und multimedial anzuschauen und Restaurant und Kino auszusuchen. (Wirklich "wahnsinnig" sinnvoll, für solch unnötige Spielereien die Schweiz mit UMTS-Antennen zuzustellen). Auf eine Anfrage aus dem Publikum nach der "Killerapplikation" kein Ersatz für UMTS wurde mit "vernachlässigbar" geantwortet.
Der Referent Jürg Zimmermann und die zahlreichen Gegner im Saal argumentierten so:
Beim Mobilfunk handelt es sich um Hochfrequenz mit hohen Leistungsdichten. Es sei noch eine Pfahlbauertechnologie.
Durch UMTS werden Unbeteiligte bestrahlt: Ist das verhältnismässig, brauchen wir das in diesem Ausmass?
In München hätten Serienmessungen ergeben, dass die Schweizer Grenzwerte auch dort eingehalten würden. Die Anlagegrenzwerte seien eine Mogelpackung, da sie nur für eine Anlage gelten.
Bei der TNO-Studie seien schon bei nur 45 Min und 1 V Beeinträchtigungen festgestellt worden. Wie sieht es aus bei ständiger 24stündiger Bestrahlung?
Für die Produkte werde extrem geworben und es würden Bedürfnisse geschaffen und Handys em masse verschenkt.
Die Erfahrung sollte bei Studien miteinbezogen werden.
Von den Behörden sei nichts zu erwarten, wir müssen aufstehen.
Wir seien Mitglieder in einem grossen Feldversuch. Man sollte sich dieses Bundesrecht nicht länger gefallen lassen.
Nach der Versammlung kam es zu einer Diskussion einiger Betroffener mit Herrn Koch von der Swisscom. Herr Koch sagte, UMTS sei ungepulst. Da konnte ich nicht einverstanden sein und sagte, es entstehe eine Pulsung durch die Leistungsregelung, jedoch eine unregelmässige. Er reagierte daraufhin relativ nervös und fragte, woher ich das habe und das könne er nicht akzeptieren, konnte es jedoch technisch nicht richtigstellen.
Elisabeth Buchs