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Presseschau 15.05.05: Wettingen/Bern/Wimax/4G

Verfasst: 15. April 2005 12:34
von The Future's Black
© Mittelland Zeitung; 15.04.2005

Baden Tabloid

Die nächste Antenne kommt

Wettingen: Baugesuch für eine weitere Mobilfunkantenne eingereicht

Im politischen Wettingen gehen die Wogen weiter hoch. Der Entscheid des Einwohnerrates, die Initiative für ein geordnetes Mobilfunknetz abzulehnen, weil damit Bundesrecht umgestossen würde, ist bei den Initianten auf wenig Verständnis gestossen. Sie stellen sich auf den Standpunkt, die Anliegen der 1405 Wettingerinnen und Wettinger könnten nicht einfach formaljuristisch zur Seite geschoben werden. Effektiv haben die Gemeinden aber keinerlei Kompetenz in diesem Bereich. Das Baugesuch für eine Mobilfunkantenne beim Stadion Altenburg war der Anstoss zur Initiative gewesen.

Bereits wurde das Baugesuch für eine weitere Mobilfunkantenne eingereicht. Die Tele2 Telecommunication Services AG beabsichtigt, auf dem Haus Landstrasse 121 (Agip-Tankstelle) eine Antenne aufzustellen. Der Handymarkt läuft immer noch sehr gut. Damit wächst die Nachfrage nach Sendekapazität ungebremst weiter. Um diese zu decken, müssen die Telefonunternehmen laufend zusätzliche Antennen aufstellen. (dm)
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© Neue Zürcher Zeitung; 15.04.2005; Seite 63; Nummer 87

Medien und Informatik

Extrabreitband

Wimax hinkt Zeitplan hinterher

Nikola Wohllaib

Stolz führte der britische Intel-Manager Gordon Graylish Ende März vor, wie Wimax (Worldwide Interoperability for Microwave Access) in ländlichen Gegenden ohne Drähte breitbandigen Internetzugang ermöglicht. Die Wimax-Basisstation mit Antenne auf dem Dach des Intel-Sitzes in Swindon, etwa 90 Kilometer westlich von London, versorgte sieben Hangars, die rund fünf Kilometer entfernt sind. Intel hat die dort untergebrachten Depots des UK National Museum of Science and Industry ebenfalls mit Antennen ausgestattet, die mehrere WLAN-Zugangspunkte versorgen. Seither kann Kuratorin Marta Leskard mit ihrem Tablet-PC drahtlos Details zu den Ausstellungsstücken direkt in die Museumsdatenbank eingeben. Bisher erledigte sie das mit Stift und Papier, um dann ins Auto zu steigen und im fünf Kilometer entfernten Büro die Datenbank zu füttern. Laut Leskard ist Wimax hier die ideale Lösung. Denn in und rund um die Depots sei der Handyempfang sehr schwach, so dass GPRS oder UMTS für die Datenübertragung nicht in Frage kämen. Zudem ist der Landstrich rund um das ehemalige Militärgelände nicht mit DSL versorgt. Allein das Graben für das Kupferkabel hätte rund eine Million Pfund gekostet, so Gordon Graylish. «Wir können mit Wimax den breitbandigen Internetzugang für wenige tausend Pfund bieten».

70 MBit/s über 50 Kilometer

Wimax verspricht Reichweiten von 50 Kilometern und Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 70 MBit/s. Zumindest dann, wenn die Sicht zwischen Sendeantenne und Empfänger frei ist. Branchenkenner sprechen inzwischen eher von 40 MBit/s bei einem Zellradius von 3-10 Kilometern, wobei sich dann alle Nutzer die Bandbreite teilen müssen. Dennoch bietet Wimax erheblich mehr Bandbreite als etwa WLAN, das zudem nur einige hundert Meter überbrücken kann. Darüber hinaus wäre Wimax um ein Vielfaches schneller als ein normaler Breitbandanschluss wie ADSL.

Während die stationäre Variante 802.16-2004 schon standardisiert ist, lässt das mobile Wimax mit der Bezeichnung 802.16e noch auf sich warten. Bis Nutzer mit Wimax-Handys während der Datenübertragung von einer Wimax-Zelle zur nächsten wechseln können, werden noch Jahre vergehen. Deshalb kann Wimax derzeit nicht mit UMTS, dem Mobilfunkstandard der dritten Generation, konkurrieren.

Kommerzielle Reife in neun Monaten?

Doch es gibt Verzögerungen auch beim schon greifbar nah geglaubten stationären Wimax 802.16-2004. Anfang des Jahres verschob das Wimax-Forum* mit rund 200 Mitgliedern - darunter Halbleiterhersteller wie Intel, Antennenbauer wie Alvarion, Netzwerkausrüster wie Alcatel oder Siemens, Elektronikkonzerne wie Samsung oder LG und inzwischen auch einige Netzbetreiber - die Interoperabilitätstests mit einzelnen Produkten verschiedener Hersteller um ein halbes Jahr auf Juli 2005. Damit hinkt die Produktzertifizierung von Chips in Basisstationen und Antennen hinterher. Zudem hapert es noch an geeigneten Chips für die Endgeräte. Ohne untereinander standardisierte Komponenten der Hersteller innerhalb eines Wimax-Netzes kann niemand garantieren, dass die Datenübertragung funktioniert.

