Energie-Apéro: Machen Handys krank?
Verfasst: 19. März 2005 08:52
http://www.aargauerzeitung.ch/pages/ind ... ub=0&sda=0
Elektrosmog und Handy-Strahlung imVisier
Lenzburg Am «Energie-Apéro» befassten sich Fachleute mit der Frage «Machen Handys krank?».
Alan Hawkins
Die Frage ist brisant und viele Meinungen zum Thema «Elektrosmog» machen die Runde. Zwischen fundierten Erkenntnissen und diffusen Ängsten gibt es viel Raum für Spekulationen und Angstmacherei. Klare Antworten sind erwünscht. Das dies nicht so einfach ist, zeigte die Veranstaltung in Lenzburg.
In der Schweiz ist seit Anfang 2000 die zulässige Strahlenbelastung bei ortsfesten Anlagen in der Verordnung über nichtionisierende Strahlung NISV geregelt. Hier werden technische Grenzwerte für Funkanlagen gesetzt, welche übermässige Einwirkungen auf den Menschen vermeiden sollen.
Mit 1066 Sendeanlagen allein im Kanton Aargau und rund 150 Baugesuchen pro Jahr hat die Abteilung «Luft und Lärm» der kantonalen Verwaltung viel zu prüfen. Heinrich Zumoberhaus von der kantonalen Verwaltung ist mit dabei, wenn es um die Beurteilung von Gesuchen für die Einrichtung von Handy-Antennen geht. An der Veranstaltung in Lenzburg erklärte er die Grundlagen, nach welchen die Baugesuche der Mobiltelefonanbieter beurteilt werden. Für verunsicherte Bewohner betreibt der Kanton ein «Sorgentelefon» - hier geht es laut Zumoberhaus mitunter etwas emotional zu und her.
Gregor Dürrenberger, Leiter der Forschungsstiftung «Mobilkommunikation» an der ETH Zürich, ging als zweiter Redner an dieser Veranstaltung auf die Wirkung der Funkstrahlung bei Menschen ein. Er illustrierte den «Wellensalat», in welchem wir uns täglich bewegen, mit einer Aufzeichnung der Radiowellen und ihrer Feldstärken in seinem Büro. Neben dem Radio- und Fernsehsender auf dem Üetliberg fielen die GSM-Sender (Handy) auf dem 200 Meter entfernten Frauenspital und die hausinternen Pager und Computer-(Funk-)Netzwerke auf. Die Feldstärke des eigenen Handys ist jedoch ungleich höher. Bis zu 1000-mal stärker als die Basisstation auf dem Spital funken die Mobiltelefone - und dies in einem Meter Entfernung gemessen.
Für die zahlreich erschienenen Zuhörer war jedoch die Auswirkung der Strahlung auf den Menschen interessanter als die technischen Details. Aus verschiedenen Untersuchungen zeigte Dürrenberger die Wirkung der Handy-Wellen auf den menschlichen Körper, insbesondere auf den Kopf und das Hirn. Die Wirkung der Radiowellen auf weitere Organe ist etwas schwieriger zu beurteilen, da die Strahlen - je nach Frequenz - nur einige Millimeter bis wenige Zentimeter eindringen.
Glücklicherweise seien die Grenzwerte um einen Faktor 50 tiefer als der erwärmungskritische Wert, aber verschiedene biologische Effekte seien trotzdem bestätigt worden. Vor allem seien die thermischen Effekte erforscht worden: Für weitere Effekte, die nicht mit der Erwärmung durch die Funkwellen zusammenhängen, stehen erst wenige Ergebnisse zur Verfügung: Über diese Mechanismen, welche im Spiel sind, ist zu wenig bekannt.
Trotz Wissensdefiziten konnte Dürrenberger beruhigen: Bisher seien keine gesundheitlichen Auswirkungen nachgewiesen, aber ein «Nullrisiko»-Nachweis sei nicht möglich. Letztendlich sei die Risikoabschätzung ein politischer Akt: Hier müssen die Vorteile der mobilen Kommunikation gegen die Nachteile möglicher gesundheitlicher Auswirkungen abgewogen werden.
