Bremgarten: Verhärtete Fronten im umstrittenen UMTS-Antennen

The Future's black

Bremgarten: Verhärtete Fronten im umstrittenen UMTS-Antennen

Beitrag von The Future's black » 8. September 2005 12:46

© Mittelland Zeitung; 08.09.2005

Tabloid Wohlen

Vorwürfe und offene Fragen

Bremgarten Verhärtete Fronten im umstrittenen UMTS-Antennenausbau auf dem Staubli-Wohnblock

Lukas Schumacher

Nach der Verhandlung zwischen Einsprechern und Vertretern des Kommunikationsunternehmens Orange im Reussbrückesaal ist nur eines klar: Der Ball liegt eindeutig bei der Stadtbehörde Bremgarten.

Hat die Stadtbehörde im Vorfeld der Einspracheverhandlung unrechtmässig gehandelt, weil sie bloss 15 Einsprecher zulassen wollte? Weist das Orange-Baugesuch zum Ausbau der Mobilfunkantenne auf dem Staubli-Wohnblock an der Zürcherstrasse mehrere Mängel auf? Muss die Einspracheverhandlung oder gar das ganze Genehmigungsverfahren nochmals neu aufgerollt werden? Jürg Zimmermann, der Vertreter des Einsprachenkomitees «Antenne Bremgarten», listete an der Verhandlungsrunde im Reussbrückesaal nicht weniger als 12 Versäumnisse, Verfehlungen und Ungereimtheiten auf, welche die Stadtbehörde Bremgarten und das Kommunikationsunternehmen Orange begangen haben sollen. Zimmermann verlangte die sofortige Vertagung der Verhandlung, drang damit aber nicht durch.

Unter der Verhandlungsleitung von Stadträtin und Bauressortvorsteherin Barbara Krom legte eine dreiköpfige Delgation von Orange anschliessend ihre Standpunkte dar. Danach hielt Jürg Zimmermann ein Referat, in dessen Mittelpunkt die Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit hochfrequenten elektromagnetischen Wellen standen. Eine kurze Diskussion beendete die gut zweieinhab Stunden dauernde Verhandlung. Anwesend waren lediglich zehn Einsprecherinnen und Einsprecher; rund 1300 hatten die Sammeleinsprache vor 17 Monaten unterzeichnet und sich so zur Wehr gesetzt gegen das Ansinnen, die GSM-Antenne auf dem Staubli-Block zur UMTS-Antenne aufzurüsten.

An der Verhandlung als Beobachter dabei war Martin Joho von der Sektion Luft und Lärm des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt. Wie beurteilt er den Ablauf des Verfahrens und die Verhandlung? Sind Hausaufgaben tatsächlich fehlerhaft oder unvollständig erledigt worden? «Kein Kommentar», sagte Martin Joho, «jetzt sind die Stadtbehörde und die Bauverwaltung Bremgarten am Zug.»

Stadträtin Barbara Krom und Bauverwalter Marcel Weibel wollen die Mängelrügenliste der Einsprecher Punkt für Punkt überprüfen. Laut Krom wird der Gesamtstadtrat dann das weitere Vorgehen zum Antennengesuch festlegen und darüber informieren. In zwei bis drei Wochen soll es so weit sein. Dass die Einsprachverhandlung oder das ganze Verfahren neu aufgerollt werden muss, schliesst Barbara Krom «beim heutigen Stand der Dinge» aus.
..............................................................................................

