Mobilfunk-Mafia: SVP-Nationalrat u. Arzt : "Rauchen am
Verfasst: 9. Mai 2005 14:04
© Sonntagsblick; 08.05.2005; Nummer 19; Seite A2
Politik
SVP-Nationalrat: Rauchen am Steuer ist gefährlicher als telefonieren
VERKEHRSSICHERHEIT
Das wird für heisse Köpfe sorgen: Politiker und Verkehrsexperten verlangen ein Rauchverbot am Steuer. Auch das Bundesamt für Gesundheit steht dahinter. Heisst es bald: «Wer fährt, raucht nicht»?
VON SANDRO BROTZ UND DANIEL JAGGI
Beim Kauf seines Mercedes hatte der Basler SVP-Nationalrat Jean Henri Dunant einen einzigen Ausstattungswunsch: «Ich wollte ein Auto ohne Feueranzünder und Aschenbecher.»
Wenn es nach dem Arzt Dunant geht, soll dies schon bald Standard sein. «Rauchen im Auto ist nicht nur ungesund, sondern gefährdet auch andere Verkehrsteilnehmer. Es ist gefährlicher als telefonieren.» Dunant klipp und klar zu SonntagsBlick: «Ich bin für ein Rauchverbot beim Fahren.» Ob er dazu in der Junisession im Parlament ein Postulat einreicht, will der Chirurg in den nächsten Tagen entscheiden.
Wer hinter dem Steuer qualmt, lebt gefährlich. Nach einer Statistik der deutschen Fachzeitschrift «Auto/Strassenverkehr» verursachen Raucher 48 Prozent mehr Unfälle als Nichtraucher. In der Schweiz gibt es dazu keine genauen Zahlen. Fakt ist aber: Bei jedem fünften Unfall mit Toten oder Verletzten ist Unachtsamkeit im Spiel (siehe Artikel «Tödliche Ablenkung»).
Beide Hände gehören ans Steuer
Rainer Rüegger, Präsident der Kommission PW beim Schweizer Fahrlehrer-Verband (SFV): «Wer im Auto raucht, ist zu stark abgelenkt. Denken Sie nur daran, was passieren kann, wenn brennende Zigarettenasche herunterfällt.» Für den Fahrlehrer und Raucher aus Wohlen AG ist klar: «Ein Rauchverbot rechtfertigt sich nur schon dann, wenn ein einziger tödlicher Unfall verhindert werden kann.» Bereits diese Woche kommt das brisante Thema laut Rüegger an einer SFV-Sitzung auf die Traktandenliste.
In Deutschland und Österreich wird ein Rauchverbot am Steuer seit Tagen heftig diskutiert. Jetzt ist die Debatte auch in der Schweiz lanciert. «Ich bin für diese Diskussion», sagt der Zürcher FDP-Nationalrat und Präventivmediziner Felix Gutzwiller. Sein Berner Arztkollege und SP-Nationalrat Paul Günter: «Ich habe in der Fahrschule gelernt, dass beide Hände ans Steuer gehören.» Im Kampf gegen das Rauchen wird damit eine neue Runde eingeläutet. Nach der Diskussion um rauchfreie Büros, Restaurants und Züge geraten jetzt auch die Autos ins Visier der Anti-Tabak-Lobby. Unterstützung kommt dabei von Thomas Zeltners Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Wir begrüssen grundsätzlich alle Möglichkeiten, die den Tabakkonsum in der Schweiz reduzieren», sagt die BAG-Mediensprecherin Sabina Müller. Sie weist darauf hin: «Wer im Auto raucht, setzt seine Passagiere einem giftigen und krebserregenden Rauch aus. Insbesondere Kinder können sich dagegen nicht wehren und müssen geschützt werden.»
Eine absurde Tendenz im amerikanischen Stil
Die Gegner eines Qualmverbots am Steuer schlagen schon zurück: «Da kann man ja gleich das Essen und Trinken im Auto verbieten», wettert der Obwaldner FDP-Ständerat Hans Hess, Präsident der Vereinigung des Schweizerischen Tabakwarenhandels. Der Berner SP-Nationalrat und ehemalige Kettenraucher André Daguet spricht von einer «absurden Tendenz im US-Stil».
SVP-Nationalrat Jean Henri Dunant lässt sich davon nicht beirren: «Wer fährt, raucht nicht.»
