"Was eine UMTS-Antenne mit einer elektrischen Feldstärk
Verfasst: 1. März 2005 11:59
© Berner Rundschau / MLZ; 26.02.2005
Diverses Zeitung
Wer informiert denn da zu wenig?
Gastautor Kommunikationsunternehmen
hans-Jürg Schmied
An dieser Stelle war schon davon zu lesen, dass die Informationspolitik der Swisscom zu wünschen übrig lasse. Ich illustrierte dies mit einem Tastenmarathon beim Versuch, die Swisscom telefonisch zu erreichen. Fairerweise erwähnte ich, dass die beiden anderen «Kommunikations»-Unternehmungen Sunrise und Orange weder leichter zu erreichen seien, noch besser informierten. Natürlich glaube ich nicht daran, die Welt verändern zu können. So überrascht es mich kaum, dass sich der Wille zur Information nicht zum Besseren gewendet hat. Was mich aber überrascht, ist die Penetranz, mit welcher Sunrise und vor allem Swisscom über die Informationspolitik der Stadt Langenthal klagen. Aus der Presse hätten sie erfahren müssen, die Stadt habe - statt brav zu bewilligen - für UMTS-Antennen ein Moratorium erlassen. Dies so lange, bis eine ETH-Studie Klarheit über deren Wirkung auf Mensch und Umwelt schaffe. So klagen Letztere an, und die Sprecher der «Telecommer» jammern weiter: Grenzwerte würden eingehalten, Langenthal müsse bewilligen, diese mangelhafte Informationspolitik verunmögliche «Lösungen».
Nun, immerhin erfahren Swisscom, Sunrise und Orange aus der Presse, wenn nicht alles so läuft, wie sie es sich wünschen. Was eine UMTS-Antenne mit einer elektrischen Feldstärke von 39,95 V/m 120 Meter neben meinem Schlafzimmer für mich bedeutet, war nicht einmal in der Presse nach- zulesen. Dies scheint die gleichen «Telecommer», die Langenthal mangelhafte Information vorwerfen, nicht zu hindern, selber eisern zum Thema zu schweigen. Anfragen um einen allgemein verständlichen Vergleich wurden bis heute weder von Swisscom, Sunrise, noch von Orange beantwortet. (Wirken 39,95 V/m wie wenn der Kopf in die Friteuse getaucht wird oder wie wenn man ohne Bleipyjama im Röntgengerät schlafen würde? Wie hoch ist überhaupt der Grenzwert?)
Zum Glück gibt es die IG UMTS-Strahlen, die genau jene Informationen liefert, welche mir die «Telecommer» verweigern. Eine Studie aus Neuseeland sagt, dass bei 0,04 V/m Schlafstörungen aufträten und bei 0,48 V/m nehme die Häufigkeit von Krebs zu. Trotzdem liegt der Grenzwert in der Schweiz bei 4 bis 6 V/m für Dauer- und bei 42 bis 58 V/m bei Kurzzeitaufenthalt in der Nähe von UMTS-Sendern. Angesichts solcher Zahlen verstehe ich, weshalb die Swisscom (und die anderen Anbieter) selber nicht so gerne informieren. Aber noch viel besser verstehe ich, dass die Stadt Langenthal nun eben die ETH-Studie abwarten will, bevor sie mich quasi im Mikrowellenherd schlafen lässt, nur weil «die Leute Handy-TV geil finden». Dies ist übrigens nicht die Aussage eines hiphopenden, hosensaumtretenden Jünglings mit 1000 Piercings im Gesicht, sondern ein Zitat aus einem Interview mit Carsten Schloter. Er ist Chef von Swisscom Mobile und zieht sich entsprechend anständig an. Obwohl Carsten Schloter also ein Manager-Kombi aus weissem Hemd, dunkler Krawatte und schwarzem Kittel trägt, kann er jugendlich frisch reden. Warum also nicht auch dann, wenn Heikles zu kommunizieren ist?