© Solothurner Zeitung / MLZ; 08.09.2005

Grenchen Zeitung

Natel-Antenne kommt wohl

Eichholzquartier: Nicht genug Gegenargumente

Die Geschichte ist nicht neu. Die Swisscom will eine Natel-Antenne bauen. Die Anwohner sind dagegen. Das Gebiet im aktuellen Fall: die Untere Bucheggstrasse im Eichholzquartier. Kaum zehn Meter von der Staadstrasse ragt hier das Profil der geplanten Antenne über dem Handy-Center in die Höhe. Gestern trafen sich eine Delegation der Quartierbewohner mit Vertretern der Swisscom, der Grenchner Bau-, Planungs- und Umweltkommission (Bapluk) mit Paul Winistörfer vom kantonalen Rechtsdienst Bau. Grund: Die Swisscom Mobile AG hat beim Solothurner Bau- und Justizdepartement (BJD) Beschwerde gegen die Ablehnung des Baugesuches durch die Bapluk eingereicht. Winistörfer nahm vor Ort einen Augenschein und hörte sich dabei die Argumente der Parteien an, bevor der Entscheid über die Beschwerde gefällt wird.

Warum nicht beim «Schuttplatz»?

«Wir sind nicht grundsätzlich gegen Natel-Antennen», sagte Anwohner und Einsprecher Markus Cattin namens der gut 120 Anwohner, die eine Petition gegen die Antenne unterschrieben haben. «Aber hier ist sie nur gerade 20 bis 30 Meter von den nächsten Wohnhäusern weg. Zudem liegt sie gerade zwischen zwei Schulen.» Zudem äusserten die erschienenen Quartierbewohner Ängste, die Strahlung der Antenne werde ihre Gesundheit beeinträchtigen, und dass ihre Häuser an Wert verlören, wenn die Antenne gebaut würde.

«Unser Vorschlag ist es, die Antenne etwas südlicher zu bauen», so Cattin. Einer seiner Mitstreiter schlug vor, sie beim Fussballplatz hinzustellen. «Das wird nicht möglich sein», konterte Peter Kummer, der Projektleiter von der Swisscom Geschäftsstelle Biel. «Dort unten haben wir bereits eine Antenne. Kapazitätsengpässe haben wir aber hier in diesem Bereich.» Eine Verschiebung des Projektes sei nur innerhalb eines begrenzten Perimeters möglich.

Nicht genug Argumente für Ablehnung

Winistörfer machte den Anwohnern nicht viel Hoffnung, obwohl er seine Entscheidung nicht sofort fällte. «Wenn das Swisscom-Projekt konform der Verordnung nichtionisierender Strahlung (Nisv) ist, braucht es andere schwer wiegende Gründe, um der Swisscom die Baugenehmigung nicht zu erteilen.» Die Bapluk hatte mit der Ästhetik des Standortes am Ortseingang Grenchens und mit der gewachsenen Struktur des Wohnquartiers argumentiert. Das alleine reiche nicht, so Winistörfer. Er brauche mehr Argumente. Was an dem Standort denn besonders schützenswert sei? Die Antworten konnte die für die Bapluk anwesende Petra Schwaller nicht liefern. Auch die gesundheitlichen Argumente seien laut Winistörfer nicht astrein, weil sie nicht wissenschaftlich belegt seien. «Lehnen wir die Beschwerde der Swisscom ab, können sie diese ans Verwaltungsgericht weiterziehen», erläuterte Winistörfer. Lägen keine weiteren Gründe für eine Ablehnung vor, stünden die Chancen für die Swisscom gut, damit durchzukommen. Allerdings stehe auch den Anwohnern die Möglichkeit offen, gegen den Entscheid des BJD Beschwerde einzulegen. (st)

...............................................................................................
© Aargauer Zeitung / MLZ; 08.09.2005

Thema Zeitung


Mobilfunk und Wohlbefinden Die vielfältigen Schwierigkeiten der Beweisführung

Viele Menschen klagen über Beschwerden, von denen sie glauben, dass sie vom Mobilfunk stammen. Die Wissenschaft sagt allerdings immer noch: «Nicht gesichert.»

Christoph Bopp

Natürlich macht Handyfunk krank. Kopfweh, Übelkeit, Konzentrationsprobleme, Ohrensausen, Einschlafprobleme und was sonst immer noch - die Symptome sind mannigfaltig bekannt. Und eben das sollte doch stutzig machen. Wer hatte nicht schon Kopfweh? Vor allem nach einer durchzechten Nacht? Es gibt nur wenige, die von sich behaupten dürfen, sie könnten sich jederzeit und so lange, wie sie wollen, voll konzentrieren. Mit dem Einschlafen tat sich jeder schon mal schwer. Und Müdigkeit als Krankheitssymptom getraut sich schon kaum jemand mehr anzugeben.

