© Beobachter; 24.06.2005; Seite 44; Nummer 13
Dialog
Leserbriefe
Redaktion
Von Geistern geplagt
Elektrosmog: Sturm auf die Antennen (Nr. 11)
Ich verstehe nicht, weshalb die Leute so ein Geschrei machen wegen der Antennen. Eltern und Kinder, ganze Familien haben Handys. Sie haben doch die Geister gerufen, nun wollen sie sie wieder loswerden. Wo bleibt da die Logik?
Lisbeth Graf, Schaffhausen
Nicht die Handystrahlung macht krank, sondern die Angst davor.
Christian Schärer, Oberentfelden
ComCom-Chef Marc Furrer irrt, wenn er sagt, in den USA habe man keine gesundheitsschädigenden Reaktionen festgestellt. In den amerikanischen «Microwave News» war zu lesen, dass mit UMTS in den USA ähnliche Probleme bestehen wie hier. Es ist bedenklich, dass sich sogar Präventivmediziner ähnlich passiv verhalten wie damals die Suva bei der Asbestkatastrophe.
Lothar Geppert, Diagnose Funk, Bremgarten
Am 20. Oktober 2004 habe ich mit Mitunterzeichnern im Grossen Rat in Basel eine Standesinitiative eingereicht. Sie verlangt ein Moratorium für den Bau neuer Mobilfunkantennen, bis die gesundheitliche Wirkung in einem Langzeitversuch abgeklärt ist. Eine unabhängige Stelle muss diese Untersuchung durchführen. Es gibt bereits heute genügend Hinweise, dass elektromagnetische Strahlung Chromosomenbrüche bewirken kann.
Alexandra Nogawa, Basel
Ich ertrage die Strahlung nicht. Tief in meinem Kopf fängt es jeweils an zu schmerzen. Zum Glück stehen die Mobilfunkantennen weit weg von unserem Haus.
Pia Fritschi, Luzern
Die Schweizerische Energiestiftung gab schon in der Vernehmlassung zur NIS-Verordnung zu bedenken, die vorgeschlagenen Grenzwerte seien zu hoch. Wir hoffen, dass sich Institutionen wie Krankenkassen, Krebsliga und Pro Juventute der wichtigen Thematik Mobilfunk annehmen.
Charlotte Jakob Fehr, Mobilfunk mit Mass, Erlenbach
Antennen werden nur montiert, solange es genügend Handybenutzer gibt. Ich bin über ein Jahr Handyabonnent gewesen. Dann habe ich den Vertrag gekündigt. Ich hatte keine Entzugserscheinungen und auch keine vibrierenden Hosen mehr wegen eines albernen SMS-Spruchs.
Leo Giger, Effretikon
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© Basler Zeitung; 25.06.2005; Seite 3
heute
«Wir blockieren die SBB nicht»
Die Stromversorgung der SBB ist für die Umweltverbände kein Problem
Denise Lachat Pfister
Die SBB wollten nicht den Umweltverbänden den schwarzen Peter für Verzögerungen beim Leitungsbau zuschieben: Technische Alternativen lehnen sie aber als zu teuer ab.
Die SBB wollten ihr Stromnetz seit Jahren ausbauen, würden daran aber durch Einsprachen gehindert, sagte der Leiter Infrastruktur bei den SBB, Hansjörg Hess, am Tag nach dem Kollaps des Zugverkehrs. Und schon ärgerte sich der Luzerner SVP-Nationalrat und Präsident der Verkehrskommission, Otto Laubacher, öffentlich über die «Schizophrenie der Verfechter des öffentlichen Verkehrs» (baz von gestern). Das Beschwerderecht sei an einem Punkt angelangt, wo es den Fortschritt verhindere, klagte er.
Das ist den Umweltverbänden sauer aufgestossen. Dass sie in Zeiten zunehmenden Drucks auf das Verbandsbeschwerderecht auch noch die mangelnde Stromsicherheit der SBB verantworten sollen, dünkt Raimund Rodewald allerhand. Denn seit nunmehr 22 Jahren hätten die Umweltorganisationen keine Beschwerde gegen SBB-Stromleitungen geführt, betont der Geschäftsführer der Schweizer Stiftung für Landschaftsschutz (SL).
Rodewald muss es wissen, denn er vertritt gemeinsam mit dem Stiftungsratspräsident von Greenpeace, Heini Glauser, die Umweltverbände in der Begleitgruppe Sachplan Übertragungsleitungen (vgl. Zweittext). Sie wurde geschaffen, um mögliche Konflikte um Elektrosmog und Landschaftsschutz frühzeitig zu orten. «Damit werden die Verfahren für Hochspannungsleitungen nicht verzögert, sondern im Gegenteil beschleunigt», sagt Rodewald.
