Radiofrequenzidentifikation: Funketiketten machen sich an Me

The Future's black

Radiofrequenzidentifikation: Funketiketten machen sich an Me

Beitrag von The Future's black » 6. September 2005 12:45

© Tages-Anzeiger; 06.09.2005; Seite 55

Technik

Funketiketten machen sich an Menschen ran

RFID-Chips werden die Strichcodes nicht ablösen. Ihr Potenzial ist anderswo, näher am Menschen.

Von Walter Jäggi

Informatikern ist nichts heilig. Laut einer Meldung der BBC sollen in der indischen Hauptstadt Delhi die Kühe mit RFID-Chips gekennzeichnet werden. Die Behörden zahlen eine Art Finderlohn, wenn jemand eine verkehrsgefährdend herumvagabundierende Kuh abliefert. Damit nicht die gleiche Kuh immer wieder als herrenlos abgeliefert werden kann, werden die Tiere nun markiert.

Die Radiofrequenzidentifikation (RFID) ist ein Verfahren, bei dem so genannte Transponder oder Tags automatisch eine Information aussenden, wenn sie von einem Lesegerät dazu aufgefordert werden. Anders als ein Strichcodeleser braucht ein RFID-Leser keinen Sichtkontakt zu der Etikette, der Datenaustausch wird über Radiowellen abgewickelt, für den Konsumenten ist der Vorgang nicht wahrnehmbar.

RFID hat gegenüber dem Strichcode Vorteile. Es können mehr Informationen gespeichert werden, sie lassen sich verändern, beim Lesen spielt die Position der Etikette keine Rolle, es können auch zahlreiche Etiketten aufs Mal gelesen werden. In der Logistik, zum Beispiel in der Auto- und der Flugzeugindustrie, spielt RFID bereits eine grosse Rolle bei der Kennzeichnung von Behältern oder Teilen. Der Warenfluss kann beschleunigt werden, gelagerte Artikel sind schneller auffindbar, Informationen wie das Passieren der Qualitätskontrolle finden auf den Tags Platz.

Im Detailhandel setzt sich RFID eher langsam durch - nicht nur wegen Bedenken von Datenschützern, die Verkaufsgeschäfte könnten dank RFID mehr über das Verhalten ihrer Kunden erfahren, als diese preisgeben wollten. Das Haupthindernis sind die Kosten. Selbst bei der Handelsgruppe Metro, wo die neue Technik intensiv getestet wird, ist das ein Argument. Uwe Quiede, RFID-Projektmanager bei den Kaufhof-Warenhäusern, rechnet damit, dass dank der Funktechnik Einsparungen von 15 Cent möglich sind, die RFID-Etikette koste aber heute 30-40 Cent. Beim Otto-Versand heisst es, bei einem Etikettenpreis unter 3 Cent würde es sich lohnen, die Hälfte des 200 Millionen Artikel umfassenden Sortiments auszurüsten.

Billigere und kleinere RFID-Chips sind zu erwarten, denn die Hersteller verbessern laufend ihre Produktionsverfahren. So ist es der Firma PolyIC gelungen, die Chips samt Antenne auf eine Folie zu drucken - alles aus Kunststoffen. Im Jahr 2008, so hoffen die Ingenieure, werden RFID-Chips nur noch etwa 1 Cent kosten und dann bei fast allen Produkten als Kennzeichnung in Frage kommen.

An einer Fachveranstaltung des Siemens-Konzerns sagte Martin Haas vom Marktforschungsinstitut IDC, RFID werde den Strichcode in den nächsten Jahren nicht vollständig ablösen: «Um die Technologieumstellung und die damit verbundenen Investitionen zu rechtfertigen, muss RFID einen Mehrwert bieten.» Wobei die Einführung der neuen Technik in die Geschäftsprozesse nicht einfach sei. Bei Siemens läuft denn auch eine eigentliche RFID-Initiative an, mit der das Knowhow des Konzerns auf diesem weitläufigen Gebiet gebündelt wird. Da alle Marktauguren mittelfristig mit einem Milliardenmarkt RFID-Technik rechnen, will Siemens an der Entwicklungsfront dabei sein.

