Nicht überall können sich die Mobilfunkanbieter durchsetzen

Christoph

Nicht überall können sich die Mobilfunkanbieter durchsetzen

Beitrag von Christoph » 18. Februar 2008 22:35

Zürichsee-Zeitung
Feb 14/2008


Nicht überall können sich die Mobilfunkanbieter durchsetzen

«Wir haben genug von Antennen»

Der Kampf gegen Mobilfunkantennen weitet sich aus. Und die Pioniere in Uetikon haben immer noch einen antennenfreien Kirchturm.

Eva Robmann

Immer scheint der Kampf David gegen Goliath nicht aussichtslos zu sein. In Uetikon ist auch noch sieben Jahre nach Abschluss eines gültigen Vertrages mit dem Mobilfunkanbieter Orange keine Antenne im Kirchturm. Seit zweieinhalb Jahren gilt eine juristische Patt- situation.

Seither leitet ein Mann die reformierte Kirchenpflege, der dieses Amt eigentlich gar nie angestrebt hatte. «Ich wurde durch Zufall in das Amt geworfen», sagt Ingenieur Daniel Mettler, der zwar evangelisch ist, jedoch nie ein Kirchenamt in Erwägung gezogen hatte. Mettler war Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) «Mobilfunk mit Mass», die sich vehement gegen eine Mobilfunkantenne im Kirchturm Uetikon eingesetzt hatte. Der vorherige Kirchgemeindepräsident war im Jahre 2001 ohne Rücksprache mit der Kirchgemeinde einen Mietvertrag mit Orange eingegangen, der vereinbart, dass Orange während zehn Jahren im Kirchturm eine Mobilfunkantenne betreiben darf.

Schützenhilfe vom Heimatschutz

Die Kirchgemeinde reagierte entsetzt, woraufhin sich die «IG Mobilfunk mit Mass» organisierte und alle rechtlichen Mittel gegen den Betrieb einer Antenne einsetzte. Als alle Möglichkeiten ausgeschöpft waren, kam der Zürcher Heimatschutz zu Hilfe: Nein, die Holzläden am Turm dürfe man nicht durch Kunststoffläden ersetzen. Der Antrag des Heimatschutzes wurde gutgeheissen. Daraufhin rekurrierte Orange gegen diesen Entscheid, denn: «Die Antenne kann nicht durch Holz strahlen», sagt Mettler verschmitzt. Und der Heimatschutz konterte mit weiteren Auflagen.

Beide Rekurse sind im Zürcher Regierungsrat noch hängig. «Seit zweieinhalb Jahren herrscht Funkstille», sagt Mettler, dem das so recht ist, denn die Zeit arbeitet für die Uetiker. Lieber hätte Mettler daher keinen Bericht in der Zeitung, denn die Ruhe nützt den Uetikern. In drei Jahren läuft nämlich der Vertrag zwischen der Kirchenpflege und Orange aus. Nun führt der Ingenieur also die Kirchenpflegegeschäfte und hat die Ämter auf die sieben Mitglieder verteilt. Nur noch zwei Mitglieder stammen aus der vorherigen Kirchenpflege. Drei sind ehemalige Mitglieder aus der «IG Mobilfunk mit Mass» und zwei weitere wurden aus der Kirchgemeinde dazugewählt. Das vormals heterogene Grüppchen arbeite gut und harmonisch zusammen, sagt Mettler. Sein Präsidium sei einfach ein Zusatzjob, ein weiterer Managerjob mit Teamleitungsfunk- tion. Er beschäftigt sich somit zurzeit nicht mit dem Kampf gegen eine Mobilfunkantenne, sondern hatte mit seinem Team die Organistenstelle neu zu besetzen und einen neuen Pfarrer zu suchen. Beide Vakanzen sind durch reguläre Gründe entstanden, weil die Stelleninhaber das ordentliche Pensionsalter erreicht haben. Auch für diese Aufgaben vergiesst der ehemalige «IG Mobilfunk mit Mass»-Vorsitzende sein Herzblut.

«Die neue Uetiker Kirchenpflege ist gegen das Betreiben einer Mobilfunkantenne im Kirchturm», sagt Mettler, die alte Kirchenpflege war dafür. «Aber die Zeiten ändern sich», stellt er fest, denn rundherum werde inzwischen gegen noch mehr Antennen gekämpft.

Ganz Stäfa sagt Nein

Der Widerstand der Bevölkerung gegen neue Mobilfunkantennen wächst auch andernorts. «Wir haben genug Antennen», lautet der Tenor. Schliesslich stehen in allen Gemeinden des Bezirks Meilen bereits je mindestens zwei Antennen, in Meilen gar 14 und in none 17 («ZSZ» vom 22. November). Damit ist die Grundabdeckung gemäss Fernmeldegesetz gewährleistet. Und die hochtrabenden Pläne der Anbieter mit mobilem Internet und den dafür benötigten UMTS-Antennen scheinen kommerziell noch nicht umgesetzt zu sein, weil die Leute noch immer hauptsächlich telefonieren und SMS verschicken.

Das Stäfner Volk hatte über eine im Jahr 2005 eingereichte Initiative abgestimmt, die Mobilfunkantennen in Wohn- und Industriegebieten verbieten will. Und das Stimmvolk hat diesen Vorstoss gutgeheissen. Daraufhin haben die Mobilfunkanbieter dagegen Rekurs eingereicht. Stäfa erwartet im Frühling den entsprechenden Entscheid der Baurekurskommission.

Auch in Herrliberg, wo bereits vier Antennen stehen, wurde eine entsprechende Initiative im Gemeinderat hinterlegt. Dieser lehnte jedoch zum Erstaunen vieler Herrlibergerinnen und Herrliberger die Initiative ab mit der Begründung, sie sei «rechtswidrig». Nicht alle wollen sich auf einen David-gegen- Goliath-Kampf einlassen, denn man braucht dazu einen langen Atem.

Elisabeth Buchs
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Beitrag von Elisabeth Buchs » 18. Februar 2008 23:06

Vielen Dank an Christoph, Gast 2, Peter 2, Funkstörung und andere für die Presseartikel zu den Mobilfunkantennen. Diese Artikel geben Mut, denn solange die Antennen nicht stehen, besteht immer Hoffnung.

Mir gefällt vor allem der Name der IG "Mobilfunk mit Mass"
Wir haben genug von den Antennen.

Vor kurzem war ich bei einer Familie, die ihre Fassade gegen die Antennenseite hin mit metallischem Insektengitter eingekleidet hat und zusätzlich noch die Innenseite des Schlafzimmers, weil nur etwa 20 m von ihnen entfernt auf dem Nachbargrundstück eine UMTS-Antenne von 1000/1500/1700 W ERP aufgestellt worden ist. Obwohl sie so die Strahlung rel. gut reduzieren konnten, denken sie über einen Umzug nach.

Elisabeth Buchs

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