Bald doppelt so viele Antennen...
Verfasst: 12. April 2005 10:39
Aargauerzeitung vom 12.04.2005
Bald doppelt so viele Antennen
UMTS Im Verlauf der nächsten Monate wird im Aargau das Orange-Netz aufgeschaltet
Rund 100 UMTS-Antennen von Swisscom und Sunrise sind im Aargau schon in Betrieb. Mit der Marktoffensive von Orange wird sich diese Zahl in naher Zukunft fast verdoppeln - und ein Ende ist nicht absehbar.
Michael Ehrler
In nächster Zeit werden im Kanton Aargau auf einen Schlag rund 70 UMTS-Mobilfunkanlagen in Betrieb genommen. Den genauen Zeitpunkt behält die Orange Communications SA vorläufig noch für sich: «Wir werden in einigen Wochen über unseren Zeitplan informieren», sagt Tilman Eberle, Verantwortlicher der Fachstelle Umwelt von Orange. Offenbar hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren im Aargau genügend Antennen gebaut, um den Handybenutzern demnächst ein zusammenhängendes, konkurrenzfähiges UMTS-Netz anbieten zu können. Die baldige Inbetriebnahme begründet Orange auch damit, dass der Aargau im dichtbesiedelten Mittelland wirtschaftlich gesehen «zu den wichtigsten Regionen» gehöre.
100 Antennen der Swisscom
Orange hat sich bislang auf die grossen Schweizer Städte konzentriert, um die vom Bund geforderte Mindestabdeckung innerhalb der erforderlichen Frist zu erreichen. In diesem Jahr will der Konzern über die Städte hinauswachsen und sukzessive auch die Agglomerationen und ländlichen Gebieten erschliessen. Anders die Swisscom: Sie hat das UMTS-Netz vor knapp einem Jahr in der gesamten Schweiz gleichzeitig in Betrieb genommen und betreibt inzwischen allein im Aargau knapp 90 UMTS-Antennen. Auch der dritte Anbieter, Sunrise, hat bereits zehn Sendeanlagen im Kanton aufgeschaltet und erreicht damit laut eigenen Angaben rund 20 Prozent der Bevölkerung. Auffallend bei den Standorten von Swisscom und Sunrise ist, dass sie sich auf ein geografisch sehr kleines Gebiet beschränken. Orte wie Wohlen, Muri, Frick oder Zurzach sind überhaupt nicht oder nur spärlich abgedeckt. Laut Manfred Speckert, Verantwortlicher der Sunrise-Umweltfachstelle, mache es eben keinen Sinn, isolierte Standorte in Betrieb zu nehmen: «Für ein vernünftiges Netz braucht es etwas Zusammenhängendes.» So wie der Streifen von Rothrist über Aarau und Lenzburg bis Baden, wo die Sendeanlagen dicht nebeneinander stehen.
Zahl wird markant zunehmen
Es ist absehbar, dass die Anzahl UMTS-Antennen in Zukunft noch markant steigen wird. So will allein Sunrise die Zahl im Aargau in den nächsten beiden Jahren verdreifachen und 30 weitere Anlagen in Betrieb nehmen. Ziel aller drei Kommunikationsunternehmen wird es mittelfristig sein, das GSM-Netz durch UMTS abzulösen. Swisscom-Sprecher Joseph Frey prophezeit, dass dieser Schritt in rund 10 Jahren erfolgen wird: «Die Zahl der Leute mit GSM-Handys wird in den kommenden Jahren immer kleiner werden, bis sich das Betreiben dieses Netzes irgendwann nicht mehr lohnt.» Zuerst aber muss das UMTS-Netz auf den Standard von GSM gebracht werden. Wie viele Mobilfunkanlagen dafür benötigt werden, ist schwer abzuschätzen, aber es sind aufgrund der technischen Voraussetzungen sicher mehr als die jetzt bestehenden GSM-Sender. Das Übertragungsverfahren von UMTS unterscheidet sich nämlich komplett von demjenigen von GSM. Weil der Datenverkehr über eine einzige Frequenz abläuft, braucht es kleinere Funknetzzellen und damit mehr Sendeanlagen. Immerhin, so trösten die Kommunikationsunternehmen, falle die Leistung der einzelnen Sender geringer aus.
«Werden mit Antennen überflutet»
Der sukzessive Netzaufbau freut jene, die die neuen Möglichkeiten der Mobiltelefonie nützen wollen. Bei der Mehrheit der Bevölkerung stossen die Mobilfunkanlagen jedoch auf massiven Widerstand. Viele fürchten, dass die Antennenstrahlen ein Gesundheitsrisiko darstellen. «Wir werden mit Antennen überflutet», sagt Ronald Trap, Projektleiter der Interessengemeinschaft Seengen, die sich für einen sanften Mobilfunk im Seetal einsetzt. Die Bevölkerung habe schlicht keine Chance, gegen den Bau von Antennen vorzugehen. Die Anlagen würden bewilligt, weil der Grenzwert auf veraltetem Wissen basiere. Trap hegt grosse Skepsis, ob UMTS einem Bedürfnis entspreche. «Ich glaube, es gibt nicht viele Leute, die unterwegs fernsehen oder E-Mails abrufen wollen.» Trap plädiert deshalb dafür, dass der Schutz der Bevölkerung ernst genommen wird: «Vorsorge muss vorher sein, nicht nachher.»