Als Beispiel für solch konzertierte Entscheidfindung nennt der SL-Geschäftsführer die Nufenen-Leitung zwischen Mörel und Airolo, die jetzt bewilligt ist; Einsprachen seitens der Umweltverbände blieben aus.
«Bitter für die SBB.» Die SBB wollten die Umweltverbände nicht beschuldigen, versichert Christian Kräuchi, Sprecher der SBB. «Falls dieser Eindruck entstanden ist, tut uns das leid.» Einsprachen kämen von Anwohnern, Gemeinden und Kantonen, und es solle auch jeder Bürger sein Bürgerrecht wahrnehmen können. Doch manchmal sei es für die SBB «bitter», wenn der Bundesrat grünes Licht gegeben habe, aber die Verfahren vor Gericht endlos weitergingen, teils über 20 Jahre. Denn die SBB seien dringend auf den Bau fünf zusätzlicher Leitungen angewiesen, um die heute sternförmige auf eine ringförmige Versorgung auszuweiten.
Weil die Schweiz mit dem «weltweit dichtesten Stromnetz» und der häufigen Nähe zu Wohngebieten für die SBB langwierige Verfahren bringt, schlägt Rodewald Alternativen vor. So etwa mehr Umformerstationen, um die zwei getrennten Stromnetze mit ihren unterschiedlichen Frequenzen - SBB mit 162/3 Hertz und öffentliches Netz mit 50 Hertz - besser zu koppeln. In der Schweiz gibt es heute fünf Umformer, zusätzliche sind laut Kräuchi «nicht auszuschliessen». Sie seien allerdings nicht ganz billig und lösten das Vermaschungsproblem der SBB nicht. Rodewalds Vorschlag, das SBB-Stromnetz auf die Frequenz des öffentlichen umzustellen und beide Netze zusammenzuschliessen, würde wegen der Umrüstung des Rollmaterials Milliardenkosten verursachen, sagt Kräuchi.
In den Boden. Und warum versenken die SBB die Leitungen nicht einfach im Boden, wie es etwa die Bevölkerung im zugerischen Baar fordert? «Das wäre teuer und äusserst schwer zugänglich bei Reparaturen», sagt Kräuchi. Sein Fazit: Praktikable Alternativen zu den heutigen Freileitungen gibt es keine. Versorgen liessen sich Starkstromleitungen höchstens in Bahntunnels, wie das im Gotthard und künftig auch im Lötschberg der Fall ist.
Nichts geht ohne Sachplan Übertragungsleitungen
BERN. Seit dem Jahr 2001 führt das Bundesamt für Energie den Sachplan Übertragungsleitungen (SÜL). Darin sind neben den bestehenden Hochspannungsleitungen auch die Leitungsbauvorhaben der Elektrizitätswerke und der Eisenbahnen aufgeführt. Es braucht einen Bundesratsbeschluss, damit eine Leitung in den Sachplan aufgenommen wird. Dieses Sachplanverfahren wird von einer variablen Gruppe begleitet, in der auch die Umweltverbände vertreten sind. Über die Plangenehmigung von Leitungen für die öffentliche Stromversorgung entscheidet das Starkstrominspektorat, über Leitungen der Bahnen das Bundesamt für Verkehr. Erst danach sind Einsprachen der Betroffenen möglich. Die auch für die SBB wichtige Leitung Mörel-Ulrichen-Airolo zum Beispiel ist seit dem August 2002 definitiv im Sachplan; für den Abschnitt im Goms liegt aber noch keine Verfügung zur Plangenehmigung vor. Dies erklärte gegenüber der baz Fredi Löhrer vom Bundesamt für Energie. wa
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Berner Zeitung; 25.06.2005; Seite 26
TT-Stadt Thun
Thun: Kontroverse um geplante Mobilfunkantenne an der Seestrasse
Braucht es Antenne Nummer 28?
An der Seestrasse soll eine 25 Meter hohe Mobilfunkantenne entstehen. Das Baugesuch von Sunrise ist publiziert. In der Anwohnerschaft formiert sich Widerstand. Dessen Ziel: Ein Antennen-Moratorium für ganz Thun.
«In Thun gibt es zur Zeit zirka 40 Natelantennen. Das ist genug!» So begründet Anwohner Rolf Wiggenhauser die Einsprache gegen die Mobilfunkantenne, die an der Seestrasse 31 A (vis-à-vis Asylbewerber-Durchgangsheim) geplant ist. Bis am 10. Juli liegt das Baugesuch von Sunrise auf.
