Murgenthal : Gegen 24 geplante Hochleistungsantennen

The Future's Black

Murgenthal : Gegen 24 geplante Hochleistungsantennen

Beitrag von The Future's Black » 4. April 2005 12:38

© Zofinger Tagblatt / MLZ; 30.03.2005

Region Zeitung

Gegen 24 geplante Hochleistungsantennen

Murgenthal Interessengemeinschaft verlangt Moratorium nach Langenthaler Muster

16 Personen aus Murgenthal haben sich, wie bereits kurz gemeldet, zu einer Interessen-gemeinschaft zusammengetan, die zwei Antennen-Baugesuche bekämpft und vom Gemeinderat ein UMTS-Moratorium verlangt. Ihre Petition haben über 800 Personen unterschrieben.

Auf den Murgenthaler Gemeinderat kommt einiges zu: Die Einwohner wollen keinen Antennenwald in ihrem Dorf. Gegen den von Swisscom und Orange geplanten Neubau von insgesamt 24 Antennen (UMTS) auf dem Dach der Firma Schwarz sind rund 50 Einsprachen eingegangen. Gleichzeitig bekämpft man auch den Umbau der 6 Antennen in der Moosmatt - diese sollen auf UMTS-Standard umgerüstet werden. Hier sind rund 80 Einsprachen eingegangen. Und zu guter Letzt will man die Gemeindebehörden dazu bewegen, vorerst keine Bewilligungen für UMTS-Anlagen mehr zu erteilen. Zumindest so lange, bis die für Spätherbst erwartete ETH-Studie zur Schädlichkeit von UMTS-Wellen publiziert wird.

Parteidenken sekundär

Organisiert sind die Einsprecher in der Interessengemeinschaft «Stop UMTS in Murgenthal!». Deren Koordinatorin ist vom Echo in der Bevölkerung überrascht - umso mehr, da nur Erwachsene die Petitionsschrift unterschrieben haben: In einer Woche konnten 700 Unterschriften gesammelt werden. «Wir sind schon stolz auf das Erreichte», sagt Monika Meier Tschech. Insbesondere freut sie, dass die Unterstützung eine breite Basis hat: Durch alle Parteien und Partikularinteressen hindurch konnten Unterschriften hereingeholt werden, wie sie auf Anfrage erklärte.

Knapp 800 davon wurden letzte Woche der Gemeinde überreicht - und noch immer treffen bei Monika Meier Tschech Unterschriftenbögen ein. Sie rechnet mit rund 830 Voten gegen die Baugesuche und für ein Moratorium, was fast einem Drittel der Bevölkerung entspricht. Assistiert wird die IG durch Jürg Zimmermann (Emmenbrücke), der sich seit sechs Jahren mit Umweltanalytik und Elektrobiologie auseinander setzt. Sein Urteil zur Leistung des Antennenwalds auf dem Schwarz-Gebäude ist eindeutig: «Die Belastung ist exorbitant.» Zimmermann fragt sich ernsthaft, ob hier die Verhältnismässigkeit noch gegeben ist. So überrascht es wenig, dass auch die Gemeinden Wynau und Fulenbach noch innerhalb des Einspracheradius von 1,2 Kilometern liegen.

Ein Beschluss zieht Kreise

Inspiriert wurde die IG nicht zuletzt durch das Vorgehen des Langenthaler Stadtrats. Dieser beschloss vor ein paar Wochen ein (politisches) Moratorium für Mobilfunkantennen nach UMTS-Standard. Er möchte die Studie abwarten, an der zurzeit an der ETH Zürich gearbeitet wird und welche die Schädlichkeit von UMTS-Strahlen untersucht. Auch in Olten wehren sich die Bewohner der Quartiere Schürmatt und Hammer gegen UMTS-Antennen: Sie verlangen von den Oltner Stadtbehörden ebenfalls, ein Moratorium in Kraft zu setzen und die Ergebnisse der ETH-Studie abzuwarten.