Eine andere Geschichte: In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in London eine Durchfallepidemie mit vielen Todesfällen. 1854 begann der Londoner Arzt John Snow alle Todesfälle, wo Durchfall die Ursache war, in einen Stadtplan einzutragen. Dabei stellte er eine auffällige Häufung im Umfeld eines öffentlichen Brunnens fest. Die Vermutung, das Trinkwasser könnte der Auslöser der Krankheit sein, bestätigte sich, als die Erkrankungen zurückgingen, nachdem man diese Trinkwasserpumpe geschlossen hatte.

Dass die Krankheit die Cholera war, war damals nicht bekannt. Das Cholerabakterium wurde erst 30 Jahre später durch Robert Koch entdeckt. Wie die Bakterien die Darmschleimhaut angreifen, entdeckte man erst 70 Jahre später. Bis ein praktikabler Cholera-impfstoff zur Verfügung stand, ging es noch einmal 50 Jahre.

Mobilfunkleiden als Epidemie

Niemandem würde es einfallen, die Schliessung des Brunnens als ungerechtfertigt darzustellen, nur weil man nicht wusste, wie der Durchfall aus dem Trinkwasser in den menschlichen Darm kam. Was man also machen sollte, wäre eine epidemiologische Untersuchung, möglichst breit angelegt. So einfach wie mit John Snows Brunnen liegt der Fall allerdings nicht.

Unter anderem aus diesen Gründen:

- Die Mobilfunk-Symptome sind nicht sehr spezifisch, sondern treten auch in Begleitung oder als Folge aller möglichen Erkrankungen oder allen gesundheitlichen Fehlverhaltens auf. Das liegt daran, dass «Wohlbefinden» kaum genau zu definieren ist.

- Nicht alle Menschen sind gleich stark betroffen. Während es offenbar elektro-sensible Menschen gibt, die sehr stark auf elektromagnetische Felder reagieren, spüren andere schlicht nichts.

- Es gibt keine Vergleichsgruppen. Man müsste die Antennen für eine gewisse Zeit abstellen und dann die gesundheitlichen Veränderung beobachten und dokumentieren. Örtliche Veränderung oder «In den Ferien spüre ich nichts»-Aussagen sind wenig aussagekräftig, weil da alles mögliche andere mitspielen kann.

Belastung reduzieren

Die Grenzwerte der Sendeanlagen werden in der Regel eingehalten. Nimmt man die Beschwerden der Leute ernst, müsste man sich also über die Grenzwerte Gedanken machen. Die Sendeanlagen sind aus Konkurrenzgründen (Erreichbarkeit) auf grösstmögliche Leistung eingestellt. Über 70 Prozent aller Telefongespräche werden innerhalb von Wohnungen und Häusern geführt. «Ist es nötig», fragte der Baubiologe Guido Huwiler anlässlich der Tagung «Gesundheit und Mobilfunk», welche die Schweizerische Interessengemeinschaft für Baubiologie/Bauökologie (SIB) an der ETH Zürich durchführte, «dass wir auch in der Tiefgarage auf dem Handy erreichbar sind?» Man könnte die Sendeleistung auch einschränken, ohne an Erreichbarkeit einzubüssen, wenn die Gebäude mit so genannten «Repeatern» ausgerüstet werden, welche das Signal innerhalb des Gebäudes verstärken. Gemäss den Fachleuten könnte man den Grenzwert um den Faktor 10 000 bis 100 000 verringern.

Baubiologe Huwiler fragt sich nun, ob die Lizenz, die der Bundesrat den Betreibern erteilt hatte, unter diesen Umständen noch gilt: «Ist der Mobilfunk nur für unterwegs gedacht oder als Ersatz der Kabeltelefonie?» Letzteres sei sicher nicht gemeint gewesen.

