LANGENTHAL: Mindern Natelantennen den Wert?
Verfasst: 1. März 2005 12:00
© Berner Zeitung; 26.02.2005; Seite 27
BZ-OA-Aufschlagseite
LANGENTHAL
Mindern Natelantennen den Wert?
Liegenschaften können an Wert verlieren, wenn sie in der Nähe einer Mobilfunkantenne stehen. Dies be stätigen Branchenkenner.
Der grosse Aufwand hat sich für die IG UMTS-Strahlen gelohnt: Knapp 300 Einsprachen sind gegen die geplante Mobilfunkantenne auf dem Kadi-Silo in Langenthal eingegangen.
Die Interessengemeinschaft hatte unter anderem eine Broschüre verteilt, in der auf mögliche gesundheitliche Risiken solcher Sender aufmerksam gemacht wurde. Erwähnt wurde aber auch, dass der Wert von Häusern und Grundstücken sinke, wenn eine Mobilfunkantenne in der Nähe sei. Und Banken würden weniger Kredit geben. Stimmt das?
Alle äusseren Einflüsse
Peter Kyburz, Leiter der UBS-Geschäftsstelle Langenthal, kann diese Frage nicht direkt mit Ja oder Nein beantworten. Eine Bank beziehe natürlich die äusseren Einflüsse eines Standortes ein, erklärt er. Dazu können Starkstromleitungen gehören, Strassen, Eisenbahnen - oder auch Natelantennen. Und eine Bank stelle sich die Frage: «Wie viel ist ein allfälliger Käufer bereit, dafür auszugeben.»
Es gehe also nicht darum, ob die Strahlen nun wirklich schädigend sind oder nicht, sondern, ob potenzielle Käufer dies als Problem betrachten könnten.
Käufer sind vorsichtiger
Ähnlich tönt es bei den Immobilienfirmen. «Ich kann mir vorstellen, dass die Nähe einer Antenne nicht unbedingt förderlich ist für einen Verkauf», sagt Stefanie Bigler von der Firma Tona AG. Und in Aarwangen ist ein Fall bekannt, wo es gar zu einem Rückzieher des Käufers im letzten Moment kam, als Antennenpläne bekannt wurden. Auch Architekt Hans Leu hat die Erfahrung gemacht, dass das Interesse schwindet, wenn bekannt wird, dass eine Handyantenne in der Nähe steht. «Von zehn Interessenten ziehen sich mehr als die Hälfte zurück», schätzt er. «Früher waren nur Starkstromleitungen ein Thema, heute sind es vermehrt auch die Mobilfunkantennen.»
Mieter störts weniger
Weniger Einfluss haben bestehende oder geplante Natelantennen offenbar bei Mietwohnungen. So hatte Petra Marti von der Firma Marti & Marti AG in Derendingen, die auch an der Thunstettenstrasse in Langenthal Wohnungen vermietet, noch nie erlebt, dass sich ein Interessent wegen einer Antenne zurückgezogen hat. Ruedi Bärtschi
top
Langenthaler UMTS-MORATORIUM
«Bevölkerung schützen»
Trotz UMTS-Moratorium der Langenthaler Stadtregierung werden die Einsprachen gegen die Antennen normal bearbeitet. Denn die Baugesuche von Swisscom und Sunrise wurden vom Gemeinderat nicht sis tiert - er will nur mit der Bewilligung zuwarten, bis das Resultat einer neuen Studie vorliegt.
Der Gemeinderat habe mit dem Moratoriumsentscheid nicht willkürlich gehandelt, betont Stadtschreiber Daniel Steiner. «Denn der Rat ist nicht nur eine Bewilligungsbehörde. Er hat auch andere Aufgaben, die sich ebenfalls auf gesetzliche Grundlagen stützen.» Der Rat habe eine Güterabwägung gemacht zwischen dem Rechtsanspruch auf eine Bewilligung und der Aufgabe, die Bevölkerung zu schützen.
