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Presseschau 12.05.2005: Krebs erregender Mobilfunkmast? /Alt

Verfasst: 12. Mai 2005 12:57
von The Future's Black
Krebs erregender Mobilfunkmast?

http://www.moz.de/showArticle.php?OPENN ... w&ID=57452


Neuhardenberg (MOZ) In der Gemeinde Neuhardenberg gibt es einen erschreckenden Verdacht: Der Mobilfunkturm nahe des Birkenweges, der heute von Vodafon betrieben wird, könnte mitverantwortlich für gehäufte Krebserkrankungen sein. Anwohner des Birkenweges haben sich deshalb Rat suchend an Bürgermeister Mario Eska gewandt. Auf acht von zwölf Grundstücken im Birkenweg leben zurzeit Menschen mit Krebserkrankungen, hat Mario Eska die Situation im Gemeinderat geschildert. Heute soll es nun eine Bürgerversammlung geben - mit dem Mobilfunkturmbetreiber.

Von Silke Müller

Neuhardenbergs Bürgermeister nimmt es ernst, wenn Einwohner ihre Sorgen an ihn herantragen und um Hilfe bitten. Erst recht, wenn es um den Verdacht geht, dass ein Mobilfunkturm möglicherweise mit Ursache für Krebserkrankungen ist. "Wenn auf acht von zwölf Grundstücken im Birkenweg, der gleich neben dem Mobilfunkturm liegt, Menschen mit einer Krebserkrankung leben, dann ist das zumindest ungewöhnlich und dann muss man möglichen Ursachen nachgehen", hatte Mario Eska vor dem Gemeinderat erklärt. Der Mann ist kein Experte, aber er hat sich umgehört. "In einem Nachbardorf von Neuhardenberg gibt es eine ähnliche Sachlage", sagt er, will jedoch mit Rücksicht auf die Bürger, die sich bislang noch nicht an den Bürgermeister oder Öffentlichkeit gewandt haben, den Ortsnamen nicht öffentlich nennen.

Das Thema ist brisant. Erst vor wenigen Monaten gab es in Petershagen und Falkenberg eine Bürgerinitiative, die sich vergebens gegen den Aufbau eines neuen Mobilfunkturmes eingesetzt hatte. In Letschin wurde trotz Bürgerbedenkens vor einiger Zeit ein solcher Mobilfunkturm neu aufgebaut - allerdings nicht auf dem Dach der Schule, wie zeitweise auch zur Diskussion stand.

Bislang gab es stets die Genehmigung durch die Behörden, bislang aber gibt es auch noch keine Untersuchungen von Langzeitfolgen, die möglicherweise von Mobilfunktürmen ausgehen. Als sicher gilt nur, dass sich die Betreiber solcher Funktürme in aller Regel im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegen.

Dennoch staunte Neuhardenbergs Bauamtsleiter Dietmar Müller zum Beispiel nicht schlecht, als er wegen des Bürgeranliegens zum Thema recherchierte. "27 Anrufe habe ich gebraucht, um da langsam durchzudringen", versuchte er die komplizierte Recherche allein zum Neuhardenberger Mobilfunkturm zu beschreiben. Dabei kam unter anderem heraus, dass es zwar regelmäßige Messungen der Strahlungen dieser Anlagen gibt, allerdings offenbar nicht bei allen Mobilfunktürmen. "Nach meiner Kenntnis wird hier in der Region regelmäßig an Standorten in Bad Freienwalde, Müncheberg und Fürstenwalde gemessen", erklärte Bauamtsleiter Dietmar Müller. Dort allerdings seien nach den Ergebnissen die Schwellenwerte der Anlagen um mehr als das Hunderfache unterschritten. Der Neuhardenberger Mobilfunkturm ist offiziell zugelassen. Er wurde 1992/93 von der Telekom gebaut, so Müller. Er hat mehrach den Besitzer gewechselt und wird jetzt von der Deutschen Funkturm GmbH betrieben. Die Zulassung durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post läge vor, sagt Müller.

Auf ihrer Internetseite (www.bmwa.bund.de) räumt die Regulierungsbehörde in Sachen Mobilfunkstrahlung ein: "Durch den Betrieb von Mobilfunkeinrichtungen werden Strahlen ausgesendet. Bisherige Forschungsergebnisse können nicht belegen, dass es durch die Handy-Strahlung zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt. Sie können es aber auch nicht ausschließen."

Zudem haben die Betreiber von Mobilfunkanlagen erst im Januar 2005 Rückendeckung bekommen. Das Landgericht Braunschweig hat die Klage einer Bewohnerin abgewiesen, auf deren Haus eine solche Mobilfunkanlage betrieben wird. Die Klägerin hatte geltend gemacht, dass sowohl sie als auch ihre Familienangehörigen durch den Betrieb der Anlage mit gesundheitlichen Langzeitschäden zu rechnen hätten, unter anderem einer erhöhten Krebsgefährdung, einer Schwächung der körpereigenen Abwehr, einer verminderten Melatoninproduktion und Kopfschmerzen. Sie war der Ansicht, die 26. Bundes-immissionsschutzverordnung, in der die Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung festgelegt sind, sei verfassungswidrig, weil bei der Festlegung der Grenzwerte die gefährlichen athermischen Wirkungen der Strahlung nicht berücksichtigt worden seien. Damit habe der Gesetzgeber das Vorsorgeprinzip zum Schutz der Bevölkerung nicht berücksichtigt.