Bereits 2003 hatte die Nationalrätin der Grünen, Pia Hollenstein, das Projekt «Sanfter Mobilfunk» gefordert. Eine Mobilfunkversorgung mit tiefen Belastungswerten, die sich nicht nur an den Bedürfnissen der mobil telefonierenden Kundschaft orientiert, sondern das Allgemeinwohl im Auge behält. Brauchen wir wirklich jeden UMTS- Schnickschnack auf dem Handy?

Schnurlose Telefone im Haushalt

Sehr oft haben sich die DECT-Telefone (digitally enhanced cordless telephon), kabellose Telefonsysteme, als Ursache für Beschwerden entpuppt. Ihre Basisstationen senden pausenlos, auch wenn nicht telefoniert wird. Das kann eine Belastung zur Folge haben, die zu gesundheitlichen Störungen führen kann. Die Symptome verschwanden, wenn das Telefon ausgesteckt oder ersetzt wurde. Es wird empfohlen, den «Mobilfunksender in der eigenen Wohnung auszuschalten oder durch ein System zu ersetzen, das bei aufgelegtem Hörer nicht sendet».

silvan wegmann

Was die Wissenschaft erzeugt, ist vor allem Unsicherheit

Kommt man mit der Wissenschaft zur Wahrheit?

Eine «wissenschaftliche Wahrheit» im umgangssprachlichen Sinn gibt es nicht. Einige Wissenschaftstheoretiker unterscheiden Theorien, die im metaphorischen Sinn «näher bei der Wahrheit» liegen als andere. Das heisst, aus ihnen lassen sich bessere und vor allem mehr Vorhersagen ableiten. Andere Philosophen halten diese Unterscheidung nicht für sinnvoll. Theorien sind Konstrukte des menschlichen Geistes und haben mit der Wirklichkeit alle gleich viel oder gleich wenig zu tun. Sinnvoller ist es, wissenschaftliche Erkenntnis in Kategorien zu gliedern. Vorgeschlagen wird, wissenschaftliche Erkenntnisse in «gesicherte», «wahrscheinliche», «mögliche» und «unwahrscheinliche» einzuteilen.

Ist die moderne Wissenschaft «gegen» den Menschen?

Die moderne Wissenschaft ist eine methodische Auseinandersetzung mit den Phänomenen, die uns umgeben. Sie versucht, «wertfrei» zu sein, aber dies muss öffentlich immer wieder überprüft werden. Jedes Problem, das die Wissenschaft gelöst glaubt, wirft in der Regel weitere auf. Theorien müssen zudem prinzipiell widerlegbar sein.

Gibt es «gesicherte Erkenntnisse» beim Mobilfunk?

«Gesicherte Erkenntnisse» wären solche, die in unabhängigen Experimenten beliebig reproduziert werden können. Zu ihnen gehört eine Theorie, die auf plausible Weise einen Wirkungsmechanismus beschreibt. Man sollte also nachweisen, wie der Mobilfunk (und nur er) Leute krank machen kann. Und diese Theorie sollte nicht im Widerspruch zu anderen Theorien stehen, die gut bestätigt sind (bisher hat man angenommen, dass nichtionisierende Strahlung für den Menschen nicht schädlich ist). Die Handyfunk-Beobachtungen gehören sicher in die Kategorie «möglich», vielleicht sogar «wahrscheinlich»: Zwar ist der Wirkungsmechanismus nicht bekannt, aber die Beobachtungen sind trotz ihrer Vielfältigkeit in sich recht konsistent.

Warum unternimmt die Wissenschaft nichts?