Zu den aktuellen Paradebeispielen von Siemens gehört der Einsatz von RFID-Chips in Medikamentenverpackungen des Schweizer Herstellers Zeiler, des Alleinlieferanten für die Pharmamarke Roche. Je nach Produkt werden Schachteln oder zum Beispiel einzelne Ampullen mit einem RFID-Chip ausgestattet. Er dient als Garantie für die Echtheit (Fälschungen sind ein Problem in der Pharmabranche), kann aber auch Informationen über das Medikament enthalten (Warnungen, Verfalldaten) oder die lückenlose Einhaltung der Kühlkette dokumentieren.

RFID kennzeichnet aber immer öfter auch Menschen. Das Einpflanzen von Chips unter die Haut ist vorläufig bloss ein Gag. Aber in Form von Armbändern, Uhren, Badges, Kreditkarten, Tickets oder Ausweisen macht sich RFID an den Menschen ran.

In Deutschland und in den USA erprobt Siemens ein RFID-Armband, das in Spitälern den Patienten angelegt wird. Der Chip enthält die Personalien, nicht aber Krankengeschichte, Röntgenbilder, Laborwerte oder die Abrechnung. Diese vertraulichen Daten bleiben auf den jeweiligen Computern verwahrt; das RFID-Armband erleichtert aber den Zugang, denn der Arzt, die Laborantin oder Therapeutin kann mit einem Tablet-PC schnell und sicher den Patienten identifizieren. Die Daten werden dann via Funk (WLAN) auf den Tablet-PC geholt.

Zahlreiche Anwendungen für RFID werden im Verkehr erprobt. Mit einem kontaktlos lesbaren Ausweis meldet man sich in Bahn und Bus oder im Parkhaus einfach an und ab, bezahlt wird bargeldlos im Voraus oder hinterher via Kreditkarte. So haben die Verkehrsbetriebe in Paris (RATP) ihr Navigo-Abonnement eingeführt, eine Chipkarte für das schnelle Passieren der Metrozugänge. Die Verkehrsbetriebe Oberelbe (Region Dresden) erproben unter dem Namen Allfa-Ticket ziemlich genau das, was in der Schweiz als Pionierprojekt Easy-Ride begonnen hatte, aber nie realisiert wurde. Eine RFID-Karte oder ein Handy meldet im Fahrzeug automatisch die Anwesenheit, der Kunde bekommt Ende Monat eine Auflistung seiner Fahrten samt Rechnung. Nokia, Philips und Visa testen ihre Version des drahtlosen elektronischen Tickets in Form spezieller Handys im Rhein-Main-Verkehrsverbund. Sie nennen die Technik NFC (Near Field Communication), Funkverkehr auf eine Distanz von wenigen Zentimetern auf der RFID-Frequenz 13,56 MHz.

...............................................................................................

© St. Galler Tagblatt; 06.09.2005

See

Hauptblatt

«Äusserst beunruhigend»

Schriftliche Anfrage fordert Moratorium für Mobilfunkantennen

Kreuzlingen. Drei Mobilfunkanbieter haben in Keuzlingen vier Baugesuche gestellt. Die Bewilligungen sind noch nicht erteilt.

Brigitta Hochuli

Vier Baugesuche für Mobilfunkantennen und 94 Einsprachen sind in Kreuzlingen hängig. Grund genug für eine Schriftliche Anfrage von Gemeinderätin Helene Eisenhut (Freie Liste/Rägeboge) an die Kreuzlinger Exekutive. Orange, Swisscom und Sunrise wollten in sehr dicht besiedeltem Gebiet Antennen zur Anwendung der UMTS-Technik aufstellen. Auf ihre Baugesuche hin seien 94 Einsprachen mit total 624 Mitunterzeichnern beim Stadtrat eingegangen, schreibt Helene Eisenhut.