Übrigens: In Langenthal stehen bereits sechs UMTS-Antennen. Unter anderem beim Schiessplatz und auf der alten Post. rbl
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Mindern Natelantennen den Wert?
Liegenschaften können an Wert verlieren, wenn sie in der Nähe einer Mobilfunkantenne stehen. Dies be stätigen Branchenkenner.
Der grosse Aufwand hat sich für die IG UMTS-Strahlen gelohnt: Knapp 300 Einsprachen sind gegen die geplante Mobilfunkantenne auf dem Kadi-Silo in Langenthal eingegangen.
Die Interessengemeinschaft hatte unter anderem eine Broschüre verteilt, in der auf mögliche gesundheitliche Risiken solcher Sender aufmerksam gemacht wurde. Erwähnt wurde aber auch, dass der Wert von Häusern und Grundstücken sinke, wenn eine Mobilfunkantenne in der Nähe sei. Und Banken würden weniger Kredit geben. Stimmt das?
Alle äusseren Einflüsse
Peter Kyburz, Leiter der UBS-Geschäftsstelle Langenthal, kann diese Frage nicht direkt mit Ja oder Nein beantworten. Eine Bank beziehe natürlich die äusseren Einflüsse eines Standortes ein, erklärt er. Dazu können Starkstromleitungen gehören, Strassen, Eisenbahnen - oder auch Natelantennen. Und eine Bank stelle sich die Frage: «Wie viel ist ein allfälliger Käufer bereit, dafür auszugeben.»
Es gehe also nicht darum, ob die Strahlen nun wirklich schädigend sind oder nicht, sondern, ob potenzielle Käufer dies als Problem betrachten könnten.
Käufer sind vorsichtiger
Ähnlich tönt es bei den Immobilienfirmen. «Ich kann mir vorstellen, dass die Nähe einer Antenne nicht unbedingt förderlich ist für einen Verkauf», sagt Stefanie Bigler von der Firma Tona AG. Und in Aarwangen ist ein Fall bekannt, wo es gar zu einem Rückzieher des Käufers im letzten Moment kam, als Antennenpläne bekannt wurden. Auch Architekt Hans Leu hat die Erfahrung gemacht, dass das Interesse schwindet, wenn bekannt wird, dass eine Handyantenne in der Nähe steht. «Von zehn Interessenten ziehen sich mehr als die Hälfte zurück», schätzt er. «Früher waren nur Starkstromleitungen ein Thema, heute sind es vermehrt auch die Mobilfunkantennen.»
Mieter störts weniger
Weniger Einfluss haben bestehende oder geplante Natelantennen offenbar bei Mietwohnungen. So hatte Petra Marti von der Firma Marti & Marti AG in Derendingen, die auch an der Thunstettenstrasse in Langenthal Wohnungen vermietet, noch nie erlebt, dass sich ein Interessent wegen einer Antenne zurückgezogen hat. Ruedi Bärtschi
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Langenthaler UMTS-MORATORIUM
«Bevölkerung schützen»
Trotz UMTS-Moratorium der Langenthaler Stadtregierung werden die Einsprachen gegen die Antennen normal bearbeitet. Denn die Baugesuche von Swisscom und Sunrise wurden vom Gemeinderat nicht sis tiert - er will nur mit der Bewilligung zuwarten, bis das Resultat einer neuen Studie vorliegt.
Der Gemeinderat habe mit dem Moratoriumsentscheid nicht willkürlich gehandelt, betont Stadtschreiber Daniel Steiner. «Denn der Rat ist nicht nur eine Bewilligungsbehörde. Er hat auch andere Aufgaben, die sich ebenfalls auf gesetzliche Grundlagen stützen.» Der Rat habe eine Güterabwägung gemacht zwischen dem Rechtsanspruch auf eine Bewilligung und der Aufgabe, die Bevölkerung zu schützen.
Übrigens: In Langenthal stehen bereits sechs UMTS-Antennen. Unter anderem beim Schiessplatz und auf der alten Post. rbl