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NIRMED - eine illustre Gesellschaft

Verfasst: 4. April 2005 00:20
von mips
Die Mobilfunkindustrie reagiert auf das langsame Bewusstwerden von Aerzten bezüglich der Gesundheitsrelevanz von Mobilfunk.

Um Aerztegruppierungen, wie die der IGUMED und den Bamberger Aerzten, ein Gegengewicht zu schaffen, wurden Medizinmänner angeheuert für eine mobilfunkfreundliche Aerzteorganisation zu schaffen.

Interessant, wen man in dieser Gesellschaft findet. Den Vorsitz hat der Ungare Prof. György Köteles, dann ist ein Östreicher Namens Prof. Kurt Ammer und der Deutsche Prof. Joachim Röschke dabei. Auch sein Landsmann Prof. (wo er diesen Titel her hat wissen wir heute immernoch nicht) Reinhold Berz und der Chef der neuen Dienstleistung Mobilfunk und Gesundheit der Stiftung Mobilfunk und Umwelt, Prof. Jan Olaf Gebbers darf bei diesem Komitee auch nicht fehlen.

Ich bin überzeugt, dass auch diese neue Machenschaft der Mobilfunkindustrie den Trend in der Aerzteschaft, die Gesundheitsgefährdung ernster zu nehmen, auch nicht ändern wird.

Re: NIRMED - eine illustre Gesellschaft

Verfasst: 4. April 2005 22:41
von Elisabeth Buchs
Danke Mips für diese Angaben. Unter www.nirmed.org findet man die fünf zum Komitee der Nirmed gehörenden Personen mit Bild und Angaben zur Person und zum Werdegang inkl. Professur. Unter Impressum/Kontakt ist die Adresse von Prof. Berz angegeben. Aufschlussreich ist auch der Kommentar der Nirmed zum WHO-Kongress zur Elektrosensibilität in Prag vom Okt. 04. Teilnehmer der Nirmed waren Prof. Gebbers aus Luzern und Prof. Berz aus Burgrieden-Rot/Deutschland, hier einige Beispiele:

Hierzu zeigte das Basler-Pilot-Projekt von 2001 bis 2004, dass etwa 70 % der EMF-Sensiblen psychologisch/psychiatrisch auffällig waren...
(Es würde mich mal interessieren, woraus die solches beim Basler-Pilot-Projekt schliessen wollen).

...weitere physiologische und psychologisch/psychiatrische Untersuchungen hierauf fokussieren sollten...

So schliesst sich der Kreis und es wird noch deutlicher, was von der Aerztlichen Sprechstunde Mobilfunk zu halten ist. Professor Berz und Prof. Gebbers scheinen befreundet zu sein, Gesinnungsgenossen. Prof. Gebbers ist ausserdem Gründungsmitglied bei den Aerzten für Umweltschutz, wobei man sich nun fragen kann, auf welcher Seite eigentlich diese stehen. Je mehr man diese Verfilzungen erkennt, desto elender kommt einem alles vor.

Mit freundlichen Grüssen

Elisabeth Buchs

Re: NIRMED - eine illustre Gesellschaft.-Vorsicht ist die Mu

Verfasst: 5. April 2005 05:54
von Evi Gaigg
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!

Wer den Fragebogen der Gesundheits-Beratungsstelle ausfüllt, macht sich selbst zum gläsernen Patienten und ungewollt zum Helfershelfer für die angestrebte Einstufung der Elektrosensiblen in die Kategorie der psychisch Angeschlagenen und der Hypochonder. Auf jeden Fall sind seine Daten registriert, ein Stempel wird wird ihm aufgedrückt, den er nie mehr los wird. Und der Gipfel von allem: Die Hausärzte der Betroffenen werden in das ganze Prozedere miteinbezogen. Man muss sich ja nur die Sprache zu Gemüte führen: "Hausärzte, die mit solchen Leuten (Personen) konfrontiert sind..." und "Hausärzte sollen sich nicht zum Komplizen ihrer Patienten machen..."