Der Wissenschaftsbetrieb ist prinzipiell skeptisch. In der Regel produziert die Wissenschaft auch nicht konkrete Gewissheiten, sondern nur interpretationsbedürftige Wahrscheinlichkeiten. Konkrete Massnahmen müssen in der Politik beschlossen werden. Wissenschafter sollen aufklären, beraten, hinweisen - entscheiden müssen in einer Demokratie die gewählten Behörden und/oder das Volk. Beim gesellschaftliche Umgang mit Risiken gibt es immer eine Güterabwägung. Nutzen wird gegen Schaden abgewogen. Dahinter stehen immer «pressure groups», aber auch Dilemmata sind zu bewältigen. Autofahren finden wir gut, Lärm- und Schadstoffimmissionen nicht; mit dem Handy zu telefonieren ist okay, aber die Antenne in der Nachbarschaft stört uns. Und das Wichtigste: Der Nachweis einer vollständigen Ungefährlichkeit (Null-Risiko) ist unmöglich. (chb)
.............................................................................................
© St. Galler Tagblatt; 08.09.2005

Frontseite AT

Appenzeller Zeitung

Eine verkehrte Welt: Mitmachen oder mobil machen

Leserbrief zum Artikel «Orange macht mobil für UMTS», Appenzeller Zeitung vom 24. August 2005

Filme herunterladen, Pornographiestreifen auf dem Schulhof hinüberjassen, zu jeder Zeit über Sattelitenempfang live, Fernsehen, Gewaltfilme drehen, und sich dabei über die Hilflosigkeit seines ausgesuchten Opfers amüsieren, zu jeder Zeit an jedem x-beliebigen Ort den aktuellen Stand aller Medien und Informationen herunterladen ..., das alles ist machbar mit der neusten Technologie der Mobilfunktelefone.

Dass das bestimmt noch nicht alles ist, dafür sorgt die Technologieforschung bestimmt, denn schliesslich lässt sich damit eine Menge Geld verdienen. Nichts gegen Forschung und Entwicklung, wohlverstanden! Aber wo liegt die Schmerzgrenze des einzelnen Individuums? Wo dient die Forschung dem Leben, und wo richtet sie Schaden an? Worin liegt die Motivation, Neues auf den Markt zu bringen?

Der Artikel über die Mobil machung der UMTS-Antennen hat uns einmal mehr sehr beunruhigt und macht uns wütend und ohnmächtig zugleich. Unser krankhaftes Streben nach Bequemlichkeit und Voyeurismus macht uns blind vor den fatalen Folgen unseres Daseins. Wir brauche nicht Wissenschaftler zu sein, um zu kapieren, welch negative Folgen dieser Wahnsinn mit sich bringt. Gesunder Menschenverstand, ein wenig Wissen um unsere wunderbare Funktionstüchtigkeit unseres Körpers und unserer Seele ... und ein wenig kritische Auseinandersetzung mit den neusten Trends und Errungenschaften, genügen um zu begreifen, was da auf uns zukommt. Bereits leiden unzählig viele Menschen an den Folgen der zunehmenden Strahlenbelastung und haben kaum Möglichkeiten auszuweichen. Doch genügen die vorhandenen Studien noch nicht, diese Tatsache anzuerkennen. Warum wohl? Die Lobbys der Grosskonzerne lassen grüssen!

Gleichzeitig ist der Gesundheits-, Wellness- und Fitnesstrend in aller Munde. Wir lesen Bücher, Zeitschriften, besuchen Vorträge und Kurse, die uns aufklären, was für uns gut ist und wie wir unser Wohlbefinden steigern können. Alternativen Heilmethoden wird mehr Vertrauen geschenkt, und wir lernen dabei wieder unsere Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Wie graben altes Wissen unserer Vorfahren aus und suchen wieder neuen Sinn und Halt in der Spiritualität. In Elternworkshops erfahren wir, was unsere Kinder wirklich brauchen, um in einem gesunden Umfeld aufzuwachsen. Pädagogen appellieren an uns Erwachsene, vermehrt Verantwortung für das junge Leben und die Umwelt zu übernehmen. Kurz: Vorbild sein! Sie wünschen sich Zivilcourage und Unterstützung in ihrer Arbeit mit unseren Kindern und Jugendlichen. ... zur selben Zeit boomt der UMTS-Markt, mit all seinen Ausschweifungen.