Der Thuner Bauinspektor Andreas Dürig stellt richtig: «27 Anlagen in Thun sind Antennen im herkömmlichen Sinn. Beim Rest handelt es sich um schwachstrahlende 2-Watt-Antennen, die nicht bewilligungspflichtig sind.» Diese Antennen würden an stark frequentierten Orten, zum Beispiel an Telefonkabinen montiert, und dort die Gespräche direkt ins Festnetz einspeisen, um das Netz zu entlasten.
Kollektiveinsprache
Wiggenhauser wohnt und arbeitet als Verlagsleiter des Thuner Amtsanzeigers in unmittelbarer Nähe des geplanten Antennen-Standortes und organisiert deshalb den Widerstand. «Wir werden eine Kollektiveinsprache machen. Alle, die im Umkreis von 804 Metern wohnen, arbeiten, Land besitzen oder zur Schule gehen, sind einspracheberechtigt.» Diesen vom Bund festgelegten Perimeter möchte Wiggenhauser ausnützen. So macht zum Beispiel auch der Vorstand des Dürrenast-Leistes mit.
Folgende Argumente machen die Einsprecher geltend: Das Mobilfunknetz sei gesättigt und bedürfe keiner Erweiterung, allfällige Bedürfnisse seien durch Kooperationen zwischen den Anbietern zu befriedigen. Der Standort an der Seestrasse sei somit unnötig. Die 25 Meter hohe Antenne liege in einem von Touristen vielfrequentierten Gebiet und beeinträchtige die Ästhetik. Das würde auch einem Uferweg schaden und vermindere den Wert der umliegenden Liegenschaften. Zudem sei die Wirkung der Strahlung auf den Menschen noch nicht abschliessend geklärt - und auch nicht diejenige auf Maschinen. Rolf Wiggenhauser: «Die möglichen störenden Auswirkungen auf die Elektronik der Druckmaschinen können wir heute nicht abschätzen.»
«Am Projekt festhalten»
Sunrise-Sprecher Tobias von Mandach kontert die Argumente: «Wir werden am Projekt festhalten, weil es an einem für uns sehr wichtigen Standort steht.» Durch die Nähe zu Bahnhof, Hafen und Tourismus-Gebieten bestehe ein erhöhter Bedarf. «Wir haben die Kooperation mit der Swisscom gesucht, die an der Seestrasse ebenfalls eine Antenne hat. Wegen der Grenzwertbestimmungen war aber eine Zusammenarbeit nicht möglich.»
Ein Drittel der Schweizer Mobilfunkantennen werde von mehreren Anbietern genutzt. «Im Siedlungsgebiet ist das aber oftmals nicht möglich, weil wir so die Grenzwerte überschreiten würden.» Eine Zusammenarbeit sei auch im Interesse der Anbieter. «Die Antenne brauchen wir vor allem, um den UMTS-Standard zu etablieren, der eine grössere Datenübertragung ermöglicht. Entsprechende Antennen haben aber eine geringere Reichweite.» Deshalb werde die geplante Antenne auch nicht die letzte Neue im Raum Thun sein.
Auf anderen Wegen
Darum suchen die Einsprecher noch andere Wege, um die Antenne zu verhindern. Den Besitzer der Landparzelle, der nicht namentlich genannt sein möchte, wollen sie zu einer Vertragsauflösung bewegen. Dieser sagt dazu: «Ich habe mich vor dem Entscheid gut informiert und schliesslich nicht freudig, aber guten Gewissens zugestimmt. Irgendwo in der Nähe würde die Antenne sowieso zu stehen kommen.»
Ziel: Moratorium
Mit einer Gemeindeinitiative möchte Wiggenhauser den Gemeinderat dazu bewegen, bis Ende 2009 ein Moratorium für Mobilfunkantennen zu erlassen. Er ist zuversichtlich, die dafür nötigen 1600 Unterschriften sammeln zu können. So könne eine weitere Verzögerung des Antennenbaus erreicht werden. Dazu Bauinspektor Andreas Dürig: «Wenn das Projekt den gesetzlichen Vorgaben entspricht beziehungsweise die Immissionsgrenzwerte eingehalten werden, hat der Gesuchssteller Anspruch auf die Baubewilligung.» Und zur Frage, ob es in Thun bereits genug Antennen gebe: «Dies zu beurteilen, liegt nicht in unserem Kompetenzbereich. Hierzu bräuchte es politische Entscheide auf eidgenössischer Ebene.» Thomas Kobel
Patric Spahni
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© St. Galler Tagblatt; 25.06.2005
Bischofszell
Hauptblatt
Von toten Hasen und dem Paradies
Heftige Diskussion um Mobilfunkantenne von Sunrise an der Gemeindeversammlung von Hauptwil-Gottshaus
Hauptwil. An der Gemeindeversammlung in Hauptwil brannte den Stimmbürgern vor allem ein Thema unter den Nägeln: die Antenne. Viele Gegner wollen sich auch mit dem Departementsentscheid nicht zufrieden geben.
