Brief der Kompetenzinitiative an Bundeskanzlerin Merkel
Verfasst: 15. März 2008 12:47
Für einen ehrlicheren Schutz des Lebens
Kompetenzinitiative, 3. März 2008
Für einen ehrlicheren Schutz des Lebens. [149 KB]
Offener Brief an Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
anbei übermittelt Ihnen die ‚Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie’ (www.kompetenzinitiative.de), eine Gemeinschaft unabhängiger Wissenschaftler, Ärzte und Techniker, offene Briefe an die Ministerpräsidenten von Bayern und dem Saarland. Am Beispiel zweier Bundesländer beobachten sie einen fragwürdigen Kinder- und Umweltschutz. Sie lassen aber auch fragen, wie weit bundespolitische Vorgaben dafür mitverantwortlich sind.
Zum Stand der Forschung
Die Einschätzungen der Risiken gehen weit auseinander. 2006 versichert eine zusammenfassende Stellungnahme der Strahlenschutzkommission, dass bei der Sichtung vorliegender Studien „keine höhere Empfindlichkeit von Kindern und Jugendlichen gegenüber Hochfrequenzfeldern“ festzustellen war. Nur wenig später zeigt Prof. Michael Kundi dagegen in der 11. Sektion des umfangreichen Reports der BioInitiative Working Group (www.bioinitiative.org), wie gut z. B. die Zusammenhänge von Mobilfunk und Kinderleukämie gesichert sind. Und der von Heike-Solweig Bleuel herausgegebene Band Generation Handy…grenzenlos im Netz verführt (www.generation-handy.de) dokumentiert noch zahlreiche weitere Arten körperlicher, aber auch psychologischer und genetischer Schädigungen von Kindern und Jugendlichen.
Die großen Differenzen geltend gemachter Erkenntnis sind der typische Befund, auch wo es nicht speziell um Kinder geht. Was vom Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm bisher bekannt geworden ist, gibt überwiegend Entwarnung. Der umfassende Report der BioInitiative (2007) oder Dr. Ulrich Warnkes Schrift Bienen, Vögel und Menschen. Die Zerstörung der Natur durch ‚Elektrosmog’ (2007; vgl. www.broschuerenreihe.de) dagegen bezeugen schwerste Risiken und Schädigungen - wie ähnlich die wegweisende Umweltepidemiologische Untersuchung der Krebsinzidenz in den Gemeinden Hausmannstätten & Vasoldsberg (2008) von Dr. med. Gerd Oberfeld (Auftraggeber das Land Steiermark; www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/21212/DE).
Jenseits der Wahrheit
Man sollte meinen, dass die Bevölkerung in aufgeklärten und demokratischen Zeiten ein Anrecht darauf hat, dass auch politisch unbequeme Erkenntnisse in den Verbraucher- und Umweltschutz Eingang finden. Doch uns vorliegende Stellungnahmen aus Strahlenschutzkommission, Bundesamt für Strahlenschutz und Bundesumweltministerium belegen bisher in Varianten folgende stereotype Sprachregelung:
Ernst zu nehmende Risiken seien den Verantwortlichen nicht bekannt.
Das – je zur Hälfte von Staat und Industrie bezahlte - Mobilfunk-Projekt des Bundes werde über die Frage von Risiken noch befinden.
Derweil sei die Bevölkerung aber durch geltende Grenzwerte gut geschützt, auch von so einheitlicher Robustheit, dass sich eine Rücksichtnahme auf Kinder, Kranke und besonders Sensible erübrigt.
Doch jeder seriöse Wissenschaftler erkennt rasch die Brüchigkeit der Argumentation und manche Fragwürdigkeit ihrer Genese:
7 Jahrzehnte an vorliegender Risikoforschung werden behandelt, als gebe es sie nicht.
Ein Projekt mit einer Laufzeit weniger Jahre soll Risiken herunterspielen, die vor allem in der Langzeitwirkung liegen.
Für Schädigungsnachweise werden immer wieder Forderungen der Reproduzierbarkeit und Monokausalität geltend gemacht, mit denen auch die Unschädlichkeit des Rauchens noch immer behauptet werden könnte.
Auf kaum einem anderen Gebiet werden so große Teile der Forschung von der Industrie finanziert, entscheidet sich die Tendenz der Ergebnisse aber auch so weit bereits mit dem Status der Finanzierung.
Die Industrie bestimmt die Vergabe der Forschungsprojekte an genehme Wissenschaftler auch dort mit, wo sich Staat und Industrie die Projektfinanzierung teilen.