Welch verkehrte Welt! Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: mitmachen oder mobil machen!

Sonja Schläpfer, Sabine Moricca, Elisabeth Büche,

Nadine Ostertag, Gabriela Iller

Speicher
..............................................................................................
© Der Bund; 06.09.2005; Seite 25

Stadt-Region

Der Bund

Unterstützung für Verbot

ZOLLIKOFEN · Zuerst sagte das Parlament Ja. Und nun will auch der Gemeinderat ein Verbot für Mobilfunkantennen auf gemeindeeigenem Land in der Verfassung von Zollikofen festschreiben. Das ist den Unterlagen für die nächste Sitzung des Gemeindeparlaments zu entnehmen, die am 21. September stattfinden. An dieser Sitzung wird sich das Parlament mit der Abstimmungsbotschaft an die Stimmberechtigten beschäftigen müssen, in der die Absichten der Volksmotion erklärt werden. Am 27. November findet dann die Volksabstimmung statt.

Allerdings: Eine Begründung für seine unterstützenden Worte liefert der Gemeinderat dem Parlament nicht. Gemeindepräsident Stefan Funk (fdp) sagt einzig, dass bereits sein Vorgänger zugesichert habe, künftig keine Verträge mehr mit Mobilfunkunternehmen mehr abzuschliessen. Als das Parlament diesen Februar über die Volksmotion beriet und eine Ergänzung der Verfassung mit 18 zu 15 Stimmen befürwortete, schwieg sich der zuständige Gemeinderat Urs Vock (cvp) noch über die Haltung der Exekutive aus.

Anlass für diese Diskussion ist die Mobilfunkantenne auf dem Sekundarschulhaus in Zollikofen, für die bis Ende Oktober 2008 ein gültiger Vertrag mit der Firma Sunrise existiert. Das Baugesuch für eine Erweiterung dieser Antenne ist im Moment sistiert. (rr)
...............................................................................................
© Limmattaler Tagblatt / MLZ; 07.09.2005

Region Wirtschaft Zeitung

Mit dem Kopf durch die Wand

Schlieren: Parlament verlangt eine Einschränkung von Mobilfunkantennen

Das Schlieremer Parlament will in der städtischen Bauordnung regeln, dass in Wohnquartieren keine neuen Mobilfunkantennen mehr gebaut werden können. Dass dies laut Stadtrat kaum möglich sein wird, davon will das Parlament nichts wissen.

Jürg KRebs
Plötzlich wurde die Parlamentssitzung zu fortgeschrittener Stunde nochmals emotional. Kein Wunder: Das Thema Mobilfunk war traktandiert - und zumindest dessen umstrittene Gefährlichkeit erhitzt bekanntlich die Gemüter. So auch in Schlieren.

Stein des Anstosses war das Baugesuch eines Mobilfunkanbieters für eine Antennenanlage auf dem Bahndamm oberhalb des Rainwegs. Eine Reihe von Quartierbewohnern störte sich am Vorhaben und begannen mobil zu machen. Schliesslich reichte CVP-Gemeinderätin Trudy Schönbächler eine Motion ein. Auch Schönbächler wäre von der geplanten Antenne auf dem Bahndamm unmittelbar betroffen. Die Gemeinderätin - und achtzehn Mitunterzeichner aus allen Fraktionen - verlangen eine Änderung der Bauordnung. Im Umkreis von 45 Metern von Mobilfunk-Antennen, wo die Strahlung am intensivsten ist, dürfen sich «keine Wohnungen, Spielplätze, Schulhäuser und Orte mit empfindlicher Nutzung befinden».