Was sagt die Bauherrschaft zum Vorgehen der Murgenthaler? Swisscom-Sprecher Josef Frey verweist darauf, dass es sich weder in Langenthal noch in Murgenthal oder Olten um ein Moratorium im juristischen Sinne handelt, die Bewilligungsverfahren rechtlich also nicht ausgesetzt werden können. Trotzdem sei man am Ausgang der ETH-Studie «sehr interessiert». Swisscom schickt aber bereits jetzt ihre Bedenken voraus: «Es ist wissenschaftlich unmöglich, die absolute Unbedenklichkeit für irgendeine Technologie der Welt verbindlich zu beweisen.»

Auf die hohe Leistung der Antennen angesprochen, meint Frey, «dass die Kapazität Ergebnis einer umfassenden Netzplanung ist, die das zu erwartende Gesprächsaufkommen berücksichtigen muss.» Die Leistung sei also notwendig, um die erforderliche Performance und Abdeckung realisieren zu können. Davon profitieren sollen primär die Zug-Reisenden auf der Neubaustrecke Mattstetten-Rothrist. Natürlich nehme man die Besorgnis der Bevölkerung ernst, heisst es bei Swisscom Mobile. «Mobilfunk ist eine relativ neue Technologie. Und Neues macht Angst.»

Warten bis Mitte April

Dieser philosophische Exkurs dürfte die IG «Stop UMTS in Murgenthal!» allerdings kaum beeindrucken. Zu tief sitzt die Skepsis gegenüber der Strahlung - eine Skepsis, die durch eine kürzlich veröffentlichte EU-Studie noch verstärkt wurde. Trotzdem betont Meier Tschech, stellvertretend für die IG-Mitglieder, dass sie keineswegs gegen Mobiltelefonie per se seien. Aber gegen diese gewaltige Sendeleistung müsse man sich einfach wehren. Dass in Murgenthal und Umgebung laut Zimmermann bereits 18 Mobilfunkantennen stehen, wird auf dem Flugblatt, das unter die Anwohner gebracht wurde, gar nicht erst erwähnt.

Vorerst bleibt ihnen nur der Blick nach vorne: Am 6. April steht eine weitere Einspracheverhandlung an. Vor Mitte April passiert wohl wenig, heisst es bei der Gemeinde. Danach dürfte für Gesprächsstoff gesorgt sein - so oder so. (bbo)

Schwarz-Gebäude Hier sollen 24 Hochleistungsantennen errichtet werden. K.P.

Angst vor Mobilfunkantennen

In Auftrag Schweizer Studie zu UMTS-Strahlung

Die Forschungsstiftung Mobilkommunikation lässt eine Studie zur neuen Mobilfunkgeneration UMTS machen. Untersucht werden die Auswirkungen von UMTS-Strahlungen auf das Wohlbefinden sowie die kognitiven Fähigkeiten beim Menschen. Die Schweizer Studie bezieht sich auf eine Ende 2003 veröffentlichte holländische Untersuchung, die in wissenschaftlichen Kreisen kontrovers diskutiert wurde. Diese zeigte, dass UMTS-Strahlen das Wohlbefinden vermindern können.

Am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich wird nun abgeklärt, ob die Ergebnisse der holländischen Studie gesichert werden können oder nicht, wie die Forschungsstiftung Mobilfunkkommunikation kürzlich mitteilte. Die neue Studie soll eine grössere statistische Aussagekraft haben. Untersucht wird in erster Linie der Einfluss von UMTS-Strahlungen auf das Wohlbefinden sowie auf die kognitiven Fähigkeiten wie etwa Aufmerksamkeit und Erinnerungsvermögen. Das von der Forschungsstiftung Mobilkommunikation an der ETH Zürich in Auftrag gegebene Projekt dauert etwa ein Jahr. Finanziert wird die Studie zu 60 Prozent von der öffentlichen Hand und zu 40 Prozent von der Industrie. Resultate sind Ende 2005 zu erwarten. (bbo)

Was ist UMTS?

UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) ist die neuste Generation von Mobilfunknetzen, welche die mobile Übertragung grosser Datenmengen ermöglichen. Die heute im Einsatz stehende Technologie ist GSM (Global System for Mobile Communications).

In der Schweiz hat das erste UMTS-Netz kürzlich den Betrieb aufgenommen. Drei weitere Netze sind konzessioniert und sollen per Anfang 2005 die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz versorgen. (sda)