Abschirmmaterial erden - welche Voraussetzungen?

HerrC

Abschirmmaterial erden - welche Voraussetzungen?

Beitrag von HerrC » 19. Juni 2020 05:32

Guten Morgen,

wir bauen in einer Woche ein Einfamilienhaus (EG, OG, Dachboden) und wollen ggf. einzelne Räume abschirmen, da mehrere nahe gelegene Mobilfunkmasten stehen - bzw. wir wollen uns zumindest die Option für eine spätere Erdung in einigen Jahren offen halten.

Ich las bereits, dass Abschirmmaterialien gegen HF immer auch geerdet werden müssen. Notfalllösung wäre wohl die Erdung über eine lückenlose Kabelverbindung zum Schutzleiter einer Wandsteckdose. Besser soll es wohl sein, soweit ich verstanden habe, dass man ein 2,5mm2 oder 4mm2 Kupfer-NYM-Kabel (gelbgrün isoliert) zur Verbindung des Abschirmmaterials und der Potentialausgleichschiene (PAS) im Haus nutzt. Das Kabel würde also von der PAS im Hauswirtschaftsraum durch die Wand bis zu den Räumen gelegt werden, wo abgeschirmt werden soll. Im Raum würde wohl dann das Kabel verkleidet werden (Erdungsdose).

Nun zu den Fragen:
1. Da wir jetzt noch Einfluss auf die Elektroinstallation im Haus haben: Sollten wir in jeden Raum vorsorglich das o.g. Kabel verlegen und eine entsprechende Erdungsdose installieren lassen oder ist das zu unverhältnismäßig und womöglich eine Erdungsdose im EG sowie OG genügt?
2. Sollte ein 2,5mm2 oder 4mm2 Kabel genutzt werden?
3. Muss sonst noch für die Erdung etwas beachtet werden, was ich ggf. hier noch nicht auf dem Schirm habe?

Das Thema wird nicht detailliert im Internet beschrieben. Daher wäre ich für jede Hilfe sehr dankbar!

Erwin

Re: Abschirmmaterial erden - welche Voraussetzungen?

Beitrag von Erwin » 19. Juni 2020 20:55

HerrC hat geschrieben:
19. Juni 2020 05:32
Ich las bereits, dass Abschirmmaterialien gegen HF immer auch geerdet werden müssen.
Mag sein, dass Sie das gelesen haben, die Erdung hat aber mit der Schirmwirkung nichts zu tun, sondern dient dem Personenschutz gegen Stromschläge. Da Schirmung ein elektrisch leitfähiges Material erfordert (Schirmgeflecht, Spezialputz, Schirmfarbe ...) könnte es passieren, dass Sie an einer geschirmten Wand ein Bild aufhängen wollen und mit dem Nagel zufällig eine spannungsführende Stromleitung treffen. Dann stünden alle geschirmten Wände in dem Raum unter 230 V Wechselspannung, die Folgen einer Berührung dürften Ihnen bekannt sein.

Im IZgMF-Forum hat ein Fachmann über die Auswirkung einer Erdung der Schirmung vor vielen Jahren folgende Auskunft gegeben:
Im Bereich der Mobilfunkfrequenzen ist es völlig belanglos, ob ein Schirm, dessen Ausdehnung die Wellenlänge des Signals deutlich überschreitet geerdet wird oder nicht.
Da die Wellenlängen des Mobilfunks kleiner 30 Zentimeter sind, trifft diese Auskunft mit Sicherheit für Sie zu. HF-technisch ist es also egal, ob Sie erden oder nicht, im Interesse des Personenschutzes ist eine Erdung hingegen dringend anzuraten, ich würde sicherheitshalber zusätzlich auch noch einen FI-Schutzschalter (auch RCD genannt) in den Sicherungskasten montieren lassen.

HerrC

Re: Abschirmmaterial erden - welche Voraussetzungen?

Beitrag von HerrC » 21. Juni 2020 09:34

Danke für die Rückmeldung.

Wenn ich beispielsweise also NUR Alu-Fliegengitter an die Fenster anbringe, wo zukünftig vermutlich nie ein Kontakt zu einer Stromleitung entstehen wird, müsste nichts geerdet werden, richtig?

Und wenn ich eine alu-bedampfte Dampfsperre im Dachbereich verlegen lasse (also ähnlich wie Alufolie), welche im Dachbereich HF reflektiert und ebenfalls nie Kontakt zu einer Stromleitung zu erwarten ist, entstehen ebenfalls keine Probleme, richtig?

Erwin

Re: Abschirmmaterial erden - welche Voraussetzungen?

Beitrag von Erwin » 21. Juni 2020 23:22

HerrC hat geschrieben:
21. Juni 2020 09:34
Wenn ich beispielsweise also NUR Alu-Fliegengitter an die Fenster anbringe, wo zukünftig vermutlich nie ein Kontakt zu einer Stromleitung entstehen wird, müsste nichts geerdet werden, richtig?
Richtig!
HerrC hat geschrieben:
21. Juni 2020 09:34
Und wenn ich eine alu-bedampfte Dampfsperre im Dachbereich verlegen lasse (also ähnlich wie Alufolie), welche im Dachbereich HF reflektiert und ebenfalls nie Kontakt zu einer Stromleitung zu erwarten ist, entstehen ebenfalls keine Probleme, richtig?
Richtig!

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