Anschuldigungen um Mobilfunkstudien
Verfasst: 19. Juli 2008 10:10
K o m m e n t a r z u r Mo b i l f u n k f o r s c h u n g
Anschuldigungen um Mobilfunkstudien
weiten sich aus
Seit einigen Monaten werden die Töne schärfer, wenn es
um die positiven Ergebnisse der unabhängigen Forschung
geht. Der Industrie kann es keinesfalls recht sein, wenn die
Forschung immer mehr Beweise für schädigende Auswirkungen
der Mobilfunkstrahlung liefert.
Als Dr. Oberfeld im Januar 2008 (s. auch ElektrosmogReport
2/2008) die Ergebnisse zur Krebshäufigkeit im Zusammenhang
mit einem C-Netz-Sender in der Nähe von Graz veröffentlichte,
kamen prompte Reaktionen von der Mobilfunkindustrie,
in denen u. a. behauptet wurde, es hätte dort nie einen CNetz-
Sender gegeben. Man sprach von „falschem Gutachten“
und man wolle gegen Oberfeld klagen. In einer Pressemitteilung
von Oberfeld (27.03.2008) wird über die Reaktion des
Forum Mobilkommunikation (FMK), einem Organ für Presseund
Öffentlichkeitsarbeit der Mobilfunkindustrie, berichtet:
„Die Reihe der verunglimpfenden und desavouierenden Pressemeldungen
wird vom FMK nunmehr offenbar fortgesetzt.“
Weder beim FMK noch bei dem zuständigen Ministerium war
man bereit gewesen, auf Anfragen Oberfelds zu den C-Netz-
Daten Auskunft zu geben, worauf Oberfeld seine Kontakte
genutzt habe, um zu den benötigten Informationen zu kommen.
Später hieß es, die Daten seien gelöscht worden. Zitat:
„Die steirischen Grünen sehen in der Klage der Mobilfunkbetreiber
den Versuch, einen Kritiker mundtot zu machen.“
Die Mobilfunk-kritische Institution Gigaherz in der Schweiz
stellte die nahe liegende (und vielleicht die FMK verblüffende)
Frage, wie denn Daten gelöscht werden können, die es gar
nicht gegeben hat.
Nun werden zwei weitere Forscher in Misskredit gebracht: Die
Professoren Adlkofer (München) und Rüdiger (Wien). Ihnen
wird vorgeworfen, Daten von Experimenten, die Genschäden
durch Mobilfunkstrahlung hervorgebracht hatten, gefälscht zu
haben. Eine Laborassistentin von Prof. Rüdiger soll die Datenfälschung
öffentlich gemacht haben. Die beiden Professoren
konterten, dass es einen Irrtum bei den Auswertungen gegeben
habe, aber von Fälschung keine Rede sein könne, schon gar
nicht in dem fraglichen Zeitraum. Die Verwaltung der Wiener
Universität verlangte, die Veröffentlichungen zurückzuziehen.
Die jüngsten Beschuldigungen sind in ungewöhnlich scharfer
Form geäußert worden, aber schon die Reaktionen der Industrie
auf die Oberfeld-Studie waren heftig. Man bekommt den
Eindruck, die Industrie beißt um sich, als stünde sie mit dem
Rücken zur Wand. Niemand in den Medien regt sich auf,
wenn in einer Studie, veröffentlicht in der renommierten
Fachzeitschrift Bioelectromagnetics und von der Forschungsgemeinschaft
Funk bezahlt, offensichtlich statistische Manipulationen
vorgenommen werden, die auch jemandem auffallen
müssen, der nicht ausgewiesener Statistiker ist. Elektrosmog-
Report berichtete darüber in der Ausgabe 11/2007, S. 3. Es
ging um die Einwirkung von UMTS-Strahlung auf Menschen
und die Reaktionsfähigkeit bzw. Aufmerksamkeit der Testpersonen.
Angeblich gab es keine Unterschiede zwischen bestrahlten
und scheinbestrahlten Probanden.
Schon in dem Bericht zum FGF-Workshop vom Mai 2007,
den die Forschungsgemeinschaft Funk (FGF) organisiert hatte
(im Januar 2008 erschien der Bericht zu dem Workshop) war
ein seltsamer Umgang mit Forschungsergebnissen zu bemerken.
