Wo bleibt die Verantwortung des Bundes für die Gesundheit de

The Future's black

Wo bleibt die Verantwortung des Bundes für die Gesundheit de

Beitrag von The Future's black » 12. September 2005 12:44

© Tages-Anzeiger; 12.09.2005; Seite 23

Leserforum

Wo bleibt die Verantwortung des Bundes für die Gesundheit der Bürger?

Warnung vor Schnurlos-Telefonen (ETH-Fachtagung «Gesundheit und Mobilfunk»), TA vom 3. 9.

Obwohl seriöse Studien vorliegen, die eine schwer wiegende Beeinträchtigung der Zellfunktionen durch hochfrequente elektromagnetische Felder (wie sie beim Mobilfunk auftreten) nachweisen, greifen weder National- noch Bundesrat dieses brisante Thema auf. Vielleicht weil die Mobilfunkindustrie inzwischen der zweitgrösste Wirtschaftszweig, direkt hinter dem Gesundheitswesen, ist (und damit für beachtliche Steuereinnahmen sorgt).

Gerade National- und Ständeräte, die sich seit Jahren bei Abgas- und Entsorgungsvorschriften mit Erfolg für unser aller Gesundheit einsetzen, lassen die massive Umweltverschmutzung durch Strahlenfelder mit Stärken bis zu 1800 Mio. Megahertz/sec (normaler GSM-Natelverkehr) bzw. bis zu 2,1 Mrd. Gigahertz (UMTS-Technik) zu.

Wieso wurde bei der Festsetzung der Grenzwerte nur auf die thermischen Auswirkungen abgestellt, und die biologischen konnten unberücksichtigt bleiben, obwohl sie viel gravierender sind? Wieso konnten die Betreiber Bundesgesetze und die NIS-Verordnung mitformulieren und im Nationalrat durchsetzen, die Mensch und Natur diesen extrem unnatürlichen (und deshalb schädigenden) Strahlenfeldern aussetzen? Wieso werden die aktuellen Ausbaupläne der Mobilfunkbetreiber, die weit über den bestehenden Bedarf für normale Handys hinausgehen, nicht vom Buwal zurückgestellt, bis die Resultate einer grossen Studie vorliegen, die zurzeit an der Uni Zürich durchgeführt wird?

Vom wirtschaftlichen Erfolg der Mobilfunkbetreiber profitiert ein begrenzter Personenkreis. Der Strahlung ist die gesamte Bevölkerung ausgesetzt, und deren gesundheitliche Folgen zahlen wir alle mit unseren Prämien für Krankenkassen und Sozialversicherungen. Es wäre zu begrüssen, wenn das Thema so rasch wie möglich behandelt würde, um auch die Gemeinden mit Antennenstandorten in ihrer Fürsorge für die Gesunderhaltung der Bevölkerung zu unterstützen. Für UMTS-Technik besteht laut Betreiberangaben derzeit ein Bedarf von gerade mal einem (1!) Prozent! Sollen dafür möglicherweise volkswirtschaftliche Schäden durch Krankheit und Arbeitsunfähigkeit von elektrosensiblen Menschen in Kauf genommen werden?

LYDIA KONRAD, SINS

Elisabeth Buchs

Re: Wo bleibt die Verantwortung des Bundes für die Gesundhei

Beitrag von Elisabeth Buchs » 12. September 2005 16:35

Dazu passt ein Telefongespräch mit einem Betroffenen in Basel, der in einer Dachgeschlosswohnung lebt, wo auf dem Dach des Gebäudes eine Mobilfunkantenne aufgestellt werden soll. Zur Einhaltung der Grenzwerte wollen die Mobilfunkbetreiber ein Abschirmblech anbringen lassen. Durch alle Instanzen hat der Anwohner gekämpft, bis er am Schluss vom bekannten Aemisegger vom Bundesgericht abgeschmettert worden ist. Sein Fall sei auch bereits in Strassburg beim Menschenrechtsgerichtshof.

Er kennt eine weitere Möglichkeit einer Blutuntersuchung, die man vor Aufschalten der Antenne und nachher durchführen lassen könnte, dies vor allem für die Bewohner, die dort bleiben. Er selber will vermutlich ausziehen, bevor die Antenne aufgeschaltet wird. In seiner Wohnung besteht bereits Belastung durch Antennen in der Umgebung, seine Frau und Tochter haben Schlafprobleme seit auch UMTS-Antennen vorhanden sind.

Die Wohnungen in diesem Mehrfamilienhaus sind relativ preisgünstig, eine andere Wohnung wird ziemlich sicher teurer kommen. Andere Mieter zögern mit dem Umzug aus finanziellen Gründen. Der Anwohner sagt, mit dem Labortest hätte man vielleicht einmal die Möglichkeit zur Klage wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Die Argumente der Relativierer der Labortests sind bekannt: zum Zeitpunkt der zweiten Bluttests könne die Person unter einem Infekt gelitten haben, die Parameter seien noch in der Norm, man könne nicht beurteilen, ob diese Werte gesundheitsrelevant seien. Die Resultate könnten auch an anderen Einflüssen wie Ernährung, Stress, persönlicher Lebensführung liegen. Wenn dann Tausende vor und nach Einschalten einer Antenne mehrfach getestet würden und sich bei allen schlechtere Resultate zeigen, werden die Relativierungen dann langsam unglaubwürdig. Der Anwohner sagt, Ignoranz und Arroganz gehen oft zusammen.

Er sagt: wir müssen dran bleiben, damit eine Wende herbeigeführt wird!

In diesem Sinn mit freundlichen Grüssen

Elisabeth Buchs

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