Annina Flaig
Ein wunderschöner Sommerabend konnte am Donnerstag 77 Hauptwiler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht davon abhalten, an der Gemeindeversammlung teilzunehmen. Zu reden gab vor allem ein Thema, das nicht auf der Traktandenliste stand: die Mobilfunkantenne von Sunrise, die auf einer Parzelle der Kiwag AG geplant ist.
Antenne ohne Hausnummer
Er finde es nicht richtig, dass Gemeindeammann Walter Luginbühl gegenüber Zeitungen gesagt habe, die Gegner hätten Argumente «aus der untersten Schublade» und «unter der Gürtellinie» benutzt, sagte ein Votant. Walter Luginbühl wehrte sich: «Wenn ein Gegner moniert, die Antenne hätte keine Hausnummer, dann ist das für mich unterste Schublade. Denn es kommt nicht oft vor, dass der Briefträger einer Antenne einen Brief bringt.» Der Verwaltung sei überdies vorgeworfen worden, dass sie nur den Stellvertretern und nicht allen 137 Einsprechern mit einem eingeschriebenen Brief geantwortet hätte. «Das hätte uns 700 Franken gekostet», betonte Luginbühl.
Mit Verweis auf einen Abschnitt im Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission: «...die Antenne tritt als Teil der bestehenden Gewerbebauten in Erscheinung...» sagte ein Votant: «Der Sündenfall Kiwag hat die Antenne provoziert.» Das Ortsbild sei sowieso schon verschandelt. «Wenn ich einem toten Hasen das Genick breche, macht es ihm auch nichts mehr aus.»
Viele hielten gesammelte Zeitungsartikel in Händen. Sie schlugen, wie im Falle der Herztransplantation, ein Moratorium vor oder verwiesen auf die Asbestgeschichte. «Ich habe bei mir zu Hause 3,7 Volt gemessen - das ist doch wahnsinnig!», so ein Votant. Ein anderer bemerkte: «Anstatt ein Paradies im Grünen werden wir bald ein verstrahltes Paradies im Grünen sein.»
«Der muss halt nach Bern»
Walter Luginbühl betonte immer wieder, dass die Strahlengrenzwerte und die geltenden Gesetzgebungen eingehalten worden seien. «Wir haben ein Umweltschutzgesetz, der Gemeinderat kann nicht einfach irgend etwas entscheiden.» Zudem handle es sich um ein laufendes Verfahren. Die nächste Instanz sei das Verwaltungsgericht. Dort könnten die Rekurrenten Beschwerde einreichen. «Und wer mit den Grenzwerten nicht einverstanden ist, der muss halt nach Bern und nicht hier auf den Gemeinderat losgehen.»
Gespräch nicht gesucht?
Auch die Gegner waren sich nicht alle einig. «Man hätte eine Volksabstimmung machen sollen», bemerkte einer. «Das geht nicht», meinte ein anderer. Mehr als einmal wurde dem Gemeinderat vorgeworfen, er habe das Gespräch mit der Bevölkerung nicht gesucht. «Beim nächsten Mal werden wir die Bevölkerung befragen, das verspreche ich», so Luginbühl. Woraufhin Bernhard Zingg an Ort und Stelle einen Antrag formulierte, dass der Gemeinderat der Bevölkerung bereits in diesem Falle die Möglichkeit geben solle, sich zur Antenne und zum Standort bei der Kiwag AG zu äussern. «Wenn Ihr jetzt verlangt, dass der Gemeinderat nach einem Rekursentscheid Beschwerde einlegt, wird der ganze Gemeinderat auf die Münsterlinger Seeseite transportiert werden», warnte der Gemeindeammann. Der Antrag erhielt in der Folge nur sechs Stimmen.
«Eine gute Idee»
Auf teilweise Gelächter stiess diese Votantin: «Ich habe auch ein Handy, aber ich verlange nicht, dass ich in Hauptwil Empfang habe.» Zudem habe sie gute Antennenstandorte neben Autobahnen gesehen. «Eine gute Idee», antwortete jemand, «aber dann müssen wir in Hauptwil zuerst eine Autobahn bauen.»
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