Ein Thema waren die widersprüchlichen Ergebnisse von
Experimenten zur Genschädigung durch Hochfrequenz (eigentlich
nichts Neues). Der Tenor: Es gibt keine gentoxischen
Wirkungen, und wenn eine Schädigung erfolgte, dann wäre sie
thermischer Natur. Als ob das Problem damit erledigt wäre!
Das Gegenteil ist der Fall. Wenn die Ergebnisse auf thermische
Effekte zurückzuführen sind, dann werden diese eben bei
sehr viel geringeren Strahlungsintensitäten hervorgerufen, als
bisher immer (von den entsprechenden Akteuren) behauptet
wurde. Und dann müssen die Grenzwerte sofort herunter. Auf
dem Workshop referierte u. a. Prof. Niels Kuster von der ETH
Zürich über die Versuchsbedingungen, unter denen die Experimente
zur Untersuchung der Wirkung von elektromagnetischen
Feldern durchgeführt werden. Er meinte, wenn die Biowissenschaftler
mehr mit den Technikern reden würden, wären
die Ergebnisse besser bzw. besser reproduzierbar. Man kann
auch umgekehrt einen Schuh daraus machen: Wenn die Techniker
sich öfter bei den Biowissenschaftlern kundig machen
würden, wäre die Einschätzung der Schädlichkeit von elektromagnetischen
Feldern oftmals realistischer und sachlich der
Realität näher. Bis jetzt ist es überwiegend so, dass Techniker
aus den Biowissenschaften und auch Physiker sich anmaßen,
über Epidemiologie und Abläufe in der Zelle besser Bescheid
zu wissen als die Fachleute, nämlich kompetente Mediziner,
Biochemiker und Physiologen. Es scheint, als wäre der Workshop
nur zu dem Zweck veranstaltet worden, die Experimente
mit wissenschaftlich positiven Ergebnissen in Misskredit zu
bringen. An jedem Befund irgendeiner der betrachteten Arbeit
war ein Fehler zu finden, während die negativen Ergebnisse
automatisch als 100%ig korrekt und akkurat durchgeführt zu
betrachten sind; sie werden jedenfalls nicht diskutiert. Die
Kalibrierung ist angeblich mangelhaft, die Testsysteme ungeeignet
usw., als wären die Wissenschaftler, die positive Ergebnisse
liefern, zu blöd, ihre Arbeit zu machen. Die Diskussion
ging völlig am Problem vorbei, denn es war noch nie ein Geheimnis,
dass mit lebenden Systemen widersprüchliche Ergebnisse
produziert werden. Ursache ist aber neben – selbstverständlich
auch vorkommenden – Fehlern schlicht die Tatsache,
dass lebende Systeme äußerst flexibel und unberechenbar auf
die Umwelt reagieren. Und dazu gehört auch Zellstress. In die
Reihe passen die neuen Meldungen zu den Interphone-Studien.
Einige der beteiligten Forscher bewerten die Ergebnisse offenbar
nun anders als zuvor. Es mutet schon seltsam an, dass,
wenn die Forschung etwas nicht genehmes Signifikantes findet
– z. B. erhöhte Tumorrate am Kopf auf der Seite, an der das
Telefon gehalten wird –diese Ergebnisse prompt auf Irrtümer
verschiedener Art zurückzuführen sind. Es wird den Patienten
beispielsweise unterstellt, dass sie sich nicht richtig erinnern,
wie sie ihr Telefon halten, weil angeblich der Tumor dazu
führt, dass die Leute denken, sie hätten das Telefon immer an
die Tumorseite gehalten. Der Tumor hat ihnen den Verstand
vernebelt? Das ist geradezu albern. Gibt es allerdings keine
signifikanten Unterschiede oder Widersprüche, die Ergebnisse
also geeignet sind, die Bevölkerung zu beruhigen, werden
keine Zweifel am Erinnerungsvermögen der Probanden oder
den Versuchsbedingungen geäußert.
Die Diskussion muss also darum gehen, wie die Widersprüche
gehandhabt, d. h. interpretiert werden, und zwar mit negativen
und positiven Befunden. Wenn in Experimenten Schädigungen
zu finden sind, dann können sie auch im realen Leben
auftreten, mal mehr und mal weniger ausgeprägt, signifikant
oder nicht. Und ebenso können – nicht zu vergessen – negative
Befunde falsch sein oder in die Irre führen.