Angst vor erhöhtem Krebsrisiko

Bei der Vorstellung ihrer Motion im Rat kam Trudy Schönbächler schnell auf die Angst zu sprechen: Die Angst, dass die Strahlen der Mobilfunk-Antennen gesundheitsschädlich sind. Sie zitierte Untersuchungen die besagen, dass Migräne, Ohrenrauschen, Schlafstörungen oder auch ein erhöhtes Krebsrisiko direkte Folgen sein können. «Es stimmt nicht, dass es keine wissenschaftlichen Beweise für die Schädlichkeit von Mobilfunk gibt», so Schönbächler.

Die Motion biete Schutz, so Schönbächler. Vor Hautkrebs schütze man sich schliesslich auch. Sie sehe nicht ein, dass man wie einst beim Asbest erst reagieren wolle, wenn die Spätfolgen offensichtlich würden.

Mit einigem Ärger im Bauch erzählte Schönbächler auch von den Erfahrungen in Stäfa, wo die Gemeinde ein Moratorium für den Bau von Mobilfunk-Antennen erlassen hatte. Dieses hatte der Regierungsrat kürzlich nach dem Rekurs eines Mobilfunkanbieters aber aufgehoben.

Schönbächler zeigte sich kämpferisch, denn sie wusste bereits, dass der Stadtrat die Entgegennahme ihrer Motion verweigern würde: «Wir brauchen keine Angst zu haben. Wir haben bereits einmal gegen den Kanton gewonnen, als er uns eine Asylunterkunft im Hotel Tivoli aufzwingen wollte.»

«Mobilfunk ist Bundessache»

Stadtrat Jean-Claude Perrin (SVP) wollte dennoch nicht einlenken. «Der Stadtrat kann die Motion nicht entgegennehmen», erklärte er, «und zwar von Gesetzes wegen.» Vorschriften im Telekommunikationsbereich seien Bundessache. Wenn das Parlament Druck machen wolle, dann könne es die Motion auch in ein Postulat umwandeln, damit der Stadtrat politisch agieren könne. Eine Änderung der Bauordnung sei aber nicht möglich.

Jean-Claude Perrin ist ein gebranntes Kind, was die Nutzung der Bauordnung zu politischen Zwecken betrifft. Seine Bemühungen mittels Bauordnung den Occasionshandel für Exportautos in der Stadt zu unterbinden, scheiterten vor ein paar Jahren letztlich an übergeordnetem Recht, an der Gewerbefreiheit.

Von übergeordnetem Recht wollte Trudy Schönbächler nichts wissen. Sie will mit dem Kopf durch die Wand. «Ich möchte eine Vorreiterrolle spielen. Es ist ein brisantes Thema», erklärte sie. Arthur Naumann (Quartierverein) unterstützte seine Ratskollegin: «Es geht hier nicht um eine Änderung der Bauordnung, sondern um eine Ergänzung, denn es gibt keinen Antennenparagrafen. Wenn der Regierungsrat diese Ergänzung nicht akzeptieren will, muss er dies begründen.»

Die Signale der längeren Debatte über die Gefährlichkeit von Mobilfunk kamen bei Stadtrat Perrin schlecht an. «Es werden zu viele Halbwahrheiten und zu viel Unwissen verbreitet», so der Stadtrat. Er schlug eine intensive Auseinandersetzung vor und regte eine Informationsveranstaltung mit Experten an.

Das Parlament akzeptierte beides. Mit 20 zu 10 Stimmen wurde Trudy Schönbächlers Motion an den Stadtrat überwiesen - und ihm ein Infoauftrag erteilt.

..............................................................................................

© Tages-Anzeiger; 07.09.2005; Seite 24

Leserforum

Antennen wie Medikamente prüfen

Moratorium gilt nicht, TA vom 31. 8.

