© Neue Luzerner Zeitung; 23.08.2005; Seite 20
Luzerner Zeitung Forum
UMTS: «Die Katze im Sack kaufen»
«Mobilfunk: Fussball ist eines der grossen Themen», Ausgabe vom
19. August
Handy-TV sei der beliebteste Dienst dank UMTS, sagt Orange-Chef Andreas Wetter. Das ist eben der «Sack». Laut ersten wissenschaftlichen Studien (zum Beispiel aus Holland) sieht die «Katze» aber so aus: schlechteres Wohlbefinden, schlechtere Konzentrationsfähigkeit im Umfeld von UMTS. Wollen wir das?
In Kriens wird demnächst der Gemeinderat entscheiden, ob Orange eine Gross-Mobilfunkanlage in einem dicht besiedelten Wohngebiet mit vier Schulhäusern in der Nähe errichten kann. Das zu einer Zeit, wo der Bundesrat diesen März entschieden hat, ein Nationales Forschungsprogramm «nichtionisierende Strahlung; Umwelt und Gesundheit» zu lancieren, weil berechtigte Zweifel an der Harmlosigkeit dieser äusserst starken Strahlung bestehen. Das Natel ist nicht mehr wegzudenken: aber lassen wir es doch bleiben beim SMS schreiben und telefonieren und schauen wir fern am TV-Apparat, dem Spass und unserer Gesundheit zuliebe.
Dr. med. Monique Altenbach, Kriens
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© St. Galler Tagblatt; 20.08.2005
Stadt St. Gallen
Hauptblatt
leserbrief
Frustration im Zilquartier
«Telefonieren im Wohnquartier», Tagblatt vom 13.8.2005
1999 wurde am Zilweg 11 eine Mobilfunkantenne auf einem Wohnhochhaus montiert. Das war rechtswidrig, wie später ermittelt wurde. Vor zwei Jahren stellten die Anwohner fest, dass diese Antenne auf UMTS (auch für Bildübermittlung) aufgerüs-tet werden soll. UMTS ist laut kompetenter Auskunft eine gefährliche Strahlung. Als Reaktion darauf gab es Einsprachen mit ca. 400 Unterschriften. Leider kam es nie zu einem Gespräch mit Frau Stadträtin Beéry (SP), um bessere Lösungen zu diskutieren.
Am 17. Mai 2005 hat Christine Bölsterli im Gemeinderat eine Einfache Anfrage eingereicht, die der Stadtrat bis heute nicht beantwortet hat. Übrigens: Ende 2005 ist das Ergebnis einer ETH-Studie zu den UMTS-Strahlen zu erwarten. Über Grenzwerte wird beim Bund gerade neu diskutiert. Fast überall setzen sich die Gemeindebehörden für die eigene Bevölkerung ein (zum Beispiel in Wil). Aber was geschah bei uns? Ohne Berücksichtigung der oben erwähnten Tatsachen wurde mitten in den Sommerferien eine Ausnahmebewilligung erteilt. Und dies, obwohl schon die bestehende Antenne rechtswidrig ist und eine Ausnahmebewilligung nicht hätte erteilt werden müssen.
Ich zweifle nicht daran, dass es irgend einen Paragraphen gibt, der diese Handlung rechtfertigt. Aber faire Behandlung und Gesprächsbereitschaft dürfen die Betroffenen ebenso erwarten - vor allem von einer SP-Politikerin. Statt dessen müssen wir erfahren, dass ganz schnell vollendete Tatsachen geschaffen wurden.
38 Jahren habe ich in der Stadt St. Gallen als Kindergärtnerin gearbeitet. Während all dieser Jahre wurden wir immer ermahnt, dass Eltern Steuerzahler sind, denen in jedem Fall eine faire Behandlung zusteht. Gilt diese Einstellung in der Stadt heute nicht mehr?
Vreni Scheitlin
Zilstrasse 52, 9016 St. Gallen
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© St. Galler Tagblatt; 20.08.2005
See
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Kinder und Fledermäuse in Gefahr
Auch in Kreuzlingen regt sich Widerstand gegen den Bau von neuen Mobilfunkantennen
Kreuzlingen. 46 Einsprachen sind gegen eine Mobilfunkantenne auf dem Dach des Hauses Alleeweg 12 eingegangen. Einer der Einsprecher ist Anton Fäh.