Wohin sind wir eigentlich gekommen, dass Mediziner mit "Leuten" oder Personen konfrontiert sind, anstatt Patienten zu helfen, dass Patienten Delinquenten sind und die Ärzte ihre Komplizen? Diejenigen, die für diese Terminologie verantwortlich sind, haben nun endgültig alle Hüllen fallen lassen, kennen keine Schamgrenze mehr. Daher nochmals die Warnung:

Keine wie immer gearteten Fragen, die nicht direkt mit dem Elektrosmog zusammen hängen, beantworten, lieber auf jede Beratung verzichten. Diese Leute meinen es nicht ehrlich und Hilfe ist von ihnen keine zu erwarten. Hilfe heischend steht dahinter höchstens die interessierte Industrie.

Evi Gaigg

Re: NIRMED - eine illustre Gesellschaft

Verfasst: 5. April 2005 08:10
von mips
Liebe Elisabeth Buchs

Prof. Gebbers war Gründungsmitglied der AefU, was aber noch lange nicht bedeutet, dass heute die AefU mehrheitlich die Haltung von Prof. Gebbers bezüglich Elektrosensibilität und Gesundheitsgefährdung teilt - bitte deshalb nicht von einer Einzelperson auf die AefU oder gar die ganzen Aerzteschaft schliessen. Die AefU hat sich zum Beispiel letztes Jahr klar für ein UMTS-Moratorium ausgesprochen.
Auch wenn Dr. Aufdereggen von der AefU Vizepräsident der Forschungsstiftung Mobilkommunikation (Kapital von Swisscom, Sunrice, Orange und ETH) ist, ist er vehement für dieses Moratorium eingestanden.

Re: NIRMED - eine illustre Gesellschaft

Verfasst: 5. April 2005 09:45
von Evi Gaigg
>Auch wenn Dr. Aufdereggen von der AefU Vizepräsident der Forschungsstiftung Mobilkommunikation (Kapital von Swisscom, Sunrice, Orange und ETH) ist, ist er vehement für dieses Moratorium eingestanden.>

Nur genützt hat es leider nichts. Entweder deswegen nicht, weil die AefU das eine tun und das andere nicht lassen wollen (siehe Verflechtungen oben) oder nicht völlig dezidiert Farbe bekennen und wirklich Klartext reden. Wobei man der Gerechtigkeit halber sagen muss, dass es einzelne unter ihnen tun, z.B. Dr. Bruno Germann, dem wir dafür sehr dankbar sind. Andere hingegen üben sich in vornehmer Zurückhaltung und sind sicherheitshalber "überall" dabei.

Evi Gaigg

Re: NIRMED - eine illustre Gesellschaft

Verfasst: 6. April 2005 09:05
von Elisabeth Buchs
Auf der Nirmed-Homepage ist zu lesen: Auftraggeber haben ein Recht auf Verschwiegenheit der jeweiligen Arbeitsergebnisse. Oeffentliche Bekanntgaben und Publikationen durch Nirmed-Mitglieder bedürfen der Rücksprache mit den jeweiligen Auftraggebern.

Zwar heisst es auch: Bei der Wahrung ihrer Aufgaben unterliegt das Nirmed-Komitee gesamt und auch jedes einzelne Mitglied ausschliesslich dem ärztlichen Wissen und Gewissen. Eine fachliche Beeinflussung durch Auftraggeber oder anderer ist ausgeschlossen. Doch schliesst diese Klausel nicht aus, dass - nach Rücksprache mit einem Auftraggeber - Nirmed ein angefertigtes aber unbequemes Attest dezent unter den Teppich kehrt. (Quelle izgmf.de)

Nirmed soll wohl ein mobilfunkfreundliches Gegengewicht zu mobilfunkkritischen Aerzteinitiativen wie den Bamberger-Appell bilden.

Mit freundlichen Grüssen

Elisabeth Buchs

Re: NIRMED - eine illustre Gesellschaft

Verfasst: 6. April 2005 10:00
von argus
Sehr scharf beobachtet und kombiniert. Genauso läuft es. Man muss sich nur die gegenwärtige Diskussion um die Homöopathie mit den gelinde gesagt bevorstehenden Mauscheleien ansehen (geht momentan durch die Presse) dann weiss man Bescheid. Was nicht sein darf, das kann nicht sein, hier wie dort.

argus