Den Gemeinden ist es nicht erlaubt, Moratorien in Bezug auf neue UMTS-Antennen auszusprechen. Dieser Entscheid des Zürcher Regierungsrats betrifft lediglich die formelle Richtigkeit des Moratoriums und nicht den materiellen Inhalt. Ich bin sicher, dass einige Gemeinden kein Moratorium beschlossen hätten, wenn die Grenzwerte niedriger wären. Jedes neu auf den Markt kommende Medikament muss zuvor jahrelang auf seine Gesundheitsverträglichkeit geprüft werden. Dies ganz im Gegensatz zur Bestrahlung durch Elektrosmog, wo momentan «Versuche am Menschen» gemacht werden. Da die Mobilfunk-Technologie relativ neu ist, gibt es nur wenige Untersuchungen zur Langzeitwirkung auf den Menschen! Die allfälligen sozialen und medizinischen Kosten tragen wir alle. Es braucht leider einen enormen Druck der Bevölkerung, der Gemeinde- und Kantonsbehörden, damit der Bund endlich die zu hohen Grenzwerte herabsetzt.

A. JENAL AMMANN, ERLENBACH
.............................................................................................
© Berner Zeitung; 07.09.2005; Seite 23

BZ-Rund um Bern

münsingen

1000 gegen Antennen

Gegen die UMTS-Antennen in Münsingen sind 53 Einsprachen mit über 1000 Unterschriften eingegangen.

Zahlreiche Münsingerinnen und Münsinger sind gegen das Installieren von Mobilfunkantennen in der Sägematte. Die inzwischen eingetroffene Anlagegenehmigung des Beco (Berner Wirtschaftsamt) sowie die Stellungnahme von Sunrise zu den Einsprachen wurden den Einsprechern zugestellt. Die Bauherrschaft wurde aufgefordert, den Standort mittels Netzplan und Suchperimeter näher zu begründen. Anlässlich einer Begutachtung vor Ort hat sich die Münsinger Bau- und Planungskommission über den Standort der Antenne orientiert. Das Baugesuch der Sunrise wird von ihr entschieden werden.

Auch der Münsinger Gemeinderat ist besorgt über die zunehmende Antennendichte in den Siedlungen. Man nehme die Befürchtungen der Bevölkerung ernst, schreibt er in einer Medienmitteilung. Er verlangt darum von allen Mobilfunkbetreibern eine Prüfung, ob nicht ausserhalb des bewohnten Gebietes ein gemeinsamer Standort möglich sei. lfc
...............................................................................................
© Der Bund; 07.09.2005; Seite 24

Stadt-Region

Der Bund

Gemeinderat ist ebenfalls besorgt

MüNSINGEN · Der gewaltige Widerstand gegen die geplante UMTS-Antenne des Mobilfunkanbieters Sunrise im Wohnquartier Sägematte beschäftigt auch den Gemeinderat. Er sei ebenfalls besorgt über die zunehmende Mobilfunkantennendichte in Siedlungsgebieten und nehme die Befürchtungen der Bevölkerung wegen der möglichen Gesundheitsschädigungen durch die Strahlung der Anlagen ernst, schreibt der Gemeinderat in einem Communiqué. Den Worten will die Exekutive Taten folgen lassen: Von den Mobilfunkbetreibern verlangt der Gemeinderat nun, das gesamte Gemeindegebiet nach möglichen koordinierten Standorten ausserhalb der dicht besiedelten Wohngebiete zu prüfen. Gemeinde und Anbieter sollen so zusammen einen behördenverbindlichen Leitplan erarbeiten, der aufzeigt, wo Antennen aufgestellt werden können. Bei der anstehenden Ortsplanungsrevision soll zudem die Aufnahme von Vorschriften geprüft werden, die den Antennenbau in Münsingen künftig verbindlich regeln, schreibt der Gemeinderat weiter.

Bezüglich des Baugesuchs der Sunrise im Sägematte-Quartier steht ein Entscheid der Bau- und Planungskommission noch aus. Gegen das Vorhaben sind 53 Einsprachen mit über 1000 Unterschriften eingegangen. Am nächsten Montag wird sich auch das Gemeindeparlament mit dem Thema Mobilfunk befassen: Hängig sind zwei Vorstösse von Vertretern der Freien Wähler sowie der SP. Zur Debatte steht unter anderem ein Antennenmoratorium. (vgl. «Bund» vom 21. 6.). (pd/ige)