Mobil sein ist alles­ auch eine Krankheitsursache

The Future's black

Mobil sein ist alles­ auch eine Krankheitsursache

Beitrag von The Future's black » 4. August 2005 00:10

© Neue Luzerner Zeitung; 30.07.2005; Seite 28

Zuger Zeitung Kanton

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Mobil sein ist alles ­ auch eine Krankheitsursache

Berty Zeiter, Kantonsrätin Alternative Fraktion, Baar

Mobiles Telefonieren gehört zur heutigen mobilen Gesellschaft. Dazu braucht es eigentlich nur wenig Strahlung. Doch viel Geld ist im Spiel. Die Konsumenten werden mit immer neuem Schnickschnack verführt, der immer grössere Antennenkapazitäten bedingt. Mit der Strahlung nehmen auch die vielfältigen Krankheitssymptome zu.

Viele Studien weisen auf die krank machenden Wirkungen hin. Selbst das Buwal spricht vorsichtig von bereits 5 Prozent elektrosensiblen Personen. Trotzdem spricht «man» nicht davon. Hinter der Mobilfunk-Technologie steht eine allmächtige Industrie, die sich ihr Geschäft nicht durch Aufklärung vermiesen lassen will. Sie hat eine Broschüre an 11 000 Schweizer Ärzte verschickt mit Tipps, wie mit «angeblich elektrosensiblen» Patienten umgegangen werden soll. Eine Studie der ETH Zürich über die Auswirkungen der Strahlung auf die Gesundheit der Bevölkerung finanziert sie mit. (Das ist gleich glaubwürdig, wie wenn ein Kunstdüngerproduzent Biobauern sponsoren würde!)

Die Aufgabe der Politik auf Gemeinde- und Kantonsebene wäre es nun, die Bevölkerung vor den sich immer stärker abzeichnenden Gesundheitsgefährdungen zu schützen. Ansatzpunkte sind:

· Politiker nehmen den wachsenden Widerstand in der Bevölkerung ernst und befassen sich mit der komplexen Materie. Bislang sind viele auf einem Auge blind und verharmlosen die vielfach geäusserten Bedenken ihrer Wählerinnen und Wähler.

· Sie treffen alle bereits möglichen Massnahmen: Moratorien für Antennenbewilligungen, Bezeichnen von versteckten Antennen mit Warnklebern, aktive Aufklärung, Verweigern von Baubewilligungen aufgrund von Ortsbildschutz (wenn schon die gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung kein Grund ist).

· Sie fordern Unterstützung durch kompetente Stellen im Kanton. Gemäss Definition wäre dies in Zug das Amt für Umweltschutz. Bislang ist jedoch nichts spürbar von Engagement für besorgte Bürger.

Eine billige Standardausrede von Behördenseite lautet oft, es sei kein Ermessensspielraum vorhanden. Orange bringt das Gegenargument gleich selber in einer Antwort auf eine kritische Anfrage und schreibt: «Wenn Herr M. hier den Finger auf wunde Punkte legt, kann man ihm teilweise zustimmen. Wenn er aber nicht verstehen will, dass die Behörden auf Stufe Kanton und Gemeinde in der Anwendung dieser Bestimmungen einen Ermessensspielraum haben und diesen richtigerweise auch anwenden, dann ist das sein Problem.» Dies ist eine sehr saloppe Antwort. Aber sie zeigt, dass die Behörden auch anders könnten, nämlich den Ermessensspielraum im Interesse der Bevölkerung anwenden.