Alle Maßnahmen wirken im Ziel der Verharmlosung zusammen. Wie die Schrift Mobilfunkpolitik und Forschung: Die Fälscher (vgl. www.der-mast-muss-weg.de) soeben gezeigt hat, schreckt die Manipulation der Wahrheit auch vor groben Fälschungen nicht zurück.
Jenseits der Ethik
Rechtswissenschaftler sehen es als Aufgabe staatlicher Verantwortung und Kontrolle dafür zu sorgen, dass sich die Profitgier von Konzernen nicht zum Nachteil der Bevölkerung auswirkt. Wie aber will ein Staat dieser Aufgabe gerecht werden, der allein für die UMTS-Lizenzen 100 Milliarden DM angenommen und sich damit zum Auftraggeber der Entwicklung gemacht hat?
Die Folgen des staatlichen Rollenwandels vom Kontrolleur zum geschäftlichen Partner sind verheerend. Der betroffene Bürger sieht sich einer unheiligen Allianz von staatlicher Macht, Kapital und zu vielen instrumentalisierten Wissenschaftlern gegenüber. Im Zeichen drastisch überhöhter Grenzwerte, an denen sich auch Gerichte orientieren, ist er einer neuartigen wirtschaftspolitischen Gleichschaltung ausgesetzt, die ihn entmachtet und faktisch entrechtet.
Die einstige Kulturnation hat es in ihren heutigen Vorstellungen von Kultur weit gebracht. Dem ,Fernsehen im Mäuseformat’ (Spiegel) werden Menschen geopfert. Die Stärkeren leben auf Kosten der Schwächeren. Der kapitalistische Missbrauch der Kinder verarmt und verheizt das biologische Kapital der Zukunft. Und der amtliche Verbraucherschutz, der mit jeder toten Ente in Bewegung gesetzt werden kann, muss sich auf staatliche Anweisung weigern, Schädigungen des Lebens im Umfeld von Antennen auch nur anzusehen! Das Ausland wundert sich manchmal über die ethische Beflissenheit deutscher Politik. Sie könnte ein Markenzeichen sein, wäre sie nicht so lückenhaft. Denn wo es um viel Geld geht, schweigt die deutsche Ethik der Technik und Politik verlässlicher als irgendwo sonst!
Leichtsinn - statt Vorsorge
Die Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie, deren Gründungsprogramm Gesundheit ist keine Handelsware! wir diesem Schreiben beilegen, ist aus der Kritik solcher Zustände hervorgegangen. Sie ist inzwischen Teil eines weltweiten Netzwerks unabhängiger Wissenschaftler, das sich für einen längst überfälligen Bewusstseinswandel einsetzt. Aber sie sieht sich mit dieser Forderung auch im Einklang mit Analysen der Europäischen Umweltagentur, die das Umweltbundesamt 2004 in deutscher Übersetzung zugänglich gemacht hat.
Die umfangreiche Schrift Späte Lehren aus frühen Warnungen: Das Vorsorgeprinzip 1896-2000 demonstriert an der Überschau eines Jahrhunderts die immensen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgeschäden vernachlässigter Vorsorge. Auf der Linie daraus abgeleiteter Lehren hat die Umweltagentur inzwischen auch vor einer möglichen elektromagnetischen Umweltkatastrophe gewarnt.
Doch die Fähigkeit, aus Umweltversagen zu lernen, scheint bislang eine seltene politische Tugend. Während die Politik mit der Verspätung von Jahrzehnten das Versagen der Vorsorge im Klima- und Raucherschutz einräumen muss, sehen wir sie in der Ausbreitung und Verdichtung elektromagnetischer Felder bereits für die nächste biologische Zeitbombe engagiert. Wo die Europäische Umweltagentur schon das Ernstnehmen früher Warnungen fordert, werden in der Einschätzung des ‚Elektrosmog’ und seiner Wirkungen ganze Landschaften weltweiter Forschung ignoriert und dementiert. Das ‚Vorsorgeprinzip’, das der Bevölkerung durch nationale und europäische Schutzgesetze garantiert wird, erscheint durch ein ‚Prinzip Leichtsinn’ ersetzt. Das gilt auch für die Scheinsicherung durch Grenzwerte, die wenig an Risiken berücksichtigen, dafür aber um so mehr an Belastungen gestatten. Der Grenzwertglaube der Verantwortlichen ist zur Karikatur jenes Wertbewusstseins verkommen, das eine verantwortungsbewusste Zukunftspolitik fordert.
