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Alarmierende Strahlen-Studie/Swisscom Mobile: «UMTS lastet a

Verfasst: 19. September 2005 13:28
von The Future's black
© Basler Zeitung; 19.09.2005; Seite 30


Alarmierende Strahlen-Studie

Antennen erregen die Gemüter; baz 29. 8. 05

Weit unterhalb des Grenzwertes entstehen Krankheiten, so steht es in der neusten Publikation des Buwal. Diese Tatsache ist den Betreibern bekannt. Das Bundesgericht erklärte letztes Jahr, nur der Bundesrat könne den Grenzwert senken. Philippe Roch, Direktor des Buwal, verlangte von Bundesrat Leuenberger die Senkung des Grenzwertes. Ende Juli hat Philippe Roch das Buwal verlassen. Auch das BAG - das zu Bundesrat Couchepin gehört, als höchste Hüterin der Gesundheit in unserem Land - müsste längst handeln. Der Antennenwald wird unablässig erweitert, trotz des besorgniserregenden Ergebnisses der Eureflex-Studie, an welche der Bund beinahe 800 000 Fanken beisteuerte. Diese Studie konnte die Gentoxitität der gepulsten elektromagnetischen Strahlung nachweisen. Auch weitere Studien sind ebenfalls besorgniserregend, zum Beispiel Naila, Schwarzenburg, Lilienfeld. Das Bamberger Symposium vom 29. Januar 2005, das von verantwortungsvollen deutschen Ärzten organisiert wurde, bestätigt die Aussage in der Buwal-Publikation. Das Buwal spricht ausserdem von 5 Prozent elektrosensiblen Personen. Im Basler Gesundheitsgesetz gibt es einen Artikel zur Epidemiebekämpfung. Folglich besteht für den Kanton Basel-Stadt Handlungsbedarf nach BV Art. 9: «Schutz vor Willkür und Wahrung von Treu und Glauben.» Vorsorglich handeln hiesse, USG Art. 14 durchzusetzen, das heisst: den Grenzwert stark zu senken. Die Schweizerische NISV berücksichtigt lediglich die unbedeutenden thermischen Effekte.

Heidi Steiner, Basel

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© Tages-Anzeiger; 19.09.2005; Seite 27

Wirtschaft

«UMTS lastet auf Profitabilität»

Vor drei Monaten hat Swisscom den Einheitstarif für Handys lanciert. Seither werde wieder mehr mobiltelefoniert, sagt der Chef von Swisscom Mobile.

Mit Carsten Schloter sprach Angela Barandun in Bern
Anfang Juni erlebte die Schweiz im Mobilfunk die erste wirkliche Preisrunde seit Jahren. Damals hat die Swisscom - mit dem Druck der Wettbewerbskommission im Nacken - unter dem Namen Liberty ein Handyabo mit Einheitstarif lanciert. Seither kostet eine Stunde mobiltelefonieren 50 Rappen. Dieser Preis gilt allerdings nur, wenn man auf dem Swisscom-Netz bleibt oder ins Festnetz telefoniert. Anrufe auf die fremden Netze von Sunrise und Orange kosten ebenfalls 50 Rappen - aber nicht pro Stunde, sondern pro Minute.

Herr Schloter, der Unterschied zwischen den Tarifen für Swisscom- und Fremdnetze war noch nie so gross wie heute. Ihr Liberty-Abo ist nur dann billig, wenn der Gesprächspartner an einem Festnetzgerät sitzt - oder auch Swisscom-Kunde ist.

Das stimmt nicht. Wir haben auch die Kosten für Gespräche auf Sunrise- und Orange-Handys massiv gesenkt. Wenn man die 50 Rappen, die wir pro Minute für einen Anruf auf das Orange-Netz verlangen, mit den 37 Rappen vergleichen, die wir dafür direkt an Orange zahlen müssen, dann sind wir bei einer Marge, welche die Migros auf einem Stück Fleisch macht.

Trotzdem ist die Preisdifferenz krass.

Aber der Kunde merkt es, wenn er einen Sunrise- oder Orange-Kunden anruft. Seit einiger Zeit wird das nämlich vor dem ersten Klingeln durch einen Piepston signalisiert. Damit wissen die Kundinnen und Kunden zum ersten Mal jederzeit, wie viel ihr Anruf kostet.