Brigitta Hochuli
Bei Fähs öffnet niemand die Tür. Sie sind mit einem Mitarbeiter des kantonalen Amtes für Bau und Umwelt beschäftigt. Der Mann hat das «Standortdatenblatt für Prognosenberechnungen» der Orange Communication SA verifiziert. Er will nicht in der Zeitung genannt werden: «Wir sind neutral beim Kanton.»
Stadtoase
Irma und Anton Fähs Dachterrasse mitten in der Stadt ist eine Oase mit Feigen, Tomaten und Trauben. Die Aussicht ist betörend. Man sieht die Kreuzlinger Kirchtürme, den Bodensee, ein Zipfelchen des Untersees. Nur der Lärm von der Löwenstrasse stört. Aber das nimmt das rüstige Rentnerpaar in Kauf. Anton Fäh hat bei der Kehrichtverbrennung in Weinfelden gearbeitet und war bis 2003 Kreuzlinger Gemeinderat (SP und Gewerkschaften). Wie im Parlament kommt er zügig zur Sache.
ETH-Studie abwarten
Zusammen mit 45 anderen Skeptikern hat er Einsprache gegen die Mobilfunkantenne auf seinem Wohnhaus gemacht. «Bis Ende dieses Jahres soll die 5-Millionen-Studie der ETH vorliegen, die über die Auswirkungen der UMTS-Strahlen auf die menschliche Gesundheit Aussagen machen wird», schrieb er. Solange sei mit der Bearbeitung des Baugesuches abzuwarten.
Im Übrigen wäre Kreuzlingen mit einem Aufschub nicht allein. 50 andere Schweizer Städte und Gemeinden hätten Bewilligungen verweigert oder gar den Abbruch von Anlagen verlangt. Ein solches Moratorium kommt für den Thurgau allerdings nicht in Frage. Dies liess die Regierung gestern in der Antwort auf eine Einfache Anfrage verlauten.
Mehr Fluch als Segen
Irma und Anton Fäh haben die Aussagen von Fachleuten zur Kenntnis genommen, wonach die Strahlen von UMTS-Antennen nicht senkrecht auf ihre Terrasse träfen. Aber sie glauben es nicht. «Es geht auch nicht um uns allein. Wir sind schon weit über 60. Es geht uns um die Kinder im nahen Kindergarten am Bachweg und im Wehrlischulhaus.» Und um die Vögel und Fledermäuse im Haus am Alleeweg 12, «die dann ja auch verschwinden müssen», schrieb Anton Fäh der Stadt. Es gelte als sicher, dass im Umkreis von 400 Metern keine Schwalben mehr gesichtet würden. Fäh hat Hunderte von Internetseiten zu diesem Thema studiert.
Anton Fäh gibt zu bedenken, dass er kein Handy hat. Für ihn sind Handys «eher Fluch als Segen». «Handys bedeuten wenig Lebensqualität und sind ein Schritt zur Überwachung der Bürger.» Handys verursachten Hirntumoren, Krebs «und sogar Impotenz». «Es chönt dänn no sii, dass telefoniäre schädlicher isch als rauche», sagt Fäh und steckt sich eine Zigarette an.
Mutige Exekutive gefragt
Ebenso wenig ist Fäh Hausbesitzer. «Ich bin Mieter und kann im schlimmsten Fall auch ausziehen.» Hauseigentümer hingegen verdienten mit Mobilfunkantennen bis zu 6000 Franken im Jahr. «Sie sind sich aber nicht bewusst, dass ihre Häuser damit an Wert verlieren.» Was ist zu tun? «Es braucht eine mutige Exekutive, die sich um die Gesundheit der Bevölkerung kümmert. Aber do hani scho ächti Zwiifel.»
Bild: Donato Caspari
Glauben schon längst nicht mehr alles: Anton und Irma Fäh wollen auf ihrem Dach keine Natel-Antenne. Doch die Visiere stehen bereits.