Tödliche Ablenkung
2003 starben laut Bundesamt für Statistik mehr als 140 Personen bei Verkehrsunfällen in der Schweiz, weil der Verursacher abgelenkt war. Unaufmerksamkeit war bei jedem zehnten schweren Unfall die Ursache. Noch dramatischer liest sich die Auswertung aller Unfälle, bei denen Menschen getötet oder verletzt wurden: Jeder fünfte war auf eine Ablenkung des Fahrers zurückzuführen. Wie oft Automobilisten, die durch das Rauchen abgelenkt wurden Unfälle bauen, wird statistisch nicht erhoben. In den wenigsten Fällen stehen die Automobilisten dazu. Drei Beispiele, bei denen es bekannt wurde:
- Dielsdorf ZH, 4. August 2004: Eine 16-jährige Mitfahrerin wird schwer verletzt. Der Lenker wollte sich eine Zigarette anzünden und raste in ein Strassenbord.
- Schmerikon SG, 23. Mai 2003: Eine Beifahrerin wurde schwer verletzt, weil der Lenker, der sich eine Zigarette anzündete, gegen eine Mauer prallte.
- Ried SZ, 16. August 2001: Bei einer Frontalkollision wurden drei Menschen verletzt. Der Unfallverursacher war beim Zigaretteanzünden auf die Gegenfahrbahn geraten.
Die rechtliche Situation ist schon heute klar: Artikel 3 der Verkehrsregelverordnung verbietet jede Handlung im Auto, durch welche die Aufmerksamkeit beeinträchtigt wird.
Daniel Jaggi
wie gefährlich ist rauchen am steuer?
Helen Hefti (26), Call-Center-Agentin, Chur
«Ich rauche am Steuer nur dann, wenn ich im Stau stecke. Das ist doch nicht gefährlich!»
Alessandro Giardin (26), Maurer, Wohlen AG
«In meinem Auto mache ich, was ich will! Da soll mir niemand etwas verbieten. Aufpassen tue ich schon.»
Marcel Frei (53), Bauführer, Schindellegi SZ
«Ich rauche im Auto und hatte des- wegen noch nie einen Unfall. Wir haben heute schon zu viele Ver- bote.»
Lyne Dubois (19), Kaufm. Angestellte, La Ferrière BE
«Als Nichtraucherin befürworte ich ein Rauchverbot. Rauchen am Steuer stört die Konzentration.»
Manuela Biasiolli (38), Laborantin, Riehen BS
«Ich habe gelernt: Immer beide Hände am Steuer. Wer raucht, hat das grössere Unfallrisiko.»
Thomas Würsch (37), Bauingenieur, Neuenhof AG
«Ich bin für alle Massnahmen, die die Verkehrssicherheit verbessern. Wer rauchen will, soll in den Wald gehen!»
Frage der Woche
Sind Sie für ein Rauchverbot am Steuer?
Bitte schreiben Sie an:
Redaktion SonntagsBlick, Dufourstrasse 23, 8008 Zürich oder per E-Mail an sobli@ringier.ch, oder stimmen Sie via Internet ab: www.sonntagsblick.ch
Politik
SVP-Nationalrat: Rauchen am Steuer ist gefährlicher als telefonieren
VERKEHRSSICHERHEIT
Das wird für heisse Köpfe sorgen: Politiker und Verkehrsexperten verlangen ein Rauchverbot am Steuer. Auch das Bundesamt für Gesundheit steht dahinter. Heisst es bald: «Wer fährt, raucht nicht»?
VON SANDRO BROTZ UND DANIEL JAGGI
Beim Kauf seines Mercedes hatte der Basler SVP-Nationalrat Jean Henri Dunant einen einzigen Ausstattungswunsch: «Ich wollte ein Auto ohne Feueranzünder und Aschenbecher.»
Wenn es nach dem Arzt Dunant geht, soll dies schon bald Standard sein. «Rauchen im Auto ist nicht nur ungesund, sondern gefährdet auch andere Verkehrsteilnehmer. Es ist gefährlicher als telefonieren.» Dunant klipp und klar zu SonntagsBlick: «Ich bin für ein Rauchverbot beim Fahren.» Ob er dazu in der Junisession im Parlament ein Postulat einreicht, will der Chirurg in den nächsten Tagen entscheiden.
Wer hinter dem Steuer qualmt, lebt gefährlich. Nach einer Statistik der deutschen Fachzeitschrift «Auto/Strassenverkehr» verursachen Raucher 48 Prozent mehr Unfälle als Nichtraucher. In der Schweiz gibt es dazu keine genauen Zahlen. Fakt ist aber: Bei jedem fünften Unfall mit Toten oder Verletzten ist Unachtsamkeit im Spiel (siehe Artikel «Tödliche Ablenkung»).
Beide Hände gehören ans Steuer
Rainer Rüegger, Präsident der Kommission PW beim Schweizer Fahrlehrer-Verband (SFV): «Wer im Auto raucht, ist zu stark abgelenkt. Denken Sie nur daran, was passieren kann, wenn brennende Zigarettenasche herunterfällt.» Für den Fahrlehrer und Raucher aus Wohlen AG ist klar: «Ein Rauchverbot rechtfertigt sich nur schon dann, wenn ein einziger tödlicher Unfall verhindert werden kann.» Bereits diese Woche kommt das brisante Thema laut Rüegger an einer SFV-Sitzung auf die Traktandenliste.