Hans-Jürg Schmied ist Redaktionsleiter beim «Unter-Emmentaler». Er lebt in Langenthal.
Diverses Zeitung
Wer informiert denn da zu wenig?
Gastautor Kommunikationsunternehmen
hans-Jürg Schmied
An dieser Stelle war schon davon zu lesen, dass die Informationspolitik der Swisscom zu wünschen übrig lasse. Ich illustrierte dies mit einem Tastenmarathon beim Versuch, die Swisscom telefonisch zu erreichen. Fairerweise erwähnte ich, dass die beiden anderen «Kommunikations»-Unternehmungen Sunrise und Orange weder leichter zu erreichen seien, noch besser informierten. Natürlich glaube ich nicht daran, die Welt verändern zu können. So überrascht es mich kaum, dass sich der Wille zur Information nicht zum Besseren gewendet hat. Was mich aber überrascht, ist die Penetranz, mit welcher Sunrise und vor allem Swisscom über die Informationspolitik der Stadt Langenthal klagen. Aus der Presse hätten sie erfahren müssen, die Stadt habe - statt brav zu bewilligen - für UMTS-Antennen ein Moratorium erlassen. Dies so lange, bis eine ETH-Studie Klarheit über deren Wirkung auf Mensch und Umwelt schaffe. So klagen Letztere an, und die Sprecher der «Telecommer» jammern weiter: Grenzwerte würden eingehalten, Langenthal müsse bewilligen, diese mangelhafte Informationspolitik verunmögliche «Lösungen».
Nun, immerhin erfahren Swisscom, Sunrise und Orange aus der Presse, wenn nicht alles so läuft, wie sie es sich wünschen. Was eine UMTS-Antenne mit einer elektrischen Feldstärke von 39,95 V/m 120 Meter neben meinem Schlafzimmer für mich bedeutet, war nicht einmal in der Presse nach- zulesen. Dies scheint die gleichen «Telecommer», die Langenthal mangelhafte Information vorwerfen, nicht zu hindern, selber eisern zum Thema zu schweigen. Anfragen um einen allgemein verständlichen Vergleich wurden bis heute weder von Swisscom, Sunrise, noch von Orange beantwortet. (Wirken 39,95 V/m wie wenn der Kopf in die Friteuse getaucht wird oder wie wenn man ohne Bleipyjama im Röntgengerät schlafen würde? Wie hoch ist überhaupt der Grenzwert?)
Zum Glück gibt es die IG UMTS-Strahlen, die genau jene Informationen liefert, welche mir die «Telecommer» verweigern. Eine Studie aus Neuseeland sagt, dass bei 0,04 V/m Schlafstörungen aufträten und bei 0,48 V/m nehme die Häufigkeit von Krebs zu. Trotzdem liegt der Grenzwert in der Schweiz bei 4 bis 6 V/m für Dauer- und bei 42 bis 58 V/m bei Kurzzeitaufenthalt in der Nähe von UMTS-Sendern. Angesichts solcher Zahlen verstehe ich, weshalb die Swisscom (und die anderen Anbieter) selber nicht so gerne informieren. Aber noch viel besser verstehe ich, dass die Stadt Langenthal nun eben die ETH-Studie abwarten will, bevor sie mich quasi im Mikrowellenherd schlafen lässt, nur weil «die Leute Handy-TV geil finden». Dies ist übrigens nicht die Aussage eines hiphopenden, hosensaumtretenden Jünglings mit 1000 Piercings im Gesicht, sondern ein Zitat aus einem Interview mit Carsten Schloter. Er ist Chef von Swisscom Mobile und zieht sich entsprechend anständig an. Obwohl Carsten Schloter also ein Manager-Kombi aus weissem Hemd, dunkler Krawatte und schwarzem Kittel trägt, kann er jugendlich frisch reden. Warum also nicht auch dann, wenn Heikles zu kommunizieren ist?
Hans-Jürg Schmied ist Redaktionsleiter beim «Unter-Emmentaler». Er lebt in Langenthal.