Elektrosmog und Handy-Strahlung imVisier
Lenzburg Am «Energie-Apéro» befassten sich Fachleute mit der Frage «Machen Handys krank?».
Alan Hawkins
Die Frage ist brisant und viele Meinungen zum Thema «Elektrosmog» machen die Runde. Zwischen fundierten Erkenntnissen und diffusen Ängsten gibt es viel Raum für Spekulationen und Angstmacherei. Klare Antworten sind erwünscht. Das dies nicht so einfach ist, zeigte die Veranstaltung in Lenzburg.
In der Schweiz ist seit Anfang 2000 die zulässige Strahlenbelastung bei ortsfesten Anlagen in der Verordnung über nichtionisierende Strahlung NISV geregelt. Hier werden technische Grenzwerte für Funkanlagen gesetzt, welche übermässige Einwirkungen auf den Menschen vermeiden sollen.
Mit 1066 Sendeanlagen allein im Kanton Aargau und rund 150 Baugesuchen pro Jahr hat die Abteilung «Luft und Lärm» der kantonalen Verwaltung viel zu prüfen. Heinrich Zumoberhaus von der kantonalen Verwaltung ist mit dabei, wenn es um die Beurteilung von Gesuchen für die Einrichtung von Handy-Antennen geht. An der Veranstaltung in Lenzburg erklärte er die Grundlagen, nach welchen die Baugesuche der Mobiltelefonanbieter beurteilt werden. Für verunsicherte Bewohner betreibt der Kanton ein «Sorgentelefon» - hier geht es laut Zumoberhaus mitunter etwas emotional zu und her.
Gregor Dürrenberger, Leiter der Forschungsstiftung «Mobilkommunikation» an der ETH Zürich, ging als zweiter Redner an dieser Veranstaltung auf die Wirkung der Funkstrahlung bei Menschen ein. Er illustrierte den «Wellensalat», in welchem wir uns täglich bewegen, mit einer Aufzeichnung der Radiowellen und ihrer Feldstärken in seinem Büro. Neben dem Radio- und Fernsehsender auf dem Üetliberg fielen die GSM-Sender (Handy) auf dem 200 Meter entfernten Frauenspital und die hausinternen Pager und Computer-(Funk-)Netzwerke auf. Die Feldstärke des eigenen Handys ist jedoch ungleich höher. Bis zu 1000-mal stärker als die Basisstation auf dem Spital funken die Mobiltelefone - und dies in einem Meter Entfernung gemessen.
Für die zahlreich erschienenen Zuhörer war jedoch die Auswirkung der Strahlung auf den Menschen interessanter als die technischen Details. Aus verschiedenen Untersuchungen zeigte Dürrenberger die Wirkung der Handy-Wellen auf den menschlichen Körper, insbesondere auf den Kopf und das Hirn. Die Wirkung der Radiowellen auf weitere Organe ist etwas schwieriger zu beurteilen, da die Strahlen - je nach Frequenz - nur einige Millimeter bis wenige Zentimeter eindringen.
Glücklicherweise seien die Grenzwerte um einen Faktor 50 tiefer als der erwärmungskritische Wert, aber verschiedene biologische Effekte seien trotzdem bestätigt worden. Vor allem seien die thermischen Effekte erforscht worden: Für weitere Effekte, die nicht mit der Erwärmung durch die Funkwellen zusammenhängen, stehen erst wenige Ergebnisse zur Verfügung: Über diese Mechanismen, welche im Spiel sind, ist zu wenig bekannt.
Trotz Wissensdefiziten konnte Dürrenberger beruhigen: Bisher seien keine gesundheitlichen Auswirkungen nachgewiesen, aber ein «Nullrisiko»-Nachweis sei nicht möglich. Letztendlich sei die Risikoabschätzung ein politischer Akt: Hier müssen die Vorteile der mobilen Kommunikation gegen die Nachteile möglicher gesundheitlicher Auswirkungen abgewogen werden.