Zwar legte die Frau einige aktuelle Gutachten vor, die aus Sicht des Gerichtes aber keine handfesten Beweise für eine Gesundheitsgefahr erbrachten. Damit gäbe es, so das Gericht, keinen Grund für eine geänderte Risikobewertung.

Dass es keineswegs sicher ist, dass die gehäuften Krebserkrankungen in den Häusern im Neuhardenberger Birkenweg auf den Mobilfunkmast zurück zu führen sind, weiß auch der Neuhardenberger Gemeinderat. Bürgermeister Mario Eska will die Situation dennoch nicht unbeachtet lassen. Der Bereiber des Mobilfunkturmes hat Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Heute will er bei einer Bürgerversammlung zum Thema informieren. Fest steht, dass die Gemeinde wenig Einfluss auf den Standort des Mobilfunkturmes nehmen kann. Das Land, auf dem er steht, war Anfang der 90er Jahre an die Telekom verkauft worden.

Die Einwohnerversammlung findet heute, ab 19 Uhr, im Sportlerheim statt.

Mittwoch, 11. Mai 2005 (08:04)


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© St. Galler Tagblatt; 12.05.2005

Oberrheintal

Rheintaler

«Wir haben schon genug Antennen»

Im Klostergut-Quartier wehrt man sich gegen den Bau einer UMTS-Mobilfunk-Anlage auf dem Hochhaus Nordstrasse 14

Altstätten. Im Klostergut-Quartier regt sich Widerstand gegen den geplanten Ausbau einer Mobilfunk-Anlage. Heute will man dem Stadtrat eine Petition überreichen, in solchen Fällen die Interessen der Anwohner höher zu gewichten als jene der Mobilfunkbetreiber.

Max Tinner
Auf dem Hochhaus an der Nordstrasse 14 steht bereits seit einigen Jahren eine rund acht Meter hohe Mobilfunk-Antennenanlage. Einige Antennenteile sollen nun ersetzt werden. Neu will die Betreiberin, Sunrise, zudem einige Meter neben der bestehenden Antenne eine 3,5 Meter hohe UMTS-Antenne aufstellen.

Davon hat man im Klostergutquartier erst erfahren, nachdem sich Fredy Tagmann an der Rechnungsversammlung am Montagabend erkundigte, weshalb die Stadt über ein solches Bauvor-haben die Öffentlichkeit nicht informiere. Selber waren er und seine Frau Brigitte erst darauf aufmerksam geworden, nachdem sie während ihres Sonntagsspaziergangs einen Blick auf die im Schaukasten am Rathaus ausgehängten Baueingaben warfen.

Nicht nur ein Gartenhäuschen

Vom Bauvorhaben direkt in Kenntnis gesetzt wurden ledig-lich jene nächsten Anwohner, die gemäss den rechtlichen Vorgaben angeschrieben werden mussten. Fredy und Brigitte Tagmann aber hätten erwartet, dass im Falle einer Mobilfunkantenne breiter informiert worden wäre. «Schliesslich handelt es sich hierbei nicht nur um ein Gartenhäuschen», meint Brigitte Tagmann, sondern eben um eine Anlage, deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung im Strahlungsfeld nach wie vor heftig umstritten sei. «Wir sind nicht bereit, unsere Gesundheit zu riskieren, nur damit manche Leute noch mehr Bildli per Handy verschicken können», meint Brigitte Tagmann empört.

Empört hat auch die Nachbarschaft der Familie Tagmann reagiert. Innert zwei Tagen haben rund 110 Personen im Quartier eine Petition unterschrieben. Mit dieser will man den Stadtrat auffordern, bei solchen Bauvorhaben die Gesundheit der Bevölkerung höher zu gewichten, als die wirtschaftlichen Interessen der Mobilfunkbetreiber und im konkreten Fall das Baugesuch abzulehnen.

Brigitte und Fredy Tagmann haben zudem formell Baueinsprache erhoben. Sie verweisen zudem auf ein letztes Jahr vom Gemeinderat Krummenau abgelehntes Baugesuch für eine UMTS-Antenne in Ennetbühl. Dort war argumentiert worden, das Bedürfnis für diese Technologie sei im ländlichen Toggenburg nicht gegeben.

Irgendwann muss genug sein

Auch wenn eine solche Begründung in einem Rekursverfahren schweren Stand haben dürfte: Brigitte und Fredy Tagmann sehen die Krummenauer Bevölkerung von ihrem Gemeindebehörden eher unterstützt als die hiesige vom Stadtrat. «Nachdem schon rund ums Quartier fünf Antennenanlagen stehen: irgendwo muss man doch einmal zu einem Punkt kommen, an dem man sagen muss, mehr ist nicht nötig», meint Brigitte Tagmann.

Stadtpräsident Josef Signer sieht allerdings kaum Chancen für die Antennengegner. Ein Nachweis für ein mangelndes Bedürfnis dürfte schwierig zu erbringen sein, denkt er. Ausserdem würden gemäss einem Bericht des kantonalen Amtes für Umweltschutz die Anlagegrenzwerte für Strahlungsemissionen eingehalten. Und wenn alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt seien, habe ein Bauherr Anspruch auf Erteilung der Baubewilligung.