In Deutschland und Österreich wird ein Rauchverbot am Steuer seit Tagen heftig diskutiert. Jetzt ist die Debatte auch in der Schweiz lanciert. «Ich bin für diese Diskussion», sagt der Zürcher FDP-Nationalrat und Präventivmediziner Felix Gutzwiller. Sein Berner Arztkollege und SP-Nationalrat Paul Günter: «Ich habe in der Fahrschule gelernt, dass beide Hände ans Steuer gehören.» Im Kampf gegen das Rauchen wird damit eine neue Runde eingeläutet. Nach der Diskussion um rauchfreie Büros, Restaurants und Züge geraten jetzt auch die Autos ins Visier der Anti-Tabak-Lobby. Unterstützung kommt dabei von Thomas Zeltners Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Wir begrüssen grundsätzlich alle Möglichkeiten, die den Tabakkonsum in der Schweiz reduzieren», sagt die BAG-Mediensprecherin Sabina Müller. Sie weist darauf hin: «Wer im Auto raucht, setzt seine Passagiere einem giftigen und krebserregenden Rauch aus. Insbesondere Kinder können sich dagegen nicht wehren und müssen geschützt werden.»
Eine absurde Tendenz im amerikanischen Stil
Die Gegner eines Qualmverbots am Steuer schlagen schon zurück: «Da kann man ja gleich das Essen und Trinken im Auto verbieten», wettert der Obwaldner FDP-Ständerat Hans Hess, Präsident der Vereinigung des Schweizerischen Tabakwarenhandels. Der Berner SP-Nationalrat und ehemalige Kettenraucher André Daguet spricht von einer «absurden Tendenz im US-Stil».
SVP-Nationalrat Jean Henri Dunant lässt sich davon nicht beirren: «Wer fährt, raucht nicht.»
Tödliche Ablenkung
2003 starben laut Bundesamt für Statistik mehr als 140 Personen bei Verkehrsunfällen in der Schweiz, weil der Verursacher abgelenkt war. Unaufmerksamkeit war bei jedem zehnten schweren Unfall die Ursache. Noch dramatischer liest sich die Auswertung aller Unfälle, bei denen Menschen getötet oder verletzt wurden: Jeder fünfte war auf eine Ablenkung des Fahrers zurückzuführen. Wie oft Automobilisten, die durch das Rauchen abgelenkt wurden Unfälle bauen, wird statistisch nicht erhoben. In den wenigsten Fällen stehen die Automobilisten dazu. Drei Beispiele, bei denen es bekannt wurde:
- Dielsdorf ZH, 4. August 2004: Eine 16-jährige Mitfahrerin wird schwer verletzt. Der Lenker wollte sich eine Zigarette anzünden und raste in ein Strassenbord.
- Schmerikon SG, 23. Mai 2003: Eine Beifahrerin wurde schwer verletzt, weil der Lenker, der sich eine Zigarette anzündete, gegen eine Mauer prallte.
- Ried SZ, 16. August 2001: Bei einer Frontalkollision wurden drei Menschen verletzt. Der Unfallverursacher war beim Zigaretteanzünden auf die Gegenfahrbahn geraten.
Die rechtliche Situation ist schon heute klar: Artikel 3 der Verkehrsregelverordnung verbietet jede Handlung im Auto, durch welche die Aufmerksamkeit beeinträchtigt wird.
Daniel Jaggi
wie gefährlich ist rauchen am steuer?
Helen Hefti (26), Call-Center-Agentin, Chur
«Ich rauche am Steuer nur dann, wenn ich im Stau stecke. Das ist doch nicht gefährlich!»
Alessandro Giardin (26), Maurer, Wohlen AG
«In meinem Auto mache ich, was ich will! Da soll mir niemand etwas verbieten. Aufpassen tue ich schon.»
Marcel Frei (53), Bauführer, Schindellegi SZ
«Ich rauche im Auto und hatte des- wegen noch nie einen Unfall. Wir haben heute schon zu viele Ver- bote.»
Lyne Dubois (19), Kaufm. Angestellte, La Ferrière BE
«Als Nichtraucherin befürworte ich ein Rauchverbot. Rauchen am Steuer stört die Konzentration.»
Manuela Biasiolli (38), Laborantin, Riehen BS
«Ich habe gelernt: Immer beide Hände am Steuer. Wer raucht, hat das grössere Unfallrisiko.»
Thomas Würsch (37), Bauingenieur, Neuenhof AG
«Ich bin für alle Massnahmen, die die Verkehrssicherheit verbessern. Wer rauchen will, soll in den Wald gehen!»
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