Stichwort
Grundsatzfrage
Cornel Baumgartner, St. Gallen, ist Eigentümer des Hauses am Alleeweg. Die geplante Natel-Antenne beeinträchtige die Terrasse von Anton Fäh nicht, weil sie durch den Dachrand geschützt sei. Es gehe um eine Grundsatzfrage. Wenn man die mobile Kommunikation wolle, müsste man an möglichst vielen Antennen interessiert sein. «Je dichter das Netz, desto niedriger die Leistung und desto geringer die Beeinträchtigung.» (ho)
Stichwort
Drei Gesuche hängig
Neben den Einsprachen gegen die Orange-Antenne auf dem achtstöckigen Haus am Alleeweg 12 sind beim Kreuzlinger Stadtrat auch 33 Einsprachen und eine Sammeleinsprache mit 400 Unterschriften gegen eine neue Sunrise-Antenne an der Romanshornerstrasse beim «Blauen Haus» eingegangen. Ein weiteres Baugesuch der Sunrise/TDC Schweiz AG liegt zudem für eine Mobilfunk-Antenne an der Rosgartenstrasse vor. (ho)
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© Berner Rundschau / MLZ; 19.08.2005
.Langenthal Zeitung
UMTS im Doppelpack
Baugesuche Orange und Sunrise verdichten Netz
Gleich zwei Baugesuche für neue Natel-Antennen, die auch UMTS-Dienste ermöglichen, sind im gestrigen Amtsanzeiger publiziert worden. Die TDC Switzerland AG (Sunrise) will am Zeieweg 37 in der Wohnzone eine Basisstation für GSM 900 und UMTS einrichten. Der Einspracheradius beträgt 563 Meter. Die InTunnelCom c/o Orange Communications SA ihrerseits möchte an der Bern-Zürich-Strasse direkt beim Tunneleingang der SBB-Neubaustrecke, Höhe Ex-Born/Bucher Motorex, die bestehende Mobilfunkanlage mit einer zusätzlichen pick-up-Antennenanlage für GSM-Rail und UMTS-Gesprächsübergabe erweitern. Dieses Bauprojekt kommt in die Zone «Verkehrsfläche» zu liegen. Der Einspracheradius beträgt 370 Meter.
Zu den Details: Sunrise plant, auf das Dach des Gebäudes am Zeieweg 37 einen Mast mit drei Antennen für GSM 900 und UMTS zu bestücken. Zur Anbindung mittels Richtfunk an andere Standorte sind auch zwei Richtfunkantennen vorgesehen. Um die Mobilfunkversorgung und den Datenfluss in der Region sicherzustellen, sei dieser Standort notwendig, argumentiert Sunrise in der Baueingabe. Die Strahlung an den drei höchstbelasteten Orten mit empfindlicher Nutzung (das sind die drei obersten Stockwerke des Gebäudes) liegen knapp unter dem geltenden Grenzwert.
Die InTunnelCom plant, an der SBB-Neubaustrecke zwei Antennen anzubringen, die genau in beide Richtungen entlang der Bahnlinie zeigen. Dies sei notwendig, um die lückenlose Versorgung der Neubaustrecke mit dem neuen Funksystem GSM-Rail zu gewährleisten, ist der Baueingabe zu entnehmen. Die neue Antennenkombination soll die Versorgung vom Tunnelausgang bis zum nächsten Standort gewährleisten. Mit dem GSM-Rail verbunden ist das ETCS (Electronic Train Control System), mit dem die Bewegung eines Zuges in jedem Zeitpunkt elektronisch überwacht werden kann. Dies vermindert die Risiken für Zugskollisionen.
Zusätzlich will die InTunnelCom auf der gleichen Antennenkombination ebenfalls die Dienste GSM/UMTS für Swisscom, Sunrise und Orange installieren, um die reibungslose Gesprächsübergabe zwischen Tunnel- und Aussenversorgung zu erreichen. Dazu braucht es lediglich eine schwache Leistung. Die Strahlung an den drei höchstbelasteten Orten mit empfindlicher Nutzung (Lagerhalle und Fabrik) liegen hier deutlich unter dem geltenden Grenzwert.
Die Unterlagen zu beiden Baugesuchen liegen auf dem Stadtbauamt bis zum Ende der Einsprachefrist vom 19. September auf. (gé)