Seite 1 von 1

«Warum nur ausgerechnet hier?»

Verfasst: 7. April 2005 12:52
von The Future's Black
© Neue Luzerner Zeitung; 07.04.2005; Seite 10

Luzerner Zeitung Forum

«Warum nur ausgerechnet hier?»

Zum Leserbrief «Es ist nun halt so: Smog ist ein Risiko», Ausgabe 2. April

Leserbriefschreiber Hans Winiger hat vollkommen Recht, auch wenn der günstige Landverkauf von 1939 etwas weit hergeholt ist. Auf der ganzen Welt streiten sich die Fachleute über die Schädlichkeit von Elektrosmog, und trotzdem werden munter weitere Antennen gebaut. Für eine sach- und fachgerechte Einsprache würde man einen Strahlenfachmann benötigen, und damit man nicht auf den Kosten sitzen bleibt, noch einen Rechtsanwalt. Deshalb hier nur noch einige Schlagwörter, Tatsachen und Fragen mal schauen, ob die Quartierbewohner weiterhin wortlos bleiben:

· Das filigrane Bauprofil am Libellenrain zeigt nur die halbe Wahrheit: Auf einer Höhe von mehr als 30 Metern also höher als jedes Bauwerk rundherum wird die Anlage einen Durchmesser von mehr als 2 Metern aufweisen. Schöner Anblick vom Sedel her!

· Der Zweck der Anlage dient unter anderem der Abdeckung der Bahnlinie am Rotsee. Es ist also ein Erfolg: Die SBB-Reisenden müssen nicht mehr in strahlenstrotzenden SBB-Wagons telefonieren.

· Sowohl auf der KVA Ibach wie auf dem Sedel-Musik-Center sind bereits Anlagen installiert. Von wem sind sie, und was decken diese ab?

· 5 bis 10 Meter neben der Antennen-Anlage arbeiten 8 bis 10 Stunden pro Tag die Mitarbeitenden des Kantonalen Amtes für Umwelt und Energie sowie Denkmalschutz & Archäologie. Elektrische Feldstärke: 3,9 V/m. Das neue Glasdach ihrer Büros ist bestimmt ein guter Strahlenschutz.

· Warum wird in der Bauausschreibung (rechnerische Prognose der Strahlung) bei allen umliegenden Häusern die Bauweise der Gebäudehülle mit Glas angegeben? Trotzdem, oder eben deshalb liegt die Grenzwert-Prognose bei den drei höchstbelasteten Objekten nur knapp unter dem gesetzlich zulässigen Wert!

· Im Stadthaus werden sechsstellige Summen investiert, um die Strahlung eines Trafos und dessen Zuleitungen zum Wohle der Mitarbeitenden zu verringern!

· Toll: Die Stiftung Mobilfunkkommunikation und Umwelt (Swisscom, Sunrise und Orange) bietet Hilfe für Elektrosmog-Betroffene! Warum bauen eigentlich diese drei Unternehmen immer getrennte Basisstationen? Und warum nicht auf dem Bramberg, Allenwinden, Konservatorium oder Felsberg?

Nun genug Zynismus und Emotionen. Mich freut auf jeden Fall, dass der Bund einen 5-Millionen-Forschungsauftrag an die Uni Basel vergeben hat mit dem Titel «Die Auswirkungen von Elektrosmog auf die Bevölkerung», Kosten zulasten des Steuerzahlers.

Heinrich Sutter, Luzern