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Antennenverbote: Die neue Waffe der Handygegner

Verfasst: 7. April 2005 12:46
von The Future's Black
© Berner Zeitung; 06.04.2005; Seite 27

BZ-Rund um Bern

Antennenverbote

Die neue Waffe der Handygegner

Ein Trend zeichnet sich ab: Nach Zollikofen und Muri wollen Handygegner nun auch in Bremgarten Antennen auf öffentlichen Gebäuden verhindern. Die Gemeinderäte weibeln vergeblich, solche Verbote seien ein Eigentor.

Es ist ein Kampf zwischen Behörde und Volk. Und er wird ungewöhnlich emotional geführt: Antennengegner fordern, dass Mobilfunkanbieter auf öffentlichen Häusern wie Schulen und Verwaltungsgebäuden keine Antennen mehr installieren dürfen.

In Muri haben die Strahlenkritiker ihre Forderung bereits durchgesetzt, via Volksinitiative und Abstimmung - gegen den Willen des Gemeinderates. Auch in Zollikofen verzeichneten die Antennengegner bereits einen Teilerfolg: Das Parlament hiess - wiederum gegen den Willen des Gemeinderates - einen entsprechenden Volksvorstoss gut. Die Zollikofer Antennengegner verlangen darin sogar, dass die Mobilfunkanbieter bereits installierte Antennen demontieren müssen. Das letzte Wort wird allerdings das Stimmvolk an der Urne haben.

Nun wird auch ein Vorstoss in Bremgarten aktuell: Hier gehen die Gegner zwar nicht ganz so weit wie in Muri und Zollikofen. Sie fordern kein Verbot, verlangen aber, dass die Gemeindeversammlung bei Bewilligungen für Antennen auf Gemeindehäusern das Veto einlegen kann. Obs so weit kommt, entscheidet die Gemeindeversammlung am 25. April. Auch hier empfiehlt der Gemeinderat, das Geschäft abzulehnen.

Argumente ohne Chancen

Weder in Muri noch in Zollikofen hatten die Argumente der Behörden eine Chance gegen die Emotionen im Volk: «Wenn Sunrise die Antenne auf dem Schulhaus demontieren muss, wird sie auf Häusern in der Nachbarschaft errichtet», sagt der Zollikofer Gemeindepräsident Stefan Funk. Er weiss, dass Sunrise die Sendeanlage auf dem Schulhaus gar durch zwei Antennen ersetzen müsste. Er rechnet vor: Einen idealen Standort muss ein Mobilfunkanbieter durch mehrere weniger gute ersetzen, um die gleiche Leistung zu erzielen. «Möglicherweise würde die Strahlenbelastung auf dem Schulareal so noch höher», sagt Funk. Er ärgert sich: «Bei Antennen auf privatem Grund könnte die Gemeinde nicht mehr mitreden.»

In Muri ist der Beweis, dass sich die Mobilfunkanbieter durch das Verbot nicht abhalten lassen, schon da: Orange musste den Plan, auf dem Werkhof eine Sendeanlage zu errichten, zwar fallen lassen. Dafür hat Swisscom nun ein Baugesuch eingereicht: Laut Gemeindepräsident Hans-Rudolf Saxer will die Swisscom 150 Meter vom Werkhof entfernt einen Masten aufstellen. Die Chancen, dass das Gesuch bewilligt wird, stehen gut.

«Der Rat muss hart sein»

Den Vorstoss in Bremgarten hat der Gemeindebürger Werner Meile eingereicht: Er will damit in erster Linie erreichen, dass die Swisscom die Antenne bei der Sportanlage nicht ausbauen darf. «Sie ist 50 Meter vom Schulhaus und nur 20 Meter von einem Altersheim entfernt», begründet Meile. Das Problem: Es gibt bereits einen Vertrag, der Swisscom einen Ausbau der Antenne zusichert. Wir wollen bewirken, dass der Gemeinderat mit der Swisscom harte Verhandlungen führt», sagt Meile. Bisher habe er wenig Verständnis gezeigt. Dass die Swisscom möglicherweise einfach auf einen privaten Standort ausweichen würde, sei ihm bewusst, so Meile.

Mischa Aebi comet
Die Debatte um Antennen läuft heiss wie nie zuvor.



Kommentar

Trick für die Katz

mischa aebi
Die Angst in der Bevölkerung vor zu viel Strahlung ist ernst zu nehmen. In vielen Gemeinden zeigten Abstimmungen und Masseneinsprachen, dass über die Hälfte der Einwohner gesundheitliche Schäden befürchten.

Doch das Vorgehen der aktiven Antennengegner ist schlicht absurd: Wenn sie generelle Antennenverbote auf öffentlichen Gebäuden durchsetzen, errichten die Mobilfunkanbieter ihre Antennen einfach einen Steinwurf weiter auf privatem Boden. Unter Umständen wird die Strahlenbelastung so noch höher. Denn Schulhäuser und Verwaltungsgebäude sind wegen ihrer Höhe und ihrem zentralen Standort ideale Antennenplätze. Müssen die Mobilfunkanbieter auf niedere dezentral gelegene Häuser ausweichen, ist es möglich, dass sie statt einer gleich zwei Antennen aufstellen müssen.

Falsch wäre hingegen, die Antennenkritiker als Fundamentalisten abzutun. Man muss sich vor Augen halten, dass viele, die sich heute gegen neue Antennen wehren, nicht grundsätzlich etwas gegen Handys haben. Sie befürchten bloss, dass die neue Generation von Mobilfunk, die UMTS-Technik, den Rahmen des Erträglichen sprengt. Die Mobilfunkanbieter rüsten ihre alten Antennen zurzeit für diese neue Technik auf. Diese macht es möglich, dass künftig ein x-faches an Daten durch die Luft transportiert werden. Dass die Strahlenbelastung dadurch massiv steigt, ist unbestritten.

Sinnvoll wäre, wenn sich die Antennengegner für gemeindeeigene Antennenkommissionen engagierten. Diese könnten bereits im Vorfeld tragfähige Lösungen mit den Mobilfunkanbietern aushandeln. Damit wäre auch Swisscom und Co. gedient: Sie könnten sich die Anwälte sparen, die für sie langwie-rige Einspracheverhandlungen führen.

mischa.aebi@bernerzeitung.ch