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Hat Ruschein (GR) den Kampf gegen die Antenne verloren?

Verfasst: 10. März 2005 12:22
von The Future's Black
© Die Südostschweiz; 10.03.2005; Seite 2

Region Graubünden

Hat Ruschein den Kampf gegen die Antenne verloren?

Der Gemeinde Ruschein sind rechtlich die Hände gebunden. Der Ausbau des Sendemasts der Swisscom lässt sich wohl nicht mehr verhindern.

von Enrico Söllmann

Die Swisscom wird die Antennenanlage auf Plontabuora bei Ruschein, die dort seit 1964 in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern steht, ausbauen können. «Auf dem öffentlich-rechtlichen Weg ist nichts mehr zu machen», bestätigt Gemeindepräsident Robert Cajochen auf Anfrage. Auf Grund der Messergebnisse, die nicht über den vorgeschriebenen Grenzwerten liegen, sieht sich die Swisscom nicht dazu verpflichtet, auf eine Verstärkung der Antenne zu verzichten. Damit bleibt der Gemeinde wohl nichts anderes übrig, als das entsprechende Baugesuch zu bewilligen, das im Januar 2004 publiziert wurde. Das war übrigens bereits das dritte Mal, dass die Swisscom Änderungen an der Antenne vornehmen wollte. In den Jahren zuvor waren die Baueingaben nach massivem Widerstand jeweils wieder zurückgezogen worden.

Schnell reagiert

Auch dieses Mal protestierten die Einheimischen sofort gegen das Vorhaben der Swisscom. Innert Kürze wurden 150 Unterschriften gegen den Ausbau des Sendemasts gesammelt. Die radikalste Forderung lautete: Der Mast muss bis ins Jahr 2010 ganz verschwinden. Im Februar setzte die Gemeindeversammlung dann eine Kommission ein und sprach einen Kredit in Höhe von 10 000 Franken, um offene Fragen zu klären und um eine Standortbestimmung durchführen zu können. Ohne Erfolg, wie sich mittlerweile herausgestellt hat.

Unverbindliche Auflagen

Als letztes Mittel versucht die Gemeinde nun, der Swisscom ins Gewissen zu reden. Laut Cajochen wird die fünfköpfige Kommission der Swisscom «Auflagen machen, die aber rechtlich nicht verbindlich sind». So sei die Swisscom zur Verantwortung zu ziehen, falls irgendwann nachgewiesen werden könne, dass Einheimische auf Grund der zu hohen Strahlenbelastung erkrankt seien. Aus Ruschein wird schon seit längerer Zeit über verschiedene Symptome berichtet, die mit dem Sendemast zu tun haben sollen: Verschiedene Bewohner klagen über Kopfschmerzen, Schlafstörungen sowie Ohrensausen. Sogar Parkinson-Fälle werden mit der Anlage in Verbindung gebracht. Des Weiteren wird die Kommission von der Swisscom verlangen, die alte Anlage sofort zu ersetzen, sobald neuere Technologien auf den Markt kommen.

Bleibt der Appell an die Vernunft ohne Wirkung, besteht noch die Chance, dass die Initianten der Unterschriftensammlung auf privatrechtlichem Weg zum Ziel kommen. Allerdings sei auch dies eher unwahrscheinlich, so Cajochen.