Hat sich das Kundenverhalten verändert?

Die Liberty-Kunden haben im ersten Monat 25 Prozent mehr Anrufe getätigt - auf die Festnetze und das Swisscom-Netz, aber auch auf die Fremdnetze.

Im ersten Monat gab es aber auch noch kein Piepsen, das den Kunden vor dem Fremdnetz gewarnt hätte.

Gut, aber später, als es das Piepsen gab, haben die Kunden die Zahl ihrer Anrufe sogar verdoppelt. Auch auf die anderen Netze. Das heisst, der Stimulationseffekt ist überall identisch.

Gilt das auch für die Anrufdauer?

Die Anrufdauer ist mit dem billigen Tarif nur marginal gestiegen. Von 1,8 Minuten auf 2,2 Minuten pro Gespräch.

Und für Anrufe in die Fremdnetze?

Hier dürfte die Gesprächsdauer bei 1,8 Minuten gleich geblieben sein.

Das heisst, Liberty ist ein kommerzieller Erfolg für die Swisscom.

Ja, aber auch die Anzahl Anrufe auf die fremden Netze hat sich verdoppelt. Wegen der Terminierungsgebühren, die wir an Sunrise und Orange bezahlen müssen, ist der Tarif also auch für unsere Mitbewerber ein lukratives Geschäft.

Das Piepsen hat einen disziplinierenden Effekt. Der Kunde denkt: «Oops, falsches Netz - jetzt wirds teuer.»

Aber, und das ist nachweisbar, die Gespräche auf die Fremdnetze sind auch nach der Einführung des Piepstons nicht kürzer geworden. Und die Anzahl der Gespräche ist sogar gestiegen.

Dennoch: Seit dem Start von Liberty vor gut drei Monaten hat sich das Verhalten der Nutzer nachhaltig verändert. Heute muss man sich überlegen, wen man auf welcher Nummer anruft und ob man besser das Handy nimmt oder das Festnetz. Der Wechsel vom Fest- aufs Mobilnetz wird beschleunigt.

Das ist sicher so. Und das war eines unserer Ziele. Wissen Sie, der Liberty-Tarif hat im Augenblick nur Vorteile für unsere Mitbewerber. Aber er hat den rückläufigen Minutentrend umgekehrt. Wir haben Jahr für Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag verloren, weil die Kundinnen und Kunden permanent weniger telefoniert haben, und zwar auf Grund ihrer Preiswahrnehmung.

Die Wahrnehmung hat sich also geändert.

Genau. Damit findet auch eine Verschiebung von Gesprächsminuten statt, vom Festnetz auf das Mobiltelefon. Und das ist ganz klar unser unternehmerisches Ziel.

Führt das nicht zu internen Spannungen mit Swisscom Fixnet?

Die Welt entwickelt sich in eine klare Richtung: Telefonie auf dem Festnetz wird irgendwann zu Pauschaltarifen angeboten. Auch weil die Mobiltelefonie einen Mehrwert bietet, wandern diese Minuten sukzessive ab.

Und da sind die Leute von Swisscom Fixnet Ihrer Meinung? Sie kannibalisieren deren Geschäft . . .

Wir haben alle dasselbe Bild der Zukunft. In fünf bis zehn Jahren werden die meisten Kunden ihre Sprachtelefonie nur noch mit dem Mobiltelefon machen. In vielen Situationen ist es ja unsinnig, zwei Telefone zu haben. (Carsten Schloters neues M-Budget-Handy klingelt, der Rufton ist das Migros-Signet.)

Also werden Fixnet und Mobile in naher Zukunft wieder fusionieren?

Im Geschäftskundenbereich stellt sich diese Frage früher. Bei den Privatkunden sehe ich eine solche Entwicklung bis auf weiteres nicht. Aber ich finde, die Idee der vollständigen Konvergenz - also die Verschmelzung der Mobil- und Festnetzanschlüsse - ist eher ein Hype.

Aber viele Experten gehen davon aus, dass das Festnetz zum Tode verurteilt ist.

Nein, das Festnetztelefon spielt gerade für Familien eine ganz zentrale Rolle - weil es der gemeinsame Anschluss ist.

