"Manchmal fühle ich mich wie Don Quichotte"
Dr. Hans Schmidt warnt seit Jahren vor den Folgen intensiver Mobilfunkstrahlen
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Wolfratshausen - Vor fünf Jahren hat Dr. Hans Schmidt zum ersten Mal gemerkt, dass er elektrosensibel ist. Der Ingenieur baute für seinen Arbeitgeber, die Firma Linde, in Algerien eine Erdgasanlage. Wegen eines technischen Problems musste er nach Deutschland telefonieren. Dazu benutzte er das Handy eines Kollegen. "Nach dem Gespräch verspürte ich einen stechenden Schmerz in meiner linken Kopfhälfte", erzählt Schmidt. Beim nächsten Anruf hielt er sich das Handy bewusst ans rechte Ohr - und siehe da, diesmal tat ihm die rechte Kopfhälfte weh.
Wieder daheim, befasste sich der Wolfratshauser eingehend mit dem Thema Mobilfunk und seinen Auswirkungen. "Je mehr ich mich informierte, desto entsetzter war ich." Das Kribbeln, das er gelegentlich im ganzen Körper fühlte, der Tinnitus, der immer schlimmer wurde: All das führte der promovierte Diplom-Ingenieur auf die Sendeanlage am S-Bahnhof zurück, die ins Schlafzimmer seiner 350 Meter entfernten Doppelhaushälfte strahlte.
Schmidt ließ sich zum Sprecher der vor sieben Jahren gegründeten Wolfratshauser Bürgerinitiative gegen Mobilfunk wählen. An deren Spitze kämpft er seitdem unermüdlich gegen weitere Sendemasten. Vergangene Woche verteilte er Flugblätter wegen der neuen UMTS-Antenne auf dem Dirrigl-Haus; er rührte im Landkreis die Werbetrommel für das - letztlich gescheiterte - Mobilfunk-Volksbegehren; er erstattete mehrere Strafanzeigen, unter anderem gegen die Firma Siemens wegen ihrer stark strahlenden DECT-Telefone. Ohne Erfolg, das Verfahren wurde niedergeschlagen. Die Telekom, mit der er in ständigen Verhandlungen steht, zeige zwar Respekt vor seiner Ausbildung und seinem Fachwissen, sagt Schmidt, "aber sie sitzt die Sache aus".
Manchmal, so gibt der gebürtige Baden-Württemberger zu, fühle er sich wie Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlen. Ans Aufgeben habe er dennoch nie gedacht. "Ich bin sicher, irgendwann explodiert die ganze Sache." Und dann müssten sich Mobilfunkbetreiber und Regierung den Tatsachen stellen: den unwiderlegbaren, wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Schädlichkeit hochfrequenter Strahlung. Kraft für sein zähes Ringen um Kompromisse schöpft der 53-jährige Vater eines erwachsenen Sohnes derweil aus der täglichen Meditation und aus seinen Hobbys Gartenarbeit, Radfahren und Wandern. Obwohl er sein Haus mittlerweile mit Spezialtapeten und Metall-Fliegengittern abgeschirmt hat, träumt der Naturfreund davon, irgendwann an einem strahlungsfreien oder zumindest -armen Ort zu leben. Die Schwäbische Alb, von der seine Frau, die Grünen-Politikerin Lucia Schmidt stammt, wäre so ein Ort. Oder - warum in die Ferne schweifen? - Münsing. "Dank der starken Dorfgemeinschaft gibt`s dort keinen Mobilfunk. Dieser Zusammenhalt und diese Verantwortungsbereitschaft fehlen mir in Wolfratshausen."Tanja Lühr
mm