Für einen ehrlicheren Schutz des Lebens
Wie nur wenige Politiker/innen haben Sie, sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin, sich immer wieder für ethisch-christliche Werte eingesetzt: den Erhalt der Schöpfung, den Schutz der Kinder, eine Kultur der Ehrlichkeit und des ‚Hinschauens’. Wir glauben Ihnen, dass das keine Lippenbekenntnisse parteipolitischer Rhetorik waren. Aber wir bitten Sie eben deshalb auch, solche Wertorientierungen auf Gebiete des politischen Handelns auszudehnen, die wir bislang weit davon entfernt sehen.
Warum z. B. bleibt die politische Kultur des Hinschauens einer immer größeren Zahl von Menschen versagt, die eine fragwürdige Technik-Politik gesundheitlich und materiell geschädigt, ihrer Lebensqualität beraubt und aus ihren Wohnungen vertrieben hat – Menschen, die auch von Ärzten und Wissenschaftlern als Opfer dieser Politik gesehen werden? Dabei muss gerade die UMTS-Technik, der sich der Staat in besonderer Weise verpflichtet hat, längst als unzeitgemäß und wenig innovativ gelten. Nach Erkenntnissen von Prof. Franz Adlkofer ist sie zehnmal so gentoxisch wie die Technik bisheriger GSM-Netze. Und die Erprobung schädigungsfreier Techniken schnurloser Kommunikation lässt sie vollends als Technik von gestern erscheinen.
Vordenker einer ethisch-christlichen Politik wie Dr. Franz Alt, Dr. Heiner Geißler und Prof. Klaus Töpfer haben gezeigt, dass Friedenspolitik auch die Bereitschaft zu einem gewaltfreien Umgang mit der Natur voraussetzt. Ein ehrlicherer Schutz des Lebens, um den wir mit diesem Schreiben bitten, ergibt sich von selbst, wo solche Einsichten in die politische Praxis übersetzt werden.
Mit besten Wünschen und freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. K. Hecht - Dr. med. M. Kern - Prof. Dr. K. Richter - Dr. med. H. Scheiner
Anlagen:
- Briefe an die Ministerpräsidenten Dr. G. Beckstein und P Müller
- Gründungsprogramm der Kompetenzinitiative
- Ulrich Warnke: Bienen, Vögel und Menschen. Die Zerstörung der Natur durch ‚Elektrosmog’
Vorreiter im Kinderschutz?
Die legalisierte Schädigung der Kinder
Artikel
Quelle: http://www.kompetenzinitiative.de/033ea ... eca01.html
Kompetenzinitiative, 3. März 2008
Für einen ehrlicheren Schutz des Lebens. [149 KB]
Offener Brief an Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Frau Dr. Merkel,
anbei übermittelt Ihnen die ‚Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie’ (www.kompetenzinitiative.de), eine Gemeinschaft unabhängiger Wissenschaftler, Ärzte und Techniker, offene Briefe an die Ministerpräsidenten von Bayern und dem Saarland. Am Beispiel zweier Bundesländer beobachten sie einen fragwürdigen Kinder- und Umweltschutz. Sie lassen aber auch fragen, wie weit bundespolitische Vorgaben dafür mitverantwortlich sind.
Zum Stand der Forschung
Die Einschätzungen der Risiken gehen weit auseinander. 2006 versichert eine zusammenfassende Stellungnahme der Strahlenschutzkommission, dass bei der Sichtung vorliegender Studien „keine höhere Empfindlichkeit von Kindern und Jugendlichen gegenüber Hochfrequenzfeldern“ festzustellen war. Nur wenig später zeigt Prof. Michael Kundi dagegen in der 11. Sektion des umfangreichen Reports der BioInitiative Working Group (www.bioinitiative.org), wie gut z. B. die Zusammenhänge von Mobilfunk und Kinderleukämie gesichert sind. Und der von Heike-Solweig Bleuel herausgegebene Band Generation Handy…grenzenlos im Netz verführt (www.generation-handy.de) dokumentiert noch zahlreiche weitere Arten körperlicher, aber auch psychologischer und genetischer Schädigungen von Kindern und Jugendlichen.
Die großen Differenzen geltend gemachter Erkenntnis sind der typische Befund, auch wo es nicht speziell um Kinder geht. Was vom Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm bisher bekannt geworden ist, gibt überwiegend Entwarnung. Der umfassende Report der BioInitiative (2007) oder Dr. Ulrich Warnkes Schrift Bienen, Vögel und Menschen. Die Zerstörung der Natur durch ‚Elektrosmog’ (2007; vgl. www.broschuerenreihe.de) dagegen bezeugen schwerste Risiken und Schädigungen - wie ähnlich die wegweisende Umweltepidemiologische Untersuchung der Krebsinzidenz in den Gemeinden Hausmannstätten & Vasoldsberg (2008) von Dr. med. Gerd Oberfeld (Auftraggeber das Land Steiermark; www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/21212/DE).