Über 80 Gemeinden der Schweiz warteten die Resultate einer Studie zur Untersuchung der Auswirkungen dieser Technologie ab. Auch in Kreuzlingen sollten die Sorgen und Ängste der Bevölkerung über juristische und wirtschaftliche Aspekte von Einzelfirmen gestellt werden, fordert die Anfrage.

«In Ihrer Hand»

Helene Eisenhut will wissen, was der Stadtrat zu tun gedenkt, um die Bevölkerung vor den noch nicht abgeklärten gesundheitlichen Folgen von Mobilfunkantennen zu schützen. Ihrer Schriftlichen Anfrage hat die Gemeinderätin einen Brief von Anwohnern der Burgstrasse und des Blumenwegs beigelegt. Die geplanten Antennen befänden sich fast ausnahmslos in unmittelbarer Nähe von Schulen und Kindergärten. «Das ist äusserst beunruhigend!», schreiben Stefan Zbornik, Peter Schreck und Richard Beeli. «Es liegt in Ihrer Hand, ein klares Signal für die Gesundheit unserer Familien zu setzen», schreiben die drei Bürger an Gemeinderäte, Stadtrat und Schulpräsident.

Auch Uebersax dagegen

Gleicher Meinung wie Einsprecher und Gemeinderätin ist auch der Kreuzlinger Umweltbeauftragte Alexander Uebersax. In einer Stellungnahme zuhanden des Stadtrates habe er deutlich gemacht, dass die «ETH Studie» abgewartet werden solle, bevor Baubewilligungen erteilt würden (siehe Kasten).

Stichwort

Die Studie Die Studie zu den Auswirkungen von UMTS-Strahlung auf das Wohlbefinden und die kognitiven Fähigkeiten ist ein Projekt, das von der Forschungsstiftung Mobilkommunikation einem Studienkonsortium von Uni Zürich, Uni Bern und IT’IS Foundation in Auftrag gegeben wurde. (ho)
...........................................................................................
© Berner Zeitung; 06.09.2005; Seite 8

SO-Ihre Seite

Mobilfunkantennen

Dem Elektrosmog ausgesetzt

Zum Bau von Mobilfunkantennen

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer fahren Auto - mit Kataylsator, um den Schadstoffausstoss so gering wie möglich zu halten. Sinngemäss sollte das auch für Radio-, TV- und Natel-Strahlung gelten. Allerdings gibt es da diverse Interessen: Auf der einen Seite verlangen Konsumenten und das BACOM die flächendeckende Erschliessung der Schweiz mit Mobilfunk, auf der anderen Seite verlangt der Kanton Solothurn, dass die Mobilfunkantennen in der Bauzone stehen müssen. Die Bürgerinnen und Bürger werden so quasi per Gesetz gezwungen, im Elektrosmog zu wohnen.

An eine Mobilfunkantenne sind im Schnitt 16 GSM- und zukünftig 16 UMTS-Sender angeschlossen, mit bis zu je 200 Watt Senderleistung und mehr. Damit werden 32x200 = 6 400 Watt abgestrahlt. Eine unnötige Belastung. Aus diesem Grund wurden Radio- und Fernsehsender nicht im Wohngebiet aufgestellt sondern an einem technisch sinnvollen Ort ausserhalb der Wohnzone. Vergleich: Die Kantonspolizei sendet mit harmlosen 15 Watt im Wohngebiet.

Die betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner können sich gegen diese Belastung auf Grund der bestehenden gesetzlichen Regelungen nicht zur Wehr setzen.

Statt dessen muss mit anderen, recht fadenscheinigen Gründen gearbeitet werden: «Schutz des Ortsbildes» etc. Das wissen Kläger und Gerichte.

Es ist höchste Zeit, den Bürgerinnen und Bürgern die rechtlichen Mittel in die Hand zu geben, sich ohne juristische Mätzchen gegen Mobilfunkantennen in Wohngebieten zur Wehr zu setzen. Wir alle haben Radio- und Fernsehempfang und die meisten telefonieren mit Handys, aber deswegen muss niemand verstrahlt werden.

Die einfachste und schnellste Lösung besteht darin, Mobilfunkantennen ausserhalb der Bauzone zu erstellen.

Michael Wirth