Bald doppelt so viele Antennen
UMTS Im Verlauf der nächsten Monate wird im Aargau das Orange-Netz aufgeschaltet
Rund 100 UMTS-Antennen von Swisscom und Sunrise sind im Aargau schon in Betrieb. Mit der Marktoffensive von Orange wird sich diese Zahl in naher Zukunft fast verdoppeln - und ein Ende ist nicht absehbar.
Michael Ehrler
In nächster Zeit werden im Kanton Aargau auf einen Schlag rund 70 UMTS-Mobilfunkanlagen in Betrieb genommen. Den genauen Zeitpunkt behält die Orange Communications SA vorläufig noch für sich: «Wir werden in einigen Wochen über unseren Zeitplan informieren», sagt Tilman Eberle, Verantwortlicher der Fachstelle Umwelt von Orange. Offenbar hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren im Aargau genügend Antennen gebaut, um den Handybenutzern demnächst ein zusammenhängendes, konkurrenzfähiges UMTS-Netz anbieten zu können. Die baldige Inbetriebnahme begründet Orange auch damit, dass der Aargau im dichtbesiedelten Mittelland wirtschaftlich gesehen «zu den wichtigsten Regionen» gehöre.
100 Antennen der Swisscom
Orange hat sich bislang auf die grossen Schweizer Städte konzentriert, um die vom Bund geforderte Mindestabdeckung innerhalb der erforderlichen Frist zu erreichen. In diesem Jahr will der Konzern über die Städte hinauswachsen und sukzessive auch die Agglomerationen und ländlichen Gebieten erschliessen. Anders die Swisscom: Sie hat das UMTS-Netz vor knapp einem Jahr in der gesamten Schweiz gleichzeitig in Betrieb genommen und betreibt inzwischen allein im Aargau knapp 90 UMTS-Antennen. Auch der dritte Anbieter, Sunrise, hat bereits zehn Sendeanlagen im Kanton aufgeschaltet und erreicht damit laut eigenen Angaben rund 20 Prozent der Bevölkerung. Auffallend bei den Standorten von Swisscom und Sunrise ist, dass sie sich auf ein geografisch sehr kleines Gebiet beschränken. Orte wie Wohlen, Muri, Frick oder Zurzach sind überhaupt nicht oder nur spärlich abgedeckt. Laut Manfred Speckert, Verantwortlicher der Sunrise-Umweltfachstelle, mache es eben keinen Sinn, isolierte Standorte in Betrieb zu nehmen: «Für ein vernünftiges Netz braucht es etwas Zusammenhängendes.» So wie der Streifen von Rothrist über Aarau und Lenzburg bis Baden, wo die Sendeanlagen dicht nebeneinander stehen.
Zahl wird markant zunehmen
Es ist absehbar, dass die Anzahl UMTS-Antennen in Zukunft noch markant steigen wird. So will allein Sunrise die Zahl im Aargau in den nächsten beiden Jahren verdreifachen und 30 weitere Anlagen in Betrieb nehmen. Ziel aller drei Kommunikationsunternehmen wird es mittelfristig sein, das GSM-Netz durch UMTS abzulösen. Swisscom-Sprecher Joseph Frey prophezeit, dass dieser Schritt in rund 10 Jahren erfolgen wird: «Die Zahl der Leute mit GSM-Handys wird in den kommenden Jahren immer kleiner werden, bis sich das Betreiben dieses Netzes irgendwann nicht mehr lohnt.» Zuerst aber muss das UMTS-Netz auf den Standard von GSM gebracht werden. Wie viele Mobilfunkanlagen dafür benötigt werden, ist schwer abzuschätzen, aber es sind aufgrund der technischen Voraussetzungen sicher mehr als die jetzt bestehenden GSM-Sender. Das Übertragungsverfahren von UMTS unterscheidet sich nämlich komplett von demjenigen von GSM. Weil der Datenverkehr über eine einzige Frequenz abläuft, braucht es kleinere Funknetzzellen und damit mehr Sendeanlagen. Immerhin, so trösten die Kommunikationsunternehmen, falle die Leistung der einzelnen Sender geringer aus.
«Werden mit Antennen überflutet»
Der sukzessive Netzaufbau freut jene, die die neuen Möglichkeiten der Mobiltelefonie nützen wollen. Bei der Mehrheit der Bevölkerung stossen die Mobilfunkanlagen jedoch auf massiven Widerstand. Viele fürchten, dass die Antennenstrahlen ein Gesundheitsrisiko darstellen. «Wir werden mit Antennen überflutet», sagt Ronald Trap, Projektleiter der Interessengemeinschaft Seengen, die sich für einen sanften Mobilfunk im Seetal einsetzt. Die Bevölkerung habe schlicht keine Chance, gegen den Bau von Antennen vorzugehen. Die Anlagen würden bewilligt, weil der Grenzwert auf veraltetem Wissen basiere. Trap hegt grosse Skepsis, ob UMTS einem Bedürfnis entspreche. «Ich glaube, es gibt nicht viele Leute, die unterwegs fernsehen oder E-Mails abrufen wollen.» Trap plädiert deshalb dafür, dass der Schutz der Bevölkerung ernst genommen wird: «Vorsorge muss vorher sein, nicht nachher.»