Jenseits der Wahrheit
Man sollte meinen, dass die Bevölkerung in aufgeklärten und demokratischen Zeiten ein Anrecht darauf hat, dass auch politisch unbequeme Erkenntnisse in den Verbraucher- und Umweltschutz Eingang finden. Doch uns vorliegende Stellungnahmen aus Strahlenschutzkommission, Bundesamt für Strahlenschutz und Bundesumweltministerium belegen bisher in Varianten folgende stereotype Sprachregelung:
Ernst zu nehmende Risiken seien den Verantwortlichen nicht bekannt.
Das – je zur Hälfte von Staat und Industrie bezahlte - Mobilfunk-Projekt des Bundes werde über die Frage von Risiken noch befinden.
Derweil sei die Bevölkerung aber durch geltende Grenzwerte gut geschützt, auch von so einheitlicher Robustheit, dass sich eine Rücksichtnahme auf Kinder, Kranke und besonders Sensible erübrigt.
Doch jeder seriöse Wissenschaftler erkennt rasch die Brüchigkeit der Argumentation und manche Fragwürdigkeit ihrer Genese:
7 Jahrzehnte an vorliegender Risikoforschung werden behandelt, als gebe es sie nicht.
Ein Projekt mit einer Laufzeit weniger Jahre soll Risiken herunterspielen, die vor allem in der Langzeitwirkung liegen.
Für Schädigungsnachweise werden immer wieder Forderungen der Reproduzierbarkeit und Monokausalität geltend gemacht, mit denen auch die Unschädlichkeit des Rauchens noch immer behauptet werden könnte.
Auf kaum einem anderen Gebiet werden so große Teile der Forschung von der Industrie finanziert, entscheidet sich die Tendenz der Ergebnisse aber auch so weit bereits mit dem Status der Finanzierung.
Die Industrie bestimmt die Vergabe der Forschungsprojekte an genehme Wissenschaftler auch dort mit, wo sich Staat und Industrie die Projektfinanzierung teilen.
Alle Maßnahmen wirken im Ziel der Verharmlosung zusammen. Wie die Schrift Mobilfunkpolitik und Forschung: Die Fälscher (vgl. www.der-mast-muss-weg.de) soeben gezeigt hat, schreckt die Manipulation der Wahrheit auch vor groben Fälschungen nicht zurück.
Jenseits der Ethik
Rechtswissenschaftler sehen es als Aufgabe staatlicher Verantwortung und Kontrolle dafür zu sorgen, dass sich die Profitgier von Konzernen nicht zum Nachteil der Bevölkerung auswirkt. Wie aber will ein Staat dieser Aufgabe gerecht werden, der allein für die UMTS-Lizenzen 100 Milliarden DM angenommen und sich damit zum Auftraggeber der Entwicklung gemacht hat?
Die Folgen des staatlichen Rollenwandels vom Kontrolleur zum geschäftlichen Partner sind verheerend. Der betroffene Bürger sieht sich einer unheiligen Allianz von staatlicher Macht, Kapital und zu vielen instrumentalisierten Wissenschaftlern gegenüber. Im Zeichen drastisch überhöhter Grenzwerte, an denen sich auch Gerichte orientieren, ist er einer neuartigen wirtschaftspolitischen Gleichschaltung ausgesetzt, die ihn entmachtet und faktisch entrechtet.
Die einstige Kulturnation hat es in ihren heutigen Vorstellungen von Kultur weit gebracht. Dem ,Fernsehen im Mäuseformat’ (Spiegel) werden Menschen geopfert. Die Stärkeren leben auf Kosten der Schwächeren. Der kapitalistische Missbrauch der Kinder verarmt und verheizt das biologische Kapital der Zukunft. Und der amtliche Verbraucherschutz, der mit jeder toten Ente in Bewegung gesetzt werden kann, muss sich auf staatliche Anweisung weigern, Schädigungen des Lebens im Umfeld von Antennen auch nur anzusehen! Das Ausland wundert sich manchmal über die ethische Beflissenheit deutscher Politik. Sie könnte ein Markenzeichen sein, wäre sie nicht so lückenhaft. Denn wo es um viel Geld geht, schweigt die deutsche Ethik der Technik und Politik verlässlicher als irgendwo sonst!