Anschuldigungen um Mobilfunkstudien
weiten sich aus
Seit einigen Monaten werden die Töne schärfer, wenn es
um die positiven Ergebnisse der unabhängigen Forschung
geht. Der Industrie kann es keinesfalls recht sein, wenn die
Forschung immer mehr Beweise für schädigende Auswirkungen
der Mobilfunkstrahlung liefert.
Als Dr. Oberfeld im Januar 2008 (s. auch ElektrosmogReport
2/2008) die Ergebnisse zur Krebshäufigkeit im Zusammenhang
mit einem C-Netz-Sender in der Nähe von Graz veröffentlichte,
kamen prompte Reaktionen von der Mobilfunkindustrie,
in denen u. a. behauptet wurde, es hätte dort nie einen CNetz-
Sender gegeben. Man sprach von „falschem Gutachten“
und man wolle gegen Oberfeld klagen. In einer Pressemitteilung
von Oberfeld (27.03.2008) wird über die Reaktion des
Forum Mobilkommunikation (FMK), einem Organ für Presseund
Öffentlichkeitsarbeit der Mobilfunkindustrie, berichtet:
„Die Reihe der verunglimpfenden und desavouierenden Pressemeldungen
wird vom FMK nunmehr offenbar fortgesetzt.“
Weder beim FMK noch bei dem zuständigen Ministerium war
man bereit gewesen, auf Anfragen Oberfelds zu den C-Netz-
Daten Auskunft zu geben, worauf Oberfeld seine Kontakte
genutzt habe, um zu den benötigten Informationen zu kommen.
Später hieß es, die Daten seien gelöscht worden. Zitat:
„Die steirischen Grünen sehen in der Klage der Mobilfunkbetreiber
den Versuch, einen Kritiker mundtot zu machen.“
Die Mobilfunk-kritische Institution Gigaherz in der Schweiz
stellte die nahe liegende (und vielleicht die FMK verblüffende)
Frage, wie denn Daten gelöscht werden können, die es gar
nicht gegeben hat.
Nun werden zwei weitere Forscher in Misskredit gebracht: Die
Professoren Adlkofer (München) und Rüdiger (Wien). Ihnen
wird vorgeworfen, Daten von Experimenten, die Genschäden
durch Mobilfunkstrahlung hervorgebracht hatten, gefälscht zu
haben. Eine Laborassistentin von Prof. Rüdiger soll die Datenfälschung
öffentlich gemacht haben. Die beiden Professoren
konterten, dass es einen Irrtum bei den Auswertungen gegeben
habe, aber von Fälschung keine Rede sein könne, schon gar
nicht in dem fraglichen Zeitraum. Die Verwaltung der Wiener
Universität verlangte, die Veröffentlichungen zurückzuziehen.
Die jüngsten Beschuldigungen sind in ungewöhnlich scharfer
Form geäußert worden, aber schon die Reaktionen der Industrie
auf die Oberfeld-Studie waren heftig. Man bekommt den
Eindruck, die Industrie beißt um sich, als stünde sie mit dem
Rücken zur Wand. Niemand in den Medien regt sich auf,
wenn in einer Studie, veröffentlicht in der renommierten
Fachzeitschrift Bioelectromagnetics und von der Forschungsgemeinschaft
Funk bezahlt, offensichtlich statistische Manipulationen
vorgenommen werden, die auch jemandem auffallen
müssen, der nicht ausgewiesener Statistiker ist. Elektrosmog-
Report berichtete darüber in der Ausgabe 11/2007, S. 3. Es
ging um die Einwirkung von UMTS-Strahlung auf Menschen
und die Reaktionsfähigkeit bzw. Aufmerksamkeit der Testpersonen.
Angeblich gab es keine Unterschiede zwischen bestrahlten
und scheinbestrahlten Probanden.
Schon in dem Bericht zum FGF-Workshop vom Mai 2007,
den die Forschungsgemeinschaft Funk (FGF) organisiert hatte
(im Januar 2008 erschien der Bericht zu dem Workshop) war
ein seltsamer Umgang mit Forschungsergebnissen zu bemerken.