Dennoch gibt sich Gordon Graylish optimistisch. «Die grosse kommerzielle Welle beginnt in neun Monaten.» Intel als Haupttreiber von Wimax habe den für diesen Anwendungsfall entwickelten «Rosedale»-Chip bereits an Antennenspezialisten ausgeliefert. Bis 2007 soll der Wimax- Chip dann standardmässig in Laptops eingebaut werden.

Nikola Wohllaib

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© Der Bund; 15.04.2005; Seite 25

Stadt-Region

Der Bund

«Könnte Präzedenzfall sein»

Konsumentenschützer wollen in Bern keine Antennen in Nähe von Pflegeheimen

Der Netzwerkanbieter Sunrise möchte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Seniorenvilla Grüneck in Bern eine UMTS-Antenne aufstellen. Gegen die Antenne, die am Gryphenhübeliweg 26 angebracht werden soll, wehren sich die Betreiber des Pflegeheims und Anwohnerinnen und Anwohner. Rund 450 Personen haben die Einsprache gegen die Mobilfunkantennen unterschrieben, wie gestern beim Bauinspektorat zu erfahren war. In einem offenen Brief an das Bauinspektorat verlangt nun auch die Stiftung für Konsumentenschutz, dass das Baugesuch abzulehnen sei. Obwohl niemand wisse, wie sich UMTS-Strahlen längerfristig auf die Gesundheit auswirken, stellten die Betreiber die Antenne an einem «sensiblen Standort» auf. Damit nähmen sie in Kauf, dass pflege- und schutzbedürftige Personen bestrahlt würden, schreiben die Konsumentenschützer.

Bern soll sich Auszeit nehmen

Es ist das erste Mal, dass sich die Stiftung in Bern in einen Antennenkonflikt einmischt. «Dieser Fall könnte zu einem Präzedenzfall werden», begründet Matthias Nast das Engagement der Stiftung für Konsumentenschutz. Die Stiftung fordert, dass an sensiblen Orten generell auf die Installation von UMTS-Basisstationen zu verzichten sei. Die Stadt Bern solle eine Denkpause einlegen, bis die Auswirkungen der Anlagen bekannt seien, so die Stiftung. Ende dieses Jahres sollen die vom Bundesrat in Auftrag gegebene Untersuchung vorliegen. Ein Moratorium beschlossen hat im Kanton Bern bisher einzig Langenthal. Bis auf weiteres will man in Langenthal nicht mehr auf auf Baugesuche für UMTS-Antennen eingehen. (car)

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© Neue Zürcher Zeitung; 15.04.2005; Seite 63; Nummer 87

Medien und Informatik

Auf verschlungenen Pfaden von 3G zu 4G

Techniken für mobilen Breitbandzugriff in der Evaluation

Stefan Betschon

Noch bevor UMTS, der Mobilfunkstandard der 3. Generation, sich auf dem Markt etabliert hat, rücken bereits Techniken der darauf folgenden Generation ins Blickfeld, die höhere Übertragungsraten und eine grössere Abdeckung versprechen. Diese Verfahren sind noch nicht ausgereift, die Alternativen und Optionen schwer zu überschauen. Techniker von Swisscom Mobile konnten mit 4G bereits erste Erfahrungen sammeln.

S. B. Was kommt nach 3G? 4G. Keine Frage. Nur: Was ist 4G? 3G ist die Bezeichnung für Mobiltelefonie der nächsten, 3., Generation, die nicht nur Ferngespräche, sondern dank hohen Übertragungsraten auch neuartige Multimediaanwendungen ermöglichen soll. In einer gemeinsamen Anstrengung unter der Federführung der internationalen Fernmeldeunion haben Netzwerkbetreiber, Netzwerkausrüster und Behörden in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre den globalen 3G-Mobiltelefonie-Standard definiert. In den Jahren 2000 und 2001 wurden in Europa die entsprechenden Frequenzen für sehr viel Geld versteigert. In den meisten Ländern Europas sind die führenden Netzwerkbetreiber seit kurzem damit beschäftigt, UMTS - wie 3G hier genannt wird - zu kommerzialisieren.

Nachdem 3G in den vergangenen Jahren fast schon so etwas wie ein Synonym für Zukunft geworden war, nachdem 3G endlich kurz davor steht, Gegenwart zu werden, rückt nun also 4G ins Blickfeld. Wird 3G bald im Schatten von 4G verschwinden, der Vergangenheit angehören, noch bevor die Milliardensummen, die dafür aufgewendet werden mussten, wieder eingespielt werden konnten? Kaum. Es wird noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern, bis das, was man derzeit mit 4G assoziiert, Marktrelevanz erlangen wird; 4G wird dann 3G nicht verdrängen, sondern ergänzen.