Leichtsinn - statt Vorsorge
Die Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie, deren Gründungsprogramm Gesundheit ist keine Handelsware! wir diesem Schreiben beilegen, ist aus der Kritik solcher Zustände hervorgegangen. Sie ist inzwischen Teil eines weltweiten Netzwerks unabhängiger Wissenschaftler, das sich für einen längst überfälligen Bewusstseinswandel einsetzt. Aber sie sieht sich mit dieser Forderung auch im Einklang mit Analysen der Europäischen Umweltagentur, die das Umweltbundesamt 2004 in deutscher Übersetzung zugänglich gemacht hat.
Die umfangreiche Schrift Späte Lehren aus frühen Warnungen: Das Vorsorgeprinzip 1896-2000 demonstriert an der Überschau eines Jahrhunderts die immensen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgeschäden vernachlässigter Vorsorge. Auf der Linie daraus abgeleiteter Lehren hat die Umweltagentur inzwischen auch vor einer möglichen elektromagnetischen Umweltkatastrophe gewarnt.
Doch die Fähigkeit, aus Umweltversagen zu lernen, scheint bislang eine seltene politische Tugend. Während die Politik mit der Verspätung von Jahrzehnten das Versagen der Vorsorge im Klima- und Raucherschutz einräumen muss, sehen wir sie in der Ausbreitung und Verdichtung elektromagnetischer Felder bereits für die nächste biologische Zeitbombe engagiert. Wo die Europäische Umweltagentur schon das Ernstnehmen früher Warnungen fordert, werden in der Einschätzung des ‚Elektrosmog’ und seiner Wirkungen ganze Landschaften weltweiter Forschung ignoriert und dementiert. Das ‚Vorsorgeprinzip’, das der Bevölkerung durch nationale und europäische Schutzgesetze garantiert wird, erscheint durch ein ‚Prinzip Leichtsinn’ ersetzt. Das gilt auch für die Scheinsicherung durch Grenzwerte, die wenig an Risiken berücksichtigen, dafür aber um so mehr an Belastungen gestatten. Der Grenzwertglaube der Verantwortlichen ist zur Karikatur jenes Wertbewusstseins verkommen, das eine verantwortungsbewusste Zukunftspolitik fordert.
Für einen ehrlicheren Schutz des Lebens
Wie nur wenige Politiker/innen haben Sie, sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin, sich immer wieder für ethisch-christliche Werte eingesetzt: den Erhalt der Schöpfung, den Schutz der Kinder, eine Kultur der Ehrlichkeit und des ‚Hinschauens’. Wir glauben Ihnen, dass das keine Lippenbekenntnisse parteipolitischer Rhetorik waren. Aber wir bitten Sie eben deshalb auch, solche Wertorientierungen auf Gebiete des politischen Handelns auszudehnen, die wir bislang weit davon entfernt sehen.
Warum z. B. bleibt die politische Kultur des Hinschauens einer immer größeren Zahl von Menschen versagt, die eine fragwürdige Technik-Politik gesundheitlich und materiell geschädigt, ihrer Lebensqualität beraubt und aus ihren Wohnungen vertrieben hat – Menschen, die auch von Ärzten und Wissenschaftlern als Opfer dieser Politik gesehen werden? Dabei muss gerade die UMTS-Technik, der sich der Staat in besonderer Weise verpflichtet hat, längst als unzeitgemäß und wenig innovativ gelten. Nach Erkenntnissen von Prof. Franz Adlkofer ist sie zehnmal so gentoxisch wie die Technik bisheriger GSM-Netze. Und die Erprobung schädigungsfreier Techniken schnurloser Kommunikation lässt sie vollends als Technik von gestern erscheinen.
Vordenker einer ethisch-christlichen Politik wie Dr. Franz Alt, Dr. Heiner Geißler und Prof. Klaus Töpfer haben gezeigt, dass Friedenspolitik auch die Bereitschaft zu einem gewaltfreien Umgang mit der Natur voraussetzt. Ein ehrlicherer Schutz des Lebens, um den wir mit diesem Schreiben bitten, ergibt sich von selbst, wo solche Einsichten in die politische Praxis übersetzt werden.
Mit besten Wünschen und freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. K. Hecht - Dr. med. M. Kern - Prof. Dr. K. Richter - Dr. med. H. Scheiner
Anlagen:
- Briefe an die Ministerpräsidenten Dr. G. Beckstein und P Müller
- Gründungsprogramm der Kompetenzinitiative
- Ulrich Warnke: Bienen, Vögel und Menschen. Die Zerstörung der Natur durch ‚Elektrosmog’
Vorreiter im Kinderschutz?
Die legalisierte Schädigung der Kinder
Artikel
Quelle: http://www.kompetenzinitiative.de/033ea ... eca01.html