Ein Thema waren die widersprüchlichen Ergebnisse von
Experimenten zur Genschädigung durch Hochfrequenz (eigentlich
nichts Neues). Der Tenor: Es gibt keine gentoxischen
Wirkungen, und wenn eine Schädigung erfolgte, dann wäre sie
thermischer Natur. Als ob das Problem damit erledigt wäre!
Das Gegenteil ist der Fall. Wenn die Ergebnisse auf thermische
Effekte zurückzuführen sind, dann werden diese eben bei
sehr viel geringeren Strahlungsintensitäten hervorgerufen, als
bisher immer (von den entsprechenden Akteuren) behauptet
wurde. Und dann müssen die Grenzwerte sofort herunter. Auf
dem Workshop referierte u. a. Prof. Niels Kuster von der ETH
Zürich über die Versuchsbedingungen, unter denen die Experimente
zur Untersuchung der Wirkung von elektromagnetischen
Feldern durchgeführt werden. Er meinte, wenn die Biowissenschaftler
mehr mit den Technikern reden würden, wären
die Ergebnisse besser bzw. besser reproduzierbar. Man kann
auch umgekehrt einen Schuh daraus machen: Wenn die Techniker
sich öfter bei den Biowissenschaftlern kundig machen
würden, wäre die Einschätzung der Schädlichkeit von elektromagnetischen
Feldern oftmals realistischer und sachlich der
Realität näher. Bis jetzt ist es überwiegend so, dass Techniker
aus den Biowissenschaften und auch Physiker sich anmaßen,
über Epidemiologie und Abläufe in der Zelle besser Bescheid
zu wissen als die Fachleute, nämlich kompetente Mediziner,
Biochemiker und Physiologen. Es scheint, als wäre der Workshop
nur zu dem Zweck veranstaltet worden, die Experimente
mit wissenschaftlich positiven Ergebnissen in Misskredit zu
bringen. An jedem Befund irgendeiner der betrachteten Arbeit
war ein Fehler zu finden, während die negativen Ergebnisse
automatisch als 100%ig korrekt und akkurat durchgeführt zu
betrachten sind; sie werden jedenfalls nicht diskutiert. Die
Kalibrierung ist angeblich mangelhaft, die Testsysteme ungeeignet
usw., als wären die Wissenschaftler, die positive Ergebnisse
liefern, zu blöd, ihre Arbeit zu machen. Die Diskussion
ging völlig am Problem vorbei, denn es war noch nie ein Geheimnis,
dass mit lebenden Systemen widersprüchliche Ergebnisse
produziert werden. Ursache ist aber neben – selbstverständlich
auch vorkommenden – Fehlern schlicht die Tatsache,
dass lebende Systeme äußerst flexibel und unberechenbar auf
die Umwelt reagieren. Und dazu gehört auch Zellstress. In die
Reihe passen die neuen Meldungen zu den Interphone-Studien.
Einige der beteiligten Forscher bewerten die Ergebnisse offenbar
nun anders als zuvor. Es mutet schon seltsam an, dass,
wenn die Forschung etwas nicht genehmes Signifikantes findet
– z. B. erhöhte Tumorrate am Kopf auf der Seite, an der das
Telefon gehalten wird –diese Ergebnisse prompt auf Irrtümer
verschiedener Art zurückzuführen sind. Es wird den Patienten
beispielsweise unterstellt, dass sie sich nicht richtig erinnern,
wie sie ihr Telefon halten, weil angeblich der Tumor dazu
führt, dass die Leute denken, sie hätten das Telefon immer an
die Tumorseite gehalten. Der Tumor hat ihnen den Verstand
vernebelt? Das ist geradezu albern. Gibt es allerdings keine
signifikanten Unterschiede oder Widersprüche, die Ergebnisse
also geeignet sind, die Bevölkerung zu beruhigen, werden
keine Zweifel am Erinnerungsvermögen der Probanden oder
den Versuchsbedingungen geäußert.
Die Diskussion muss also darum gehen, wie die Widersprüche
gehandhabt, d. h. interpretiert werden, und zwar mit negativen
und positiven Befunden. Wenn in Experimenten Schädigungen
zu finden sind, dann können sie auch im realen Leben
auftreten, mal mehr und mal weniger ausgeprägt, signifikant
oder nicht. Und ebenso können – nicht zu vergessen – negative
Befunde falsch sein oder in die Irre führen.