Unübersichtlicher Markt

4G ist der Oberbegriff für eine Vielfalt von Kommunikationstechniken, Marketingoffensiven und Standardisierungsbemühungen. Rund ein Dutzend Firmen hat neuartige Techniken für den mobilen Breitbandzugriff - Mobile Wireless Broadband Access (MWBA) - entwickelt, mehrere Arbeitsgruppen innerhalb etwa des European Telecommunications Standards Institute (ETSI) oder des amerikanischen Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) diskutieren über entsprechende Standards, in verschiedenen Konsortien und Allianzen wird versucht, eine Bündelung der Kräfte zu erreichen. Mehr als 40 Feldversuche wurden schon durchgeführt.

Wichtige Anbieter von proprietären MBWA- Techniken sind Arraycomm (i-Burst), Flarion Technologies (Flash OFDM), IP-Wireless (UMTS TDD) und Navini (Ripwave). Diese haben sich in der IEEE-Arbeitsgruppe 802.20 (Mobile-Fi) zusammengefunden, um mit Unterstützung etwa von Lucent und Motorola ein Gegengewicht zu schaffen zu IEEE 802.16, auch bekannt als Wimax. Der Wimax-Standard wird tatkräftig von Intel unterstützt, aber etwa auch von Branchengrössen wie Siemens, Nokia und Cisco. All diese Verfahren erlauben Datenübertragungsraten von mehreren MBit/s bei Reichweiten von vielen Kilometern. Eine Technik namens High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) verspricht 4G-Datendurchsatz in bestehenden Netzen durch eine simple Modifikation der 3G-Infrastruktur.

Gemäss einer aktuellen Marktstudie von Arthur D. Little sollen im Jahr 2008 weltweit 9,7 Millionen Kunden MBWA benutzen. Mobiler Breitbandzugriff werde die Telekommunikationsmärkte umkrempeln, die Betreiber von Telefonnetzen müssten sich in diesem Bereich engagieren, allerdings sei das Technologieangebot sehr unübersichtlich, die Auswahl entsprechend schwierig und mit Risiken behaftet. Es könne noch Jahre dauern, bis etwa Wimax Marktbedeutung erhalte. Eine abwartende Haltung sei aber riskant.

Techniker der Swisscom konnten mit einigen dieser neuen Techniken bereits Erfahrung sammeln, neben Wimax werden auch IP-Wireless und Flash OFDM von Flarion getestet. Die Unterschiede zwischen diesen Technologien seien aus Sicht des Benutzers relativ gering, sagt Wolfgang Weber, Chief Technology Officer von Swisscom Mobile. Dass sich die Branche zunehmend auf Wimax konzentriere, sei dem Medienrummel zu verdanken, allein mit technischen Argumenten könne man das heute nicht begründen.

Für eine abschliessende Beurteilung sei es noch zu früh, denn noch gebe es zu viele Unbekannte. Insbesondere hänge es von den regulatorischen Rahmenbedingungen ab, ob eine vernünftige Nutzung möglich sei. Die Techniken selber seien zum Teil noch nicht ausgereift. Fragen der Standardisierung offen und es sei im Moment noch nicht abzusehen, ob es etwa in nützlicher Frist einfach zu bedienende, günstige Endgeräte geben werde. Bereits steht aber fest, dass diese Techniken im Netz von Swisscom allenfalls als Ergänzung und Erweiterung bestehender Technologien zum Einsatz kommen werden, der Aufbau eines eigenständigen neuen Netzwerks sei angesichts der zur Verfügung stehenden Frequenzen und der geltenden und zu erwartenden Auflagen zu teuer.

Erste Erfahrungen mit Wimax

Wimax wird bei Swisscom seit vergangenem September getestet. Die Erwartungen wurden gemäss Weber bisher nicht erfüllt. Bei der Reichweite und beim Datendurchsatz sei es nicht gelungen, die versprochenen Werte auch nur annähernd zu erreichen. In der zweiten Jahreshälfte soll bei Swisscom Mobile auch noch die 802.16e-Variante von Wimax erprobt werden. Wo könnte der Einsatz von Wimax interessant sein? Gemäss Weber empfiehlt sich diese Technik einerseits als Breitbandersatz für Randregionen, die mit Kabel und Drähten schwer zu erschliessen sind; anderseits als Verfahren, um WLAN-Zugangspunkte und UMTS-Basisstationen anzubinden. Wird sich Swisscom um eine Wimax-Konzession bemühen? Das Interesse sei da, hänge aber von den regulatorischen Auflagen ab; die Antwort sei aber «eher Ja».

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