In einer neuen Studie sagt die Beratungsfirma Booz Allen Hamilton voraus, dass ab dem Jahr 2007 die breite Bevölkerung in Europa anfangen wird, auf dem Handy fernzusehen. Was sagen Sie dazu?

Heute nutzt die Hälfte der über 40 000 UMTS-Handykunden unser Fernsehangebot. Man kann also nicht sagen, dass es ein Massenprodukt ist. 2007 ist keine zwei Jahre mehr weg. Sagen wirs so: Ich bin skeptisch.

Wie viel verdienen Sie damit?

Das ist bei der ganzen UMTS-Geschichte eine relativ schwierige Frage. Wir können die Infrastrukturkosten nicht einfach auf die jetzigen Kunden verteilen.

Sie können aber bestimmt sagen, wie viel Umsatz Sie damit erzielen?

Mit den neuen Datendiensten - also TV, Musik- und Game-Downloads, Steckkarten für den Computer und so weiter - erwirtschaften wir einen Jahresumsatz von 160 bis 180 Millionen Franken. Die monatlichen Umsätze steigen jeweils um 40 bis 50 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahresmonat.

UMTS ist ja erst vor einem Jahr gestartet . . .

Eben. UMTS ist nicht die einzige Übertragungstechnologie, aber sie hat massgebend dazu beigetragen, dass wir den Umsatz der neuen Datendienste innert einem Jahr auf 160 Millionen steigern konnten. Kein schlechter Anfang, oder?

Na ja, das hängt wohl davon ab, wie viel Sie investieren mussten.

Das Gesamtinvestitionsvolumen in diese neuen Datendienste und das UMTS-Netz beläuft sich auf rund 500 Millionen Franken.

Lohnt sich das tatsächlich?

Aus einer reinen Wettbewerbsdynamik heraus ist UMTS ein Muss. Aber ich kann heute noch nicht sagen, ob sich die Investitionen betriebswirtschaftlich rechnen werden. In einer Monopolstellung hätte man auf die UMTS-Technologie verzichten und das Geschäft auf der alten Infrastruktur möglichst lange weiterführen können.

Sie zweifeln also daran, dass UMTS ein finanzieller Erfolg wird?

Es macht unser Geschäft bestimmt nicht rentabler. UMTS erhöht die Komplexität und verdoppelt die Netzinfrastruktur. Das heisst, es lastet notwendigerweise auch auf unserer Profitabilität.

Das gehört zum Geschäft, schliesslich hat sich die Schweiz vor Jahren entschieden, dass sie einen Infrastrukturwettbewerb will.

Ja, das Problem ist aber, dass der Trend in der Schweiz wieder in Richtung «Mehr Regulierung» läuft. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) überlegt ernsthaft, in Zukunft bei der Vergabe von Infrastrukturlizenzen eine Klausel einzubauen, die den Anbieter verpflichtet, sein Netz den Mitbewerbern zu kostenorientierten Preisen zur Verfügung zu stellen. Da stellt sich tatsächlich die Frage, wie attraktiv das Geschäftsmodell Mobilfunk in Zukunft überhaupt noch ist.

Wieso das?

Keiner der Mobilnetzanbieter kann seine heutige Infrastruktur ohne permanente zusätzliche Investitionen betreiben. Man muss sie auf den neusten technologischen Stand bringen. Der alte Standard GSM wird in sieben, acht Jahren komplett durch UMTS abgelöst sein.

Bei Betriebsgewinnmargen von über 46 Prozent kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass das Handygeschäft plötzlich unattraktiv werden könnte.

Sie vergessen die hohen Kapitalkosten und die Abschreibungen. Und das Technologierisiko. Die Technologie erneuert sich ständig, ohne dass der Kunde mehr zu zahlen bereit ist.

Das ist in vielen Industrien so. Bei Autos, Computern . . .

Ja, aber die sind nicht in einem solchen Masse reguliert . . .

. . . und geben sich darum mit kleineren Margen zufrieden. Die Swisscom wird den Mobilfunk auch mit mehr Regulierung nicht aufgeben.

Nein, da haben Sie Recht. Das werden wir auf keinen Fall tun. Aber das Risiko, dass die Regulierung durch die Behörden in Zukunft den Wettbewerb verzerren könnte, ist erheblich